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Wertpapierhandel Welche Broker für welchen Anlegertyp geeignet sind

Wer als Privatanleger Wertpapiere handeln will, braucht einen Zwischenhändler. Allerdings buhlen neuerdings auch Billiganbieter um die Kunden.
27.02.2020 - 17:36 Uhr Kommentieren
Privatanleger brauchen einen Broker, um Wertpapiere handeln zu können. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Aktienhandel

Privatanleger brauchen einen Broker, um Wertpapiere handeln zu können.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Frankfurt Die Ankündigung hat für Wirbel gesorgt: Im März führt der Onlinebroker Flatex Depotgebühren ein. In Zeiten, in denen neue Billiganbieter massiv für Aktienhandel und Depotführung zum Nulltarif werben, scheint das nicht ins Bild zu passen. Doch auf den zweiten Blick unterscheiden sich die Angebote der verschiedenen Broker deutlich: „Andere Firmen unterbieten uns zwar beim Preis, können aber nicht mit unserem Produktangebot oder unserer Servicequalität mithalten“, sagt Flatex-Finanzchef Muhamad Chahrour im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Verbraucher müssen daher genau hinschauen, welcher Anbieter am besten zu ihnen passt. Bei den meisten Brokern lassen sich Aktien, Anleihen, Fonds, ETFs sowie Zertifikate und Optionsscheine handeln. Innerhalb dieser Anlageklassen kann sich die Auswahl jedoch stark unterscheiden. Oft ist das Angebot von sparplanfähigen ETFs eingeschränkt, teilweise haben die Billiganbieter Sparpläne gar nicht im Angebot.

Welcher Broker ist richtig für wen? Möglich ist, Wertpapieraufträge ganz klassisch über eine Filialbank abzuwickeln. Das eignet sich vor allem für Neueinsteiger an der Börse, die eine ausführliche Beratung wünschen. Deutlich günstiger geht es über Direktbanken oder Onlinebroker. Einige Start-ups verzichten sogar fast komplett auf Gebühren. Im Gegenzug ist die Auswahl an Produkten und Börsenplätzen beschränkt. Vorbild für die neue Umsonstkultur sind die USA, wo das Start-up Robinhood begann, auf Gebühren im Wertpapierhandel zu verzichten, und einige große US-Broker zum Nachziehen zwang.

Hierzulande sind bisher Billigbroker wie Gratisbroker, Justtrade und Trade Republic auf den Trend aufgesprungen. Weitere Anbieter stehen in den Startlöchern. Sie konkurrieren mit der Frankfurter Firma Flatex, die derzeit den niederländischen Konkurrenten Degiro übernimmt, sowie der Onvista Bank, einem Geschäftsbereich der Commerzbank-Tochter Comdirect. Mit Smartbroker, der mit dem Börsenportal Wall Street Online kooperiert und Ende 2019 an den Markt gegangen ist, buhlt ein weiterer Anbieter um Kunden.

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    Gelassene Konkurrenz

    Direktbanken wie Consorsbank, DKB, ING, NIBC Direct und Comdirect, die bald in den Commerzbank-Konzern integriert werden soll, reagieren auf die neue Konkurrenz bisher kaum. Sigrid Herbst von der Frankfurter FMH-Finanzberatung sagt: „Die etablierten Anbieter scheinen die neuen Billig-Broker bislang zu ignorieren. Preissenkungen können wir nicht erkennen. Vereinzelt kam es sogar noch zu Preiserhöhungen.“

    Wie findet man den besten Anbieter? Herbst zufolge sei der Preis sicherlich ein entscheidendes Kriterium bei der Wahl eines Brokers: „Anleger sollten aber auch bedenken, welche Plattform ihnen am besten liegt und ob es ihnen wichtig ist, im Bedarfsfall einen Berater erreichen zu können.“ Viele Direktbanken, Onlinebroker sowie die neuen Billiganbieter verzichten auf Gebühren für die Depotführung. Das gilt auch für einzelne Filialbanken wie die Postbank. Das passt für Anleger, die wenig handeln, sondern ihre Wertpapiere lange liegen lassen.
    Bei Comdirect ist die Depotführung aber nur in den ersten drei Jahren kostenlos. Danach zahlen nur die Kunden weiterhin nichts, die mindestens zwei Orders im Quartal aufgeben, über einen Wertpapiersparplan mit mindestens einer Ausführung pro Quartal oder ein Girokonto verfügen. Flatex führt zum 1. März sogar Depotgebühren in Höhe von 0,1 Prozent der angelegten Summe ein, senkt Gebühren aber an anderer Stelle. Teuer kann es bei manch einer Filialbank werden. Wer seine Wertpapiergeschäfte über das Onlinebanking tätigt, spart auch dort oft deutlich.

    Beim Direkt-Depot der Commerzbank zahlen Kunden nichts für die Depotführung, sofern sie pro Quartal mindestens einen Kauf oder Verkauf in Auftrag geben. Beim Klassik-Depot wird dagegen eine Gebühr in Höhe von 0,25 Prozent des Depotvolumens fällig, mindestens jedoch knapp 80 Euro im Jahr.

    Wer häufig handelt, muss auf die Ordergebühren schauen. Neben dem Grundpreis des Brokers kommen häufig noch Fremdkosten hinzu wie etwa Börsenplatzgebühren. Zum 1. März streicht aber die auf Privatanleger fokussierte Regionalbörse Stuttgart das fixe Transaktionsentgelt im Aktienhandel. Insgesamt sollen kleine Orders dadurch günstiger werden, verspricht Geschäftsführer Dragan Radanovic. Ob Anleger davon etwas merken, hängt davon ab, inwiefern die Broker ihre Gebühren anpassen.

    Grafik

    Deutliche Unterschiede

    Viele Banken verlangen von ihren Kunden indes eine Mindestgebühr pro Order. Kleine Transaktionen werden dadurch relativ teuer. Bei den Filialbanken liegt der Mindestpreis laut Verbrauchermagazin „Finanztest“ in der Regel zwischen 15 und knapp 35 Euro. Vergleichsweise günstig ist der Onlinebroker Flatex. Für eine Wertpapierorder über den Handelsplatz Xetra zahlen Anleger regulär einen Festpreis von 5,90 Euro zuzüglich der Börsenplatzgebühren. Bei der Onvista Bank, die unter den von „Finanztest“ zuletzt untersuchten Banken die günstigste ist, beträgt die Ordergebühr sogar nur fünf Euro.

    In einer Auswertung der FMH-Finanzberatung liegt Degiro bei den Kosten am günstigsten. Für einen Kauf oder Verkauf von Aktien über Xetra, den elektronischen Handelsplatz der Frankfurter Börse, verlangen die Niederländer zwei Euro plus 0,018 Prozent des Betrags. Wer also für 10 000 Euro BMW-Aktien kauft, zahlt nur 3,80 Euro. „Finanztest“ lässt Degiro aus seinen Tests jedoch heraus, da nicht investierte Beträge in einem Geldmarktfonds geparkt werden müssen. Zugleich kostet ein Depotübertrag von und zu Degiro zehn Euro je Posten – eine Gebühr, die für deutsche Banken laut BGH-Urteil nicht zulässig ist.

    Anleger fragen sich zudem, was aus dem niederländischen Unternehmen nach der Übernahme durch Flatex wird. Momentan rechnen die Broker mit einer Genehmigung der Transaktion durch die Aufsichtsbehörden im zweiten Quartal 2020. Beide Firmen betonen, dass Degiro in der Flatex-Gruppe als Eigenmarke bestehen bleiben werde.

    Beim Smartphone-Broker Trade Republic kostet eine Order ein Euro, für Fremdkosten. Justtrade und Gratisbroker verzichten sogar komplett auf Gebühren, sofern der Kurswert der gehandelten Produkte mindestens 500 Euro beträgt. Die Broker verdienen an den Rückvergütungen, die sie von ihren Handelspartnern für die Vermittlung der Orders bekommen. Die etablierten Broker erhalten die Rückvergütungen zwar auch, behalten sie aber selbst.

    Bei Trade Republic können Anleger aber nur über LS Exchange, die elektronische Handelsplattform der Börse Hamburg, handeln. Bei Justtrade ist der Handel über LS Exchange und Quotrix, das elektronische Handelssystem der Börse Düsseldorf, möglich. Gratisbroker bietet nur den Handel über Gettex, das außerbörsliche Handelssystem der Börse München. Während der Öffnungszeiten des regulären Börsenhandels orientieren sich die Preise bei diesen Handelssystemen nahe an den Xetra-Kursen. Wer außerhalb handelt, läuft Gefahr, schlechtere Preise gestellt zu bekommen. Smartbroker verlangt eine Basisgebühr von vier Euro pro Transaktion, zuzüglich Börsenplatzgebühren.

    Der Handel ist aber an vielen Börsenplätzen möglich. Trotz günstiger Gebühren kann es sein, dass die Anbieter an anderer Stelle abkassieren. Mit Minuszinsen auf dem Verrechnungskonto leben müssen Kunden bei Flatex, bei Justtrade und auch bei Smartbroker, hier allerdings nur bei einer Cashquote von über 15 Prozent.

    Immer wieder kommt es auch zu Gebührenerhöhungen, die Verbraucher nicht sofort wahrnehmen – etwa wenn der Grundpreis pro Order gleich bleibt, aber die Handelsplatzentgelte steigen. Herbst von der FMH-Finanzberatung sagt: „Gut für Anleger ist, dass es eine breite Auswahl an Brokern gibt. Wenn ein Anbieter die Gebühren anhebt, kann sich der Verbraucher recht einfach einen anderen suchen.“ Neukunden werden zudem oft durch Prämien oder Sonderkonditionen gelockt. Alles in allem gilt: Gerade wenn die Renditen an den Kapitalmärkten zu wünschen übrig lassen, gilt es, wenigstens die Kosten möglichst gering zu halten.

    Mehr: Erfahren Sie hier, welchen Milliardendeal Morgan Stanley plant.

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