Gesetzliche Krankenkassen Finanzreserven auf 14,5 Milliarden Euro gesunken

Die Krankenkassen haben ein milliardenschweres Finanzpolster angehäuft. Doch die Ausgaben steigen wieder schneller als die Einnahmen – und die Reserven schmelzen. Das könnte manche Kasse auf Dauer schwer treffen.
Viele Krankenkassen leben derzeit von ihren Milliarden-Überschüssen. Doch die Kosten steigen schneller als die Erträge. Quelle: dpa
Von der Substanz

Viele Krankenkassen leben derzeit von ihren Milliarden-Überschüssen. Doch die Kosten steigen schneller als die Erträge.

(Foto: dpa)

BerlinDie Finanzreserven der gesetzlichen Krankenkassen sind im vergangenen Jahr um rund eine Milliarde Euro auf gut 14,5 Milliarden Euro gesunken. Dies erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag in Berlin. Die Kassen nutzten demnach ihre Reserven, um ihren Zusatzbeitrag niedrig zu halten. Viele Kassen hätten ihren seit 2015 erhobenen Zusatzbeitrag im Vergleich zum zuvor geltenden Sonderbeitrag sogar abgesenkt.

Dies zeige, dass der Wettbewerb zwischen den Kassen um niedrige Zusatzbeiträge funktioniere, hieß es. Die Krankenkassen liefern dem Bundesgesundheitsministerium ihre offiziellen Finanzzahlen über den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Ende Februar, Anfang März zu. Die Leistungsausgaben sind demnach offensichtlich, wie prognostiziert, stabil geblieben. Der vorhergesagte Zuwachs habe sich im Jahresverlauf sogar leicht abgeflacht.

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14,6 Prozent des Arbeitsentgelts zahlt jeder Arbeitnehmer an die Krankenkasse – die Hälfte davon trägt der Arbeitgeber. Die von den Kassen individuell festgesetzten Zusatzbeiträge jedoch zahlt jeder Berufstätige vollständig selbst. Im kommenden Jahr werden die Zusatzbeiträge wohl um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte auf 1,1 Prozent steigen. Eine der größten Kassen knackt die 16 Prozent Gesamtbeitragsschwelle.

Hier erklären wir, wie sie die Kasse wechseln können.

Techniker Krankenkasse
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Techniker Krankenkasse - 6,87 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

Barmer GEK
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Barmer GEK – 6,7 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

DAK erhöht Beiträge
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DAK - 4,89 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,5 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 16,1 Prozent

AOK Bayern
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AOK Bayern - 3,33 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,1 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 15,7 Prozent

AOK Baden-Württemberg
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AOK Baden-Württemberg - 2,99 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,9 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,5 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,0 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 15,6 Prozent

IKK Classic
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IKK Classic - 2,6 Millionen Mitglieder

Grundbeitrag: 14,6 Prozent des Arbeitsentgelts

Zusatzbeitrag 2015: 0,8 Prozent

Gesamtbeitrag 2015: 15,4 Prozent

Zusatzbeitrag 2016: 1,4 Prozent

Gesamtbeitrag 2016: 16,0 Prozent

Die Krankenkassen weisen jedoch darauf hin, dass die Reserven von Kasse zu Kasse unterschiedlich hoch seien. Im übrigen werde der Zusatzbeitrag in den nächsten Jahren unter anderem wegen der Reformen von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) deutlich steigen.

Der allgemeine Beitragssatz liegt seit einigen Jahren bei 14,6 Prozent – von Arbeitnehmern und Arbeitgebern jeweils zur Hälfte getragen. Bis einschließlich 2014 kam dazu noch ein Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten, den die Versicherten alleine zahlen mussten. Seit 2015 wurde der feste Sonder- in einen variablen Zusatzbeitrag umgewidmet, den die Kassen selbst bestimmen können. 2015 lag er im Schnitt in etwa auf der Höhe des bis dahin geltenden Sonderbeitrags.

Anfang 2016 stieg der durchschnittliche Zusatzbeitrag unter dem Druck wachsender Kosten der Kassen jedoch von 0,9 auf 1,1 Prozentpunkte. Insgesamt liegt der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung damit im Schnitt bei 15,7 Prozent.

Dabei wachsen die Unterschiede bei den Reserven zwischen den einzelnen Kassen. Nach deren Schätzungen von Ende 2015 werden die Beiträge bis 2020 um jährlich durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte weiter ansteigen. Insgesamt wären es dann 16,6 Prozent – im Schnitt. Manche dürften – wie schon jetzt – deutlich über diesem Durchschnitt liegen. Damit steigt der Wettbewerbsdruck, größere Wanderungsbewegungen der Versicherten zwischen den Kassen werden wahrscheinlicher.

  • dpa
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