TV-Kritik „Hart aber fair“ „Geld-Trauertag“ in der ARD

Bankgebühren zum Wohle der Kunden? Bei „hart aber fair“ hatte diese Logik ihren Platz – genau wie jammernde Banker und hilflose Politiker. Die Kernfrage, ob sich Banken auf Kosten der Kunden retten, blieb dabei offen.
20 Kommentare
Heftig diskutiert: Müssen Sparer das Zinstief ausbaden, um Banken zu Gewinnen zu verhelfen? Quelle: dpa
Heftig

Heftig diskutiert: Müssen Sparer das Zinstief ausbaden, um Banken zu Gewinnen zu verhelfen?

(Foto: dpa)

MoskauDie Frage des Abends kam zum Schluss: „Stellen Sie sich vor, ihre Mutter würde ihr Erspartes sicher anlegen wollen. An wen von den Gästen würden Sie sich wenden?“, fragte Moderator Frank Plasberg die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht am Ende seiner Talkshow „hart aber fair“ am Montag. Thema: „Minuszinsen, Extra-Gebühren – retten sich die Banken auf Kosten der Kunden?” Wagenknecht schaute verdutzt, antwortete, dass sie ihre Eltern selbst beriete und zog damit etwas unfreiwillig das Fazit der Sendung: Beim Thema Geld ist nur aufs eigene Geschick Verlass.

Die Runde der möglichen Anlageberater konnte sich durchaus sehen lassen: Neben Wagenknecht teilten sich der Chef des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans, Finanztest-Chefredakteur Heinz Landwehr und der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, die roten Sitze. Nur: Etwas, was Kunden ihr Erspartes wieder mit Zuversicht zur Bank bringen ließe, haben die Gäste nicht gesagt. Stattdessen: Banker-Gejammer und hilflose Politik-Statements.

Nach 75 Talk-Minuten verfestigte sich beim Zuschauer der Eindruck, dass die Geldpolitik der niedrigen Zinsen Mario Draghis hat die Bankenwelt sehr, sehr traurig gemacht. Wie passend, dass Moderator Plasberg den bevorstehenden Weltspartag (28. Oktober) kurzerhand zum „Geld-Trauertag” erklärte. Besonders betroffen präsentierte sich Chef-Genosse Uwe Fröhlich. Worte wie „leiden“ und „getroffen sein“ kamen so häufig von seinen Lippen, dass man am Ende fast geneigt war, den Mann zu trösten.

„Wir leiden alle unter der Niedrigzinspolitik der EZB“, sagte er in einem Ton, als seien Geldhäuser zarte Lebewesen, deren Gefühle verletzt werden könnten. Da müsse man auch verstehen, dass man als Kunde in dieser Situation kein Recht auf ein kostenloses Konto hätte. Und überhaupt: Für ein so gut ausgebautes Filialnetz, wie die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken es hätten, solle man „bitteschön auch bezahlen”. Ein Recht auf ein kostenloses Konto ließe sich auch in einer sozialen Marktwirtschaft nicht durchsetzen. Kritik an der Gebührenpolitik einzelner Institute, etwa an der Volksbank Ermstal-Alb, die von ihren eigenen Kunden Geld fürs Geldabheben verlangt, findet Fröhlich „unfair”.

Dann doch lieber eine Vermögenssteuer?
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

20 Kommentare zu "TV-Kritik „Hart aber fair“: Beim Geld ist sich jeder selbst der Nächste"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gegen die Weitergabe von Kosten ist nichts einzuwenden. Es entspricht kaufmännischem Verhalten. Vielleicht wäre etwas mehr Transparenz hilfreich. Nullzinsen und Gebühren bedeuten im Ergebnis Negativzinsen. Warum nennt man das Kind nicht gleich beim Namen? Es ist die Zinspolitik der EZB, die Anpassungen in der Bankenlandschaft nötig macht. Dahinter steht aber ein grandioses Versagen der Politik. Niedrig-, Null- und Negativzinspolitik der EZB sind notwendig geworden, um der europäischen Politik nach der verfrühten Einführung des Euro Zeit zu geben, dessen Konstruktionsmängel zu beseitigen. Leider hat die Politik zumindest bislang auch diese „zweite Chance“ nicht genutzt. Grundlegende Reformen mit dem Ziel, wirtschaftliche Leistungskraft und finanzielle Stabilität in allen Euro-Ländern zu erreichen? Fehlanzeige! Vor allem sinkenden Ölpreisen war es über viele Jahre zu verdanken, dass Niedrigzinsen nicht mit Verlusten der realen Zinserträge einhergingen. Doch diese Phase dürfte jetzt vorüber sein. Wenn erst einmal die Preis-Lohn-Preis-Spirale in Bewegung kommt, könnte auf Dauer auch die soziale Stabilität ins Wanken kommen. Und das dürfte dann nicht einmal mehr Herrn Draghi gefallen. Und unseren Politikern, die gerne von einer Entpolitisierung der Politik profitiert haben, droht jetzt ein rauer Gegenwind.

  • @Herr Ulrich Groeschel, 25.10.2016, 11:51 Uhr

    So hab' ich es auch immer gehalten. Ich habe mich noch nie beraten lassen, sondern immer nur gesagt: "Das und das will ich haben".

    War, insgesamt gesehen, kein Fehler.

  • @Harald Trautmann
    Mann oh Mann!
    OHNE GEWINN kann KEIN Unternehmen/Geschäft überleben. Auch Sie können OHNE Gewinn sich nicht den Wohlstand in Form von LEBEN leisten. Ohne Gewinn wäre für Sie jeder Tag eine Tag es Überlebenskampf!
    Und zu Tschernobyl nur soviel....Sie können schon seit Jahren nach Tschernobyl reisen und dort Urlaub machen. Die Tier und Pflanzenwelt blüht dort regelrecht auf nachdem der Mensch die Gegend verlassen hat.
    Mehr ungestörtes und freies Natur Paradies geht nicht!

  • Wer sein Geld anlegen will sollte sich in überregionalen Zeitungen informieren und auch im Web auf Finanzseiten. Anschließend geht man zu einem Geldinstitut.

  • Mich würden auch mal die Spätfolgen von Tschernoby interessieren.
    Gibt es dazu Studien, die einen erhöhte Krebszunahme und Todesfälle in Bezug auf die Strahlung und Umweltverseuchung durch den Tschernobyl-Unfall aufzeigen?

  • Was mit den 4,321 Mio. Hartz IV Beziehern und den 2,9 Mio. Arbeitslosen passiert weiss ich nicht?
    Wahrscheinlich bleiben sie weiter erwerbslos, da ja auch die Jobs bei der Bundesagentur für Arbeit und in den Jobcentern erhalten werden müssen. Was sollen die ganzen Beamten und der Öffentliche Dienst denn sonst tun, wenn sie niemanden mehr zum drangsalieren und verwalten haben.

  • Profit für die Energiekonzere (gibt ja eh nur 4-5 große, die sich den Markt aufteilen) ist eben nicht alles @ Hofmann!
    Entweder sind Sie Energiekonzernlobbyist oder lernresistent, oder halten Aktien von Energiekonzernen.
    Anders lassen sich mir ihre ständig gleichen Postings gegen Grünsozialisten und EEG nicht erklären.
    Auch habe ich nicht den Eindruck, dass es den deutschen Großkonzernen schlecht geht, laut Merkel & Co. haben wir nahezu Vollbeschäftigung und sind ein reiches Land.
    Merkel: „WIR SCHAFFEN DAS!“ > nicht nur den „jungen männlichen Schutzsuchenden“ zu helfen, sie in die christlich geprägten westlichen Gesellschaften zu integrieren und ihnen sozialversicherungspflichtige gutgezahlte Vollzeitarbeitsplätze zu verschaffen, nein auch die Energiewende. DU BIST DEUTSCHLAND! ;-)
    Also packen WIR es an! :-)

  • Ein Land muss eben einmal anfangen, die Energieversorgung umzustellen, weg von der Kernkraft.
    Nun ist Deutshcland dieses Land, der Vorreiter, der zeigen kann, dass es mit der Energiewende funktioniert.
    Und ganz ehrlich, ich bin gerne bereit, etwas mehr für kernkraftfreien Strom zu bezahlen.
    Dann trinke ich halt zwei Bier weniger, so what?
    Wenn ich sehe, wieviel z. Bsp. bei landesweiten Oktoberfesten versoffen und verfressen wird, dann kann man den Menschen getrost zumuten, ein paar Euro mehr für saubere Energie zu bezahlen.

  • Hallo Rainer,

    das ist mir schon alles klar, dass die Franzosen z. Bsp. im Elsass noch ihre alten maroden Kernkraftwerke betrieben und es jederzeit dort zu einem GAU kommen kann.
    Wenn es dann Wetter- und Windmässig dumm läuft, zieht der ganze verstrahlte Dreck dann zu uns und regnet hier ab und verseucht die Böden. Tschernobyl lässt grüßen. Fragen sie mal in Bayern und Süddeutschland heute bei den Pilzsammlern und Jägern nach. Bis heute sind dort erhöhte Strahlungswerte zu messen. Der GAU von Tschernobyl fand vor 30 Jahren statt (1986).
    Siehe hier Tagesschau von 29.04.1986:
    https://www.youtube.com/watch?v=9n977DCuNF0

  • - Zu einem Wasserverlust von 280 000 Litern aus dem Brennelementbecken (BE-Becken) kam es am 17. Juni 2010, es fehlten nur noch 6 cm, bis ein Strang des BE-Beckenkühlsystems ausgefallen wäre. Dies wurde der Aufsichtsbehörde nicht gemäß AtSMV gemeldet. Der Umstand wurde durch einen Insider am 15. März 2011 bekannt gegeben.[30] Eine Meldepflicht nach AtSMV ist bis heute umstritten.

    - Am 12. November 2011 wurde Philippsburg 2 für Reparaturarbeiten an einer defekten Dichtung abgeschaltet.
    Im April 2016 wurde bekannt, dass das baden-württembergische Umweltministerium EnBW nach der jährlichen Revision das Wiederanfahren von Philippsburg II untersagte. Grund für diese Anordnung war das Vortäuschen von acht Prüfungen an einem Störfallmonitor.

Alle Kommentare lesen
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%