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Adlon-Rechtsstreit Milliarden-Prozess gegen Signal Iduna: Gericht will Streitparteien zu Einigung bewegen

Im Milliardenprozess des Fondsunternehmers Jagdfeld gegen die Signal Iduna nimmt das Gericht einen neuen Anlauf für einen Vergleich. Zwei ähnliche Versuche scheiterten.
16.12.2019 - 16:50 Uhr Kommentieren
Der Fondsunternehmer wirft der Versicherung Rufmord vor. Quelle: imago stock&people
Anno August Jagdfeld

Der Fondsunternehmer wirft der Versicherung Rufmord vor.

(Foto: imago stock&people)

Dortmund Es ist eine Summe, die aufschrecken lässt: Eine Milliarde Euro fordert der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld von der Dortmunder Versicherung Signal Iduna. Sein Vorwurf: Rufmord. Seit bald fünf Jahren liefern sich beide Parteien deshalb eine Schlammschlacht vor dem Dortmunder Landgericht.

Am Montag wurde der vorerst letzte Zeuge vernommen. Nun will der Vorsitzende Richter Willi Pawel Jagdfeld und Signal Iduna zu einem Vergleich bewegen. „Dann werde ich eine erste rechtliche Einschätzung geben und versuchen, sie beide zusammen zu bringen“, erklärte er bei der Verhandlung am Dienstag.

Der Streitfall ist kompliziert. Es geht dabei um das Prestige-Hotel Adlon, das der Fondsunternehmer Jagdfeld mit Anlegergeldern am Brandenburger Tor in Berlin neu aufbauen ließ. Auch die Signal Iduna investierte in das Projekt. Für fünf Millionen Euro kaufte die Versicherung damals Anteile an dem geschlossenen „Fundus-Fonds 31“, dem Jagdfeld seit seiner Gründung und bis heute als Geschäftsführer vorsteht.

Als es zu Unstimmigkeiten wegen ausgebliebener Ausschüttungen kam, engagierte sich die Signal Iduna in einer Schutzgemeinschaft. Deren Geschäftsführer, der inzwischen verstorbene Rechtsanwalt Thomas Fritsch, hatte Jagdfeld in der Öffentlichkeit mehrmals heftig angegriffen: Er drohte, „Jagdfeld und seine Entourage zu entsorgen“ – und warf dem Unternehmer vor, „Untreue vor laufender Kamera“ zu begehen.

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    Mit diesen öffentlichen Vorwürfen, so argumentieren die Klägeranwälte nun, habe Fritsch sowohl dem Fonds als auch Jagdfeld persönlich hohen finanziellen Schaden zugefügt. Mehr noch: Es habe sich dabei um eine gezielte Rufmordkampagne gehandelt – mit dem Ziel, Jagdfeld als Geschäftsführer des Adlon-Fonds abzusetzen. Bei der Signal Iduna indes heißt es: Niemand aus dem Unternehmen habe sich jemals öffentlich negativ über Herrn Jagdfeld geäußert. „Deshalb hat diese Klage keinerlei Aussicht auf Erfolg“, sagte ein Sprecher.

    Frühere Versuche sind gescheiter

    Es ist nicht das erste Mal, dass Richter Willi Pawel versucht, Jagdfeld und die Signal Iduna dazu zu bewegen, sich außergerichtlich zu einigen. Bereits zu Beginn der Beweisaufnahme im Winter 2016 schlug Pawel der Versicherung vergeblich vor, 20 Millionen Euro an Jagdfeld zu zahlen, um das Verfahren zu beenden. Auch einen zweiten Versuch schlug die Signal Iduna aus - während der Richter dem Unternehmen empfahl, sicherheitshalber Rücklagen für den Verfahrensausgang zu bilden.

    Derzeit scheint es unwahrscheinlich, dass der Kläger der Versicherung eine konzertierte Aktion gegen den Immobilieninvestor nachweisen kann. So erklärte ein Zeuge, der Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft, dass der verstorbene Rechtsanwalt Fritsch jemand gewesen sei, „der sehr stark sein eigenes Ding gemacht“ habe.

    „Der hat sich nur mit anderen abgesprochen, wenn es seinen eigenen Zielen nützlich war“, so der Zeuge, der hauptberuflich als Unternehmensberater arbeitet und im Verwaltungsrat des Adlon-Fonds tätig war. Deshalb sei es möglich, dass Fritsch mit seinen scharfen Angriffen bekannter werden wollte, um weitere Mandate zu sammeln. „Er hat gemacht, was er wollte.“

    Grundsätzlich ist trotzdem denkbar, dass Signal Iduna dennoch für die Äußerungen des Rechtsanwaltes haftbar gemacht werden könnte. Denn durch ihren Beitritt ist die Versicherung auch Gesellschafterin der Schutzgemeinschaft geworden - und haftet, je nach rechtlicher Auslegung, im Zweifel auch für Schäden, die die Schutzgemeinschaft und ihr Geschäftsführer verursacht haben.

    Die Anwälte der Signal Iduna sind dennoch zuversichtlich, den Streit im Sinne ihrer Mandantin vor Gericht klären zu können. „Es ist schwer vorstellbar, eine so mutwillige Klage mit irgendeinem Vergleich zu belohnen“, sagte Lutz Aderhold von der Kanzlei Aderhold, der die Versicherung vor dem Dortmunder Landgericht vertritt, dem Handelsblatt. Die Gegenseite sei „gesprächsbereit“, hieß es von einem Sprecher von Jagdfelds Unternehmensgruppe.

    Kommt es nicht zu einer außergerichtlichen Einigung, ist dennoch erst in einigen Monaten mit einer Entscheidung des Gerichts zu rechnen. Dabei geht es allerdings noch nicht um die Höhe der Entschädigung. Denn Jagdfelds Anwälte lassen in dem jetzigen Verfahren zunächst nur feststellen, ob die Signal Iduna eine Pflichtverletzung begangen hat. Die tatsächliche Schadenshöhe, die noch einmal deutlich von der Forderung des Klägers abweichen kann, würde dann in einem weiteren Prozess geklärt werden.

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