Tool der Woche Die Zinsnöte der Lebensversicherer

Die mageren Renditen für sichere Anlagen sorgt für Unruhe bei den Versicherern. Eine Umfrage zeigt, dass viele für Turbulenzen an den Finanzmärkten noch nicht gerüstet sind. Womit Versicherte rechnen müssen.
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Lohnt sich die Lebensversicherung noch?

Die deutschen Versicherer haben den Ballsport für sich entdeckt. Wenn am Wochenende die Bundesliga spielt, dann oft in den Stadien mit dem Namenszug der dort ansässigen Gesellschaften. Hannover 96 spielt in der „HDI Arena“, Borussia Dortmund im „Signal Iduna Park“ und Bayern München in der „Allianz Arena“.

Das Engagement ist ziemlich teuer. Die Allianz zahlte rund 110 Millionen Euro für 8,33 Prozent der Aktien der FC Bayern München AG, Audi und Adidas halten gleich hohe Anteile. Damit sicherte sich der Versicherer auch die Namensrechte des Münchener Stadions bis zum Jahr 2041.

Solche Investments sind in Zeiten des Zinstiefs ein zweischneidiges Schwert. Kunden könnten monieren, dass angesichts sinkender Verzinsung immense Summen für ein samstägliches Spektakel verschwendet werden. „Wir haben Aktionärsgeld in den FC Bayern investiert, um damit unser weltweites Geschäft zu unterstützen, wir haben nicht Versichertengeld investiert“, rechtfertigt sich Joseph Gross, Head of Group Market Management bei der Allianz SE. „Die Überschussrendite sinkt zuallererst, weil die Geldpolitik seit Jahren eine Niedrigzinspolitik verfolgt“.

Abseits der Fußballplätze haben die Versicherer derzeit nur wenig Grund zum Jubeln. Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung Mutaree in Zusammenarbeit mit Handelsblatt Online unter 282 Versicherungs-Managern sehen neun von zehn Befragten die Entwicklung auf den Kapitalmärkten als die größte Herausforderung für die Branche.

Und für die nächsten Jahre gibt es keine Entwarnung: 94 Prozent sehen mit Sorge auf die Finanzmärkte, auf denen sie Kundengelder mit immer niedrigeren Renditen anlegen. Es gibt echte Probleme in der Branche, so verfügen bei den derzeit gültigen Kapitalanforderungen (Solvency I) mehr als ein Drittel der Lebensversicherungsunternehmen nach Aussagen des Finanzstabilitätsberichts 2013 der Deutschen Bundesbank unter einem „verschärften Stressszenario“ nicht mehr über die geforderte Solvabilität – noch schlechtere Ergebnisse sind unter Solvency II zu erwarten.

Die Branche hat Nachholbedarf. 25 Prozent der Befragten erklärten, dass ihre Unternehmen bereits Maßnahmen zur Absicherung vor Kapitalmarkt-Turbulenzen gestartet aber noch nicht abgeschlossen haben. Acht Prozent der Befragten sehen es als unwahrscheinlich an, dass ihr Unternehmen in der nächsten Zeit für die Herausforderungen an den Märkten gewappnet ist. „Die Versicherer stehen vor einem Ausleseprozess, vor allem in der Lebensversicherung“, sagt Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Mutaree. Versicherer mit guter Risikotragfähigkeit werden aber weiter Garantien geben. Mit dem Lebensversicherungs-Schnell-Check auf Handelsblatt Online lassen sich Policen individuell vergleichen.

Die niedrigen Renditen von Anleihen und Zinspapieren sorgen für große Ängste in der Branche. Drei Viertel der Befragten sehen das andauernde, historische Zinstief als eine „große Bedrohung“ für die Lebensversicherer an. Zum Vergleich: eine Verschärfung der Staatsschuldenkrise halten nur 20 Prozent für bedrohlich, ein Auseinanderbrechen des Euros fürchten nur acht Prozent der Befragten.

Düstere Aussichten für die Kunden
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10 Kommentare zu "Tool der Woche: Die Zinsnöte der Lebensversicherer"

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  • Man kann es als Verbraucher nicht einmal nachrechnen. Und die Vertreter können es auch nicht.

    Darf man dann derartige Produkte noch verkaufen? Wenn wir den Verbraucherschutz etwas ernst nehmen, dann muss an diesem Punkt Schluss sein. Dann kann man nämlich die ganzen Beratungsprotokolle gleich in die Tonne werfen.

    Die Beratungsprotokolle waren ohnehin nur Nebelkerzen, um dem Kunden nicht vorhandenen Sachverstand vorzugaukeln.

  • Kapitallebensversicherungen laufen ein halbes, schlechtestenfalls ein ganzes Leben. In dieser Zeit gehen die Zinsen mehrfach hoch und runter. Dieses übliche Einschlagen auf Lebensversicherungsverträge kenne ich so lange ich mich erinnern kann. Ich habe 1985 einen Vertrag mit 3,5 Grundzins abgeschlossen, was war das Geschrei der sogenannten Experten groß: So niedrig, da ist doch der Sparvertrag, die Aktie, der Fond viieel besser. ääh: Sparvertrag...wieviel % zur Zeit? Aktie: Sturz vor 10 Jahren vergessen? Wie lange bleibt wohl der jetzige Höhenflug? Ich habe immer noch 3,5%, dazu kommt noch mein Überschuß, der jetzt natürlich gegen 0 tendiert, aber besser als alles was sonst auf dem Markt mit gleicher Sicherheit sich tummelt.
    Schreit weiter, Experten :-)

  • "Mangel an Fachkräften bei den Versicherern"

    Wie in diesem Artikel beschrieben, Fachkräftemangel auch bei den Versicherungen.
    Jetzt kann man auch die Weitsicht der Großparteien, der Grünen und die Arbeitgeberverbände verstehen, die einer ungebremsten Zuwanderung von Fachkräften wohlwollend gegenüber stehen.

  • Wir sind 2014 tatsächlich schon soweit, dass Banken Versicherungsverkäufer (keine gelernten Kaufleute)preiswert zum Kreditverkaufen anstellen und dazu verpflichten ihr eigenes Gehalt durch den zusätzlichen Verkauf von Kapitallebensversicherungen und/ oder Bausparverträgen aufzubessern....das kann jede pfiffige Putzfrau

  • Jeder Sparplan ist günstiger, als eine LV. Der Deutsche denkt aber immernoch, es das Allerheilmittel. Fondssparen ist günstiger und ertragreicher und man hat keine horrenden Gebühren und laufende Kosten

  • Die Mißstände liegen im Kopf der Deutschen, die diesen Murks mit Namen Kapitallebensversicherung immer noch kaufen. Und solche Leute wollen mündig genannt werden....

  • Lebensversicherer und ihre Zinsnöte.
    Auf sowas hatten wir doch noch gewartet: Geld kassieren ohne ein ausgereiftes Produkt anbieten zu können.

  • M.E. liegt das Problem in einer mangelhaften Aufsicht. Letztlich ist es eine "Aufsicht", die sich als Lobbyismus entpuppt.

    Die BaFin muss statt vom Bundesfinanzministerium vom Verbraucherschutzministerium überwacht und kontrolliert werden. Die Missstände sind schon lange bekannt.

  • Die Zinsen können systembedingt nicht mehr steigen!

    Warum?

    Weil es kaum noch neue Schuldner gibt die die Zinsen zahlen können!!!

    Geld entsteht nur über Kredit.

    Geld = Schuld

    Jeder Euro/Dollar/Yen der im Umlauf ist, wurde den Staaten, Unternehmen und Menschen nur geliehen, und muss plus Zinsen an die internationalen Bankster zurückgezahlt werden!!
    ( Privatbanken bzw. deren Eigentümer haben das Geldmonopol! )

    Erst kürzlich meldete die Allianz, dass das weltweite Geldvermögen auf Rekordhöhe von 111 Bio. Euro gestiegen sei - trotz der Schuldenkrise, hieß es dann oft in Kommentaren. Dabei ist dies gar kein Gegensatz, sondern eher eine logische Konsequenz. Zu dieser Seite der Medaille hat die Allianz aber nichts gesagt: Wenn das Geldvermögen wächst, was wir alle wünschen, müssen auch die Schulden wachsen.

    Unserem Geldvermögen auf der einen Seite müssen zwangsläufig ebenso hohe Schulden gegenüberstehen.

    Wieviele Menschen, Unternehmen, Staaten müssen sich bei 111 Bio. Euro weltweitem Geldvermögen verschulden um die Zinsen aufzubringen?

    Ein Grundübel des aktuellen Schuldgeldsystem ist das vorherrschende System des Zinses-Zins.

    Anders als bei natürlichen System die linear wachsen, besteht das Zinses-Zins-System aus dem exponentiellen Wachstum der Schulden.

    Am Ende dieses Systems muss der Zusammenbruch stehen, weil die Schuldner für die exponentiell angewachsenen Schulden nicht mehr aufkommen können. Damit wird auch das derzeitiges Schuldgeldsystem über kurz oder lang zusammenbrechen.

    Es gibt alternative Geldsystem ohne Zinsen und Zwang zu immer mehr Wachstum.

    Das Problem dabei dürfte allerdings weniger sein, dass dieses nicht funktioniert, sondern dass die bisher vom Zinssystem profitierenden Kreise eine solche Lösung nicht wünschen.

    Warum erfahren wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nie etwas über das Schuldgeldsystem der internationalen Bankster?

  • Das größere Problem könnte sein, wenn es sich mehr herumspricht, wie dumm eine solche Kapitallebensversicherung heute bereits ist.
    Aber die Deutschen sind ja so ausgesprochen gewieft im Umgang mit ihrem Kapital.
    Und der Strukturvertrieb witzelt weiter über seine eigenen, dummen Kunden.
    Kunden, die am Nasenring der Versicherung laufen.

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