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Arbeitsunfähigkeit Das denken Patienten über Krankschreibungen per WhatsApp

Sich im Krankheitsfall über einen Online-Dienst krankschreiben zu lassen, klingt verlockend. Doch eine Umfrage zeigt die Bedenken vieler Patienten.
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Grundsätzlich sind Krankenversicherte offen für telemedizinische Angebote. Quelle: dpa
Online-Ärztin

Grundsätzlich sind Krankenversicherte offen für telemedizinische Angebote.

(Foto: dpa)

FrankfurtDiese Grenzfälle kennt wohl jeder Arbeitnehmer: Die Nase trieft, der Kopf tut weh – soll man nun arbeiten gehen oder nicht? Spätestens dann, wenn der Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) fordert – in der Regel nach dem dritten Krankheitstag –, schleppt sich so mancher Mitarbeiter ins Büro, obwohl er noch nicht fit ist. Ein häufiger Grund: Die Alternative, stundenlang in einem überfüllten Wartezimmer beim Arzt zu sitzen, ist noch weniger attraktiv.

Warum sich dann nicht einfach per WhatsApp von einem Tele-Arzt krankschreiben lassen? Grundsätzlich klingt das nach einer bequemen Lösung. Doch viele Menschen halten das offenbar für unseriös, wie eine aktuelle Umfrage der Krankenkasse IKK Südwest unter ihren Versicherten ergeben hat.

Mehr als drei Viertel der Befragten würden einen solchen Online-Dienst nicht nutzen. Knapp zwei Drittel sind sogar der Meinung, dass das Angebot im Hinblick auf das Thema Datenschutz gesetzlich verboten werden sollte. Und über vier Fünftel der Patienten wollen sich im Krankheitsfall lieber vom Arzt ihres Vertrauens persönlich untersuchen lassen.

„Für uns ist das ein klares Indiz dafür, dass Krankschreibungen durch anonyme Tele-Ärzte, die über Messengerdienste abgewickelt werden, nicht als vertrauenswürdig wahrgenommen werden“, sagt Francesco Savarino, Leiter Kostenmanagement bei der IKK Südwest. Die Krankenkasse verweist dabei auch auf ein Hamburger Unternehmen, das bei Erkältungssymptomen seit Ende vergangenen Jahres eine Krankschreibung per Whatsapp anbietet.

Gemeint ist das Hamburger Start-up AU-Schein.de. Laut dessen Internetseite müssen Nutzer lediglich einen Fragebogen beantworten, neun Euro bezahlen und die Daten an den Arzt senden. Das Unternehmen wirbt mit mehr als 5000 Bestellungen, 100 Prozent Akzeptanz bei Arbeitgebern und Krankenkassen sowie null Prozent gemeldeter Fehldiagnosen. Allerdings wird die AU ausschließlich nur als Erstbescheinigung, nicht rückwirkend und höchstens zweimal jährlich für ein bis maximal drei Tage ausgestellt.

Das Angebot lädt zum Schummeln ein

Dass die Krankschreibung per WhatsApp tatsächlich funktioniert, haben unter anderem Reporter von „Bild“ und „Spiegel“ getestet. Was sich dabei aber auch gezeigt hat: Das Angebot lädt zum Schummeln ein. Denn ohne persönlichen Kontakt lässt sich schwer überprüfen, ob der Patient die angegebenen Symptome auch wirklich hat.

AU-Schein.de selbst verweist auf Studien, die belegen, dass die Krankmeldungen in Norwegen zurückgegangen seien, seit sich die Patienten selbst krankschreiben dürfen.

Nicht umsonst beschäftigten sich aber auch Juristen wie der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke mit allerlei rechtlichen Fragestellungen rund um das Thema. Auf der Homepage seiner Kanzlei erklärt er beispielsweise, wie die Lockerung des Fernbehandlungsverbots solche Dienste erst entstehen lassen habe und beschreibt, dass rechtlich derzeit noch einiges unklar bleibe – etwa was den Datenschutz betrifft und die Akzeptanz einer solchen Bescheinigung durch den Arbeitgeber. Bei beidem sieht das Unternehmen selbst keine Probleme.

Generell sieht die Mehrheit der Befragten der IKK Südwest auch Vorteile bei der Online-Krankschreibung. Vor allem längere Warte- und Anfahrtszeiten fallen weg.

Mehrheit sieht Chance zu einer besseren medizinischen Versorgung

Insgesamt seien Krankenversicherte offen für telemedizinische Angebote, schreibt das „Versicherungsjournal“ und verweist auf diverse andere Umfragen. Die Mehrheit sehe dadurch die Chance zu einer besseren medizinischen Versorgung. Dazu beitragen will beispielsweise auch das Münchener Start-up Teleclinic. Mit dessen App können Patienten Ärzte per Telefon, Video oder Chat kontaktieren und sich jederzeit einen ärztlichen Rat einholen.

Die IKK Südwest sieht weitere Chancen, die die Digitalisierung bieten kann. Bislang müssen Patienten ihre vom Arzt ausgestellte AU-Bescheinigung noch selbst an die Krankenkasse weiterleiten.

„Unseres Erachtens ist die automatische elektronische Übermittlung der AU-Bescheinigung durch den Arzt an die Krankenkasse längst überfällig und muss endlich zeitnah umgesetzt werden“, sagt Savarino. Das am 11. Mai dieses Jahres in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sehe einen solchen digitalen Austausch zwischen Arzt und Krankenkasse für das Jahr 2021 vor.

Mehr: Fünf Überlegungen, wie der Patientenalltag im Jahr 2030 aussehen könnte.

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