Tool der Woche: Festgeld Beim Festgeld dürfen Sparer nicht zu viel erwarten

Wer Kapital zu planbaren Konditionen parken möchte, findet ein paar magere Festgeldangebote. Besser als Sparbücher sind sie aber allemal.
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Viel Rendite suchen Sparer beim Festgeld vergeblich. Noch geringer sind die Erträge jedoch bei Spareinlagen. Quelle: dpa
Münzen mit geringem Wert

Viel Rendite suchen Sparer beim Festgeld vergeblich. Noch geringer sind die Erträge jedoch bei Spareinlagen.

(Foto: dpa)

FrankfurtSicherheit kostet – der bekannte Ausspruch wird wohl für Sparer in Deutschland noch eine Weile gelten. Denn die Leitzinsen in der Euro-Zone dürften trotz anziehender Inflation bis weit ins kommende Jahr hinein bei null bleiben, wie Zinsexperten erwarten.

Sparer könnten also Geld für ein halbes oder ein Jahr fest auf ein Konto legen, ohne höhere Zinsen zu verpassen. Viel erwarten sollten sie zwar nicht. Ein Vergleich der Angebote lohnt dennoch.

„Wer sein Geld zu einem festen Zins auf ein Konto legt, muss sich bescheiden“, bestätigt Sigrid Herbst vom Frankfurter Finanzdienstleister FMH-Finanzberatung. Der Hintergrund ist klar: Sparern in der Euro-Zone dürften die rekordtiefen Zinsen auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Die meisten Zinsexperten erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins erstmals rund ein halbes Jahr nach Ende des Anleihekaufprogramms erhöhen wird. Und das Programm wird nach Schätzungen bis Ende 2018 laufen.

EZB-Chef Mario Draghi könnte also vor dem Ende seiner Amtszeit im Oktober 2019 noch an der Zinsschraube drehen. Je nach Entwicklung der Konjunktur und der Inflation in der Euro-Zone erwartet etwa Jens Wilhelm, für das Fondsmanagement zuständiger Vorstand beim genossenschaftlichen Fondsanbieter Union Investment, dass Draghi auch schon im Frühjahr kommenden Jahres erstmals den Leitzins erhöht. Für Sparer hat das direkte Folgen: Die Banken und Sparkassen orientieren sich bei ihren Zinsen für Spareinlagen am Leitzins.

Trotz aller Magerkost bei den Zinsen macht es nach Ansicht von FMH-Expertin Herbst Sinn, die Konditionen zu vergleichen. Denn es gibt Unterschiede – mit dem Handelsblatt-Festgeld-Rechner können Sparer verschiedene Angebote vergleichen. Im Durchschnitt zahlen Banken und Sparkassen gerade mal 0,18 Prozent für Festgeld über ein Jahr. Und viele Geldhäuser bieten solche Konten gar nicht mehr an – vor allem Sparkassen und Volksbanken sparen sich diese Angebote gern, wie Herbst sagt.

Noch geringer allerdings ist die Ausbeute auf Sparkonten: Der Zins für klassische Sparbücher liegt inzwischen im Mittel bei 0,03 Prozent. Mit „klassisch“ gemeint sind Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist, von denen die Inhaber monatlich 2000 Euro frei abheben können.

Festgeld über ein Jahr bringt einen Hauch mehr. Bei der deutschen Tochter der gleichnamigen türkischen Akbank erhalten Sparer für Festgeld über ein Jahr 0,75 Prozent und für sechs Monate noch bis Ende Februar 0,7 Prozent pro Jahr. Die estnische Big Bank zahlt die gleichen Sätze. Dort muss der Sparer jedoch mit einem verringerten EU-Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person leben. Die Akbank gehört dagegen dem Einlagenschutz des Bundesverbands deutscher Banken an. Bei ihr sind gut 115 Millionen Euro pro Sparer abgesichert.

Über Onlinevermittler locken vor allem ausländische Kreditinstitute mit überdurchschnittlichen Zinsen. So zahlt die Blue Orange Bank aus Lettland 1,17 Prozent Zinsen im Jahr über den Vermittler Weltsparen. Die tschechische J&T Banka bietet 1,15 Prozent Zinsen für Festgeld für ein Jahr. Bei der rumänischen Alpha Bank Romania bekommen Sparer 1,11 Prozent Zinsen im Jahr über den Vermittler Zinspilot.

Allerdings müssten Sparer ihr Kapital bei einer Pleite in dem Land der Bank einklagen. Und im Fall der Alpha Bank hätten Sparer nach dem EU-Einlagenschutz ebenfalls nur einen Anspruch auf den Gegenwert von 100.000 Euro in rumänischen Lei. Verbraucherschützer raten Sparern daher immer wieder davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Auch danach können Sparer im Handelsblatt-Festgeld-Rechner filtern.

Länger laufende Sparangebote gibt es nach Aussage von FMH kaum noch. Und wenn, bieten diese meist noch weniger Zinsen. So zahlt die Commerzbank demnach auf einem Sparkonto mit zwölfmonatiger Kündigungsfrist ganze 0,02 Prozent Zinsen pro Jahr.

Auch wer akribisch Angebote vergleicht, kommt aus einem Dilemma nicht heraus: Auf allen Festgeldkonten verbrennen Sparer real – also nach Abzug von Inflation – Geld. Denn das Preisniveau in Deutschland ist zuletzt wieder um 1,6 Prozent gestiegen. Daher ist nicht von der Hand zu weisen, was Finanzberater und Verbraucherschützer gebetsmühlenartig predigen: Auf Konten sollte jeder nicht viel mehr als seine eiserne Reserve und bei Bedarf Kapital zum Nachkaufen von Wertpapieren parken. Das A und O zum langfristigen Aufbau von Vermögen bleibt der persönlich passende Mix aus verschiedenen Anlagearten.

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