Keine Garantie für Garantie Lebensversicherungen sind zum Haare raufen

Das Zinstief trifft Lebensversicherungen heftiger als gedacht. Wer auf hohe Schlusszahlungen hofft, könnte enttäuscht werden. Denn die Versicherer kürzen, wo sie nur können - selbst Verträge mit stolzen Garantiezinsen.
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Große Lebensversicherer lassen Kunden hungern
Die Tendenz im Jahr 2013
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Die Tendenz im Jahr 2013

Die Branchenriesen sind immer vorsichtiger geworden. Im Schnitt lag ihre Überschussbeteiligung bereits mit 3,49 Prozent unter der stark beachteten Marke von 3,5 Prozent. Das war mager und lag unter dem ohnehin schon niedrigen Branchenschnitt von rund 3,6 Prozent sein. Manche Riesen haben sogar schon drei Prozent erreicht. Hier scheint nur noch wenig Speck zu sein, von dem die Kunden zehren können.

Die Ratingagentur Assekurata ermittelte folgende Werte für 2013:

Kapitallebensversicherung: 3,58 Prozent
Private Rentenversicherung: 3,61 Prozent
Laufende Rente: 3,91 Prozent
Riester-Rente: 3,56 Prozent
Basis-Rente: 3,57 Prozent.
Über alle Vertragstypen errechnete Assekurata einen Durchschnittswert von 3,64 Prozent.

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Platz 20 - R+V: Wartet ab

Der drittgrößte Lebensversicherer in Deutschland will erst Ende Februar mitteilen, wie hoch seine Überschussbeteiligung im laufenden Jahr ist. Das ist ungewöhnlich spät. Zur Begründung hieß es in Wiesbaden, man wolle die Entwicklung des Marktes abwarten. Damit ist die R+V die große Ausnahme in der Branche.

Für 2012 hatte die R+V die Angaben noch - wie in der Branche üblich - Anfang Dezember 2011 geliefert. Damals hieß es, trotz des schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds könne die R+V Lebensversicherung AG für ihre Kunden auch 2012 eine Gesamtverzinsung von 4,40 Prozent bieten. Darin enthalten sei eine laufende Verzinsung von 3,85 Prozent.

Fotoquelle: R+V

Zurich: keine Angaben
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Zurich: keine Angaben

Einer der größten Anbieter von Lebensversicherungen, die Zurich, lässt die Zinsgutschrift unverändert, aber auf niedrigstem Niveau. "Die Überschussbeteiligung bleibt 2014 mit 3,0 Prozent auf dem 2013er Niveau", erklärte ein Sprecher auf Anfrage von Handelsblatt Online. Für 2012 waren es noch 3,35 Prozent und für 2011 schrieb der Versicherer 3,7 Prozent gut.

Note für die Finanzstärke (Öko-Test): 4,2

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf die Überschussbeteiligung (Assekurata): keine Angaben

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf den Garantiezins von 1,75 Prozent: keine Angaben

Ergo: 2,51 Prozent
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Ergo: 2,51 Prozent

Im Jahr 2014 beträgt die Summe aus Garantiezins und laufender Verzinsung bei der Ergo Lebensversicherung unverändert 3,2 Prozent. Dazu kommen 0,35 Prozent (2013: 0,35 Prozent) aus dem Schlussüberschuss und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven. Somit beträgt die Gesamtverzinsung für auslaufende Verträge 3,55 Prozent.

Bestandskunden erhielten sowohl bei der Ergo Leben als auch bei der Victoria Leben mindestens den Garantiezins, erklärte Ergo. Der könne bei älteren Tarifgenerationen höher sein als die für 2014 deklarierte Gesamtverzinsung.

Über alle Tarifgenerationen - Map-Durchschnitt 2014: 3,32 Prozent 2013: 3,32 Prozent

Note für die Finanzstärke (Öko-Test): 3,8

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf die Überschussbeteiligung (Assekurata): 2,51 (2,51) Prozent

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf den Garantiezins von 1,75 Prozent: 0,71 (0,71) Prozent

SV
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Platz 17 - SV Sparkassenversicherung: 3,05 Prozent

Die Überschussbeteiligung der SV Sparkassenversicherung ist von 3,75 Prozent für 2011 auf 3,55 Prozent in diesem Jahr auf nun 3,05 Prozent in diesem Jahr gefallen. Dies ergibt aus Angaben, die Assekurata veröffentlicht hat. Der Rückschritt ist damit stärker als im Schnitt der Branche.

Der Sparkassenversicherer war in den vergangenen Jahren besonders stark durch Einmalgeschäft gewachsen.

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Platz 16 - Versicherungskammer Bayern (VKB): 3,1 Prozent

Der größte Sparkassenversicherer, die Versicherungskammer Bayern, setzt auf hohe Reserven. Die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, größter Lebensversicherer der VKB, zähle zu den Gesellschaften mit den höchsten Bewertungsreserven in der Branche. Allerdings liegt damit ein weiterer großer Lebensversicherer aus dem Sparkassensektor unter den Großen relativ weit hinten.

Dennoch senkt das Unternehmen seine Überschussbeteiligung 2013 auf einen der niedrigsten Werte in der Branche: 3,1 Prozent. Bisher waren es 3,5 Prozent. Die Bayern-Versicherung bietet darüber hinaus auch im Jahr 2013 eine attraktive Gesamtverzinsung auf den Sparanteil. Für Neuverträge gegen laufenden Beitrag betrage diese 3,7 Prozent. Darin enthalten seien 0,6 Prozent für den Schlussüberschuss inklusive der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven.

Die Sparte Lebensversicherung des Sparkassenversicherers verzeichnete 2012 ein starkes Beitragswachstum. Die Prämien stiegen den Angaben zufolge um 5,9 Prozent auf 2,62 Milliarden Euro.

Württembergische: 3,07 Prozent
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Württembergische: 3,07 Prozent

Die Württembergische Lebensversicherung AG hält ihre Überschussbeteiligung 2014 konstant. Die beträgt 3,25 Prozent. Für 2012 lag die Zinsgutschrift dagegen noch bei 3,5 Prozent. Zusammen mit dem Schlussüberschuss und der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven bleibe die gesamte Verzinsung der Sparanteile konstant bei 3,9 Prozent wie im Vorjahr. Diese könne sich in Abhängigkeit von den bei Vertragsablauf aktuellen Bewertungsreserven noch erhöhen. Außerdem kämen noch zusätzliche Kosten- und Risikoüberschüsse hinzu.

Über alle Tarifgenerationen - Map-Durchschnitt 2014: 3,39 Prozent 2013: 3,39 Prozent

Note für die Finanzstärke (Öko-Test): 4,2

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf die Überschussbeteiligung (Assekurata): 3,07 (3,06) Prozent

Beitragsrendite 2014 (2013) bezogen auf den Garantiezins von 1,75 Prozent: 0,81 (0,81) Prozent

DüsseldorfDieter Heinze (Name geändert) ist empört. Seine Lebensversicherung ist bald fällig, dann soll er sein Geld samt Zinsen zurückerhalten. Noch im April 2012 hatte ihm sein Versicherer ein sattes Zubrot angekündigt – für den Fall, dass er bis zum Ende durchhält. Stolze 8.430 Euro sollte sein Schlussüberschuss betragen.

Doch als er im März die Abrechnung erhielt, wollte er seinen Augen kaum trauen: Kein Schlussüberschuss! Aufgebracht rief bei seiner Versicherung an und fragte nach, wo denn die versprochene Belohnung hin sei. Die Antwort: Das habe der Vorstand gestrichen. Betroffen sei aber nicht jeder Vertrag, sondern nur solche mit besonders hohen Zinsen.

Pech für Heinze, hatte er doch in den 90er-Jahren ausgerechnet Lebensversicherungen mit  einem Garantiezins von vier Prozent abgeschlossen. Aktuell beträgt die Garantie nur noch 1,75 Prozent auf das Sparguthaben, doch damals war das anders, weil die Zinsen noch viel höher waren.

Wer daher heute noch einen  dieser Vierprozenter besitzt, dem ist somit eine vergleichsweise hohe Zinszahlung garantiert – und das Jahr für Jahr, selbst wenn der Versicherer das im Schnitt nicht mehr schafft und daher für alle anderen Kunden weniger ausschütten muss, also eine geringere Überschussbeteiligung zahlt. Der Grund dafür: Die einmal ausgesprochene Garantie muss der Lebensversicherer erfüllen.

Heinze wusste um diese Zusammenhänge und freute sich daher schon auf die Auszahlung in diesem Jahr. Er war sicher, gut wegzukommen, zumal auch eine politische Debatte in Berlin zu seinen Gunsten ausgegangen war. Politisch hatte die Opposition eine Änderung verhindert, die ihn vielleicht eine Menge Geld gekostet hätte. Dabei ging es um die Rücklagen der Versicherer in Kapitalanlagen, die Bewertungsreserven.

Umso überraschter war Heinze daher, als ihm seine Sachbearbeiterin erklärte: Eben weil es hier keine neue Regelung zugunsten der Versicherungsbranche gegeben habe, müsse der Versicherer nun an anderer Stelle reagieren – und eben seinen Schlussüberschuss streichen. Heinze kommentiert das äußerst ungehalten: „Als Versicherter fühlt man sich willkürlich verschaukelt.“

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39 Kommentare zu "Keine Garantie für Garantie: Lebensversicherungen sind zum Haare raufen"

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  • @ Fat_bob_ger

    Bis jetzt haben wir den Wirtschaftsprofessoren noch wenig Gelegenheit gegeben zu beweisen ob sie es besser können. Die Alternative aus Studienabbrechern und Geisteswissenschaftlern die direkt nach dem Studium und dem Lesen der Mao-Bibel auf den Abgeordnetensessel gehopst sind (Trittin und Gabriel) dürfte von Wirtschaft aber noch weniger verstehen.

    Und warum sollte die AfD nicht die FDP als Koalitionspartner ablösen? Die CDU muss sich im Falle eines Einzugs der AfD sowieso fragen wie weit sie noch nach links rutschen will.

    Und selbst wenn die AfD rot-grün ermöglicht wäre dies kein Drama. Dann erlebt der Schlafmützen-Bürger in West-Deutschland eben mal den real existierenden Sozialismus und kann dann in den folgenden Landes- und Bundestagswahljahren gegensteuern.

    Man sieht doch gerade in Frankreich wie heilsam so eine sozialistisch agierende Regierung für den Bürger sein kann. Mal sehen wie lange der Traum von der "75%-Reichensteuer" auf der Agenda steht wenn sich dadurch das Steueraufkommen halbiert.

  • @ EinigkeitRechtFreiheit

    Da ist den Verfassern ein Denkfehler unterlaufen!

    Man sollte immer nur kleinere Bevölkerungsgruppen zur Schlachtbank führen. Freiberufler, Vermieter, etc. Aber KLV-Besitzer sind die Mehrheit. Und dann kann es wie man in Ägypten gerade sieht ganz schnell zu Änderungen der bestehenden Gesetze kommen. Bis hin zur Verfassung.

  • Nicht nur das die Anlage keine Renditen abwirft. Sie wird auch nachgelagert besteuert.

    Guten Tag, liebe Poltiker für die Geschenke in den letztren Jahren und die Besteuerungen und die Reduktion der Freibeträge für Kapitalanlagen.

    Ihr braucht Euch ja darüber mit Euren Pensionen in monatlicher Höhe von teils mehr als 10.00 Euro keine Gedanken zu machen.

    Und wenn's nicht reicht wir mal ein Vortrag für 10.000 bis 70.000 Euro gemacht. Ach so, fast vergessen und einen Hauptberuf habt Ihr da auch noch. Wenn's mehr nicht iss.
    Da braucht man keine Altersversorgung oder die mikrigen Zinsen oder riskante Beteiligungen und schon gar keine Lebensversicherung.

    Schon einmal vorab danke für die neuen Steuern die dann nach den Wahlen kommen.

    Danke, Danke, Danke.

  • Genau so ist es. Wer mal eine KLV abgeschlossen hat, ist gekniffen. Durch eine Kündigung ist er dagegen doppelt gekniffen. Letztlich hilft nur ein Spitzer Bleistift und ein kühler Kopf :)

  • "[VAG §89] Dass dieser Paragraph demnächst in den nächsten Monaten zur Anwendung kommt, sollte jedem, der die Zahlen der Versicherer kennt klar sein"

    Ja, habe nach Inkrafttreten o.g. Paragraphen seinerzeit alle meine LVs gemäss BGB "aus wichtigem Grund" auch fristlos gekündigt -und bin heute froh darüber.

    Diese kalte Enteignung dürfte aber erst nach der Wiederwahl von Mutti im September stattfinden..

  • Sie bedenken bei Ihrer Antwort, dass die jetzt fälligen Lebensversicherungsverträge vor über 2 Jahren abgeschlossen wurden?

    Es ist Ihnen auch bekannt, dass sich keine Versicherung wegen ihrer Auszahlugspolitik irgendwo erklären bzw. verantworten muss. In so weit ist die Auszahlung eher einem "Gnadenakte" seitens der Versicherung gleichzusetzen. Und wenn nichts mehr gehen soll, dann kommt § 89 VAG wie in früherem Kommentar bereits dargestellt wurde.

  • Mein Vorschlag:
    Wir sollten Schreiben der Versicherungen hier zusammentragen, um die fadenscheinigen und nicht stichhaltigen Argumentationen zu kennen.

    Es sollten möglichst auch Aktenzeichen und Namen von Behörden veröffentlicht werden, die dazu Stellung nehmen.

    Die Redaktion sollte dann die jeweiligen Kommentatoren um Kopien der zitierten Schreiben bitten, ihrerseits die Behörden zur Stellungnahme auffordern und im HANDELSBLATT veröffentlichen.

    Unter Behörden verstehe ich die Verbraucherschutzministerien und nicht zuletzt die Aufsichtsbehörde, die BaFin, namentlich Frau König, die im letzten Jahr sich als Lobbyistin der Versicherungswirtschaft nach vorn gedrängt hat.

  • Ein weiterer Zahn muss auch noch gezogen werden bei dem, der davon ausgeht, seine "Garantieverzinsung" ja sicher noch zu bekommen:
    Der so genannte "Garantiezins" ist nämlich keine Garantie, sondern der Höchstrechnungszins, den Versicherungen für ihre Deckungsrückstellungen maximal zugrunde legen dürfen. Er darf auch gesenkt werden, wenn der Versicherer diesen Zins selbst nicht mehr erwirtschaften kann. Und dieser Fall scheint mir nicht mehr so fern zu liegen. Also kann ich nur raten, raus aus diesen Verträgen und rein in Sachwerte, am besten in mobile Sachwerte.

  • @Btr

    Sie haben da etwas wichtiges vergessen. Es sind die laufenden Kosten. Dann sind die Renditen bei Altverträgen schon erheblich geringer.
    Ausserdem wurden Sie in den brummenden Jahren relativ mit einer butterbrotählichen Rendite abgespeist. Die Ausrede war immer:
    Die Erhöhung des Kapitals einer LV steigt zum Ende expotential an.
    Ja, denkste, Pustekuchen.
    Diese Abzocke ist sogar gesetzlich abgesegnet.

    Kapitalbildende LV ist tot. Ganz besonders tot nach solchen Tricks.

    Schönen Tag noch.

  • Eine Frage bleibt nach wie vor offen - wo bitte ist die Alternative? Wenn die Abschlusskosten (z. B. für einen Altvertrag) bereits bezahlt sind sind auch die 3,5 - 3,75% auf den Sparanteil k e i n e schlechte Verzinsung. Ausser, ich gehe ins Risiko und setze auf Aktien oder Fonds - aber wenn ich das nicht will, dann bleibt nur der Sparvertrag mit 1,3 - 1,5%. Wo also ist die Alternative?????

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