Weltspartag Warum sich Sparen nicht mehr lohnt

Am 30. Oktober ist Weltspartag. Wozu eigentlich? Sparen bringt nichts mehr. Schleichend verliert das Geld auf dem Sparbuch oder in der Lebensversicherung an Wert. Ohne es zu merken, zahlen Sparer für die Schuldenkrise.
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Weltspartag am 30 Oktober: Früh übt sich, was ein guter Sparer werden will.

Weltspartag am 30 Oktober: Früh übt sich, was ein guter Sparer werden will.

DüsseldorfManche meinen, das Sparen stecke in der DNA der Deutschen. Zumindest fängt man hierzulande ziemlich früh damit an. Für Generationen gehörte es zu den prägenden frühkindlichen Erlebnissen, einmal im Jahr mit dem prallgefüllten Sparschwein in einer Schalterhalle der örtlichen Sparkasse anzustehen, gemeinsam mit ungezählten weiteren angehenden Sparer. Die netten Bankbeamten nahmen sich des Sparschweins an, stellten als Gegenleistung für dessen Inhalt ein Sparbuch aus. Noch wichtiger aber waren die kleinen Werbegeschenke – Plüschtiere, Spielchen und zu guter Letzt: das Knax-Heft, der Comic mit Didi und Dodo für junge Sparer. Der Weltspartag war eine feste Institution.

Es gibt den Weltspartag seit 1924. Er war die Erfindung eines Italieners. Das mag den einen oder anderen wundern. Schließlich wird der Tag, an dem man den Gedanken des Sparens feiert, nirgendwo mit solcher Hingabe begangen wie in Deutschland. Die Deutschen legen regelmäßig gut zehn Prozent ihres Einkommens zurück. Genau genommen spart der Deutsche von verdienten 100 Euro immerhin 10,40 Euro. In den USA oder Großbritannien ist die Sparquote nur halb so hoch. Insgesamt sparen die Deutschen jährlich rund 180 Milliarden Euro. Wer in jungen Jahren etwas zurücklegt, muss im Alter nicht darben. Die Idee dahinter ist löblich. Und doch ist etwas faul im Staate der Sparer.

Ein Anlass zum Feiern ist der Weltspartag in diesem Jahr nun wirklich nicht. Das Sparen, das die Deutschen so verinnerlicht haben, es lohnt leider nicht mehr. Bei der Sparkasse Köln-Bonn wirft ein Sparbuch ganze 0,15 Prozent ab – ein Feigenblatt, damit der Schein gewahrt bleibt. Im Rest der Republik sieht es nicht viel besser aus. Auch mit dem Zinses-Zins-Effekt lässt sich da nicht mehr viel rausholen. Wahrscheinlich können die Sparer noch froh sein, dass sie nichts draufzahlen müssen.

Wobei, wenn man genau hinschaut, dann zahlen Sparer längst drauf. Die liebsten Anlagen der Deutschen - das Sparbuch, Tages- und Festgeld oder die Lebensversicherung – werfen so wenig ab, dass die Anleger unter dem Strich Geld verlieren. Die Erträge halten nicht mehr mit der Inflation schritt, Experten sprechen von „negativen Realrenditen“. Übersetzt heißt das: Wer sein Geld sicher anlegen will, muss damit leben, dass er stetig an Kaufkraft verliert.

Nur: Vielen ist das gar nicht bewusst. Sie merken nichts davon, dass sie schon jetzt für die Schuldenkrise und die Rettung des Euros bezahlen, und damit ist nicht die Beteiligung Deutschlands an diversen Rettungspaketen gemeint. „Die Anleger lassen zu große Teile Ihres liquiden Vermögens zu einem niedrigen Realzins auf Tagesgeldkonten liegen oder flüchten in ebenso geringverzinste Bundesanleihen. Nach Steuern und Inflation bedeutet das reale Vermögensvernichtung“, warnt der Vermögensverwalter Stephan Albrech.

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47 Kommentare zu "Weltspartag: Warum sich Sparen nicht mehr lohnt"

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  • Folgende neue Gedenktage sollten eingeführt werden:

    Der Weltschuldentag

    Der Weltinflationstag

    Der Weltpleitetag

    Der Rettungsschirmtag

    Der Griechische-Korruption-in-ganz-EU-Europa-Tag

    Der Die-Regierung-lässt-die-Mittelschicht-ins-offene-Messer-laufen-Tag

    Der Paul-C.-Martin-wann-kommt-der-Staatsbankrott-Buchempfehlungstag.

  • Klar lohnt sich sparen. Wer sein wertloses Papiergeld in richtige Werte wie Gold. Silber, Rohsotffe, Waffen, Land angelegt hat, der kann davon auch in der Kriese leben. Diejenigen, die aber auf bunt bedruckte Zettel in Form von Geld, Lebensversicherungen etc. gesetzt haben gehen leer aus. Den Deutschen ist im letzten Jahrhunder zwei mal alles genommen worden, 1932 und 1949. Und sie werden nach grade mal 100 Jahre wieder alles verlieren. Lernt der Michel es denn nie??

  • KLeiner Fehler unterlaufen, sorry:
    Laut Bundesfinanzministerium gibt es Münzen und Münzbarren aus Silber sogar noch bis 31.12.2013 zum ermäßigten Satz von 7% zu kaufen. Silber ist ein Edel- und ein Industriemetall, wie will man das im Fall des Falles verbieten wollen?

  • Falsch. Freimengen (z.B. USA 5 Unzen Gold pro Person + Sammlermünzen) waren auch in den Zeiten eines staatlichen Goldverbotes erlaubt. Außerdem - Silbermünzen mit ermäßigter Mehrwertsteuer gibt es bis 31.12.2012 übrigens auch noch als werthaltige Anlage zu erwerben.

  • Sehr gut,

    man sollte mal definieren.

    Für was wird gespart.
    Sparen hatte früher die Eigenschaft einer Vorsichtsmaßnahme für spätere höhere Ausgaben
    (Fernseher, Waschmaschine,Kamera etc.)
    Es gibt nämlich noch Leute die keine Abzahlungen und Schulden akzeptieren, sondern für diese Teile
    sparen.

    Hier gibt es Begriffsuntauglichkeit (Jornalistische Misere heutzutage)

    Sparen für die Rente oder fürs Alter heißt eigentlich
    Geldanlegen auf lange Sicht.
    Hier kann keiner sagen was später genau eintreten wird.
    In diesen Anlagen sind immer Risiken.
    Seien es Immobilien, Aktien,Anleihen oder Gold oder Silber.

    Nicht einer hier kann mit Sicherheit den Preis im Jahre 2022 festmachen. So ist das nunmal.

    Wie weit die Infaltion trägt, ist auch nicht vorhersehbar. Alles nur Vermutungen der Teilnehmer hier.
    Wer die 65 erreicht, sollte seine Wohnung, seine Weiss-und Braunware, sowie
    sein letztes Auto zusammenhaben.
    Wer das hat, hat nicht mehr viel Kosten und wenn er flexibel ist kann er auch der Inflationsware
    ausweichen.

    Man kann die Leute auch Meschugge machen.

    Es gab wohl mal die Einstellung, daß es sich mit 5% Tagesgeld sehr gut leben lassen würde.
    Aber das war die Ausnahme. Die Zinsen werden dieses Niveau kaum noch erreichen. Aus den Zinsen herqaus zu leben könnt ihr euch abschreiben. Ihr müßt zukünftig auch Geld ablassen.
    Und das ist gut so. The dead is the end.

  • Am Golde hängt zum Golde drängt.

    EM als Alternative ?

  • Also der Artikel ist echt suuuper !!
    a) die Kommentare habe ich gelesen und den teilweise gefühlten Zorn als gerechtfertigt empfunden
    b) Das Handelsblatt hat den Titel zwischenzeitlich geändert -> "warum sich Sparen nicht mehr lohnt"

    ach der Inhalt des Artikel war zielmich gedankenlose Produktion von Wörtern. Es muss eine der gewürfelten Geschichten aus "Die unendliche Geschichte" sein - ohne dass ich irgendjemand als Af... bezeichnen möchte.

  • Sehr gute Anmerkung. Danke!

    Sparen lohnt sich immer, egal was die "Anleger" dazu sagen. Auch wenn davon 2% angeblich "verloren" gehen, wenn es nur auf dem Konto liegt.
    Trotzdem bleibt damit Kapital mit dem agieren kann, wenn man will. Denn nicht alles wird teurer, und es gibt noch mehr als Geld in irgendwelche Fonds zu versenken.
    Wenn man Geld wirklich gespart hat, im Wortsinne, ist man flexibel, kann Preise und Angebote in Ruhe vergleichen und kann sich wirklich was leisten. Zahle ich dagegen Dispo- oder Kreditzinsen dafür, habe eine Geldentwertung par excellence. Ich werfe nämlich einer Gilde Geld hinterher, die sich lieber durch eche reale Investitionen finanzieren sollte, statt durch meine Zinsen. Denn das ist wirklich preiswert, und nicht billig. Billig kann ich überall haben, aber was wirklich seinen Preis wert ist, das bestimme ich durch mein erspartes Geld.

  • Der Staat ist nicht der Verursacher des Problems. In unserem jetzigen Finanzsystem muß sich der Staat verschulden, damit die durch Kapitalkosten verursachte Nachfragelücke geschlossen wird und die Wirtschaft weiterfloriert.

    Der staat druckt kein Geld sondern die Geschäftsbanken erzeugn neues Geld bei Kreditvergabe. Dabei entstehen stets Schulden und Giralgeld gleichzeitig. Heute muss für Geldvermögenswachstum immer zugleich Schuld entstehen. Das ist der Kern des Problems. Und die Kapitalkosten tragen dann ausgerechnet die Wertschöpfer, die die Geld besitzen bekommen diese Abgaben.

    Es wird Zeit, dass die Geldentstehung in öfentliche Hand geht und entweder zur Steuerreduzierung verwendet wird oder an Wertschöpfer ausbezahlt wird.

  • Ach Herr Hackhausen, was ist denn Ihre Botschaft? Sollen die Sparer ihr Sparguthaben besser den Insidergaunern an den Börsen anvertrauen? Sollen sie Schweinebauchhälften an der Börse in Caracas kaufen? Oder Dollars per Termin? Was für ein dummer Artikel!

    In Zeiten, in denen ahezu jede Anlageklasse mit hohen Risiken behaftet ist, ist es durchaus sinnvoll, sich die Garantie des Kapitalerhaltes durch Inkaufnahme eines extrem niedrigen Zinssatzes zu erkaufen. Und zwar gerade für die Masse der Menschen, die ihre ersparten Rücklagen notfalls eben nicht für ein paar Jahre liegen lassen können, sondern im Notfall kurzfristig darauf zugreifen können müssen.

    Und auch hier gilt wieder der Grundsatz: Je höher der gebotene Zins, desto höher das Risiko! Insbesondere Club-Med-Banken locken dumme deutsche Anleger mit Mondzinsen, weil sie sich am Kapitalmarkt viel teurer refinanzieren müssen, weil ihnen dort niemand mehr traut.

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