Handelsblatt testet So sichern Sie sich gegen Rechtsstreitigkeiten ab

Rechtsschutzpolicen sind kompliziert, können aber vor hohen Kosten schützen. Eine Studie zeigt die besten Policen.
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Justitia vor Aktenstapel Quelle: dpa
Justitia

Wenn Streitigkeiten vor Gericht landen, kann das teuer werden.

(Foto: dpa)

KölnDie Rechtsschutzversicherung scheint derzeit das Sorgenkind der Assekuranz zu sein. Laut Versicherungsombudsmann Günter Hirsch beschwerten sich im vergangenen Jahr die meisten Verbraucher über ebendiese Produkte. In ihrem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2017 führt die Schlichtungsstelle 4539 Beschwerden zum Thema Rechtsschutzversicherung an.

Bei diesen Policen gebe es besonders oft Probleme, sagt auch Joachim Cornelius-Winkler, Fachanwalt für Versicherungsrecht. Vor allem größere Schäden würden Versicherer oft nicht zahlen. Pikant: Rund 90 Prozent dieser Ablehnungen seien falsch oder angreifbar, erklärte Cornelius-Winkler jüngst in einem Interview mit dem Maklerportal transparent-beraten.de.

Beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sieht man das anders. Die Dachorganisation der Versicherer in Deutschland hält die Erfahrungen des Berliner Fachanwalts für nicht repräsentativ. „Tatsache ist, dass sich die Zahl der Konflikte zwischen Kunden und Versicherern seit Jahren auf sehr geringem Niveau bewegt.

In der Rechtsschutzversicherung werden so gut wie alle Schäden reibungslos und zur Zufriedenheit der Kunden reguliert“, sagt eine GDV-Sprecherin. Nur 0,02 Prozent der Fälle landeten vor Gericht. Die gestiegene Zahl der Beschwerden ist laut Ombudsmann Hirsch wiederum zu einem Gutteil einer einzigen Anwaltskanzlei zu verdanken, die sich auf Schadenersatzforderungen infolge der Abgasaffäre konzentriert.

Versicherer stellen sich bei Rechtsschutzfällen vielleicht nicht so oft quer, wie es auf den ersten Blick scheint. Auch ohne zusätzlichen Ärger sind Rechtsschutzversicherungen allerdings ein schwieriges Produkt.

Grundsätzlich können sich Verbraucher damit gegen Kosten absichern, die durch Rechtsstreitigkeiten entstehen. Darunter fallen Anwaltsgebühren, Zeugengelder oder Gerichtskosten. Weil die Kosten für einen Prozess rasch in die Tausende gehen, scheint eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll. Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des GDV zufolge schätzen die meisten Deutschen die Kosten eines Rechtsstreits deutlich zu niedrig sein.

Doch die Ausgestaltung von Rechtsschutzversicherungen macht die Wahl einer passenden Police ganz schön kompliziert. Rechtsschutzpolicen sind üblicherweise modular aufgebaut. Heißt: Man kann den Versicherungsschutz auf bestimmte Lebensbereiche beschränken, etwa auf die Arbeit oder den Straßenverkehr. Man kann auch mehrere Bausteine kombinieren.

„Typisch ist eine Kombination aus Privat-, Berufs- und Verkehrs-Rechtsschutz“, sagt Philipp Opfermann, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Welcher Mix sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein Rentner braucht keinen Berufs-Rechtsschutz, ein Bahnfahrer kann auf den Verkehrs-Rechtsschutz verzichten.

Stehen die passenden Bausteine fest, fängt die Arbeit erst an. Dann folgt nämlich der Blick in den Leistungskatalog der unterschiedlichen Anbieter. „Die Liste der Ausschlüsse ist oft länger als die Liste dessen, was versichert ist“, sagt Opfermann. Oft sind Fälle ausgenommen, die vergleichsweise wenige Kunden betreffen, aber hohe Kosten verursachen können – etwa Rechtsstreite rund um Hausbau, Unterhalt oder Kapitalanlagen.

Will man solche Risiken absichern, braucht man meist eine gesonderte Police. „Die Verträge sind schwierig zu verstehen, Normalkunden blicken da kaum durch“, kritisiert Opfermann. „Es gibt kein Rundum-Sorglos-Paket. Man muss abwägen, mit welchen Ausschlüssen man am besten leben kann.“ Aus diesen Grund genüge es auch nicht, beim Angebotsvergleich nur auf die Höhe der Prämien zu achten, mahnt der Verbraucherschützer.

Familien-Policen sind kaum teurer
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