GKV-Versicherte: So sinnvoll sind Krankenzusatzversicherungen wirklich
Köln. Zahnzusatz, Naturheilkunde, oder ambulante Behandlung: Immer häufiger schließen Menschen neben der gesetzlichen Krankenversicherung auch noch eine private Zusatzversicherung ab. Seit Jahren boomen die teils teuren Versicherungen, die immer dann weiterhelfen sollen, wenn die GKV an ihre Grenzen stößt.
Allein im Jahr 2023 stieg die Zahl der Zusatzversicherungen um 2,2 Prozent und erreichte zuletzt den Rekordwert von nun 29,1 Millionen. Für Thomas Brahm, Vorsitzender des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV), ist das die Bestätigung, dass immer mehr Menschen die private Vorsorge nutzen wollen, um die Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzustocken.
Doch während sich immer mehr Menschen für eine private Zusatzversicherung entscheiden, stehen Verbraucherschützer diesem Trend eher kritisch gegenüber. „Zusatzleistungen sind in aller Regel teuer und nicht so wichtig, weil das deutsche Gesundheitssystem alle notwendigen Kosten trägt”, sagt beispielsweise Philipp Opfermann, Referent für Finanzen und Versicherungen bei der Verbraucherzentrale NRW. Zumal auch gesetzliche Krankenversicherer oft mehr anbieten, als sie vom Gesetz her müssen.
Auch für Naturheilkunde oder Präventionsmaßnahmen lassen sich bei der gesetzlichen Krankenversicherung Zuschüsse einholen. Ganz so weit wie die privaten Anbieter können die gesetzlichen dabei jedoch nicht gehen. Wer also sehr spezielle Bedürfnisse hat, kann eine Zusatzversicherung in Erwägung ziehen.
Großes Angebot, doch nicht immer sinnvoll
Grundsätzlich gibt es in Deutschland eine große Zahl an Zusatzversicherungen, die es dann wiederum in allen möglichen Tarifvarianten gibt: Angefangen bei der ganzen einfachen Auslandsreiseversicherung für ein paar Euro im Monat über die meist teurere Krankenhauszusatzversicherung bis hin zu hochpreisigen Rund-um-Sorglos-Paketen für den Zahnersatz nach einem Unfall oder im Alter.
„Die Versicherten sollten sich überlegen, welche Versicherungen sie tatsächlich benötigen – und ob diese Leistung nicht vielleicht bei einer anderen Krankenkasse zu holen ist”, sagt Opfermann. Heißt: Erstmal bei den gesetzlichen Krankenversicherern nachschauen, ob sie über die Zusatzleistungen möglicherweise etwas Vergleichbares anbieten. „Wenn ich eines dieser Angebote interessant finde, kann ich das vielleicht durch einen Wechsel der Krankenkasse bekommen und muss keine teure Zusatzversicherung abschließen.”
Wer dort aber nicht fündig wird, kann immer noch zur Zusatzversicherung greifen. Am häufigsten nachgefragt sind Zusatzversicherungen für Zahnersatz, für Krankenhausaufenthalte oder für die ambulante Behandlung beim Haus- oder Facharzt.
Doch gerade bei der ambulanten Zusatzversicherung, die beispielsweise den Zugang zu Naturheilverfahren für den Bereich abdeckt, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher genau hinschauen, sagt Opfermann. „Oftmals kann man einzelne Leistungen bei einem Arzt auch dazu kaufen, ohne dass man jeden Monat einen Versicherungsbeitrag zahlen muss.”
Das Gleiche gelte für den Aufenthalt im Krankenhaus, wo eine Zusatzversicherung ein Einzelzimmer oder die Wahl des Arztes ermöglichen kann. „Das klingt zwar nett, aber man sollte sich fragen, ob man das wirklich braucht.”
Sparkonto als Alternative
Etwas anders gelagert sind dagegen Zahnzusatzversicherungen. Da Zahnersatz schnell ins Geld gehen kann, kann hier eine zusätzliche Absicherung durchaus interessant sein. Allerdings sollten die Menschen darauf achten, dass sie sich die Beträge auch im Alter leisten können. Eine Alternative für diese Zusatzversicherung kann ein Sparkonto für Zahnersatz sein, auf das man jeden Monat einzahlt.
Wer sich für eine Zusatzversicherung entscheidet, muss einige Fallstricke zu beachten. So greifen einige Versicherungen beispielsweise erst nach einer Mindestdauer oder gerade dann nicht, wenn man bereits Vorerkrankungen hat. „Da gilt wie immer: Versicherte sollten ins Kleingedruckte schauen”, sagt Opfermann. Wichtig zu wissen ist bei den Zusatzversicherungen zudem, dass die Versicherer nicht verpflichtet sind, einen Antragsteller auch aufzunehmen.
Viele prüfen schon im Vorfeld über sogenannte Gesundheitsfragen, ob das Risiko für sie tragbar ist. Der Bund der Versicherten empfiehlt daher: „Alle Gesundheitsfragen im Antrag müssen vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden.” Denn der Versicherer kann nachprüfen, ob etwas verschwiegen wurde und im Zweifelsfall den Vertrag auflösen. Dann kann es schnell sehr teuer werden.
Auch rät der Bund der Versicherten dazu, sich bei Fragen über den Gesundheitszustand ärztlich unterstützen zu lassen. „Zumindest sollte man sich die Krankenakte aushändigen lassen”, sagt Sprecherin Julia Alice Böhne. Bei Zahnzusatzversicherungen sei zudem wichtig, vorab zu klären, welchen Einfluss fehlende oder nicht ersetzte Zähne auf den geplanten Versicherungsschutz haben.
Überhaupt sollten Versicherte es mit den privaten Zusätzen nicht übertreiben, sagt Thomas Lemke, Geschäftsführer des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI). „Es lohnt sich nicht, zur günstigen Kasse mit den schlechtesten Leistungen zu wechseln, nur um dann private Zusatzversicherungen zu kaufen. Das rechnet sich niemals.”