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Einfamilienhaus

Beim Wohn-Riester sollen die eigenen vier Wände Teil der Altersvorsorge werden.

(Foto: dpa)

Altersvorsorge „Umständlich, aber lohnend“ – Was Sie über Wohn-Riester wissen sollten

Vor zehn Jahren hat der Staat Immobilien in die Riester-Rente einbezogen: eine gute Grundidee mit komplexer Umsetzung. Doch das Reinfuchsen kann sich lohnen.
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DüsseldorfDie eigenen vier Wände sollen Teil der Altersvorsorge werden – mit diesem Ziel hat die Bundesregierung 2008 die Finanzierung selbst genutzten Wohnraums in die Riester-Rente einbezogen.

Statt ein Drittel der Rente – in Ballungsgebieten womöglich noch mehr – für die Miete auszugeben, sollen Rentner stattdessen mietfrei wohnen. Deswegen bezog die Bundesregierung im Jahr 2008 die Finanzierung selbst genutzten Wohnraums in die Riester-Rente ein.

Die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester benannte geförderte private Altersvorsorge war sechs Jahre zuvor eingeführt worden. Es gab bis dahin nur „Geld“-Riester-Verträge: Die Spargelder flossen in Rentenversicherungen, Fonds- oder Banksparpläne.

Varianten gibt es viele: Für alle Formen gilt jedoch, dass in der Anspar- wie auch in der Darlehensphase Zuschüsse vom Staat fließen, sofern sie von der zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) freigegeben sind. So kann der Sparer etwa Geld aus einem bereits bestehenden klassischen Riester-Vertrag entnehmen, um damit selbst genutzten Wohnraum zu bauen oder zu kaufen.

Auch kann er mit dem Geld bestehende Darlehen ganz oder in Teilen tilgen. Eine weitere Variante ist die Aufnahme eines Riester-Darlehens. Der Haken: Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp bestätigt, dass überregional nur die zum Deutsche-Bank-Konzern gehörende DSL Bank Riester-Darlehen anbietet.

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Ebenfalls möglich ist einer Riester-Förderung für Einzahlungen in Bausparverträge. Besonders beliebt ist die sogenannte Kombifinanzierung aus Vorausdarlehen und Bausparvertrag (siehe nebenstehender Artikel). Nach Angaben des Verbands Privater Bausparkassen (VPB) ist dies die am häufigsten gewählte Bausparvariante.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Geld- und Wohn-Riester: Aus einem Wohn-Riester-Vertrag wird angespartes Kapital inklusive staatlicher ‧Zulagen nicht als Rente ausgezahlt. Vielmehr bleibt das angesparte Vermögen in der Immobilie erhalten, wird also nicht durch Rentenzahlungen aufgezehrt.

Doch auch die Geld-Riester-Rente fällt nicht eines Tages aus. Ein Teil des angesparten Riester-Vertrags fließt nach dem Willen des Gesetzgebers in eine Rentenversicherung. Daraus bekommt der Riester-Rentner auch dann bis zum Lebensende Geld, wenn das angesparte Kapital samt Zinsen rechnerisch aufgebraucht ist. 

Ein weiterer Unterschied: Wohn-Riester ist noch komplizierter als Geld-Riester, etwa bei der Besteuerung. „Umständlich, aber lohnend“, urteilt Stiftung Warentest. Die Bausparkassen sehen dies genauso und rufen nach Vereinfachung, denn Wohn-Riester gehört neben den Fondssparplänen zu den wenigen Riester-Produkten, die noch Abnehmer finden. Verträge für Wohn-Riester machen immerhin zehn Prozent des Neugeschäfts der Bausparkassen aus.

Hohe Förderung

Ob Geld- oder Wohn-Riester, die Förderbeträge sind gleich. Wer die Maximalförderung erhalten will, muss jährlich vier Prozent seines Vorjahresbruttoeinkommens einzahlen. Deshalb ist es wichtig, die Einzahlungen jährlich anzupassen. Die Zulagen pro Jahr bestehen aus einer Grundzulage von 175 Euro. Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften gibt es das Doppelte und pro Kind je nach Alter 185 oder 300 Euro (siehe Tabelle). Geringere Beiträge mindern die Zuschüsse. Höhere Beiträge zu zahlen ist möglich, erhöht aber die Zuschüsse nicht.

Ein Vorteil von Wohn-Riester laut VPB: „Wohneigentum ist die einzige Form der Altersvorsorge, die man bereits in jungen Jahren genießen kann.“ Dennoch sollte niemand glauben, Wohn-Riester allein bringe ihn in jungen Jahren in die eigenen vier Wände. Bei den galoppierenden Wohnungs- und Hauspreisen sind die staatlichen Zuschüsse viel zu gering.

„Die Immobilie ist im Unterschied zur Riester-Rente frei vererbbar“, heißt es zudem beim VPB. Doch das gilt unter bestimmten Bedingungen auch für die Riester-Geld-Rente. So etwa, wenn der Rentenbezieher vor dem 85. Lebensjahr verstirbt. Dann sei die Übertragung des Vermögens auf einen bestehenden oder neuen Altersvorsorgevertrag möglich, erläutert Fondsanbieter Union Investment. Zulagen und Steuervorteile bleiben hier erhalten.

Eine Immobilie biete Inflationsschutz, behauptet der VPB. Das setzt voraus, dass die Immobilienwerte mindestens in Höhe der Inflationsrate zulegen. Das trifft zwar für die meisten Nachkriegsjahre zu, aber etwa nicht für die Jahre 2004 bis 2009. In dieser Zeitspanne nahm der Wert von Eigenheimen ab. Bauherren und Wohnraumkäufer sollten auch jetzt auf sinkende Immobilienwerte vorbereitet sein. So geht das Beratungsinstitut Empirica davon aus, dass in den größten deutschen Städten Preisrückgänge von bis zu einem Viertel drohen.

Wohn-Riester-Kunden könnte das kaltlassen, weil sie nur im Notfall ihr Wohneigentum verkaufen, also den Wertverlust nicht realisieren. Das liegt daran, dass sie nach einer Veräußerung die Zuschüsse zurückzahlen müssten. Allerdings können die Wertverluste ihre Erben treffen, wenn diese die Immobilie verkaufen.

Wer mit dem Wohn-Riestern beginnt, kann später auf Geld-Riester-Verträge umsteigen. Ein weiterer Vorteil, sagt der Verband VPB. Schließlich können sich Lebenspläne und -umstände ändern, sodass Wohn-Riestern keinen Sinn mehr ergibt. Geld-Riester-Kunden, die den umgekehrten Weg gehen, müssen ihr Geld-Riester-Vermögen nicht komplett auf Wohn-Riester übertragen.

Es sind Teilentnahmen aus den Geld-Riester-Vermögen möglich. Die Regel dazu lautet: Es müssen mindestens 3 000 Euro entnommen werden, und danach müssen noch mindestens 3 000 Euro Guthaben verbleiben. Unter diesen Umständen kommt die Stiftung Warentest zu dem Schluss, dass Hauskäufer damit in aller Regel bei der Kreditaufnahme mehr Zinsen sparen, als sie mit ihrem Riester-Banksparplan oder vielen Riester-Rentenversicherungen erzielen könnten.

Ebenso behauptet der VPB: „Kein anderes Riester-Produkt ist für Bauherren ähnlich rentabel.“ Die Bausparkassen-Vertreter argumentieren, dass ein Riester-Bausparer durch die Förderung in der Ansparphase früher in die eigenen vier Wände kommt und somit auch früher mietfrei wohnt. „Seine Rente ist die Mietfreiheit“, sagt ein VPB-Sprecher. Die Förderung der Tilgung ab Auszahlung verkürze die Darlehenslaufzeit. So ist der Bausparer auch früher schuldenfrei als ein Bauherr ohne Förderung.

Allerdings sollte ein Wohn-Riester-Kunde wie jeder Bausparer darauf achten, dass er sich in der Darlehensphase nicht zu viel zumutet. Denn die Monatsraten bleiben bei jeder Darlehensform gleich. Wenn das Einkommen des Wohn-Riester-Teilnehmers sinkt, muss er trotzdem die Differenz zwischen Förderung und monatlicher Rate von seinem geringeren Einkommen leisten. Er sollte aber unbedingt die vier Prozent vom dann niedrigeren Bruttoeinkommen zahlen, weil anderenfalls auch der Förderbetrag abnimmt, er also noch mehr aus eigener Tasche zahlen muss als zuvor.

Der VPB rät in Finanznot geratenen Riester-Kunden, mit den Bausparkassen darüber zu sprechen, wie ein finanzieller Engpass überwunden werden kann. Umgekehrt können Wohn-Riester-Sparer bei steigendem Einkommen höhere Raten als vereinbart leisten, um den Erhalt der Maximalförderung zu sichern.

Finanzamt macht Günstigerprüfung

Der Jahreshöchstbetrag, den Riester-Sparer bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe in der Anlage AV geltend machen können, beträgt 2 100 Euro. Das Finanzamt prüft in der Einkommensteuererklärung wie beim Kindergeld, ob Zulagen für den Steuerzahler günstiger sind oder aber die Steuerersparnis. Das Steuerprozedere funktioniert wie folgt: Von Beginn der Auszahlungsphase an wird die Summe auf dem Wohnförderkonto durch die Zahl der Jahre bis zum 85. Lebensjahr geteilt.

Der sich daraus ergebende Betrag erhöht dann bis zum 85. Lebensjahr in gleichbleibenden Raten das zu versteuernde Einkommen des Wohn-Riester-Kunden und wird mit dessen persönlichem Steuersatz besteuert. Die Auszahlungsphase beginnt, sobald das Riester- oder das Bauspardarlehen zurückgezahlt ist oder der Ansparvorgang beendet ist und bestimmte Altersgrenzen eingehalten sind. Sofern kein Zeitpunkt vereinbart ist, beginnt die Auszahlungsphase mit Vollendung des 67. Lebensjahres. Er kann vertraglich vereinbart frühestens auf die Vollendung des 62. Lebensjahres und spätestens auf die Vollendung des 68. Lebensjahres verlegt werden.

Apropos Steuern: „Wertzuwächse bleiben beim selbst genutzten Wohneigentum steuerfrei“, behauptet der VPB. Das ist weitgehend richtig. Riester-Renten werden wie die staatliche Rente nachgelagert, also ab Auszahlung besteuert. Erzielt ein Riester-Aktienfonds in der Sparphase Kursgewinne, so steigt auch die Rente. Weil die Rente versteuert wird, werden dann auch Steuern auf Kursgewinne gezahlt. Der Wohn-Riester-Sparer versteuert seine Rente auf Basis eines von der ZfA geförderten fiktiven Wohnförderkontos. Darin werden sämtliche Spar- und Tilgungsleistungen addiert und fest mit zwei Prozent verzinst.

Diese zwei Prozent Wertzuwachs versteuert der Wohn-Riester-Teilnehmer mit, was die Bausparkunden nicht verstehen, wie der Verband anmerkt. ‧Dadurch soll ein im Vergleich mit Geld-Riester-Produkten „fairer“ Wertzuwachs simuliert werden. Der VPB beklagt, dass Wohn-Riester-Sparer, die frühzeitig vor Renteneintritt ihr Darlehen ganz tilgen, ‧bestraft werden, weil der zu versteuernde Betrag auf ihrem Wohnförderkonto bis zum Beginn der Auszahlungsphase permanent wächst. So fordert der VPB eine Abschaffung des Zinses auf dem Wohnförderkonto – oder, diesen zumindest auf 0,5 Prozent zu senken.

Ein Beispiel für Besteuerung: Über den Zeitraum von 20 Jahren wurden 2 100 Euro jährlich eingezahlt. Einschließlich der zwei Prozent Zinsen weist das Wohnförderkonto ein Plus von 51 025 Euro aus. Verteilt auf 20 Jahre bis zum 85. Lebensjahr, ergibt sich ein jährlich zusätzlich zu versteuernder Betrag von 2 551 Euro. Angesichts der im Rentenalter meist sinkenden Einkommen – und damit auch einer niedrigeren Steuerlast – raten Experten von der möglichen Einmalbesteuerung des gesamten ‧Betrags mit 30 Prozent Rabatt ab.

Fazit: Der Wohn-Riester ist kompliziert. Und Geld-Riester ist auch nicht einfach zu verstehen. Das hat inzwischen auch die Politik erkannt und will den Geld-Riester vereinfachen. „Gelingt das, wird die Stimmung sich aufhellen und positiv auf Wohn-Riester ausstrahlen“, ist Bernd Hertweck, VPB-Vorstandschef, überzeugt. Anderenfalls bleibt es bei dem Urteil: „Umständlich, aber lohnend.“

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