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Versicherungstest Vorsorge mit kalkuliertem Risiko

Trotz Nullzinsen können fondsgebundene Rentenversicherungen solide Erträge für das Alter abwerfen. Doch es gibt wichtige Voraussetzungen.
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Wer sich nicht länger real ärmer sparen will, muss Alternativen suchen.
Fernglas

Wer sich nicht länger real ärmer sparen will, muss Alternativen suchen.

Köln „Dreimol null es null es null“ – so singen die Bläck Fööss anno 1973 im Karnevalsklassiker „En d’r Kayjass Nummere null“. Heute trifft das Lied über eine Kölner Schule auch die Gemütslage der deutschen Sparer: Tagesgeld, Festgeld und selbst mehrjährige Sparverträge – bei der Rendite steht überall die Null, zumindest vor dem Komma.

Inzwischen drohen Banken und Sparkassen Otto Normalsparer sogar mit Strafzinsen. Kunden haben das Nachsehen – erst recht nach Inflation und Steuern.

Wer sich nicht länger real ärmer sparen will, muss Alternativen suchen. Nicht jeder Anleger greift zu Aktien oder Aktienfonds. Denn sie versprechen zwar auf lange Sicht attraktive Renditen, sorgen aber mit ihren starken Schwankungen bei sensibleren Gemütern rasch für schlaflose Nächte. Eine nervenschonendere Variante mit betreutem Charakter ist die fondsgebundene Rentenversicherung.

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen wird das monatliche Sparkapital anders als bei konventionellen Rentenversicherungen in aktiv gemanagte Investmentfonds und börsennotierte ETF-Indexfonds investiert.

Viele Kunden überlassen den Assekuranzen die Auswahl und geben lediglich eine Richtung vor – defensiv, ausgewogen oder dynamisch mit jeweils unterschiedlich hohen Aktienfondsanteilen. Aktivere Kunden suchen sich ihre Fonds selbst aus. Zur Wahl stehen vor allem Aktien- und Mischfonds. Defensivere Anleger nehmen auch Immobilien-, Renten– und Geldmarktfonds hinzu.

Während der Laufzeit können die Versicherten ihre Fonds fast nach Gusto austauschen. „Von dieser Möglichkeit sollten sie bei Bedarf auch Gebrauch machen“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung bei der Ratingagentur Assekurata.

„Denn die Rendite der fondsgebundenen Rentenversicherung hängt entscheidend von der Qualität der Fonds ab. Aber über die lange Laufzeit der Police bleibt diese Qualität selten konstant.“

Für das Handelsblatt hat Assekurata die Portfolios der Anbieter von fondsgebundenen Rentenpolicen getestet. Die Kölner Ratingagentur untersuchte dabei alle 941 Fonds, die von den teilnehmenden Versicherungen für ihre wichtigsten Policen angeboten wurden.

Rund 39 Prozent des geprüften Fondsvolumens liegen in Aktienfonds, weitere 29 Prozent in Mischfonds. In die Bewertung gingen neben den Renditen über verschiedene Zeiträume auch Fondskosten und Risiken ein. Der beste Fonds, der Pictet-Water, erreichte ein Spitzenergebnis von 89 Punkten.

Starke Einsteiger

28 Versicherer nahmen diesmal an der freiwilligen Umfrage teil. Sechs waren neu dabei oder nach einer Pause wieder am Start. Mit Condor schaffte ein Neuzugang sogar den Sprung aufs Treppchen. Auch der Versicherer im Raum der Kirchen, die Huk-Coburg und Axa erreichten mit 60 Punkten auf Anhieb die Note „sehr gut“. Prisma-Life („gut“) und Provinzial Nordwest („befriedigend“) konnten da als Neuzugänge nicht ganz mithalten.

Insgesamt fielen die Ergebnisse überzeugend aus: „Alle Teilnehmer erreichten in diesem Jahr mindestens die Note befriedigend“, sagt Heermann. „Darin spiegelt sich auch die steigende Aufmerksamkeit der Unternehmen wider, die in den Policen ein Wachstumsprodukt sehen und es entsprechend pflegen.“

Der diesjährige Sieger Targo Lebensversicherung hat besonders viele starke Fonds im Portfolio. Mit einem Schnitt von 65 Punkten bei 43 getesteten Fonds führt er das Feld deutlich an.

Ein Grund dafür dürfte die monatliche Aktualisierung der Fondsliste sein: „Unser Partner Targobank erstellt eine Empfehlungsliste, die laufend aktualisiert wird“, erläutert Bernd-Leo Wüstefeld, Vorstand der Targo Lebensversicherung. „Entspricht der Fonds nicht mehr den Qualitätskriterien, wird er aussortiert.“ Die Targo-Fonds erhalten in fast allen Segmenten überdurchschnittliche Noten, besonders stark sind sie im Bereich „Aktien Europa“.

Anteil der ETFs wächst

Auf dem zweiten Platz landete die Nürnberger Versicherung, gemeinsam mit Ergo Vorjahressieger. Seit 2016 haben die Franken den Fondsauswahlprozess verändert und bieten ein konzentriertes Portfolio von aktuell 38 Fonds an.

Der Schwerpunkt liegt auf globalen Aktien- und Mischfonds. Dazu bieten die Nürnberger aktuell sieben ETFs an. „Mit diesen sieben Produkten decken wir schon jetzt die wichtigsten Anlageregionen ab“, sagt Michael Deindörfer, Produktverantwortlicher bei der Nürnberger. „Der Anteil der ETFs am Neugeschäft steigt. Wir prüfen deshalb regelmäßig, unser Angebot an dieser Stelle zu verbessern.“

Mit ihrem Angebot steht die Nürnberger für einen Markttrend. Bis auf drei Versicherer bieten alle inzwischen auch die kostengünstigen ETF-Indexfonds an. Diese bilden einfach einen Index wie den Dax oder Euro Stoxx, den S&P 500 oder den MSCI World ab.

Ihr großer Vorteil sind die Kosten. Bei Dax oder Euro Stoxx liegen sie gerade einmal bei 0,1 Prozent, Aktienfonds oder Mischfonds kosten dagegen oft um 2,0 Prozent. Diese Mehrkosten müssen aktive Fondsmanager erst einmal dauerhaft erwirtschaften. Das gelingt selten, und deshalb schlägt insbesondere über sehr lange Zeiträume nur ein geringer Prozentsatz der aktiven Fonds ihre jeweiligen Vergleichsindizes.

Über Jahre gute Renditen

Das haben auch die Anbieter der Fondspolicen erkannt. Bei den gerade einmal 13 Fonds, die bei mindestens zehn Assekuranzen im Angebot sind, finden sich gleich vier ETFs. Diese ETFs beeindrucken gleichzeitig auch mit guten Fondsbewertungen.

Zwei von ihnen, der iShares Core MSCI World und der iShares Core S&P 500, erreichen sogar mehr als 60 Punkte. Das gelingt nur drei der neun aktiven Fonds. Dazu gehören neben dem Dimensional Global Core Equity die in Deutschland besonders populären Flossbach von Storch – Multiple Opportunities R und DWS Top Dividende. Sie haben in den vergangenen Jahren für die Anleger gute Renditen erwirtschaftet.

Andere Topseller wie der Templeton Growth und der Carmignac Investissement dagegen haben ihre Glanzzeiten aus den 2000er-Jahren längst hinter sich und erhalten miserable Noten. „Möglicherweise werden die Fonds weiterhin angeboten, weil sie bekannt sind und von Vertrieb und Kunden gefordert werden“, sagt Lars Heermann. „Aus neutraler Sicht ist es aber schon verwunderlich, wieso die Unternehmen im Neugeschäft an dauerhaft abbauenden Fonds festhalten.“

Besser als die gefallenen Fondsengel sind in der Regel die gemanagten Lösungen der Fondsgesellschaften. Hier legen Kunden im Beratungsgespräch mit den Versicherungsvertretern oder -maklern ihre Risikobereitschaft fest. Anschließend verwaltet die Versicherungsgesellschaft das Portfolio und gibt den Kunden regelmäßig Auskunft über die Entwicklung des Depots und etwaige Umschichtungen.

„Bei gemanagten Lösungen dürfen vor allem junge Vertragsnehmer nicht zu verhalten agieren“, so Heermann, „sonst haben sie vorrangig defensive Anlagen im Portfolio, die wenig Aussicht auf Rendite enthalten.“ Er rät bei langjährigen Verträgen auch davon ab, die Altersvorsorge zwangsläufig mit einer vollen Garantie der eingezahlten Beiträge abzusichern, weil dies in Niedrigzinszeiten einen ähnlich dämpfenden Effekt auf den Vermögensaufbau hat.

Vor der Rente bremsen

In jungen Jahren sollten Vermögensaufbau und bestmögliche Rendite im Vordergrund stehen. Kurz vor der Rente dagegen lohnt es sich, auf das Bremspedal zu treten, damit man nicht von einem Einbruch an den Märkten überrascht wird. Auch dafür gibt es bei fondsgebundenen Rentenversicherungen eine Lösung – das Ablaufmanagement.

„Fünf Jahre vor dem vereinbarten Rentenbeginn weisen wir den Kunden auf die Möglichkeit des Ablaufmanagements hin“, erklärt Targo-Vorstand Wüstefeld. „Wenn er sich dazu entschließt, wird das angesparte Kapital sukzessive in einen defensiven Mischfonds umgeschichtet.“ Bei der Targo Versicherung ist das der CM-CIC Conservative.

Automatisch wird das Ablaufmanagement jedoch nicht ausgelöst. Auch hier gilt wie beim gesamten Produkt der fondsgebunden Rentenversicherung: Anleger müssen schon ein bisschen mitdenken und mithandeln, um die optimale Rendite zu erwirtschaften.

Mehr: Ranking – Im Auftrag des Handelsblatts hat das Franke und Bornberg ermittelt, welche Versicherungen für Altersvorsorge am besten abschneiden.

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