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Wahlprogramm der CDU Wie sich die Pläne der Union auf die Rente auswirken – und wie Experten sie bewerten

Mehr Verpflichtungen für Selbstständige, mehr Hilfe für Geringverdiener, mehr Geld für längeres Arbeiten: Die Pläne beeinflussen die Vermögensplanung vieler Verbraucher unmittelbar.
22.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Die CDU will die längst versprochene Reform der geförderten Riester-Rente anpacken. Quelle: imago/Eckhard Stengel
Wandbild eines Rentnerpaars

Die CDU will die längst versprochene Reform der geförderten Riester-Rente anpacken.

(Foto: imago/Eckhard Stengel)

Frankfurt Die Union hat sich festgelegt: Sie will mehr Menschen dazu bringen, für das Alter privat vorzusorgen, vor allem am Kapitalmarkt. Das ist für Millionen Deutsche höchst relevant, schließlich werden der Union im Moment die größten Chancen zugeschrieben, die Bundestagswahl im Herbst zu gewinnen und das Kanzleramt zu verteidigen.

Selbstständige sollen im eigenen Interesse zur Vorsorge verpflichtet werden. Geringverdiener wiederum sollen in die betriebliche Vorsorge einbezogen werden. Geplant ist auch eine Erneuerung der in Verruf geratenen Riester-Rente. Im verabschiedeten Entwurf findet sich allerdings nicht mehr der Vorschlag, einen früheren Renteneintritt mit höheren Abschlägen und umgekehrt ein Weiterarbeiten im höheren Alter mit Zuschlägen zu belegen.

Verbraucher sollten sich schon jetzt Gedanken machen, ob die geplanten Neuerungen auf sie zutreffen – und welche Konsequenzen zu ziehen sind. Ein Überblick:

Vorschlag 1: Selbstständige zur Vorsorge verpflichten

Die CDU will alle Selbstständigen verpflichten, entweder in die gesetzliche Rente einzuzahlen oder andere „insolvenzsichere und zugriffsgeschützte“ Optionen zu wählen, die politisch erst noch genauer definiert werden müssen. Für Stefan Schießer, Chef der Frankfurter Honorarberatung, ist es „dringend notwendig“, dass auch Selbstständige eine Vorsorge nachweisen.

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    Seiner Erfahrung nach gibt es eine große Dunkelziffer an Freiberuflern und Selbstständigen, die eher von der Hand in den Mund lebten und sich, wenn überhaupt, erst sehr spät Gedanken über Altersvorsorge machten – und einen späten Einstieg dann zu teuer fänden. Wenn sie keine eigene Immobilie hätten und nichts erbten, könne das die Gesellschaft teuer kommen, warnt er.

    Gerd Kommer von Gerd Kommer Invest, Honorarberater und Vermögensverwalter, hält vor allem die insolvenzgesicherte Alternative zur gesetzlichen Rente für sinnvoll: Ihm schwebt dabei zum Beispiel ein dem Begünstigten klar zugeordnetes Depot mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) vor.

    Versicherungslösungen seien dagegen nicht geeignet, da dort angespartes Kapital im Fall einer systemischen Krise nicht geschützt sei. Das deutsche Versicherer-Auffangnetz Protector sei dafür zu schwach kapitalisiert, warnt er. Bei Fonds wird dagegen das Vermögen der Anleger unabhängig von dem der Fondsgesellschaft aufbewahrt. Hier drohen deswegen eher Kursschwankungen als Pleiten.

    Vorschlag 2: Betriebliche Altersvorsorge für Geringverdiener 

    In der betrieblichen Altersvorsorge eine Pflicht für Geringverdiener einzuführen ist unumstritten. Schießer mahnt, dass das vielfach umgewandelte Gehalt dann kostengünstig angelegt werden sollte. Kommer begrüßt, dass so womöglich private Versäumnisse abgefedert werden könnten.

    Solches langfristig investierte Kapital sollte aber preiswert etwa in ETFs mit hoher Aktienquote ohne teure Kapitalgarantie fließen, damit es erkennbare Renditechancen gebe. Schießer nennt ein Problem: Damit eine Umwandlung des Gehalts nicht die gesetzliche Rente senkt, sollte sie zwar auf das steuerpflichtige Einkommen anzurechnen sein, nicht aber auf das rentenversicherungspflichtige Einkommen– wie es derzeit noch der Fall ist. 

    André Geilenkothen, Mitglied der Geschäftsleitung beim Beratungshaus Aon, hat eine weitere Forderung an die Politik. „Schon jetzt bieten Versicherer in der betrieblichen Altersvorsorge Produkte mit beitragsorientierten Leistungszusagen, bei denen keine gesetzliche Mindestgarantie definiert ist.“ Der Gesetzgeber sollte seiner Ansicht nach klarstellen, dass diese Produkte den rechtlichen Vorgaben entsprechen, was bisher nicht ausreichend der Fall sei.

    Vorschlag 3: Eine „neue“ Riester-Rente 

    Für die private Vorsorge will die CDU nun endlich die längst versprochene Reform der geförderten Riester-Rente anpacken: Nicht weniger als einen „Neustart“ verspricht die Union über ein transparentes, einfaches Standardprodukt „ohne Abschlusskosten und mit niedrigen Verwaltungskosten“ mit und ohne Kapitalgarantie.

    Alle Arbeitnehmer sollen automatisch dabei sein, es sei denn, sie widersprechen. Und wenn das Produkt nicht dazu führt, dass private Vorsorge breiter genutzt wird, droht die Union mit einem staatlich organisierten verpflichtenden Produkt.

    Für Berater Schießer klingt das „fortschrittlicher“ als die bisherigen viel kritisierten komplizierten, oft teuren und renditeschwachen Angebote. Der letzte Vorschlag ähnelt Vorstößen von Verbraucherschützern und den Grünen in Hessen.

    Berater Kommer befürwortet den Vorschlag ebenfalls und verweist auf den norwegischen Staatsfonds als Vorbild: Dort wird Kapital ohne Garantie angelegt, mit einer hohen Quote an internationalen Aktien und extrem niedrigen jährlichen Kosten von 0,1 Prozent des Vermögens. Viele aktiv gemanagte Produkte knapsten dagegen rund fünf Prozent der Rendite an Kosten ab, Versicherungen nähmen zudem noch Abschlussgebühren, moniert er. 

    Jeder müsse sich allerdings vor Augen führen, dass er sich bei geförderten Produkten Bedingungen unterwerfe, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW: „Bei staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten verfolgt die Politik das Ziel, dass Verbraucher eine gesicherte Rente beziehen und das Geld nicht vorzeitig für andere Zwecke ausgeben.“ Daher würden solchen Produkten, egal wie sie ausgestaltet sind, immer relativ enge Grenzen gesetzt sein.

    Das sind die Folgen für die private Vorsorge

    Für Selbstständige, die eine „sichere“ Option wählen müssen, sofern sie nicht in die gesetzliche Rente wollen, dürfte sich in vielen Fällen nicht grundsätzlich etwas ändern: Der Bedarf an privater Vorsorge ist ja ohnehin schon da, nur dass niemand per Gesetz dazu gezwungen wird. Bei den Neuerungen in der betrieblichen Vorsorge und der Neuauflage von Riester bleibt abzuwarten, welche Produkte an den Markt kommen.

    Unabhängig davon ist es wichtig, dass künftige Rentner beim Vermögensaufbau von realistischen Vorstellungen ausgehen. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Aon aus dem vergangenen Jahr hat ergeben, dass sich Arbeitnehmer bei der betrieblichen Altersvorsorge eine höchstmögliche Sicherheit wünschen. Sicherheit ist demnach bei allen Altersgruppen der wichtigste Aspekt bei der Altersvorsorge.

    Ganz oben auf der Wunschliste für eine noch attraktivere Altersvorsorge stünden aber zugleich eine höhere Rendite und mehr Flexibilität, wundert sich Geilenkothen von Aon: „Vielen Verbrauchern scheint nicht klar zu sein, dass die höchstmögliche Sicherheit über eine 100-prozentige Garantie für ihre eingezahlten Beiträge viel Geld kostet und somit die Ertragschancen mindert.“

    Aus seiner Sicht besteht daher „noch viel Beratungsbedarf, dass Anleger nur mit fondsbasierten Lösungen und niedrigeren Garantien das Potenzial am Kapitalmarkt ausnutzen können“. Er setzt hinzu: „Verbraucher sollten sich klarmachen, dass sie über einen langen Anlagehorizont mit Kursschwankungen gut leben können und dass selbst in einer schwächeren Börsenphase das Geld in der Regel nicht komplett weg ist.“

    In der Vergangenheit haben Anleger, die in den deutschen Leitindex Dax investiert haben und einen Anlagehorizont von mindestens 13 Jahren hatten, keine Verluste gemacht; dies unabhängig davon, ob die Anleger regelmäßig gespart oder einmal einen großen Betrag investiert haben.

    International orientierte Produkte zeigen gute Performance

    Kommer empfiehlt, das Geld für die Altersvorsorge in einen international anlegenden Fonds oder ETF anzulegen. Aktuell erklimmen viele bekannte Aktienindizes wie der Dax, der europäische Stoxx 600 oder auch die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 einen Rekord nach dem anderen.

    Damit wirken Aktien teuer. Doch nach Ansicht von Berater Kommer trifft das auf den internationalen Aktienmarkt als Ganzes nicht zu: „Global betrachtet sind Aktien mehr oder weniger normal bewertet“, sagt er. Schaue man sich klassische Kennzahlen wie das Kurs-Buchwert- oder das Kurs-Gewinn-Verhältnis an, lägen Papiere des breiten internationalen Aktienindexes MSCI All Countries, der auch Schwellenländer berücksichtigt, rund ein Fünftel über ihrem historischen Mittelwert. Das ist nach Auffassung von Kommer „nicht billig, aber weist nicht auf eine echte Überbewertung oder gar Blase hin“.

    Ein typischer Streitpunkt, was Altersvorsorge angeht, sind Produkte, die zugleich Kapital ansparen und Hinterbliebene absichern. Der Klassiker für eine solche Vermischung ist die Kapitallebensversicherung.

    Verbraucherschützer wie Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW raten Anlegern aber grundsätzlich, Sparen und Versichern zu trennen. „Aus Kostengründen ist es in der Regel besser, Vermögen über eine Fondsanlage aufzubauen. Wer zugleich Hinterbliebene absichern will, kann eine Risikolebensversicherung abschließen“, sagt sie.

    Ein weiterer Punkt: Wer später aus seinem angesparten Vermögen eine Rente beziehen wolle, müsse sich überlegen, wie lange das Geld reichen soll, und dann das Kapital entsprechend einteilen, empfiehlt Weidenbach: „Versicherungen decken zwar das Langlebigkeitsrisiko ab, gehen in ihrer Kalkulation aber meist von einer so hohen Lebenserwartung aus, dass sich die Produkte aus unserer Sicht meist nicht lohnen.“

    Das ist die reine Renditebetrachtung. Eine wichtige Frage hierbei ist auch, ob es potenzielle Erben gibt und ob die eigenen Kinder eventuell helfen können, wenn im hohen Alter die Ersparnisse aufgebraucht sein sollten.

    Mehr: Blick ins Wahlprogramm: Mit diesen Versprechen will die Union bei den Wählern punkten.

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