Tool der Woche Die gefühlte Inflation

Die Inflation in Deutschland ist extrem niedrig. Doch Experten rechnen mit einer anziehenden Teuerungsrate. Verbraucher spüren längst, dass sie weniger für ihr Geld bekommen. Berechnen Sie Ihre persönliche Inflation.
Update: 05.12.2013 - 15:02 Uhr 33 Kommentare
Beim Einkaufen haben viele Kunden oft das Gefühl: Es wird immer teurer. Quelle: Getty Images

Beim Einkaufen haben viele Kunden oft das Gefühl: Es wird immer teurer.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfAlles wird teurer! So fühlt es sich zumindest an. Dass die monatlich veröffentlichte Inflationsrate etwas anderes sagt, mag der normale Verbraucher beim Blick auf seinen Kontoauszug oder auch nur den Kassenzettel im Supermarkt kaum glauben. Gerade mal um 0,9 Prozent sollen die Preise im November im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen sein. Im Oktober war die Teuerung sogar noch geringer, sie lag bei 0,7 Prozent.

Und die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet für den Euro-Raum sogar noch bis 2015 mit einer niedrigen Inflation. Nach den neuesten Prognosen vom Donnerstag erwarten die Währungshüter im laufenden Jahr eine jährliche Teuerung im Euro-Raum von 1,4 Prozent (bisher: 1,5) und 2014 von 1,1 Prozent (bisher: 1,3). Auch danach werde sich der Preisauftrieb kaum beschleunigen.

Dennoch sind viele Experten überzeugt, dass die Inflationsrate weiter steigen wird. Ulrich Kater beispielsweise rechnet mit eineinhalb Prozent Inflation im kommenden Jahr. Die zuletzt recht niedrigen Werte hätten damit zu tun, dass Euro-Land zuvor sechs Quartale lang in der Rezession gewesen sei. Das wirke sich verzögert dämpfend auf die Inflation aus. „Da die Wirtschaft aber wieder anzieht, sollte dies auch wieder leichte Impulse bei den Preisen geben“, sagt der Chefvolkswirt der Dekabank.

Frank Naab, Leiter Portfoliomanagement bei Metzler Private Banking, geht ebenfalls von einer langsam steigenden Inflationsrate aus. „Der Preisdruck entsteht jedoch nicht vordringlich aufgrund der oftmals beschworenen Liquiditätsschwemme der Notenbanken, sondern vielmehr aufgrund klassischer Kostendruckargumente“, sagt er. „Ein nur langsames Wachstum unseres Kapitalstocks, geringe Produktivitätszuwächse und steigende Löhne dürften zukünftig die wesentlichen Gründe für steigende Inflationsraten sein.“

Auch Harald Preißler rechnet mit steigenden Inflationsraten in Deutschland. „Der Lohntrend ist hier dank der günstigen Arbeitsmarktentwicklung stabil aufwärtsgerichtet. Die Konjunktur zieht an, was den Unternehmen die Preisüberwälzung erleichtert“, begründet der Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers Bantleon. „In Anbetracht dessen dürfte die deutsche Teuerungsrate bereits in der zweiten Jahreshälfte 2014 wieder die Zwei-Prozent-Marke überschreiten und 2015 stramm in Richtung 2,5 Prozent marschieren.“ Damit liegt seine Prognose über der Katers.

Metzler-Experte Naab geht sogar noch weiter: „Tatsächlich ist der Preisdruck schon heute zu spüren“, sagt er. „Lässt man die volatilen Energiepreise einmal unberücksichtigt, so hat sich die harmonisierte deutsche Inflationsrate von circa 0,5 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt knapp 1,5 Prozent beschleunigt. Für das kommende Jahr gehen wir hier von einem weiteren Anstieg auf zwei Prozent aus, bevor in 2015 Raten um die drei Prozent erreicht werden dürften.“

Die gefühlte Inflation ist also etwas sehr Subjektives
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33 Kommentare zu "Tool der Woche: Die gefühlte Inflation"

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  • Den Unterschied zwischen gefühlter und wirklicher Infaltion gibt es, solange es Preise gibt. Das ist völlig unabhängig vom Namen der Währung, die wir gerade haben. Die meisten heute in Deutschland lebenden Menschen kennen eine Inflation, die der Wirtschaft gefährlich werden könnte, doch überhaupt nicht mehr, da die Inflationsrate in den letzten 64 Jahren nie über 7,6 % hinauskam. Und die 7,6% gabe es 1951. Eine deutlich gesteigerte Inflation gab es noch in den 70er Jahren, Anfang der 80er Jahre und nach der Wiedervereinigung. Seit fast 20 Jahren liegt die Inflationsrate um die 2%.

    Offensichtlich nehmen wir Preissteigerung erheblich deutlicher wahr als Preissenkungen. Das wird sich wohl nie ändern.

    Unabhängig von der Wahrnehmung ist aber eine immer wiederkehrende Argumentation zu beobachten, die wohl in Unkenntnis der Berechnung einer Inflationsrate erfolgt. Immer wieder wird argumentiert, dass die selten gekauften Gebrauchsartikel (Elektronik, Autos) doch nicht in den Warenkorb gehören und das Ergebnis verfälschen, weil ein Fernseher doch nur alle 10 Jahre gekauft wird und die Wurst jeden 2. Tag.

    Hier rennt man offene Türen ein. Selbstverständlich werden die einzelnen Preissteigerungen gewichtet. Wenn die Miete im Mittel 30 % der Haushaltsausgaben ausmachen und die Ausgaben für Elektronik 10 % dann werden Mietsteigerungen natürlich gegenüber Elektronik auch 3-fach gewichtet. Es werden keinesfalls einfach nur die Preisveränderungen von ca. 750 Gütern zusammen gezählt und ein Mittelwert gebildet. Jedes einzelne Gut wird entsprechend seinem Anteil an den monatlichen Ausgaben eingeordnet.

    Warenkorb und Gewichtung werden regelmäßig angepasst, weil sich das mit unseren Lebensgewohnheiten ändert.

    Was natürlich bleibt, sind die unterschiedlichen Konsumverhalten. Ein Fernsehabstinenzler wird nie in den Genuss der preiswerter werdenden Fernsehgeräte kommen und einem Veganer weden die gestiegenen Preise von Milchprodukten völlig egal sein.

  • Komisch, "Die Inflation in Deutschland ist extrem niedrig."

    Nur wird alles extrem teurer!!! Liegt vielleicht eine niederträchtige Wahlwerbung vor???
    ??????????????????????????????????????????????????????????

  • Was ist denn nun schlimmer Inflation oder Deflation? Deflation ist doch meiner Ansicht nach ein viel besorgniserregenderer Indikator als Inflation für die Wirtschaft.

  • hallo Schneewittchen, natürlich haben wir Inflation in D, z.B. durch die Billggeldpolitik der EZB Vermögenswerte Inflation bei Immobilien, Aktien, Anleihen und für Sparer niedrigere Zinsen, als die Inflation ist. Der Warenkorb gibt doch nicht die Wirklichkeit wider. Beim Fernseher, Auto, PC usw. kann ich es mir doch aussuchen, ob ich mir dieses Jahr einen neuen leiste, oder erst nächstes Jahr. Bei Lebensmittel und Energie kann ich das nicht oder kann nur bedingt sparen. Dass höhere Löhne auch zur Inflation beitragen ist ja richtig. Aber als Unternehmer müssen Sie höhere Personalkosten dann durch höhere Produktivität ausgleichen. Betriebe, die das nicht können, verschwinden vom Markt.

  • "Wo am Warenkorb liegt ihrer Meinung nach der Haken? Warum ist er nicht repräsentativ?"
    ---
    Weil in einen Warenkorb keine Gegenstände gehören, die man alle Jubeljahre mal braucht. Zudem haben Elektrogeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Video- und Photokamera grundsätzlich eine starke Preistendenz nach unten, was die Inflationsrate imho stark verfälscht, genauer gesagt, schönt. Kaufen Sie jedes jahr eine neue DSLR, einen neuen Computer, einen neuen Breitfernseher, eine neue Waschmaschine? Sehen Sie, ich auch nicht. Ich bleibe dabei, in den Warenkorb gehören nur Dinge des *täglichen* Bedarfs (und nichts, was irgend wie unter "Luxus" zu verbuchen wäre, wie z.B. Restaurant- oder Kinobesuche), vom Aufschnitt über Heizöl bis zur Zeitung, vom Brot über Tiernahrung für Hund und Katz bis zur Windel!
    Wenn man das berücksichtigt und ein wenig rechnet, landet man reproduzierbar bei 6...8% Inflationsrate pro Jahr.
    Nicht vergessen, Politiker sind notorische Lügner, die sich die Welt machen, wie sie ihnen in den Kram paßt, Hauptsache, man wählt sie wieder!

  • Morgen ist ein guter Tag um physisches Gold zu kaufen. Der Goldpreis wird in einem freien Markt unter die Marke von 1'200 USD pro Unze fallen. :-)

  • Die Lohnsteigerungen sind doch die Folge von Inflation. Erst erhöhen die Notenbanken die Geldmenge (Bernanke und Draghi drucken Billionen von EUR und USD). Dann steigen die Preise. Und weil die Preise steigen, fordern die Menschen mehr Lohn und Gehalt. Das aus dem Nichts erschaffene Geld bahnt sich nun seinen Weg in die Warenwelt.

  • Ja - das hedonische Prinzip,oder wie immer das heißt.
    Also gesteigerter Lustgewinn am verbesserten Produkt.
    Da wird die Inflation heruntergerechnet.

    Und umgekehrt?: Die wachsende Unlust durch schlechte
    Leistung, die wird natürlich nicht inflationssteigernd
    eingerechnet:
    Das Postamt, das geschlossen wurde, oder dass ich bei der
    Kindergeldstelle keinen Ansprechpartner mehr habe, der die Situation meiner Familie kennt, sondern,
    wenn ich in Berlin anrufe, sich eine Stimme aus Gießen
    meldet und mir treuherzig versichert: Nein Ihren Antrag,
    den habe ich hier nicht auf dem Bildschirm. Dann schreiben Sie den doch einfach noch mal neu! etc, etc. etc.

  • Grundsteuer 1990 28,57 DM, 1999 100 €, 2013 366,79 € = +2.565 %
    Reisepass 2E u. 2K 2004 52 € Kinder konnten mit eingetragen werden, 2005 neuer Ausweis, kein Eintrag für Kinder 193 € = +371 %
    Plakette Umweltzone bisher 0 jetzt 7,50 € = + °°

  • Leider brauche ich nicht jedes Jahr einen neuen Fernseher oder eine neue Waschmaschine, auch das Auto hält etwas länger als ein Jahr.
    Für mich ist Teuerung wenn die Artikel die ich für mein tägliches Leben brauche, wie Nahrung, Strom, Wasser, Heizung ect. ppe.
    Luftschlösser brauche ich nicht und deswegen braucht die mir keiner in die Inflationskosten mir rein rechnen.
    Wenn dieser staatliche Betrug nicht so perfekt funktionieren würde, dann hätten wir wohl Inflationsraten von mehr als 6 %.
    Fragen sie mal einen normalen Durchschnitts-Rentner, was Inflation für ihn ist.
    Bitte aber nicht keinen Beamten Pensionär, denn denen wird es in den Allerwertesten geschoben.

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