Bund der Versicherten Axel Kleinlein ist wieder Vorstandschef

Der Machtkampf im Bund der Versicherten ist beendet: Die Mitglieder haben den Aufsichtsrat entmachtet und den früheren Vorstandschef Axel Kleinlein wieder an die Spitze der Interessensorganisation geholt.
Update: 15.09.2013 - 16:31 Uhr 12 Kommentare
Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

HamburgDer Bund der Versicherten (BdV) hat am Samstag in einer Marathonsitzung in Hamburg einen neuen Aufsichtsrat gewählt. Und das neue Gremium wurde sofort aktiv: Axel Kleinlein ist wieder Vorstandsvorsitzender des Vereins. „Der Aufsichtsrat hat direkt in Anschluss an die außerordentliche Mitgliederversammlung getagt und Herrn Weissflog seiner Tätigkeit entbunden, mich als neuen Vorstandsvorsitzenden eingesetzt und Herrn Leuner als zweiten Vorstand bestätigt“, berichtete Kleinlein dem Handelsblatt. „Ich freue mich auf meine Arbeit als Vorstandsvorsitzender.“

Die außerordentliche Mitgliederversammlung hatten mehrere tausend Mitglieder des Vereins über eine Mitgliederbefragung durchgesetzt. Sie wollten den Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Gobrecht und Theodor Schadendorf aus dem Amt wählen. Der dritte Aufsichtsrat, Hartmut Wrocklage, war bereits im Mai zurückgetreten, weil er mit der Amtsführung Gobrechts nicht einverstanden war.

Letztlich ging es aber nicht um die Aufsichtsräte, sondern um Kleinlein. Der Wahl-Berliner war überraschend im Frühjahr von seinem Chefposten abberufen worden. Der Aufsichtsrat hatte dafür Tobias E. Weissflog an die Spitze des BdV gesetzt, den zweiten Vorstandsposten bekam Mario Leuner.

Der Rauswurf Kleinleins stieß bei Mitgliedern des BdV auf Widerstand. Eine Kampagne für die Wiedereinsetzung des Handelsblatt-Online-Kolumnisten war erfolgreich,  so dass nun in Hamburg die außerordentliche Mitgliederversammlung stattfand.

In einem Schreiben an die Mitglieder, das per E-Mail versandt wurde, hieß es: „Die Entlassung von Axel Kleinlein, der schnelle und für den BdV womöglich auch kostspielige Abgang von Thorsten Rudnik und der Rücktritt von Hartmuth Wrocklage, all dies sind Themen, die sehr viele Fragen aufwerfen.“

Es entwickelte sich in ein Machtkampf, der zuletzt einer Schlammschlacht glich. Schließlich ist die Masse der rund 53.000 Vereinsmitglieder inaktiv oder nicht am Vereinsleben interessiert. Sie profitieren lieber still von günstigen Versicherungstarifen, die der Verein mit einzelnen Gesellschaften ausgehandelt hat. Sie mussten also mobilisiert werden. In Internet-Foren kam es zwischen den Unterstützern Kleinleins und den Kritikern Kleinleins zu heftigen Wortgefechten.

Die Kleinlein-Unterstützer stellten wortgewaltige Kandidaten für den Aufsichtsrat auf. Künftig soll die Hamburger Verbraucherschützerin Edda Castello den Verbraucherverein beaufsichtigen. Außer ihr kandidierte auf Seiten der kritischen BdV-Mitglieder erfolgreich der zugelassene Versicherungsberater Oskar Durstin. Als drittes Aufsichtsratsmitglied wurde Peter Schütt gewählt.

Kleinlein kennt die drei aus der gemeinsamen Arbeit in unterschiedlichen Projekten. „Alle drei schätze ich sehr ob ihrer großen Expertise in Sachen Versicherung und Verbraucherpolitik“, sagt Kleinlein. „Ich freue mich sehr auf die Arbeit mit dem Aufsichtsrat, die endlich auch von Inhalten geprägt sein wird.“ Er werde nun sein Bestes tun, um den BdV in die richtige Spur schicken.

Es gärt schon lange
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12 Kommentare zu "Bund der Versicherten: Axel Kleinlein ist wieder Vorstandschef"

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  • Zu den Personen kann ich nicht viel sagen. Ich fände es aber befremdlich, wenn der BdV zum verlängerten Arm der Versicherungswirtschaft verkommen würde.

    Aufgabe von Verbraucherschutzorganisationen ist es zu poltern und auch das eine oder andere Mal über das Ziel hinaus zu schießen. Ein Kuschelkurs zur Versicherungswirtschaft käme einem Selbstmord gleich.

    Zu der Teilnahme an der Mitgliederversammlung: Hier sollte das Vereinsrecht reformiert werden. Ähnlich wie bei Beteiligungen, sollte auch über den Postweg oder Online abgestimmt werden können. Leider kann der Gesetzgeber hier nicht mit den Entwicklungen der modernen Kommunikationsmittel Schritt halten.

  • Zu den Personen kann ich nicht viel sagen. Ich fände es aber befremdlich, wenn der BdV zum verlängerten Arm der Versicherungswirtschaft verkommen würde.

    Aufgabe von Verbraucherschutzorganisationen ist es zu poltern und auch das eine oder andere Mal über das Ziel hinaus zu schießen. Ein Kuschelkurs zur Versicherungswirtschaft käme einem Selbstmord gleich.

    Zu der Teilnahme an der Mitgliederversammlung: Hier sollte das Vereinsrecht reformiert werden. Ähnlich wie bei Beteiligungen, sollte auch über den Postweg oder Online abgestimmt werden können. Leider kann der Gesetzgeber hier nicht mit den Entwicklungen der modernen Kommunikationsmittel Schritt halten.

  • Mein lieber Scholli,

    das ging ja ratz Fatz. Nicht genug, dass die beiden seit Jahren eng befreundeten Kämpfer gegen die ach so korrupte Melange aus Versicherungswirtschaft und Politik Bluhm und Castello ihr Lebensziel erreicht haben und sich mit 175 (sic!) von 50.000 Stimmen an die Macht beim BdV-geputscht haben. Auch nicht genug, dass sie im Kontext der deutschen Geschichte bemerkenswerter Art der Wiederholung die Demokratie ausser Kraft gestzt haben und die ordentliche Mitgliederversammlung abblasen wollen.
    Nein, sofort haben die Jugendfreunde Bluhm und Castello ihren gelehrigen Schüler Axel Kleinlein aufs Gleis gesetzt, um mit der Legendenbildung von den beiden zu beginnen.
    Da fällt mir gleich noch die nächste Filz-Frage ein: Kann eigentlich Edda Castello als Angestellte der VZHH Aufsichtsrat bei einem Verein sein, der 10% der Stimmen ihres Arbeitgebers kontrolliert. Was sagt da denn Dr. Hörmann von der VZHH dazu?
    Also alles im Lack. Der Filz hat jetzt nur einen Alt-68er Anstrich bekommen und der feine Herr Rechtsanwalt Bluhm bekommt endlich sein Denkmal.

  • Herzlichen Glückwunsch dem BdV zur Wiederbestellung von Herrn Kleinlein als Vorstand. Ob er zusammen mit dem neuen Aufsichtsrat die Doppelmoral im BdV wohl nun beenden wird und gesetzlich verankerten Verbraucherschutz auch den BdV-Mitgliedern gewährt?

  • @ Herr Müller:
    was denken Sie, wäre ein BdV wert, wenn die positiv über Versicherungen urteilen würden. Niemand bräuchte den BdV!
    Nicht alles was die nach aussen geben entspricht der Wahrheit, vieles verunsichert Sie und andere. Ich weiß, dass es gute Versicherungsprodukte und Lösungen z. B. für die Altersversorgung gibt. Der BdV und Verbraucherschutz (finanz- und ökotest) schreiben aber nie über gute Versicherungslösungen. Die leben!! davon, alles als schlecht und nur sich selbst als die letzten Retter in Ihrer Not, Herr Müller, darzustellen. Glauben Sie z. B. auch, dass Ihr Geld wie Finanztest vor etwa zwei Jahren schrieb unter dem Kopfkissen besser aufgehoben ist, als in einer guten Altersvorsorge, z. B. Riester. Dann sind Sie denen auf den Leim gegangen!
    Liskow, Versicherungsmakler

  • @handelsblatt:
    ist Ihnen von Untreue und Mobbing im Zusammenhang mit Herrn Kleinlein etwas bekannt?

  • Nun melde ich mich nochmals: Bin als BdV-Mitglied schockiert! Der neue Aufsichtsrat soll direkt nach der Mitgliederversammlung die Entscheidung für den neuen Vorstand getroffen haben. Hat man die während der Versammlung deutlich zu vernehmende Kritik an der früheren Amtszeit von Herrn Kleinlein nicht hören wollen? Mehrfach wurde von Mobbing und Untreue gesprochen. Ein Herr sprach sogar von einer Strafanzeige gegen Herrn Kleinlein. Warum sorgt der Aufsichtsrat nicht hier zunächst für Klarheit? Mir erscheint diese Entscheidung mehr als überstürzt!

  • Vermutlich wohnen Sie in Hamburg oder Umgebung. Da ist es einfach zur Mitgliedsversammlung zu kommen. Für alle Mitglieder sinnvoller wäre eine Versammlung in zentraler Lage von Deutschland. Das wurde aber in der Vergangenheit nicht genutzt und deshalb hatte halt der Hamburger Klüngel das Sagen. Dass ein komplett neuer Aufsichtsrat sich erst einmal einarbeiten muss ist ja wohl auch klar und hat nichts mit Entmündigung zu tun.

  • Ich war auch auf der Versammlung und ich kann BdV-Guenter nur Recht geben. So hoch, wie das da her ging, ist da das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Auch wenn sich Herr Bluhm endlich nach all den Jahren am Ziel wähnt und einen Aufsichtsrat nach seinem Gusto hat. Herr Kleinlein hat es gerade mal geschafft 178 von 53.000 Mitglieder zu überzeugen, die dann den Aufsichtsrat abgewählt haben. Überhaupt ist es traurig, dass die Mitglieder so desinterssiert an unserem Verein sind. Da haben 2.700 Mitglieder eine Außerordentliche gefordert und dann kommen nur 230!!!

    Da ist glaube ich immer noch viel aufzuarbeiten und so wie sich das anhörte setzt sich der Streit beim BdV noch lange fort.

    Am schlimmsten aber finde ich den Versuch der "Verunsicherten" nicht nur den Aufsichtsrat nach ihrem Geschmack zu bestimmen, sondern auch gleich die Mitglieder zu entmündigen, indem Sie die ordentliche Mitgliederversammlung am kommenden Samstag verhindern wollen. Ich weiß nicht wie Sie das hinbekommen wollen bis dahin alle Mitglieder über die Mitgliederzeitung zu informieren und die satzungsgemäße vier Wochen Frist für eine solche Abladung einzuhalten.

    Ich würde mir endlich mal einer wirklichen Mehrheit getragene Ruhe und Sacharbeit wünschen.

  • Ich war gestern auf der Mitgliederversammlung. Der neue Aufsichtsrat ist sicher eine gute Wahl für die Zukunft des BdV - allerdings wird er gleich viel zu tun bekommen und sich mit der Wieder-Berufung von Kleinlein schwer tun. Denn gegen Herrn Kleinlein wurden mehrfach Untreue- und Mobbing-Vorwürfe laut. Dies wird der neue Aufsichtsrat erst ausräumen müssen. Dabei viel Glück!

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