Girokonto-Vergleich Warum Dispokredite noch teurer werden

Bei den Dispozinsen langen die Banken zu. Bis zu 13,5 Prozent müssen Kunden zahlen, wenn sie ihr Konto überziehen. Verbraucherschützer bezeichnen solche Sätze als Nepp. In Zukunft dürften die Zinsen aber noch einmal deutlich steigen. Neue rechtliche Vorgaben könnten zu einem massiven Preisanstieg führen.
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Abhebung am Geldautomaten: Wer sein Konto überzieht, dürfte auch in Zukunft hohe Dispozinsen zahlen müssen. Quelle: dpa

Abhebung am Geldautomaten: Wer sein Konto überzieht, dürfte auch in Zukunft hohe Dispozinsen zahlen müssen.

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DÜSSELDORF. Die Weihnachtszeit birgt für Bankkunden ungeahnte Risiken. Wer bei den Einkäufen für den heiligen Abend nicht striktes Kostenmanagement betreibt, dem droht eine bittere Strafe von der Hausbank. Wer sein Konto überzieht, muss aktuell im Schnitt mehr als elf Prozent Zinsen für den Dispokredit abführen. Viele Sparkassen und Großbanken verlangen sogar mehr als 13 Prozent, darunter die Commerzbank, die Postbank und die Berliner Sparkasse.

Mit Blick auf das allgemeine Zinsniveau erscheinen solche Sätze abenteuerlich. Der Leitzins der europäischen Zentralbank liegt aktuell bei einem Prozent. Eine Auswertung der Frankfurter Analysten für Bankkonditionen der Mano-Dienste zeigt: Während der Leitzins seit Oktober 2008 um ganze 3,25 Prozent fiel, wurden die durchschnittlichen Dispozinsen nur um rund 1,3 Prozent günstiger. "Das lässt sich mit gestiegener Risikovorsorge kaum erklären", sagt Christopher Manolagas, Inhaber der Mano-Dienste. Die Spannen sind enorm. Günstige Anbieter verlangen weniger als die Hälfte der Hochpreisbanken.

Verbraucherschützer schlagen seit Monaten Alarm. "Banken ziehen den Kunden mit überhöhten Dispozinsen das Geld aus der Tasche, kritisiert Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. "Der Überziehungszinssatz muss auf eine verträgliche Größe begrenzt werden", fordert er. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt aktuell eine Studie in Auftrag, die den Markt für Dispo-Kredite untersuchen soll.

Die Politik ist schon vorher aktiv geworden. Mit einer neuen Vorgabe, der Verbraucherkreditrichtlinie, will sie mehr Transparenz in den Kreditmarkt bringen. Banken müssen die Kunden jetzt über die Änderungen unverzüglich informieren und ihre Sätze an einen Referenzzins koppeln.

Zinssteigerung in Sicht

Genau das könnte jetzt für Kunden allerdings zum Problem werden. "Der eigentlich als Schutz für die Verbraucher gedachte Regelung könnte für Bankkunden aber teuer werden", sagt Manolagas. Nach der Mano-Untersuchung binden 29 von 30 Instituten ihre Zinsen an einen Referenzzinssatz. Besonders beliebt sind der EZB-Leitzins und der Euribor, zu dem europäische Banken Einlagen handeln.

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9 Kommentare zu "Girokonto-Vergleich: Warum Dispokredite noch teurer werden"

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  • Wer nicht mit Geld umgehen kann, darf ruhig von den banken gemolken werden. Der Dispo-Zins könnte ruhig 25% oder 30% p.a. betragen. Vielleicht lernt dann der eine oder andere, mit Geld umzugehen.

  • @banker (Nummer 6):
    Die Argumentation, aufgrund des Eigenkapitals und der Kosten sei die Zinshöhe gerechtfertigt, ist völliger Unsinn.
    Warum beträgt denn der effektive Jahreszins bei easyCredit mindestens 5,99 %, wenn das bei einem Dispo - so nennt man es im allgemeinen, auch wenn das nach der EU-Verordnung anders ist - nicht möglich ist?

  • Also mal ehrlich, wenn jemand 1500€ verdient hat er gefälligst nur 1500€ zum ausgeben, und nicht 4500€ ( dreifacher Dispositionskredit. Das größte problem ist, dass wir als Kunde oft nicht verstehen, das ein Dispositionskredit nur einmalig zur Verfügung haben, viele aber denken der Sie hätten jeden Monat den Dispo zur Verfügung! Von alleine kommt man nicht mehr raus, das ist das eigentliche Problem! Und übrigens, einen Dispo braucht man nicht in Anspruch zu nehmen wenn man mal ein bisschen seine Einnahmen und Ausgaben überwachen würde anstatt so in den Tag hinein zu Leben!

  • Es gibt keinen Dispo-Zins mehr. Es gibt nämlich auch keinen Dispo-Kredit mehr - der heißt nach EU-Verordnung nun "Überziehungsmöglichkeit". Nur mal so am Rande...

    bevor hier über irgendwelche beschränkungen diskutiert wird, sollte man sich zuerst einmal genau mit dem Thema auseinander sezten und dann auch wissen, wie man denn die Zinshöhe ermittelt. Z. b. müssen diese Überziehungen komplett mit Eigenkapital hinterlegt werden - das sind im Schnitt schon mal 8 %. Wenn man dazu noch die bearbeitungs-, Verwaltungs-, Personalkosten u. ä. hinzu rechnet, haben wir die 10 %-Marke schnell übersprungen.

  • @AP
    Sorry, aber das ist eine Milchmädchenrechnung.
    Schulden sind Schulden.
    Die einfache Grundregel sollte heißen: Was ich mir nicht leisten kann, kann ich mir nicht leisten. Und das gilt grundsätzlich für alles und jeden.

  • Ergänzung: Die Zinsen für den Dispo halte ich trotzdem für zu hoch.

  • Es bringt eigentlich nur einmalig eine Summe, die dann dauerhaft stehenbleibt.
    Ein einziges mal steht der betrag tatsächlich zur Verfügung und bereits nach 7 Jahren hat man schon denselben betrag an Zinsen draufgezahlt.

    Es gibt eine einfache Grundregel:
    investitionen kann man finanzieren.
    Konsum finanziert man nicht.

  • Wer einen DispositionsKREDiT dauerhaft in Anspruch nimmt, finanziert sich mit fremdem Geld, sprich, lebt auf Kosten anderer. Schon richtig, dass man dafür noch belohnt werden muss. Maßhalten ist eben aus der Mode gekommen, nicht nur bei den Politikern.

  • Wo ist das Problem? Sollen die banken doch 20% p.a. verlangen, niemand muss einen Dispo (dauerhaft)in Anspruch nehmen. Und das sich die banken günstiger refinanzieren können spielt doch keine Rolle. Die Zinsen würden ganz schnell sinken, wenn nicht die Nachfrage nach Dispo-Krediten so hoch wäre. Also Leute, gebt nicht mehr Geld aus, als ihr habt, dann klappts auch wieder mit günstigen Dispo-Zinsen...

    ich verlange ja auch keine Mietminderung, nur weil mein Vermieter die immobilie mit Eigenkapital finanziert hat.

    Politiker reden so, wie sie glauben, dass das "Volk" sie hören will...

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