Altersvorsorge Die neuen Kleider der Lebensversicherung

Die gute alte Lebensversicherung ist noch nicht tot. Kunden müssen sich nur mit weniger Garantien und mehr Risiko abfinden. Die Versicherer bekommen mehr Sicherheit und neue Geschäftsfelder. Die Agenda für den Neustart.
13 Kommentare
Verbraucherschützer Axel Kleinlein: „Eine angemessen hohe Überschussbeteiligung der Kunden ist gefährdet, wenn sich das Unternehmen nicht mehr mit der Konkurrenz messen muss“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV).

Verbraucherschützer Axel Kleinlein: „Eine angemessen hohe Überschussbeteiligung der Kunden ist gefährdet, wenn sich das Unternehmen nicht mehr mit der Konkurrenz messen muss“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten (BdV).

MünchenKleider machen bekanntlich Leute. So ist das auch bei der Lebensversicherung. Die alten Klamotten passen nicht mehr. Doch einfach neue zu schneidern, reicht nicht. Nötig ist eine völlig neue Kollektion, damit sich der Umsatzbringer der Branche auch künftig bestens verkauft. 

Wie die neuen Kleider aussehen könnten, diskutieren ab heute Manager, Fondsexperten und Verbraucherschützer in München zwei Tage auf der Handelsblatt Jahrestagung „Assekuranz 2014“. „Eine starke Branche blickt nach vorne: Chancen, Inspirationen und Perspektiven für die Versicherungswirtschaft“, heißt es im Programm.

Was dies für die Lebensversicherung bedeutet, zeichnet sich bereits in Berlin ab. Dort wird ein neuer Rahmen für die Branche diskutiert und bald verabschiedet. Im Wesentlichen geht es dabei um folgende Punkte: ein Sanierungsprogramm für die Branche, Einschnitte für Kunden und neue Geschäftsfelder. 

Keine Frage ist dabei, dass der wichtigste Bereich der Versicherungswirtschaft stark unter Druck geraten ist. Grund dafür sind die extrem niedrigen Zinsen. Und so wie es aussieht, werden diese auch noch eine Weile so tief unten bleiben. Für die gut 90 Lebensversicherer wird es daher immer enger. 

Das Problem: Die Lebensversicherer haben ihren Kunden in den vergangenen Jahrzehnten hohe Garantiezinsen versprochen: bis zu vier Prozent. Manche können diese heute schon nicht mehr zahlen. Und es ist klar: Je länger die Zinsen am Kapitalmarkt niedrig bleiben, umso schwerer wird es, die schönen Versprechen zu erfüllen. 

Bitter ist überdies: Die Versicherer verkaufen weniger. Denn immer mehr Kunden betrachten deren Produkte mit Argwohn. Sie stecken am liebsten einmalig hohe Beträge in Lebensversicherungen. Doch das ist gefährlich für die Unternehmen, wenn diese Kunden wieder gehen. Was also muss sich ändern? 

 

Die Ansprüche der Kunden
Seite 1234567Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Altersvorsorge - Die neuen Kleider der Lebensversicherung

13 Kommentare zu "Altersvorsorge: Die neuen Kleider der Lebensversicherung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lebensversicherungskunden sollen also zweimal beschissen werden. Einmal am Anfang durch die verschwiegenen Provisionskosten und dann am Ende durch vorenthaltene Anteile am aufgebauten Vermögen, sprich an den stillen Reserven.

    Dabei macht der Bürger aber nun nicht mehr mit 8-))

    https://www.openpetition.de/petition/online/kunden-von-kapitallebensversicherungen-muessen-weiterhin-an-stillen-reserven-beiteiligt-werden

  • Bei kritischer Betrachtung sollte man den Vertrieb von Lebensversicherungen gesetzlich verbieten und die Gesellschaften zu mehr Transparenz zwingen.

    Jede Bank erstellt einen Kontoauszug nach jeder Kontobewegung aus der sofort hervorgeht, ob sie den Kunden "rasiert" hat und der Kunde entscheiden kann, ob er die Bank wechsel oder nicht.

    Ganz anders bei der Lebensversicherung. Hier kann sich die Gesellschaft still und heimlich und mit Unterstützung der Präsidentin selbst so richtig reich machen. Beide, Versicherer und BaFin brauchen dem Kunden nichts offenzulegen.

    Alles ist möööglich ...

  • Eine Kapitallebensversicherung ist nicht empfehlenswert. Wenn ich mich dermassen langfristig binde, muß dabei mehr als die lächerlichen 1,x% Garantiezins rausspringen.
    Aber die Deutschen sind ja ohnehin die Vorzeigegeldexperten und finden den letzten Scheiß a la geschlossene Immofonds, Schiffbeteiligungen etc, die sonst nirgendwo auf der Welt so blühen wie in unserem schönen Deutschland.

  • Niemand in diesem Land wird dazu gezwungen, eine Kapitallebensversicherung abzuschliessen. Wer so naiv ist, sich von einem Versicherungsverkäufer "beraten" zu lassen, der ist selber schuld. Verwerflich finde ich nur, dass die Politik sich einmischt und mit den öffentlichen Förderprogrammen (Riester & Co.) dem ganzen ein seriöser Anstrich verpasst werden soll. Die Branche lacht sich ins Fäustchen und zieht den unbedarften Kleinanleger hemmungslos über den Tisch - Entschuldigung, ich meine natürlich "berät" ihn.

  • Es ist leider bezeichnend für unsere Politik, daß sie sich für die Versicherungsgesellschaften entscheidet und nicht für die Menschen, die Versicherten.
    Für zukünftige Verträge "von mir aus", da kann jeder ja noch vorher entscheiden.
    Das schlimme ist, daß die neue Regelung auch für Altverträge gilt. Mein Vertrag ist demnächst nach zig Jahren fällig und ich kann nichts mehr ändern.
    Die Etikette verbietet mir zu schreiben, was ich über die Verursacher dieser Entscheidung denke.

  • @ Mut_zur_Wahrheit - sie haben ja recht, offensichtlich habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. die garantieverzinsung ist ein gesetzlich garantierter wert, während die überschüsse entstehen können oder auch nicht. überschüsse von null ergeben bei einer gesetzlichen beteiligungsquote von 90% leider wieder null. genau da liegt das problem. ein vertragspartner verpflichtet sich zu einer verzinsung unterhalb der inflationsrate, während der andere vertragspartner ein mögliches leistungsversprechen erhält.

  • "wie kann jemand einen lebensversicherungsvertrag unterschreiben dessen garantieverzinsung momentan bei 1,75% liegt. alles was darüber hinaus geht, gibt der versicherer freiwillig."

    Das ist falsch. Lebensversicherer sind auf Basis der Mindestzuführungsverordnung verpflichtet entstandene Überschüsse zum größten Teil an die Kunden auszuzahlen. Dies geschieht nicht freiwillig, sondern ist vom Gesetz so vorgeschrieben. In der Praxis liegt diese Beteiligungsquote an den Überschüssen meist über 90%.

    Siehe: http://www.gesetze-im-internet.de/mindzv/

  • stichwort "best advice". wie kann jemand einen lebensversicherungsvertrag unterschreiben dessen garantieverzinsung momentan bei 1,75% liegt. alles was darüber hinaus geht, gibt der versicherer freiwillig. die garantieverzinsung wird natürlich nur auf den sparanteil bezahlt, der wesentlich geringer als der zu zahlende beitrag ist. dazu kommen dann noch über 50 oder 60 seiten kleingedrucktes, dass kaum noch verständlich für den laien ist, von demselben aber als vertragsgrundlage akzeptiert werden muß. grauenvoll. eine überbordende, völlig sinnlose bürokratie. für den kunden nicht mehr zu durchschauen und wenig effizient. der einzige, der daran prächtig verdient ist der staat und die aktionäre der jeweiligen versicherungsgesellschaften, nicht aber der versicherungsnehmer. dazu kommen noch die bombastisch aufgeblasenen bürokraten der zwangsfinanzierten ihk'n, die natürlich auch noch mit überdimensionierten bürokratien mitmischen und das ganze noch undurchsichtiger machen ohne sinn und nutzen für den verbraucher. auch noch so viel beratungsprotokolle und anderes gedöns machen diese anlageform für den kunden sinnvoller. im gegenteil, sie suggerieren sicherheit die nie gegeben ist. das ziel - den kunden mit immer mehr unüberschaubarer bürokratie bei der stange halten. natürlich zum nachteil des kunden. hauptsache - ein paar bürokraten können sich am schreibtisch festhalten und werden durchgefüttert ohne sinnvolles dafür getan zu haben. hauptsache paragraphen geprügelt.

  • Stimmt, die Lebensversicherungen sind ja bekannt dafür, dass sie ihre Kunden jahrzehntelang viel zu hohe Zinsen bezahlt haben, die Kunden wussten schon gar nicht mehr, wohin mit diesen ganzen Erträgen. Also nur zu verständlich, dass die Versicherer derart hohen Ertragsausschüttungen langsam einmal einen Riegel vorschieben müssen...

  • schuldenschnitte kommen noch lange nicht. Erst wenn eine gewisse anzahl beamter nachts büros putzen muss um die miete + kfz rep zu zahlen, wirds brenzlig. Das dauert noch.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%