BayernLB Gewitterwolken an den Märkten

Der Chefvolkswirt der BayernLB sieht die Lage an den Märkten weit weniger euphorisch als es viele positive Frühindikatoren ausdrücken. Entscheidende Bedeutung kommt weiter den Zentralbanken in den USA und Europa zu.
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Für Jürgen Michels, den Chefvolkswirt der BayernLB, sind der Ifo-Index und etliche weitere Frühindikatoren viel zu rosig. Quelle: dpa
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Für Jürgen Michels, den Chefvolkswirt der BayernLB, sind der Ifo-Index und etliche weitere Frühindikatoren viel zu rosig.

(Foto: dpa)

FrankfurtDen Kurseinbruch von einst haben viele Anleger noch im Kopf. Als am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die New Yorker Zwillingstürme krachten, waren die Börsen weltweit anschließend über Tage hinweg geschlossen. Trotzdem ließ sich auch danach der rapide Kurssturz nicht verhindern. Die Anschläge der vergangenen Monate, ob in Berlin, London, Cannes oder Paris, haben hingegen an den Börsen zu kaum einer Bewegung geführt.

Auf die Frage, warum politische Unsicherheiten angesichts der unsicheren Gemengelage rund um die Präsidenten Trump, Putin, Erdogan und Kim Jong-un kaum mehr Wirkung zeigen, hat Jürgen Michels eine einfache wie einleuchtende Erklärung. „Das mittelfristige Bild für die Unternehmen hat sich nicht verändert“, so der Chefvolkswirt der BayernLB. Es sei viel passiert, jedoch habe sich wenig materialisiert.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Grund dafür sind seiner Ansicht nach die Zentralbanken in den USA und Europa, die signalisiert haben: „Ich halte die Hand über Dich“, so Michels. Fraglich ist seiner Ansicht, ob das so weitergehen wird. Die Sommerzeit sei schließlich auch Gewitterzeit. Eine Zäsur, die viele am Markt noch gar nicht eingepreist haben, sieht er mit weiteren Zinserhöhungen in den USA und allmählich beginnenden Bilanzabschmelzung der US-Notenbank Fed. Bis Ende 2021 soll die wieder auf Normal-Niveau auf dann etwa 2,5 Billionen Dollar sinken. Aktuell sind es noch gut 4,5 Billionen Dollar. Spätestens im Dezember werde hier eine neue Episode eröffnet, in der dem Markt jeden Monat Liquidität entzogen wird.

Das deckt sich so gar nicht mit dem Optimismus deutscher Einkaufsmanager. „In deutschen Chefetagen herrscht Hochstimmung“, sagte Ifo-Chef Clemens Fuest bei der Vorstellung der neuen Zahlen in dieser Woche. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg war da im Vergleich zum Mai noch einmal leicht angestiegen auf 115,1 Punkte. Ein Rekord.

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