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Krankenkassen Gesetzlich Krankenversicherte werden 2019 von mehreren Seiten entlastet

Für rund 56 Millionen Versicherte gibt es in diesem Jahr gute Nachrichten. Für den Großteil sinkt der Zusatzbeitrag – doch das ist nicht alles.
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Insgesamt 22 Millionen Versicherte dürfen sich über sinkende Zusatzbeiträge in diesem Jahr freuen. Dem gegenüber stehen nur 67.000 Versicherte mit steigenden Beiträgen. Quelle: Ikon Images/Getty Images
Gesetzliche Krankenversicherung

Insgesamt 22 Millionen Versicherte dürfen sich über sinkende Zusatzbeiträge in diesem Jahr freuen. Dem gegenüber stehen nur 67.000 Versicherte mit steigenden Beiträgen.

(Foto: Ikon Images/Getty Images)

MünchenDie schlechte Nachricht zuerst: Der Preisbrecher unter den gesetzlichen Krankenkassen existiert nicht mehr. Die kleine Metzinger BKK fusionierte zum Jahreswechsel mit der Mhplus Krankenkasse aus Ludwigsburg, womit nun auch der einstige Name verschwunden ist. Eine Krankenkasse wie die Metzinger, die zuletzt überhaupt keinen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangt hatte, gibt es somit nicht mehr in Deutschland.

Damit hat es sich aber auch schon weitgehend mit Negativmeldungen für die überwiegende Zahl der Deutschen, die in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Das sind immerhin 56 Millionen Menschen im Land. Entlastung bekommen sie seit Jahresbeginn gleich von mehreren Seiten.

Zum einen hat der Gesetzgeber im vergangenen Jahr beschlossen, dass der Arbeitgeber wieder die Hälfte des gesamten Beitrags für die Krankenkasse zahlen muss. Diese einst gängige Regel galt seit dem Jahr 2005 nicht mehr. Um die Arbeitgeber zu entlasten, wurde damals beschlossen, dass die Arbeitnehmer einen Sonderbeitrag von 0,9 Prozent bezahlen müssen.

Das änderte sich noch einmal im Jahr 2015, ab jenem Zeitpunkt gab es einen allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Der musste jeweils zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt werden. Darüber hinaus konnten die Kassen nun abhängig von ihrem erwarteten Finanzbedarf individuell einen Zusatzbeitrag bestimmen. Diesen musste komplett der Arbeitnehmer übernehmen.

Je nach Kasse lag der Zusatzbeitrag im vergangenen Jahr zwischen null Prozent bei der Metzinger BKK und 1,7 Prozent bei Securvita BKK, der Viactiv Krankenkasse und der Merck BKK.

Den allgemeinen Beitrag und den Zusatzbeitrag gibt es immer noch. Weil beide nun aber jeweils zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer übernommen werden, soll das für die Bürger eine Entlastung von rund 6,9 Milliarden Euro bringen, wie Zahlen aus dem Gesundheitsministerium belegen.

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Insgesamt 22 Millionen Versicherte dürfen sich zudem über sinkende Zusatzbeiträge in diesem Jahr freuen. Dem gegenüber stehen nur 67.000 Versicherte mit steigenden Beiträgen. Das hat das Portal krankenkassen.net ausgerechnet. Dafür haben sie die Pläne der insgesamt 108 gesetzlichen Krankenkassen im Land ausgewertet. Im Vergleich zum Vorjahr haben demnach 38 Kassen ihren Zusatzbeitrag gesenkt und nur fünf ihn erhöht. Bei den restlichen 65 gesetzlichen Krankenkassen blieben die Beiträge stabil.

Ein wesentlicher Grund für diesen Schritt dürfte die teils üppige Finanzlage etlicher Kassen sein. Im Dezember war bekannt geworden, dass der Überschuss bei allen Kassen zusammen bei 21,7 Milliarden Euro lag.

Von Regierungsseite kam deswegen die Auflage, dass gesetzliche Kassen mit besonders großem Finanzpolster ihre Reserven ab 2020 binnen drei Jahren abbauen müssen. Kassen, bei denen die Rücklagen mehr als eine Monatsausgabe ausmachen, dürfen den Zusatzbeitrag nicht mehr anheben. Um gegen diese Auflage in Zukunft gewappnet zu sein, bauen etliche Kassen jetzt bereits ihre Polster ab, zum Vorteil der Kunden.

Wettbewerb unter den Kassen ist groß

Denn auch der Wettbewerb unter den Kassen ist nach wie vor groß, sodass günstige Beiträge weiterhin ein wesentliches Argument sind für viele Kunden. In diesem Jahr ist die Betriebskrankenkasse des Künzelsauer Schraubenhändlers Würth mit einem Gesamtbeitrag von 14,8 Prozent die günstigste. Nur 0,2 Prozent verlangt sie zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent. Allerdings steht sie nur den rund 12.000 Würth-Mitarbeitern offen.

Ebenfalls am unteren Ende der Preisskala stehen die AOK Sachsen-Anhalt (14,9 Prozent), BKK Euregio (14,95 Prozent) und HKK Erste Gesundheit (14,99 Prozent).

Durch besonders hohe Beiträge fallen hingegen die BKK Henschel Plus mit 16,2 Prozent und die BKK der Stadt Augsburg mit 16,1 Prozent auf. Die steht allerdings ebenfalls nur Mitarbeitern der Stadt offen. Es folgen die BKK Merck, BKK Achenbach- Buschhütten und die Siemag BKK mit jeweils 16 Prozent. Der gewichtete Durchschnitt aller 108 deutschen Kassen liegt bei 15,6 Prozent. Vor einem Jahr lag er noch leicht höher bei 15,68 Prozent.

Für die Versicherten bedeuten hohe Beiträge nicht zwangsläufig, dass sie in eine günstigere Kasse wechseln sollten. Schließlich ist neben dem Wettbewerb um die Höhe der Zusatzbeiträge auch ein Ringen um zusätzliche Services entbrannt.

Dazu gehören beispielsweise die Übernahme der Kosten für Heilpraktiker sowie Rabatte, wenn sich ein Mitglied besonders gesund verhält. Oft fallen darunter auch Kuren oder Kurse, Bonusprogramme oder Sonderleistungen rund um die Schwangerschaft. Die Ausgestaltung ist jeder Kasse selbst überlassen. Die Entscheidung für eine Kasse hängt somit von Preis und Leistung ab, betonen Experten.

Wer sich dennoch mit dem Gedanken trägt, die Kasse zu wechseln, für den gibt es zwei Möglichkeiten. Ist er Mitglied einer der fünf Kassen, die in diesem Jahr die Beiträge erhöht haben, dann hat er ein verkürztes Sonderkündigungsrecht bis zum 31. Januar. Erhöht hatten in diesem Jahr BKK public, BKK Wirtschaft + Finanzen, BKK Achenbach Buschhütten, die Thüringer BKK und die BKK der Stadt Augsburg. Bei allen anderen Kassen beträgt die Kündigungsfrist zwei Monate.

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