Zahlungsverkehr „Deutschland ist ein Bargeldland“

Eigentlich sind Geldscheine nur bedrucktes Papier, darauf verweist sogar der Bundesbank-Präsident. Doch das Vertrauen der Deutschen in die Banknoten ist ungebrochen. Die Kartenfirmen sehen das gar nicht gerne.
25 Kommentare
Ein Koffer voller Geld. Quelle: dpa

Ein Koffer voller Geld.

(Foto: dpa)

FrankfurtOb beim Bäcker, an der Tankstelle oder im Supermarkt: Die meisten Einkäufe zahlen Deutschlands Verbraucher immer noch bar.„Bargeld ist Geld zum Anfassen“, bringt es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Mittwoch bei einem Symposium der Notenbank in Frankfurt auf den Punkt. „Geldscheinbündel und Tresore voller Geld gehören heute noch zu den unmittelbarsten und eingängigsten Symbolen für Reichtum und Wohlstand.“

An Dagobert Ducks Geldbad erinnert sich auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, gut - obwohl die Lektüre der Comics schon eine Weile her sei. Damit hat Kemmer auch gleich eine Antwort auf seine Frage: „Woher kommt die Liebe der Deutschen zum Bargeld?“ - wo es doch inzwischen eine Reihe „weitaus sicherer und bequemerer Alternativen“ zu Schein und Münze gebe.

„Bargeld ist ein zutiefst emotionales Produkt“, bilanziert Kemmer. Es werde überall akzeptiert, könne im Grunde an jeder Straßenecke aus dem Automaten gezogen werden, schütze an der Supermarktkasse vor genervten Blicken aus der Warteschlange, wenn bei Kartenzahlung die Technik stocke und könne ganz plastisch unters Kopfkissen gelegt werden. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele meint, Bargeld mache Bürger „im Grunde so frei, wie sie sein möchten“.

Die Liebe der Banken zum Bargeld, daraus macht Kemmer zugleich keinen Hehl, hält sich in Grenzen: Mehr als vier Milliarden Euro müssten Banken und Sparkassen jährlich immer noch aufbringen, um die Bargeldversorgung ihrer Kunden zu gewährleisten.

Den Durchschnittverbraucher kümmert das in der Regel wenig. 118 Euro Bargeld haben die Menschen im Schnitt im Portemonnaie, Beträge zwischen 20 und 50 Euro werden in Deutschland fast ausschließlich bar beglichen. Getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“ zahlen viele Verbraucher in Deutschland auch deshalb lieber bar, weil sie dann ohne großen Aufwand den Überblick über ihre Ausgaben behalten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Neuartige Technik soll Skeptiker überzeugen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

25 Kommentare zu "Zahlungsverkehr: „Deutschland ist ein Bargeldland“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Bargeld wird nie abgeschafft. Womit sollen unsere "Eliten" denn dann ihre Nutten bezahlen? LOL

  • Nur Bargeld ist Geld.
    Nur Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel.

    Alles andere sind Guthaben.
    Guthaben ist kein Geld.

    Hätte man nur Guthaben, so wäre man den Banken auf gedeih und Verderb ausgeliefert. Man könnte sein Geld nicht von den Banken wegnehmen.

    Man sollte die Banken in ihren Rechten einschränken und nicht weiter stärken.

  • Ich gehe auch zunehmend wieder zum Bargeldverkehr über. Der Staat und interessierte Kreise sind mir für alles andere viel zu neugierig. Vertrauen ist hier fehl am Platze, weil Staat und Öffentlichkeit als anonymisierte Gruppen oder Institutionen viel zu Vorurteils belastet sind und zuviel Wissen an dieser Stelle bedrohlich und gefährlich ist. Dem Staat als anonymisiertes Konglomerat aus Interessen Vernunft zu unterstellen ist ebenso mühsam wie mit einem verzogenen Kind zu diskutieren und zu dem sinnlos, weil hier das Kind das Gewaltmonopol hat.

    H.

  • Ursache der Bargelddebatte: Weil es ohne Bargeld keinen Bankrun geben kann"!!!

    Das Geld verbleibt bei der Bank als binärer Code. Damit wird den kleinen Menschen die letzte Chance genommen, ihre Ersparnisse in Sicherheit und die Anonymität zu bringen.
    Für die Banker und Politiker wird es eine Sonderregelung geben.
    Die Deutschen Bargelddebatte ist im Kontext der europäischen zu sehen: Überall in Europa versucht man derzeit Bargeld zu kriminalisieren, etwa mit dem Hinweis, dass damit Drogen oder Schwarzarbeit bezahlt würde. Hier versucht man Bargeld – das einzige gesetzliche Zahlungsmittel – nun auf anderem Weg irgendwie verächtlich oder lächerlich zu machen. Zugleich streut man mit solchen Artikeln ein paar Beschwichtigungsformeln, damit die Deutschen nicht morgen schon zur Bank rennen, um einem Verbot zuvorkommend, ihre Konten zu plündern.

    Außerdem möchte der Staat mit den Banken zusammen seine Bürger total überwachen und kontrollieren.(auch: Finanzamt, Polizei, Harz IV) Der Weg dazu ist die Abschaffung des Bargeldes. Ohne Bargeld könnte man Menschen durch Sperrung des Kontos wie ferngesteuert abschalten. Kein Harzer könnte sich mehr ein Lachsbrötchen kaufen, ohne dass dieser Einkauf bei seinem Betreuer als "überflüssiger Luxus" registriert würde. Gewisse Bürger bekämen etwa im Supermarkt plötzlich kein Essen mehr. Oder der klamme Staat kann über Nacht von den Konten der Bürger einfach mal abbuchen, wie in Italien der 90er Jahre.

    Orwell lässt grüßen.

    Mit anderen Worten: Bar-„Geld ist geprägte Freiheit“, wie Dostojewski einmal formulierte. Bargeld ist im digitalen Zeitalter außerdem angewandter Datenschutz. Dieser Schutz der eigenen Daten ist keineswegs „emotional“.

    Zur allgemeinen Einführung in das Thema empfehle ich interessierten Laien Franz Hörmann: http://www.youtube.com/watch?v=geKN6gXX-Ro

  • bla bla bla...

    Es geht darum, -richtiges Geld- gegen Anspruch auf Geld zwanghaft zu tauschen. Ich empfehle das Video -Fabian - bei Youtube. Eine Bank ist seit langem kein Wechselinstitut mehr. Die letze Runde wird eingeleitet. Wenn das Wirklichkeit wird, ist der Chip im Gehirn nicht mehr weit.

  • "Dagobert Ducks Geldbad"
    Soweit ich mich erinnern kann, hat Dagobert Duck immer in Goldmünzen gebadet, nie in Papiergeld..

    -Dass die Banken Bargeld abschaffen wollen, ist klar: Das Giralgeld auf den (Kreditkarten)konten schöpfen sie selber, auf dem staatlichen Papiergeld können sie dagegen "nur" ca. den Faktor 20 an Kreditgeld erzeugen..
    -Dass Papa Staat Papiergeld mag, nun, das bedarf keines Kommentars

  • In Schweden haben schon einige Banken das Hantieren mit Bargeld ganz eingestellt. Und selbst bei etwas besseren Banken bekommt man ohne Vorbestellung mitunter nur umgerechnet 1500€ ausbezahlt. Bezahlt wird praktisch überall mit Karte. Es gibt sogar schon Geschäfte die ausschließlich Plastik nehmen.
    Als Argument wird da gerne angeführt daß kein oder minimaler Bargeldbestand mit Blick auf Überfälle sicherer ist. Das mag zwar sein - aber dafür ist man sich auch 100% sicher daß Vater Staat bei jedem Geschäft seine Hände mit aufhält.
    In so einer Bargeldlosen Welt gibt´s natürlich auch nicht mehr die Alternative "Schwarz" falls die Steuerlast einem doch mal unerträglich erscheinen sollte.
    Kurzum: Der Weg ins bargeldlose Zeitalter ist auch der Weg in die ultimative Versklavung durch den Fiskus. Und die Überwachung ist dann natürlich auch 100% gesichert.
    Erschreckend ist für mich eigentlich nur die Kritiklosigkeit der Menschen die den eigentlichen Zweck nicht durchschauen.

  • Im Internet neurotisch mit Tracking Protect und AdBlock hantieren und draußen bei jeder Gelegenheit einchecken, das sind die richtigen.
    Da hinterlasse ich meine Spuren doch lieber im Netz als außerhalb.

    Nur Bares ist Wahres. Da lacht sogar die Bäckereifachverkäuferin.

  • Ohne Bargeld wird mein Kassenbeitrag dann
    nach meinen Rauch ,Trink und Essgewohnheiten berechnet.
    Das Geburtstagsgeld Geschenk an die Kinder als Einkommen
    besteuert. Die Bordelrechnung direkt von der Frau/Freundin
    zu einer Gesprächsrunde benutzt.
    Das Trinkgeld im Lokal gleich Versteuert.
    Und vergessen wir nicht die Milliarden die an "Steuerfreihe"
    Helfer weitergegeben werden, die wollen die Politiker
    auch noch abgreifen und verschwenden.

  • Wie ist das eigentlich mit dem biometrischen Merkmal Gesichtskontrolle?

    "Ausländischen Geldautomaten fehlt der MM-Sensor ganz, deshalb werden duplizierte Karten mit Vorliebe dort eingesetzt. Auch übliche Kreditkarten enthalten keinen MM-Schlüssel."

    http://www.heise.de/ct/artikel/Nur-Peanuts-284608.html#MMMerkmal

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%