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Verbraucher-Umfrage Provisionen bei privater Altersvorsorge oft höher, als Mehrheit der Kunden glaubt

Verbraucher unterschätzen oftmals die Provisionen für private Altersvorsorgeprodukte. Einer Umfrage zufolge wären viele aber bereit, Honorare statt Provisionen zu zahlen.
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Viele Verbraucher wissen nicht, dass sie auch Nettotarife bei ihrem Finanzberater oder ihrer Versicherungsgesellschaft abschließen können. Quelle: dpa
Altersvorsorge

Viele Verbraucher wissen nicht, dass sie auch Nettotarife bei ihrem Finanzberater oder ihrer Versicherungsgesellschaft abschließen können.

(Foto: dpa)

Berlin, Frankfurt Mit einem Provisionsdeckel will die Bundesregierung die Abschlussprovisionen bei Lebensversicherungen begrenzen. Doch seit das Bundesfinanzministerium den Referentenentwurf im Frühjahr vorgelegt hat, hat sich zumindest in der Öffentlichkeit nicht mehr viel getan. Mehrmals nahm das Bundeskabinett das Thema von der Tagesordnung. Auch an diesem Mittwoch ist wieder nichts passiert.

Doch an der Intention der Regierungsparteien habe sich aber nichts geändert, heißt es in Berlin. Während die Versicherungsbranche mit Argusaugen auf die politischen Entwicklungen schaut, zeigt eine aktuelle Umfrage, dass Verbraucher die Provisionshöhen beim Abschluss eines privaten Altersvorsorgeprodukts nur sehr vage kennen.

Zugleich sind auch Nettoversicherungen als Alternative zu Provisionstarifen in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Nach einer kurzen Erklärung bestehe bei vielen Verbrauchern jedoch ein Interesse an Nettoprodukten. Sie wären auch bereit, ein Honorar zu zahlen. Das ergab eine Onlineumfrage des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag des Versicherers Mylife unter 1000 Bundesbürgern.

Vor allem die Höhe der in den Verträgen einkalkulierten Provision für den Versicherungsvermittler ist Verbrauchern demnach kaum geläufig. So schätzten mehr als 57 Prozent der Befragten die Provision für einen über 30 Jahre laufenden Vertrag mit einer Beitragssumme von 36.000 Euro auf unter 500 Euro.

Nur gut 19 Prozent schätzten die Provision auf mehr als 1500 Euro. Der Mittelwert der Schätzungen lag bei 770 Euro und damit bei etwas mehr als zwei Prozent der Beitragssumme. „Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass viele Kunden die Höhe der tatsächlichen Vertriebskosten im Bereich der Lebensversicherung kaum kennen“, sagt Mylife-Vorstand Holger Kreuzkamp. Eine Möglichkeit für mehr Transparenz könne die Honorarberatung sein, bei der die Vergütung individuell und leistungsbezogen vereinbart wird.

Durchschnittswerte zu den tatsächlichen Provisionen gibt die Versicherungsbranche nur ungern preis. Der Entwurf des Bundesfinanzministeriums sieht als künftige Obergrenze 2,5 Prozent beziehungsweise – unter Einhaltung gewisser Qualitätskriterien – vier Prozent der Bruttobeitragssumme vor.

So gelten beispielsweise geringe Stornoquoten und eine geringe Anzahl an Beschwerden als Qualitätsmerkmale. Da diese Deckelung von der Koalitionsregierung für notwendig gehalten wird, dürfte es am deutschen Lebensversicherungsmarkt auch Tarife mit höheren Provisionen geben. Unter der Hand werden oft vier bis fünf Prozent als übliche Provisionshöhen genannt. Abschlussprovisionen und Vergütungen für Vermittler machen etwa zwei Drittel an den Abschluss- und Vertriebskosten aus.

Noch nie von Nettotarifen gehört

Viele Verbraucher wissen zudem nicht, dass sie auch Nettotarife bei ihrem Finanzberater oder ihrer Versicherungsgesellschaft abschließen können. Das sind Tarife ohne Abschlussprovisionen und laufende Provisionen. Stattdessen erhält der Berater, wie oben beschrieben, vom Kunden ein Honorar.

Rund 74 Prozent der Befragten hatten vor der Innofact-Studie noch nie etwas von Nettotarifen gehört. Nach einer kurzen Erläuterung gaben knapp 77 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass solche Policen für sie interessant seien. Mylife, der Auftraggeber der Studie, ist ein Lebensversicherungsunternehmen mit Sitz in Göttingen, das seinen Kunden Nettotarife anbietet.

Die Umfrageteilnehmer sollten auch angeben, ob und in welcher Höhe sie bei dem genannten Musterfall bereit wären, ein Honorar zu zahlen, wenn sie dafür durch ein Nettoprodukt einen wirtschaftlichen Vorteil bei der Ablaufleistung von mehr als 10.000 Euro erlangen könnten. Im Schnitt nannten die Befragten einen Betrag von 726 Euro.

Aus Sicht der Bundesregierung sind indes nicht nur die Vertriebskosten für Lebensversicherungen zu hoch. Auch die entsprechenden Kosten für Restschuldversicherungen sollen gesenkt werden. Diese Versicherungen dienen dazu, Rückzahlungsverpflichtungen aus Bankdarlehen abzusichern. Ausfallrisiken wie ein Todesfall oder eine Arbeitsunfähigkeit sollen dadurch abgedeckt werden.

Bei Abschluss einer solchen Versicherung erhalten Kreditinstitute von den Versicherungen einen erheblichen Anteil der vom Darlehensnehmer gezahlten Versicherungsprämie als Provision. Teilweise betragen diese Kosten mehr als zehn Prozent der gewährten Darlehenssumme.

Um Fehlanreize zu reduzieren, will der Gesetzgeber die Abschlussprovision bei Restschuldversicherungen auf maximal 2,5 Prozent der versicherten Darlehenssumme deckeln.

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1 Kommentar zu "Verbraucher-Umfrage: Provisionen bei privater Altersvorsorge oft höher, als Mehrheit der Kunden glaubt"

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  • Erstens sollten Sie in der Überschrift eine Korrektur vornehmen... Es heißt nicht "Altersvorsage". Sie wollen sicher Altersvorsorge sagen...
    Dann muss ich als Versicherungsmakler ihre einseitige Betrachtung bemängeln. Sie tun gerade so, also ob ein Versicherungsvermittler nur Lebensversicherungen verkaufen würde. Wissen Sie eigentlich was man für Sachversicherungen an Courtagen/Provisionen erhält? Wissen Sie eigentlich um die Kosten in einem echten Versicherungsvermittlerbetrieb? Ich könnte das noch weiter ausführen, aber ich spare mir das. Abschließend würde ich es für fair erachten, wenn Sie auch darauf hinweisen würden, dass ein Vermittler satte 5 Jahre (!) in der Haftung steht und bei Storno des Vertrags auch die Provision anteilig zurückzahlen muss. Will er dies vermeiden, dann muss er ratierliche Zahlungen der Provisionen akzeptieren. Beitragssumme heißt auch nicht automatisch Bewertungssumme für die Provision. Diese ist oft geringer. Also Leute, den Ball mal schön flach halten.

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