Von wegen Sparweltmeister Mehr als ein Viertel der Deutschen hat keine Ersparnisse

Die Sparquote der Deutschen mag im Schnitt hoch sein, aber eine neue Studie zeigt ein alarmierendes Ergebnis: 27 Prozent haben keine Ersparnisse.
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Mehr als ein Viertel aller Deutschen legt kein Geld zur Seite. Quelle: dpa
Kaum Erspartes

Mehr als ein Viertel aller Deutschen legt kein Geld zur Seite.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEigentlich gelten die Deutschen als fabulöse Sparer: Ihre Sparquote pendelt seit Jahren um die zehn Prozent. Das heißt, dass sie jeden zehnten verdienten Euro auf die hohe Kante legen. Ein stolzes Ergebnis, auch im internationalen Vergleich. Eine hohe Sparquote sorgt für finanzielle Sicherheit, sowohl für den Einzelnen, als auch für die gesamte Wirtschaft: Zurückgelegtes Geld stützt in Krisenzeiten. Eine aktuelle Studie zeichnet nun aber ein anderes Bild der „Nation der Sparer“. Sie zeigt: Die Sicherheit ist nicht gleichmäßig verteilt. Trotz des hohen Durchschnittswertes hat nämlich mehr als ein Viertel der Deutschen gar keine Ersparnisse.

Obwohl die Konjunktur seit Jahren brummt, die Löhne steigen und die Arbeitslosenquote immer weiter sinkt, verfügen insgesamt 27 Prozent der Deutschen nach eigenen Angaben über keinerlei Rücklagen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der ING-Diba, die Ende 2017 in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA durchgeführt wurde.

„Das weitverbreitete Bild der Sparnation Deutschland kann diese Studie wahrlich nicht bestätigen“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba. „Es sollte zu denken geben, dass Deutschland trotz starkem Wirtschaftsaufschwung einen der höchsten Anteile von Verbrauchern ohne jegliche Rücklagen aufweist.“ Nur in Rumänien ist der Anteil der Befragten ohne Ersparnisse mit fast 35 Prozent höher als in Deutschland. Spitzenreiter ist übrigens Luxemburg, wo nur zwölf Prozent der Verbraucher keine Rücklagen haben.

Im europäischen Durchschnitt lag der Anteil der Haushalte ohne Ersparnisse bei knapp 25 Prozent. Doch dass dieser Wert nah an dem Deutschen liegt, tröstet nicht. Vor allem dann nicht, wenn man sich die Details der Studie anschaut. Während die Unterschiede im Sparverhalten zwischen den einzelnen europäischen Ländern eher gering ausfallen – Rumänien und Luxemburg sind Ausreißer nach oben und unten –, lässt der innerdeutsche Vergleich große Differenzen erkennen.

Das heißt, dass in manchen Bundesländern ein noch viel größerer Anteil ohne Ersparnisse lebt. In Hamburg und im Saarland leben relativ gesehen die meisten Sparer. Dort haben nur knapp 14 Prozent keine Rücklagen. In Thüringen sieht es anders aus: Dort liegt der Anteil an Umfrageteilnehmern ohne Ersparnisse mit mehr als 44 Prozent mehr als dreimal so hoch.

Die Studie beinhaltet aber auch einige positive Ergebnisse: Der Anteil der Deutschen, der über Ersparnisse verfügt, legt im internationalen Vergleich dann gleich überdurchschnittlich viel auf die hohe Kante. Unter denjenigen Befragten, die Angaben zur Höhe ihrer Ersparnisse machten, haben fast 49 Prozent der Deutschen mehr als 15.000 Euro gespart. Damit belegen sie im europäischen Vergleich immerhin Platz vier. Wenn die Ersparnisse in Relation zum Nettoeinkommen gesetzt werden, liegt Deutschland sogar noch weiter vorne: Über die Hälfte der deutschen Sparer verfügt über ein Sparvermögen von vier oder mehr Nettogehältern. Das ist mehr als in jedem anderen europäischen Land.

Gleichzeitig überraschen die Ergebnisse der Studie nicht. Auch Zahlen der Bundesbank zeigen immer wieder, dass die Deutschen grundsätzlich über ein stattliches Geldvermögen verfügen. Im vergangenen Jahr ist es sogar auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Das ist gerade in Zeiten von Niedrigzinsen erstaunlich.

Das Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte im dritten Quartal 2017 im Vergleich zum zweiten Vierteljahr um 1,2 Prozent auf einen Rekordwert von 5,779 Billionen Euro. Ein Teil dieses Anstiegs liegt allerdings auch in steigenden Aktienkursen begründet. Die Bundesbank berücksichtigt in ihren Berechnungen Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen – nicht jedoch Immobilien. Schätzungen zufolge könnte das Geldvermögen bis Ende 2017 auf etwa sechs Billionen Euro angestiegen sein.

Auch wenn sich die als börsenscheu geltenden Deutschen 2017 stärker an den Aktienmarkt trauten, setzen sie hauptsächlich weiter auf als sicher geltende Anlagen. Die Präferenz der privaten Haushalte für „liquide und risikoarme Anlagen“ halte weiter an, erklärte die Bundesbank. Die Privathaushalte bewahren ihr Geld überwiegend als Bargeld oder als Sichteinlagen bei Banken auf – also auf Giro- oder Tagesgeldkonten, deren Bestände sich rasch umschichten lassen.

Im dritten Quartal des letzten Jahres kamen hier 23 Milliarden Euro hinzu. Damit belief sich das Volumen an Bargeld und Einlagen Ende September auf insgesamt 2270 Milliarden Euro. Das entspricht rund 39 Prozent des gesamten Geldvermögens. Diese vergleichsweise hohen Ersparnisse dürften ein Grund dafür sein, dass die Deutschen die Höhe der eigenen Rücklagen eher positiv bewerten. Mehr als 40 Prozent der Befragten der ING-Diba-Studie sind „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit den eigenen Rücklagen. Die Zufriedenheit mit den eigenen Rücklagen liegt in Deutschland somit im europäischen Vergleich im vorderen Mittelfeld.

Selbst unter den Befragten ohne Ersparnisse ist mehr als ein Drittel mit der Höhe der eigenen Rücklagen nicht unzufrieden. Womöglich hängt die Zufriedenheit aber nicht nur direkt mit den eigenen Ersparnissen zusammen, sondern auch mit der ökonomischen Lage im Land. In Italien ist beispielsweise weniger als Viertel der Befragten mit den eigenen Ersparnissen zufrieden, obwohl der Anteil der Haushalte ohne Rücklagen geringer ist als in Deutschland.

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11 Kommentare zu "Von wegen Sparweltmeister: Mehr als ein Viertel der Deutschen hat keine Ersparnisse"

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  • Möglicherweise, weil die Einkommen – und damit die Sparmöglichkeiten – extrem ungleich verteilt sind? Bitte Ursachen also und Wirkung nicht verwechseln. Schon vergessen, Deutschland hat seit Schröder den größten Niedriglohnsektor in Europa aufgebaut, und man ist ja auch noch Stolz darauf.

    Millionen Minijobber, prekär Beschäftigung, Leiharbeiter, Werkverträge, und last but not least Millionen "AUFSTOCKER" das also sind Menschen die zwar Vollzeit arbeiten, aber so wenig dafür bekommen, dass der Staat die Unternehmen subventioniert, in dem sie die Armutslöhne aufstocken muss.

    Nicht zu vergessen, einen Armutsmindestlohn, von dem man nicht überleben kann, ganz zu schweigen Leben. Was folgt daraus, richtig es nicht einmal genügend Geld zur Verfügung, um die Grundbedürfnisse zu decken? Seit Schröder gibt es mittlerweile wieder mehr als 1000 Suppenküchen, neudeutsch "TAFELN" genannt. Glaubt man denn die würden dort sich erniedrigen lassen, wenn sie von dem Geld überleben könnten?

    Nicht zu verschweigen, jeder der Hartz IV beziehen muss, oder Sozialhilfe beziehen muss, muss sich erst einmal "Nackig" machen, bevor man Almosen empfangen darf. Und das, obwohl Deutschland zu den reichsten Länder der Erde gehört.

    Ich wünschte mir, dass auch jeder sog. Arbeitgeber seine Zahlen offenlegen muss, wenn behauptet wird, man könne nicht mehr zahlen, und wenn das stimmt warum, wäre auch einmal interessant zu erfahren, Bevor der Staat die Arbeitgeber mit Zuschüssen zu den Löhnen subventioniert. so wie auch Hilfeempfänger verpflichtet sind, alles offen zu legen, wenn sie Unterstützung bei Behörden beantragen.

  • @Herr Kurt Bäcker: Volle Zustimmung. Wozu ist denn eine Erbschaftsteuer gut? Um eben so etwas zu verhindern. Es werden immer ein paar Menschen existieren, die mit Geld nicht umgehen können, aber was hier läuft ist ein ganz anderes Spiel.

    Vergleich arm und reich:

    Arm:
    0% Zins (und negativer Realzins) und niedriges Einkommen plus reale Negativentwicklung des Einkommens plus keine Möglichkeit etwas von der Steuer abzusetzen, keine Möglichkeit eine Immobilie zu erwerben aber in Zukunft Geld in den "Topf" schmeißen, damit selbst reiche Menschen die Kinder haben "Baukindergeld" beantragen können.

    Reich:
    Kredite mit 0% abschließen, weniger Steuern auf Aktien zahlen als Angestellte, keine Erbschaftssteuer, vielfältige Möglichkeiten Geld vom "Staat" zu holen, dank Mietpreisbremse die Möglichkeit legal die Miete drastisch zu erhöhen, falls Steuern in D trotzdem zu hoch, Umzug in die Schweiz etc. egal ob persönlich oder nicht.

    usw.

    Ach so, Geld gibt es für die Nato...75 Milliarden MEHR bis 2024. Besser man verarmt die Menschen und schickt sie in den Krieg als sie in einer ausgeglichenen Gesellschaft leben zu lassen.

  • "Frau Lana Ebsel
    08.02.2018, 18:01 Uhr

    wozu auch ... wer nichts hat, der kriegt vom Staat."

    vielleicht in die Fre**e.

  • Okay - habe jetzt verstanden. Ihnen ging es nur um das Wohlergehen des gewieften Pleitiers.

    Dennoch braucht der auch Marken - denn wer sich nicht glaubhaft in eine Marken-Schlange geduldig einreiht, macht sich ziemlich schnell verdächtig.

  • Herr Peer Kabus@ Die Erfahrung lehrt, nach zwei Kriegen, daß Marken eher in der Kleinkriminalität wirken, es sei denn, man hat die Dinger Schubkarrenweise- Mit so etwas befaßt man sich doch nicht. Schnaps. Kippen, Kunst, Energie, Fliegenpilze u.s.w. Am Besten ganze Züge. Marken Herr Kabus, mir kommen jetzt aber Zweifel.

  • Zu gegebener Zeit aber die Lebensmittel-Marken, Herr Spiegel :)

  • Seit langer Zeit bin ich der Meinung, daß nur der Pleitier unter Räuber gut leben kann, denn niemand sucht Geld beim Mittellosen.

  • Herr Holger Narrog

    Ihre Theorie wird nicht der Praxis entsprechen und somit auch die Schlussfolgerung „Langfristig werden die Menschen ohne Ersparnisse in Deutschland die bessere Entscheidung getroffen haben.“ nicht zutreffen.

    Nicht nur die langfristige Betrachtung, sondern auch die mittelfristige, muss die weiter unbegrenzte Zuwanderung von Wirtschaftsasylanten in die Sozialsysteme auf dem Schirm haben. D 4.0 führt zu weiterer Arbeitslosigkeit und damit zu sinkenden Steuereinnahmen. Einen Rückgang der Weltwirtschaft lasse ich dabei mal gänzlich unberücksichtigt – das wäre nämlich der GAU für die Politik des Polit-Packs, aber vor allem für Menschen ohne Ersparnis oder, wie Frau Ebsel meint, für die, die vom Staat kriegen .

    Pflegen Sie also besser Ihre Sparneigung – aber so, dass der Staat, wenn er nur noch mit Zugriff auf die Reserven seiner „Bürger“ (besser und richtiger ist jedoch „persönlich Haftenden) sein Überleben vermeintlich sichern kann, darauf keinen Zugriff nehmen kann.

    „Solidarität ist nämlich nicht grenzenlos.“

  • wozu auch ... wer nichts hat, der kriegt vom Staat.

  • Wenn man von den EX-Volksparteien CDU/SPD jahrzehntelang geschröpft wird, bleibt nun mal nicht mehr viel zum Sparen.

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