Tool der Woche – Riester-Rente 15 Jahre und auf dem Prüfstand

Die staatlich geförderten Zusatzrente fürs Alter wird intensiv diskutiert. Zum 15. Geburtstag will die Bundesregierung die Förderbedingungen der Riester-Rente verbessern. Ob sie sich lohnt, zeigt ein Vergleichsrechner.
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Mit einer guten Altersversorgung lässt es sich im Ruhestand entspannter Sport treiben. Quelle: dpa
Sport im Alter

Mit einer guten Altersversorgung lässt es sich im Ruhestand entspannter Sport treiben.

(Foto: dpa)

FrankfurtNun ist sie schon 15 Jahre alt und noch immer umstritten, die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester benannte private Förderrente. Teuer, starr, oft renditeschwach und bei ihrer eigentlichen Zielgruppe zu wenig verbreitet, lautet die Kritik an der Riester-Rente.

Anfang 2002 wurde die Zusatzrente mit dem „Altersvermögensgesetz“ eingeführt. Doch die heutige Arbeitsministerin Andrea Nahles lässt sich nicht beirren und hat eine Reform angestoßen. Ende vergangenen Jahres einigte sich die Bundesregierung auf einen Gesetzentwurf zur Reform der Betriebsrente, mit dem auch die Riester-Rente verbessert werden soll.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Denn sozialpolitisch betrachtet hat die Riester-Rente ihr Ziel in der Tat bisher nicht erreicht: Die Zahl der Verträge stagniert bei rund 16,5 Millionen. Damit riestert gut die Hälfte der förderungswürdigen Arbeitnehmer, Beamten, Hausfrauen. Aber nur gut zwölf Millionen Vertragsinhaber erhalten die begehrten staatlichen Zulagen, ein Fünftel der Verträge ruht. Und vor allem Geringverdiener, die mit Hilfe eines Riester-Vertrags die Lücke aus der abschmelzenden gesetzlichen Rente stopfen sollen, haben oft keinen Vertrag.

Diejenigen, für die die Förderrente als besonders attraktiv gilt - Familien mit unterdurchschnittlichem Einkommen und mehreren Kindern - , riestern offenbar besonders wenig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW errechnete für 2015, dass 38 Prozent der heutigen Fördersumme von immerhin drei Milliarden Euro das obere Fünftel einkommensstarker Bürger im Land einstrich. Die unteren 20 Prozent erhielten nur sieben Prozent.

Nun sollen einige Riester-Hürden beseitigt werden. Stark kritisiert wurde, dass Niedrigverdiener ihr angespartes Riester-Vermögen bisher auf eine Grundrente anrechnen müssen. Nun will die Bundesregierung einen Freibetrag für die Anrechnung von Riester-Kapital auf die Grundsicherung schaffen. Bis zu 202 Euro Riester-Rente im Monat sollen ausgenommen werden.

Außerdem soll die staatliche Förderung steigen: Die Riester-Grundzulage für jeden Vertragsinhaber soll 165 Euro im Jahr betragen statt bisher 154 Euro. Familien bekommen generell zusätzlich für jedes Kind 185 Euro Zulage jährlich, für nach 2008 geborenen Nachwuchs sogar 300 Euro.

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