Kolumne Nachgerechnet Wenn die Altersvorsorge die Vertreter absichert

Versicherungsvermittler empfehlen am liebsten Rentenversicherungen. Kein Wunder, kassieren sie dafür doch üppige Provisionen. Eine Friseurin hat das teuer bezahlt. Wie sich der Vertreter an der Kundin mästete.
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Total beraten - Nachgerechnet

DüsseldorfDer Finanzberater ließ sich von der alleinerziehenden Friseurin die Haare schneiden und fädelte gleich ein Gespräch über ihre Vorsorge ein. Es kam zum Beratungstermin. Die heute 42-Jährige kündigte danach erneut ein paar private Rentenversicherungen und schloss andere ab. Für sich und ihre kleine Tochter.

Isabella Soto (Name geändert) ist Italienerin und kennt sich bei Finanzprodukten kaum aus. Sie hat von 2000 bis 2010 insgesamt 38 Bausparverträge und Versicherungsverträge unterzeichnet. Dass sie nur 900 Euro netto verdient, hat ihre Vermittler nicht gestört. Nun kämpft sich ein unabhängiger Experte durch den Dschungel. Er schätzt, dass die Versicherungsvertriebe über die Jahre an der Friseurin gut 14.000 Euro Provision und Abschlusskosten verdient haben. Zuletzt, 2011 hatte sie 17 Versicherungsverträge gleichzeitig laufen.

38 Verträge. Ein krasser Einzelfall? Ihr Honorarberater Frank Kontz aus Lahnau meint, ähnliche Geschichten erlebe er immer wieder: „Je ahnungsloser der Kunde, umso leichter wird er über den Tisch gezogen.“

Zurück ins Jahr 2000. Die damals frisch verheiratete Soto und ihr Mann, der bei der Straßenwacht arbeitete, wollten bauen. Debeka machte es möglich: Vier Bausparverträge über insgesamt 255.000 Euro. Gesamtbeitrag monatlich: 662 Euro, Abschlussgebühr: 2.551 Euro.

Dann kam die Scheidung. Die Debeka nutzte den Kontakt und offerierte der nun alleinerziehenden Soto zwei Rentenversicherungen, eine für die damals zweijährige Tochter, die auch auf deren Namen lief. Verträge für Kleinkinder haben eine besonders lange Laufzeit, die Abschlussgebühren sind entsprechend höher. Einen weiteren Bausparvertrag der Debeka, stufenweise auf 100.000 Euro hochgesetzt, konnte Soto nach einiger Zeit nicht mehr bedienen. Er wurde aufgelöst. Ihre Einzahlungen sind komplett für die Abschlusskosten draufgegangen.

Vorsorge für die Versicherte oder Absicherung für den Vertreter?
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18 Kommentare zu "Kolumne Nachgerechnet: Wenn die Altersvorsorge die Vertreter absichert"

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  • Schade, dass ich Frau Soto nicht persönlich kenne. Ich würde zu Ihr mit meiner ganzen Familie zum Haareschneiden gehen, und mich dafür von Ihr bezahlen lassen.
    Anschließend würde ich ich Ihr 5 neue Telefonverträge und 10 alte Staubsauger verkaufen.
    Ich habe immer gedacht, dass man als Selbständiger wenigsten 1+1 zusammenzählen können muß.
    (...)
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • ...und dann noch 100-200 Euro bei der Schadensaufnahme und Abwicklung und sonstigen Kundenanrufen -wie Arzt, 23.50 Euro für Kurzauskunft (z.B.Schaden wird bezahlt).

    Wie weltfremd geht es hier in Deutsscheelandee eigentlich zu.

  • Guten Tag,

    ich weiß gar nicht warum das Handelsblatt nicht endlich aufhört mit diesen Schmähartikeln und Beispielen die offensichtlich eine ganze Branche verunglimfen soll.
    Dauernd die Geschichten von Falschberatung und Abzocke.
    137 Mrd.€ an Schaden reguliert die Versicherungsbranche jedes Jahr und erwirtschaftet 7% des BIP.
    Schreibt dochmal von erfolgreichen Optimierungen der Versicherungen und von Verhinderung von Altersarmut, von Schliessung der Absicherungslücken aus den Bereichen wo sich Vater Staat immer mehr zurückzieht.
    Thema Honorarberater: zeigt mir einen Mandanten, der 200€ für die Vermittlung von Sachversicherungen wie zB Privathaftpflicht oder Hausrat an seinen Honorarberater zahlt.
    MFG
    Helge Doose Finanzberater

  • Vertreter egal welcher Branche, sind zu 99 % alles Verbrecher & wollen nur unser bestes, nämlich die sauerverdienten Euros.

  • Lese ich hier Handelsblatt oder Bild?

  • Kein Vermittler, der nur mit einer Unterschrift unter einen (Neu-)Vertrag Geld verdient, hätte/hat Frau Soto geholfen. Warum auch? Er ist kein barmherziger Samariter.
    Der Honorarberater erhält Geld dafür, dass er diesen Mist aufräumt.
    Ob generell ein Honorarberater der weisse Ritter ist und der schnöde Provisionsvermittler immer der böses Scharlatant ist, ist in den Bericht von Frau Hussla gar nicht das Thema.
    Fest steht nur: Ein Aussschließlichkeitsvertreter und/oder ein Mehrfachagent, der mit Provisionen entlohnt wird, haben Frau Soto abgezockt. Und das ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Verhältnisse.

  • Neulich hat ein Taxifahrer bewusst einen weiteren Weg eingeschlagen und mich somit betrogen. Fazit: Alle Taxifahrer sind Betrüger!
    Ich kenne nur seriöse Versicherungsmakler.
    In reißerischer Darstellung einen Berufsstand zu verunglimpfen hilft niemandem!

  • ja.ja... wie immer die bösen Vertreter.. Ich berate aktuell einen Kunden als Versicherungsmakler für seinen Vermögensaufbau. Auf Empfehlung eines Honorberaters hat er einige sehr hohe Rentenversicherungen abgeschlossen. Selbstverständlich gegen Honorar und sofort zahlbare Rechnung. Die Überprüfung der abgeschlossenen Verträge hat ergeben, dass es sich dabei um ganz normale Tarife handelt, also mit voller Provision. Der so oft umjubelte Honorberater hat doppelt kassiert. Diese Fälee kommen leider immer häufiger vor, aber der Böse ist immer der "Vertreter". Liebe Handelblattredaktion: Wie lange soll diese Kampagne noch laufen? Diese einzige Wahrheit ist doch, das es viele schwarze aber auch ebenso weisse Schafe gibt. Würde der finanziellen Bildung der Bürger bereits ab dem Schulalter mehr Bedeutung eingeräumt, könnte der Bürger vielleicht besser entscheiden, welche Angebote für Ihn sinnvoll sind. Aber permanent nur auf einen undifferenzierten Berufsstand populistisch einzuprügeln ist wenig hilfreich.

  • Kaufte nicht beim Vertreter !!! so sollte der Slogan lauten 

  • Das ist auch der Grund dafür dass sich immer mehr Vermittler von den Gesellschaften lossagen und entweder als Makler Verträge verkaufen oder sogat Honorarberatung anbieten.
    Beides geht über http://www.versicherungshimmel.de gleich mit der Möglichkeit sich vorweg zu orientieren, Vergleiche zu machen und anschließend erst die Beratung in Anspruch zu nehmen.
    Leider gibt es unter den Verkäufern immer schwarze Schafe...auch bei der oben genannten Gesellschaft, bezahlt sie doch ihre Außendienstler nicht ordentlich. Von Mästen kann da keine Rede sein....trotzdem war die Beratung eindeutig falsch. Die Verträge könnten angefochte und rückabgewickelt werden. Dazu gehört aber ein großes Durchhaltevermögen. Viel Erfolg

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