Gesundheitsökonom Zusatzbeiträge sollen 2017 steigen

Hohe Ausgaben bei niedrigen Zinsen setzen Krankenkassen unter Druck – gesetzliche wie private. Das erhöhe mittelfristig die Belastung für Versicherte, so Gesundheitsökonom Stefan Greß. Er rechnet mit einem Systemwechsel.
Schon länger wird die sogenannte „Bürgerversicherung“ diskutiert, bei der alle in die gleiche Kasse einzahlen. Die private Vollversicherung wäre damit überflüssig. Quelle: dpa
Gesundheitsökonom erwartet Systemwechsel

Schon länger wird die sogenannte „Bürgerversicherung“ diskutiert, bei der alle in die gleiche Kasse einzahlen. Die private Vollversicherung wäre damit überflüssig.

(Foto: dpa)

BerlinNach Einschätzung des Gesundheitsökonomen Stefan Greß werden die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung weiter kontinuierlich steigen. Die durchschnittliche Anstieg von 0,2 Prozent wie in diesem Jahr werde „eher am unteren Rand des jährlichen Zuwachses“ liegen, sagte Greß der Wochenzeitung „Das Parlament“. Für 2017 rechne er mit einem Anstieg von 0,4 Prozent.

Die hohen Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) würden sich künftig „eins zu eins auf die Beitragssätze auswirken“, sagte der Gesundheitsexperte von der Hochschule Fulda laut einer Vorabmeldung vom Donnerstag. Das werde den Druck auf die Politik erhöhen, die Ausgaben einzugrenzen oder das System zu ändern.

Aber auch die Halbwertszeit der privaten Krankenversicherung (PKV) sei „überschritten“, sagte Greß. „Die niedrigen Zinsen sind eine Zeitbombe, die in der PKV tickt und die über kurz oder lang zu massiven Prämienerhöhungen führen wird.“ Spätestens dann werde die Diskussion um die Bürgerversicherung noch einmal neu aufleben. SPD, Grüne und Linke im Bundestag werben schon länger für die solidarische Bürgerversicherung, in die alle einzahlen.

Auch Greß hält es für grundsätzlich sinnvoll, die Versicherungslast auf mehr Schultern zu verteilen. Das würde eine Abkehr von der privaten Krankenvollversicherung bedeuten. Er rechne daher in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit einem Systemwechsel in der Krankenversicherung.

Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge zum Jahreswechsel hatte die Debatte über eine mögliche Rückkehr zur paritätischen Finanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer befeuert. Derzeit müssen die Arbeitnehmer die Zusatzbeiträge und damit die Mehrkosten in der gesetzlichen Krankenversicherung alleine tragen.

Gewinner und Verlierer der Krankenversicherungen
Gesetzliche Krankenversicherung
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Nie zuvor gab es mehr Mitglieder als zum 1. Juli 2015 – rund 53,55 Millionen Menschen sind Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Basierend auf Daten des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) veröffentlichte der Dienst für Gesellschaftspolitik (Dfg) ein Ranking der Krankenkassen mit dem größten Mitgliederschwund und den größten Zuwächsen. Wir zeigen die fünf Gewinner und Verlierer der vergangenen sechs Monate.

Verlierer: Barmer GEK
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Die Liste der Verlierer wird angeführt von der Barmer GEK: Die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands verlor insgesamt 39.397 Mitglieder im ersten Halbjahr des Jahres 2015. Bundesweit will die Barmer GEK nun einige Häuser schließen und ihr Netzwerk verkleinern.

Verlierer: DAK-Gesundheit
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Ähnlich schlecht lief es bei der DAK-Gesundheit: Zur Jahresmitte hatte die Krankenkasse 30.532 Mitglieder weniger als noch zum 1. Januar. Zuletzt sorgten Uneinigkeiten mit Pflegediensten für negative Schlagzeilen.

Verlierer: Deutsche BKK
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Ein Minus von 14.070 Mitgliedern verbuchte die Deutsche BKK. Die Betriebskrankenkasse entstand 2003 durch eine Fusion der Volkswagen BKK und der Betriebskrankenkasse Post.

Verlierer: BKK Pfalz
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Insgesamt 209.512 Menschen versichert die BKK Pfalz11.942 Personen weniger als noch zu Jahresbeginn.

Verlierer: IKK Südwest
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Einen Mitgliederschwund von 10.682 Personen hat die IKK Südwest zu beklagen. Insgesamt sind circa 650.000 Menschen dort versichert.

Gewinner: Techniker Krankenkasse
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Den mit Abstand größten Mitgliederzuwachs bekam die Techniker Krankenkasse: 145.825 neue Mitglieder durfte die größte deutsche Krankenkasse seit dem 1. Januar begrüßen.

Grüne und Linke erneuerten am Donnerstag mit Anträgen im Bundestag ihre Forderung nach einer Rückkehr zur paritätischen Gesundheitsfinanzierung. Die SPD unterstützt dies.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, forderte eine Kehrtwende von der Unionsführung. Die Union lehnt die Rückkehr zur Parität ab. Deutschland sei ein leistungsstarkes Land, erklärte Mattheis. Damit habe die jetzige zusätzliche Belastung der Arbeitnehmer ihre Grundlage verloren.

  • afp
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