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Vermögenspreisinflation Das Vermögen der reichsten Deutschen ist 2018 leicht gesunken

Erstmals seit Langem sind laut einer Studie die Preise für Sach- und Finanzanlagen gesunken. Das trifft vor allem die reicheren Haushalte.
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Berechnungen zufolge haben die oberen zehn Prozent der deutschen Haushalte unterm Strich 2018 einen Vermögensverlust von 1,3 Prozent erlitten – den ersten seit 2012. Quelle: imago/Michael Kneffel
Luxusjachten auf einer Messe

Berechnungen zufolge haben die oberen zehn Prozent der deutschen Haushalte unterm Strich 2018 einen Vermögensverlust von 1,3 Prozent erlitten – den ersten seit 2012.

(Foto: imago/Michael Kneffel)

FrankfurtInflation: Allein schon das Wort löst bei deutschen Anlegern Besorgnis aus. Wenn die Verbraucherpreise steigen, werden im Vergleich dazu die Vermögen entwertet. Die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch in Köln wendet den Begriff aber auch auf Immobilien, Aktien und andere Anlagen an und spricht von „Vermögenspreisinflation“, wenn die Preise für Vermögensanlagen steigen. Diese Art von Inflation macht die Deutschen nicht ärmer, sondern reicher.

Allerdings sind die Vermögenspreise im Jahr 2018 nur wenig um 0,9 Prozent gestiegen – erstmals seit 2012 weniger als die Verbraucherpreise. Ausschlaggebend dafür war das vierte Quartal des Jahres, in dem die Preise für das Vermögen deutscher Haushalte um 2,7 Prozent gesunken sind – nach einem ununterbrochenen Anstieg in den zwölf Quartalen zuvor. Zum Vergleich: Ende 2017 lagen diese Preise um 9,3 Prozent über dem Wert ein Jahr zuvor, 2016 gab es ein Plus von 4,5 Prozent.

Ausschlaggebend für den Rückgang waren Betriebsvermögen und Finanzwerte. Dabei „approximiert“ Flossbach von Storch die Bewertung der Betriebsvermögen durch den SDax, also den Börsenindex für kleine deutsche Unternehmen; ob das eine gute Methode ist, bleibt fraglich, aber es dürfte auch schwer sein, eine praktikablere zu finden.

Damit wird jedenfalls deutlich, dass der errechnete Rückgang letztlich durch den Preisverfall an der Börse verursacht war. Im Verlauf des Jahres sanken die Preise für Betriebsvermögen nach dieser Rechnung um 18,4 Prozent und die für Aktien um 13,4 Prozent, während zum Beispiel Immobilien um 7,9 Prozent zugelegt haben.

Wie reich sind Deutsche?

Flossbach von Storch hat einen eigenen Vermögenspreisindex entwickelt. Er „entspricht der gewichteten Preisentwicklung des Sach- und Finanzvermögens, welches sich im Besitz deutscher Haushalte befindet“, heißt es in den Erläuterungen dazu. Den größten Anteil stellen die Immobilien mit 60,6 Prozent, gefolgt von Betriebsvermögen mit 14,2 Prozent und Spar- und Sichteinlagen mit 11,0 Prozent. Finanzvermögen kommt insgesamt nur auf 10,1 Prozent, Aktien allein auf 4,5 Prozent.

Die Entwicklung der Vermögen findet aus mehreren Gründen starke Beachtung. Einmal geht es um die Frage, wie „reich“ die Deutschen sind. Je nach Berechnung ergeben sich hierbei für Deutschland relativ niedrige Werte. Der Global Wealth Report der Credit Suisse etwa weist für Deutschland rund 215.000 Dollar Vermögen pro Erwachsenem aus. Frankreich kommt dagegen auf 281.000 Dollar, und selbst das krisengeplagte Italien liegt noch leicht über Deutschland. Als ein Grund für diese Unterschiede gilt auch, dass in anderen Ländern die absoluten Immobilienpreise vor allem in Ballungsgebieten wie etwa Paris weitaus höher liegen als in Deutschland.

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Der zweite Grund ist die häufig geäußerte Kritik an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB hat als einziges offizielles Ziel, die Inflation der Verbraucherpreise auf einen Wert von knapp zwei Prozent zu bekommen. Seit Jahren liegt sie trotz expansiver Geldpolitik unterhalb dieses Wertes. Kritiker werfen ihr aber vor, die Inflation finde statt bei den Verbraucherpreisen bei den Vermögenspreisen statt. Ein Anhänger dieser Theorie ist Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Research Institute von Flossbach von Storch.

Der dritte Grund für eine hohe Aufmerksamkeit ist die Frage der Vermögensverteilung. Während Deutschland als ein Land gilt, in dem die Einkommen stark umverteilt werden, sind die Vermögen sehr ungleich verteilt – Haushalten mit großem Immobilien- oder Firmenbesitz stehen andere mit kaum nennenswerten Anlagen gegenüber. Die Geldpolitik der EZB – so lautet ein weiterer Kritikpunkt – hat durch die Aufblähung der Vermögenspreise die ungleiche Verteilung des Reichtums noch verstärkt.

Nach Berechnung von Flossbach von Storch haben die oberen zehn Prozent der Haushalte unterm Strich aber 2018 einen Verlust von 1,3 Prozent erlitten – den ersten seit 2012. Die untere Mittelschicht, deren Geld zum großen Teil auf der Bank liegt, wurde um 0,9 Prozent reicher, die anderen erlebten noch stärkere Zunahmen. Die Ungleichheit hat also durch die Börsenschwäche etwas abgenommen.

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