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Handelsblatt testet Mehr fürs Geld: Diese Leistungen bieten die Krankenkassen

Viele gesetzliche Krankenkassen locken mit Leistungen außerhalb des Tarifs. Versicherte sollten sich überlegen, was davon sie brauchen.
14.11.2020 - 08:28 Uhr Kommentieren
Früher bestanden die meisten Bonusprogramme allein darin, dass Geldprämien gewährt wurden. Heute kann an vielen Stellen ein Trendwechsel beobachtet werden. Quelle: dpa
Stethoskop

Früher bestanden die meisten Bonusprogramme allein darin, dass Geldprämien gewährt wurden. Heute kann an vielen Stellen ein Trendwechsel beobachtet werden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Welche konkreten Leistungen bieten einzelne Kassen überhaupt – mit der Antwort auf diese Frage sind viele Versicherte überfordert. Der Handelsblatt-Vergleich der gesetzlichen Krankenkassen bietet hier Orientierung.

Dafür hat die auf Versicherungen spezialisierte Ratingagentur DFSI Ratings in Köln zusammen mit dem Onlineportal Kassensuche.de die Leistungen von 71 Kassen zusammengetragen, inhaltlich geordnet, ausgewertet und am Ende bewertet. Kassenkunden bekommen damit Transparenz und haben ein Werkzeug an der Hand, mit dem sie Leistung in Relation zum Beitragssatz eines Anbieters setzen können.

Denn das Spektrum ist vielfältig. Es reicht von Bonusprogrammen, geht über Kostenerstattungen zum Beispiel für Präventionsmaßnahmen und endet bei Wahltarifen und Zuschüssen für ausgesuchte zahnmedizinische Leistungen.

„Corona wird die Kassen und ihre Angebote mit Sicherheit verändern“, wirft DFSI-Geschäftsführer Thomas Lemke einen Blick in die Zukunft. Wollen die Kassen ihre Beiträge einigermaßen stabil halten, führt kaum ein Weg daran vorbei, dass sie ihre Leistungen anpassen.

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    Lemke rechnet jedoch damit, dass viele Anbieter davor zurückschrecken werden, radikal den Rotstift anzusetzen. „Stattdessen werden sie versuchen, durch Umschichtungen eine Kürzung ihrer Leistungsangebote zu kaschieren“, prognostiziert er. „Zum Beispiel könnte eine Grippeschutzimpfung außerhalb der Risikogruppen, die bisher als Zusatzleistung bezahlt wird, gestrichen und dann durch eine entsprechende Bonusprämie nur noch bezuschusst werden.

    Das ist zum Teil Augenwischerei, dann müssten betroffene Versicherte für eine Leistung, die bislang bequem über die Versichertenkarte abgerechnet wurde, nun eine Rechnung einreichen und im Zweifelsfall deckt die Prämie nur zum Teil meine Kosten.“

    Bonusguthaben statt Geldprämie

    Im aktuellen Krankenkassen-Vergleich schlägt sich diese Problematik allerdings noch nicht nieder. Aber schon jetzt beobachtet Lemke an vielen Stellen einen Trendwechsel: „Früher bestanden die meisten Bonusprogramme allein darin, dass die Geldprämien gewährt wurden. Heute gehen viele Kassen dazu über, dass sie eine Verdoppelung oder sogar Verdreifachung der Prämien bieten, wenn der Versicherte das Guthaben für bestimmte Gesundheitsleistungen einsetzt.“

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    Das sieht nach außen attraktiv aus, aber den wenigsten Kassenkunden dürfte bewusst sein, dass sie sich zum Beispiel vorher im Fitnessstudio abstrampeln müssen, um in den Genuss dieser Angebote zu kommen, die vorher als Einzelleistung gewährt wurden.

    Neu ist aber, dass die Kassen für Maßnahmen, die direkt dem Gesundheitsschutz dienen, etwa Masernimpfungen, professionelle Zahnreinigungen (PZR) oder Krebsvorsorgeuntersuchungen, direkt einen Bonus gewähren müssen.

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    So ist es vom Gesetzgeber seit März dieses Jahres vorgeschrieben. Doch viele Anbieter hinken dieser Neuregelung bislang hinterher. „Die IKK Nord ist hier Vorreiter und hat die Änderung in ihrem Bonusprogramm bereits eins zu eins umgesetzt“, so der DFSI-Geschäftsführer.

    Die drei Erstplatzierten unter den bundesweit geöffneten Kassen jedenfalls – Hanseatische Krankenkasse, Techniker Krankenkasse und DAK-Gesundheit – geben sich in Sachen Leistungsangebot über das gesamte Spektrum hinweg kaum Blößen.

    Sie sind sozusagen gute Allrounder. Die Hanseatische Krankenkasse (HEK) räumt sogar die Top-Note „Exzellent“ ab. Doch auch sie hat in Einzelbereichen Schwächen. Die Hanseaten knausern zum Beispiel bei Dentalleistungen. Zu einer PZR geben sie nicht einen Euro Zuschuss.

    Andere Kassen sind da großzügiger. Zum Beispiel schießen die BKK Diakonie oder die IKK Nord ihren Versicherten insgesamt 100 Euro pro Jahr für die regelmäßige Gebisspflege zu.

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    „Vor der Auswahl einer Krankenkasse sollte sich daher jeder Versicherte zunächst darüber bewusst werden, welches Leistungsprofil ihm persönlich wichtig ist“, empfiehlt hier Kassensuche-Geschäftsführer Thomas Adolph. „Sind es nachhaltig günstige und stabile Beiträge? Ist es eher ein breites Leistungsangebot bei gutem Service oder sind es unter Umständen sehr spezielle Leistungen etwa im Bereich Naturheilverfahren?“

    Der Vergleich schafft die dafür notwendige Transparenz und gibt Orientierung. „Die Auflistung der einzelnen Leistungsmerkmale erlaubt Interessierten einen sehr differenzierten Blick auf das Angebot einzelner Krankenkassen“, so Lemke. Gleichzeitig reduziert der Vergleich Komplexität dadurch, dass in jeder Einzelkategorie und am Ende in allen drei Hauptkategorien Punkte und eine Ratingnote vergeben werden.

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    Dabei nimmt DFSI die Bewertung nicht nur anhand reiner Ja-Nein-Kriterien vor, sondern verwendet dafür die ausführlichen Leistungsprofile. „In dieser Hinsicht ist das Konzept des Vergleichs führend“, ist Lemke überzeugt.

    Zum Beispiel betrachtet DFSI auch, wo die Leistungserbringer für einzelne Angebote regional sitzen. „Eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung nutzt mir als Versicherter wenig, wenn sie nur von einer Vertragsklinik oder -praxis in Süddeutschland angeboten wird, und ich wohne zum Beispiel in Hamburg“, nennt Lemke einen möglichen Stolperstein, den es beim Wechsel zu einer vermeintlich attraktiven Kasse zu beachten gilt.

    Wechselwillige Versicherte sollten also auf Details achten und diese mit den eigenen Anforderungen abgleichen. Ein Beispiel dafür: Die Viactiv oder die nur regional geöffnete BKK Finanzen & Wirtschaft landen in ihren Gruppen jeweils in der erweiterten Topgruppe und bekommen die Gesamtnote „Gut“.

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    Doch bei Präventionsmaßnahmen glänzen sie mit üppiger Regelerstattung. Die HEK als Kategorie-Sieger lässt dagegen in dieser Hinsicht Luft nach oben. Auch die Techniker Krankenkasse (TK) als Zweitplatzierte kommt in vielen Einzeldisziplinen an die 90-Punkte-Marke heran, zum Teil schafft sie es sogar darüber hinaus.

    Ausreißer sind Teil des Konzepts

    Doch in puncto Alternativmedizin bietet sie ihren Kunden nur Magerkost. Bei den Dentalleistungen liegt sie sogar auf einem der hinteren Plätze. Das sollten Versicherte beim Blick auf den vergleichsweise günstigen Beitragssatz der TK im Hinterkopf haben.

    Ein Gegenbeispiel ist die Novitas BKK, die speziell mit ihren Leistungen bei Vorsorgemaßnahmen punkten kann. Deutliche Ausreißer nach unten in den Teilbereichen „Alternativmedizin“ und „Besondere Versorgung“ – hierunter fallen zum Beispiel Versorgungs- und Rehabilitationsmaßnahmen nach einem Schlaganfall – verhindern jedoch eine bessere Note als „Gut“.

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    „Abweichungen nach oben und unten sind letztlich der durchdachten Methodik unseres Vergleichs zu schulden“, erläutert Lemke. „Schließlich ist es Ziel des Vergleichs, die gesamte Bandbreite im Leistungsbereich abzubilden und im Einzelnen zu bewerten. Stärken und Schwächen gehen so am Ende in eine Gesamtnote ein, lassen sich aber in den Einzeltabellen auch wieder auslesen.“ Dadurch erlaubt der Vergleich zudem einen detaillierten Einblick zum Beispiel auch beim Thema Naturheilverfahren.

    Versicherte, die von der heilenden Wirkung anthroposophischer Therapien oder von Homöopathie überzeugt sind, können gezielt auf die Suche nach einer Kasse gehen, die die Kosten für diese alternativen Behandlungen zur Schulmedizin übernimmt. Die Securvita zum Beispiel sticht hier besonders heraus.

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    Ähnlich die Situation bei den Wahltarifen. Eine Reihe von Kassen gibt ihren Versicherten die Möglichkeit, auf Tarife mit Selbstbehalt, Abwahlmöglichkeit oder mit Prämienzahlung bei Leistungsfreiheit auszuweichen. Kassen mit hoher Punktzahl bieten in dieser Hinsicht besonders flexible und vielfältige Optionen an.

    Dadurch können im Einzelfall vor allem junge, gesunde Kassenmitglieder bares Geld sparen, wenn sie Tarife mit hohem Selbstbehalt wählen und selten zum Arzt müssen. Ganz anders die Situation bei Leistungserweiterungen. Die zusätzliche Kostenübernahme bei Seh- und Hörhilfen rechnet sich umso eher, je älter der Versicherte ist. Grundsätzlich ist also die individuelle Lebens- und Gesundheitssituation entscheidend.

    Der aktuelle Vergleich zeigt auch, dass viele Kassen bei ihren digitalen Leistungen aufgeholt haben. Apps, mit denen die Versicherten zum Beispiel Krankschreibungen über ihr Smartphone auf digitalem Wege schnell und direkt an die Kasse schicken können, sind mittlerweile vielfach Standard. Gerade zu Pandemie-Zeiten haben sich diese Instrumente bewährt.

    Mehr: Mit dem Handelsblatt-Krankenkassenvergleich können Sie die Preise und Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen vergleichen.

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