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Check24, Verivox, Booking Zweifel an Vergleichsportalen – Wie neutral spiegeln sie den Markt wider?

Nach der Pleite des Stromanbieters BEV wächst die Kritik an Portalen wie Check 24, Verivox und Booking. Ihnen wird Intransparenz und mangelnde Neutralität vorgeworfen.
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Energieversorger zu überwachen sei die Aufgabe der Bundesnetzagentur, so das Vergleichsportal Check 24. Quelle: dpa
Stromzähler

Energieversorger zu überwachen sei die Aufgabe der Bundesnetzagentur, so das Vergleichsportal Check 24.

(Foto: dpa)

FrankfurtSchon wieder ist ein Stromdiscounter pleite. Nach den Insolvenzen von Teldafax und Flexstrom vor einigen Jahren traf es vergangene Woche den Versorger BEV. Über 500.000 Kunden sind betroffen, nicht wenige von ihnen kamen wahrscheinlich über ein Onlinevergleichsportal wie Check 24 oder Verivox an ihren vermeintlich günstigen Vertrag.

Nun wollen Verbraucherschützer die Portale zur Verantwortung ziehen. Sie kritisieren die Vergleichsseiten schon länger wegen Intransparenz und mangelnder Neutralität. Jetzt vermuten sie, deren Geschäftspraxis befeuere das Treiben von Anbietern mit wackeligen Geschäftsmodellen sogar. Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Peter Müller, dringt laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ darauf, eine Haftung für Internet-Vergleichsportale einzuführen.

Staatssekretär Gerd Billen lasse bereits prüfen, ob die Bundesnetzagentur die Portale künftig kontrollieren könnte, heißt es in dem Bericht weiter. Bisher sind die IHK für die Aufsicht der Vergleichsseiten zuständig. „Wir sind grundsätzlich offen für das Anliegen, der Bundesnetzagentur neue Möglichkeiten an die Hand zu geben“, sagte ein Sprecher der Agentur dem Handelsblatt.

Die Portale sehen sich zu Unrecht angegangen. „Schwarze Schafe gibt es immer wieder. Aber wir tun alles, um diese zu identifizieren und auszuschließen“, erklärt beispielsweise Check 24. Das Portal sei kein Wirtschaftsprüfer, und man habe keine umfassende Einsicht in die finanzielle Situation eines Anbieters. Die Energieversorger zu überwachen sei Aufgabe der Bundesnetzagentur. „Statt von ihr nun ebenfalls beaufsichtigt zu werden, würden wir uns einen besseren Informationsaustausch über unseriöse Anbieter wünschen“, erklärt Check 24.

Plattformen wehren sich

Auch Verivox spielt den Ball zurück: „Die Insolvenz hat uns genauso unerwartet getroffen wie unsere Kunden. Wir sehen hier nicht Vergleichsportale in der Pflicht, sondern Institutionen wie die Bundesnetzagentur oder die staatlich geförderten ,Marktwächter Energie‘, die Verbraucher besser zu schützen.“ Verivox zeige in seinen Vergleichen nur Anbieter, die von der Bundesnetzagentur zugelassen sind. Vergleichsportale seien nicht die Wächter des Marktes, sondern sie hätten die Aufgabe, den Markt transparent widerzuspiegeln.

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Doch genau die Frage, ob die Portale den Markt transparent und neutral widerspiegeln, weckt bei Verbraucherschützern immer wieder große Zweifel. Allerdings gibt es hier große Unterschiede sowohl zwischen einzelnen Branchen als auch den jeweiligen Vergleichsseiten. Grundsätzlich schafft es fast kein Portal, den gesamten Markt abzudecken, worauf viele allerdings von sich aus hinweisen.

Eine Untersuchung des Bundeskartellamts, die im Dezember veröffentlicht wurde, deckte Lücken von teilweise über 50 Prozent auf. Das hat den einfachen Grund, dass die Anbieter – mit Ausnahme des Energiesektors – nicht verpflichtet sind, den Portalen ihre Preise zur Verfügung zu stellen. Der Versicherer Huk 24 beispielsweise lehnt eine Zusammenarbeit ab. Das führt dazu, dass auf dem Markt viel mehr und womöglich bessere Produkte existieren, die auf den Vergleichsportalen aber gar nicht empfohlen werden.

Die Macht der Portale ist begrenzt

Die Macht der Vergleichsportale nimmt zwar zu, ist jedoch nicht so groß, wie einige vielleicht vermuten. Eine repräsentative Befragung von Wik Consulting im Jahr 2017 im Auftrag von Check 24 ergab, dass 71 Prozent der Deutschen Vergleichsportale nutzen. Zwei Drittel von ihnen verschaffen sich hier jedoch lediglich einen Überblick, nur ein Drittel kauft auch über die Portale.

Zwei Bereiche stechen allerdings heraus, bei denen bereits ein Viertel aller Abschlüsse über einen Internetvergleich zustande kommt: ebenjene Energieversorger und der Bereich Hotelübernachtungen. Und gerade bei diesen beiden Sektoren gibt es durchaus auffällige Geschäftspraktiken.

So stellte das Bundeskartellamt fest, dass einige Portale wie Check 24 dem Kunden zusätzliche Boni für bestimmte Energietarife anböten, wodurch sich das Ranking ändert. „Das Vergleichsportal verlässt mit diesem Angebot die Rolle des von außen Vergleichenden, denn es greift selbst aktiv in die Preisgestaltung der Angebote im Markt mit ein – auch wenn der Verbraucher von den zusätzlichen Vergünstigungen, die das Portal bietet, profitiert“, meinen die Wettbewerbshüter.

Immer wieder für Misstrauen sorgen auch die Algorithmen, mit denen die Portale ihre Rankings erstellen. Verbraucherschützer fordern, dass diese Rechenmechanismen kontrolliert werden sollten. Grundsätzlich leben alle Vergleichsseiten davon, dass sie Provisionen kassieren, wenn Kunden über die Plattform einen Vertrag abschließen.

Einfluss von Provisionen

Die beiden Marktführer Check 24 (15 Millionen Kunden) und Verivox (acht Millionen Kunden) betonen aber beispielsweise, dass diese Provisionen keinen Einfluss auf das Ranking haben. „Wir haben keinen komplizierten Algorithmus. Oben stehen die billigen Tarife, unten die teuren. Daneben bieten wir Filterfunktionen, die Kunden häufig nutzen“, erklärt Check 24.

Bei Hotelbuchungsseiten wie Booking oder HRS wiederum haben die Provisionen allerdings häufig Einfluss auf die Listenplatzierung, stellte das Bundeskartellamt fest. Einige Portale versuchen, durch bestimmte Kennzeichnungen wie „Nur noch drei Zimmer verfügbar“ außerdem den Nutzer zu einem vorschnellen Abschluss zu verleiten. Wenn die Kennzeichnungen nicht der Wahrheit entsprächen, sei dies rechtlich problematisch, führen die Kartellwächter aus.

Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung stellte außerdem fest, dass Hotels in der Suche schlechter abschneiden, wenn sie auf ihrer eigenen Webseite günstigere Preise angeben. Dabei offenbarte die Untersuchung auch, dass jedes vierte Angebot auf der hoteleigenen Webseite günstiger war als bei einem Buchungsportal.

Die Studie fand Hinweise, dass diese Portale das Ranking so optimierten, dass sie einen maximalen Gewinn erzielten, nicht aber dem Verbraucher das für ihn eigentlich beste Suchergebnis anzeigten.

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