Hannover-Rück-Finanzchef „Die Zinsen bleiben niedrig“

Der Finanzvorstand des Versicherers Hannover Rück, Roland Vogel, investiert sein Kapital in Anleihen. Wie er Renditeverfall und Inflation meistert. Und warum er Aktien als Profi meidet, aber als Privatmann empfiehlt.
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Roland Vogel, Finanzvorstand des Katastrophenspezialisten Hannover Rück: Trotz des weiter gesunkenen Zinsniveaus übertraf die Kapitalanlagerendite für die selbstverwalteten Kapitalanlagen 2012 mit 4,3 Prozent den Zielwert von 3,5 Prozent merklich. Quelle: Pressebild Hannover Rück

Roland Vogel, Finanzvorstand des Katastrophenspezialisten Hannover Rück: Trotz des weiter gesunkenen Zinsniveaus übertraf die Kapitalanlagerendite für die selbstverwalteten Kapitalanlagen 2012 mit 4,3 Prozent den Zielwert von 3,5 Prozent merklich.

(Foto: Pressebild Hannover Rück)

Bergisch-GladbachHerr Vogel, Sie verantworten bei der Hannover Rück Kapitalanlagen von 31 Milliarden Euro. Was tun Sie, wenn Sie mal schnell Geld benötigen, weil irgendwo auf der Welt ein großes Unglück passiert ist?
Dafür haben wir Reserven. Für Naturkatastrophen oder andere Verpflichtungen sollte ein Teil der Anlagen jederzeit verfügbar sein, damit wir kurzfristig reagieren können. Etwa 2 Milliarden Euro planen wir dafür ein.

Und was passiert mit dem Rest?
Das Kapital wird so investiert, wie die Verbindlichkeiten laufen. In der deutschen Haftpflicht geht es da um Zeiträume von 20 bis 30 Jahren. Im Lebensversicherungsgeschäft in England sind es dagegen nur 10 Jahre. Noch vorsichtiger sind wir beim Naturkatastrophengeschäft von Bermuda aus, da planen wir nur mit anderthalb Jahren Anlagehorizont. Über das gesamte Portfolio hinweg sind die Anlagen im Schnitt etwas über vier Jahre lang gebunden.

Sie investieren rund 90 Prozent in Zinstitel. Für vierjährige Staatsanleihen mit guter Bonität gibt es aber doch nichts. Schaffen Sie mehr als ein Prozent Rendite?
Zum Glück! Die Rendite des festverzinslichen Portfolios liegt aktuell sogar bei 3,4 Prozent. Um noch etwas rauszuholen, stecken wir zwei Prozent in privates Beteiligungskapital (Private Equity), weitere zwei Prozent sind in Immobilien investiert. Dennoch: Mit jedem Euro, der neu angelegt wird, geht die Rendite nach unten. Wir verlieren im Jahr 0,15 bis 0,2 Prozentpunkte.

Vor einiger Zeit lag ihre Zielrendite noch bei 4,2 Prozent. Wie weh tut Ihnen dieser Renditeverfall?
Schön ist es nicht, aber im Gegensatz zu Lebensversicherungen können wir daran etwas ändern. Da wir viele unserer Konditionen einmal im Jahr neu verhandeln, können wir die aktuellen Zinsen jeweils neu berücksichtigen. Mit anderen Worten: Das risikominimale Zinsniveau – also die Rendite der Staatsanleihen – geht in die Margen ein. Damit muss jeweils das aktuelle Zinsniveau bei der Berechnung unserer Margen berücksichtigt werden.

Die Aktienkurse sind im vergangenen Jahr ordentlich gestiegen. Dennoch besitzen Sie derzeit keine börsennotierten Aktien. Warum?
Wir sind mal ganz ausgestiegen, dann wieder eingestiegen und schließlich wegen der allgemeinen Unsicherheit rund um das Atomunglück in Japan wieder ausgestiegen. Unser Problem mit Aktieninvestments sind die Kapitalanforderungen. Ratingagenturen verlangen bei Aktien deutlich höhere Rücklagen als bei Anleihen. Um etwa nach dem Modell der Ratingagentur Standard & Poor’s eine vergleichbare Eigenkapitalrendite zu erziehen, müssen wir mit Aktien zehn Mal so viel erwirtschaften wie mit Unternehmensanleihen, die über fünf Jahre laufen und mit „A“ geratet sind.

"Die niedrigen Zinsen tun den Lebensversicherern weh."
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  • Empfehle einen vorsichtigen Blick auf den heutigen Bund-Future! Unter 140 haben wir eine Trendumkehr; sollte sich das Tempo beschleunigen möchte ich als erster das brennende Kino verlassen! Und noch viel Spaß mit Festverzinslichen!

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