Krankenversicherung Privater Schutz? Bloß schnell weg!

Seit Jahrzehnten lockt die Private Krankenversicherung – mit günstigen Beiträgen und besseren Leistungen. Doch 2012 hat diese Erfolgsgeschichte ein Ende. Was nun anders ist und wie die Feinde der PKV dies nutzen. 
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DüsseldorfZahlen lügen nicht, aber sie sagen auch nicht alles. Fast neun Millionen Menschen schützt die Private Krankenversicherung (PKV) hierzulande, etwa elf Prozent der Bevölkerung. Besonders viele Beamte sind darunter, aber auch jede Menge gut verdienende Angestellte und Selbstständige. Was bedeutet es da schon, wenn die Zahl der Privatpatienten um 20.067 Personen sinkt? 

Zunächst zur Zahl selbst: Hier sind Wanderungsbewegungen zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung zusammengefasst, es ist also eine Nettozahl. Dass dieser sogenannte Nettoneuzugang sinkt, ist äußerst selten. Der PKV-Verband musste lange in seinem Archiv suchen, bis er etwas Ähnliches fand. Ende der 60er- und Anfang der 70er-Jahre gab es schon einmal einen Aderlass. 

Damals waren die gesetzlichen Krankenkassen für Landwirte geöffnet worden, die sich zuvor vornehmlich privat versichert hatten.

 

Im Lichte dieser Erfahrung wirkt ein Rückgang von knapp 20.100 Personen nicht sonderlich dramatisch. Dennoch handelt es sich um einen bemerkenswerten Einschnitt. Schließlich geht es hier um die Zahl, die im Konkurrenzvergleich von privater und gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) am stärksten beachtet wird – auch politisch.

Manager der PKV belegten damit früher regelmäßig die vermeintliche Attraktivität des eigenen Systems, weil die Zahl der privat Versicherten nach dem Einbruch Ende der 60er-Jahre wieder kontinuierlich nach oben ging. Vorstände der gesetzlichen Krankenkassen ärgerten sich im Gegenzug, weil ihnen zahlungskräftige Kunden verloren gingen. Denn oft wurden gut verdienende Kassenmitglieder von PKV-Vermittlern abgeworben. 

Zwar wandern jährlich Hunderttausende Deutsche zwischen Krankenkassen und privaten Versicherern hin und her. Doch gewonnen haben in diesem Vergleich in den vergangenen Jahrzehnten immer nur die Privaten. Mal waren es unter dem Strich nur 66.000 Personen zugunsten der PKV, wie im Jahr 1996. In guten Jahren lag der Saldo jedoch auch über 200.000: Zwischen 2001 und 2003 war das zum Beispiel so. 

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65 Kommentare zu "Krankenversicherung: Privater Schutz? Bloß schnell weg!"

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  • @Hilfe

    das ist absolut richtig. Meine A-Versicherung
    hat mir über 3 Jahre die Beiträge um ca. 30%
    jährlich erhöht.

    Ist das nicht sittenwidrig??

    Jedem Vermieter wird von dieser Mafiapolitik verboten
    ungebührlich zu erhöhen aber bei der PKV interessiert
    das niemand und schon gar nicht das mehrfach angeschriebene
    Finanzministerium.

    Gruß, ein PKV-Abgezockter

  • Bei all den Diskussionen habe ich immer den Eindruck man versucht nur das bestehen der ganzen Krankenkassen, besonders der PKV zu gerecht fertigen.
    Richtiger wäre doch mal darzulegen warum die überhaupt gebraucht werden.
    Angenommen man hat eine Versicherungsform GKV oder PKV und man einigt sich auf einen Betrag xxx je Versicherten.
    Dann generiert man einen Gebühren Katalog damit jeder einsehen kann was die einzelnen Anwendungen,Eingriffe kosten. Warum will man immer alles verschleiern und warum müssen unterschiedliche Berechnungen für GKV,PKV gemacht werden.
    Damit sieht jeder Versicherte was ein Arzt von ihm erhält, und wofür seine Beiträge eingesetzt werden.
    Was bis dahin nicht abgedeckt ist wird zusätzlich aufgeführt und kann als Zusatzversicherung geordert werden.
    Ob GKV und PKV alles anbieten, oder GKV den Standard und PKV den Zusatz, und wie es mit Familienversicherung und Fälle für Sozial Schwache aussieht, dass ist Aufgabe einer neuen Gesundheitsreform, aber ohne Lobbyunterstützung von FDP.
    Dann ist noch die Frage zu den ganzen Beamten. Da habe ich noch nie verstanden, warum braucht es dafür unbedingt die PKV. Warum kann es nicht die GKV sein mit Zuschüssen vom Arbeitgeber(Staat) für ihre Staatsdiener.
    Warum kann für Beamte keine Behandlung wie bei jedem Versicherten sein, ist ein anderes Thema!!!!
    Sollte das ganze daran scheitern, dass man immer den Bestandsschutz der PKV vorschiebt, dann soll man mal zu bedenken geben, dass alleine der Versicherte zu entscheiden hat, bei wem und wie er sich versichern will.
    Bei dem ganzen Versicherungsgetue wird von Staatsseite etwas vorgegeben, was es in dieser Form in ganz Europa und der ganzen Welt wohl nicht gibt. Eine Bestimmung zum Versicherungsabschluss GKV,PKV über Höhe des Einkommens.
    Warum nur scheut man den Wettbewerb zwischen GKV und PKV.
    Man will partout einen Wettbewerb verhindern, und festhalten an undurchsichtigen Tarifberechnungen mit dem Ziel eine Zweiklassenmedizin zu ermöglichen.

  • Sie haben vermutlich über viele Jahre in der PKV Beiträge gespart und umfangreichere Leistungen versichert gehabt. Sonst wären Sie seinerzeit nicht gewechselt.

    Lassen Sie sich jetzt fair beraten um das bestmögliche Preis-Leistungsverhätnis bei Ihrer Gesellschaft zu erhalten.

    Eine Öffnung beider Systeme würde den Wettbewerb tatsächlich noch beleben. Das würde die gesetzlichen Kassen erheblich verschlanken und effizienter machen. Viele Kassen würden ganz verschwinden, Milliarden könnten eingespart werden.

    Staatliche (Zwangs)-Systeme sind leider immer ineffizient und teuer. Allein die Tatsache, dass gesetzliche Reglementierung großen Teien der Bevölkerung zwangsweise eine private Vollversicherung vorenthält zeigt doch, dass die staatliche aufgezwungene Variante nicht die bessere sein kann.

  • Gibt es denn keine Interessenvertretung für in Not geratene PKV Versicherte. Ist es denn mit dem Grundgesetz vereinbar, dass man in eine Versicherung PKV gezwungen werden kann. Da ab einem bestimmten Alter nicht mehr raus kann. Es gibt 9 Millionen PKV Versicherte, und bestimmt eine Menge unzufriedene die liebend gerne in die GKV wechseln würden.
    Sei es wegen den hohen Versicherungsbeiträgen oder der ungewissen Beitrags Entwicklung im Alter. Man kann zwar unabhängige Beratung wie W.I.D.G.E in Anspruch nehmen, aber wie lange hält soch eine Beitragsreduzierung an.
    Gibt es in Europa eigentlich eine Versicherung der man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, wie die PKV in Deutschland. Wie ist sowas rechtlich vertretbar, das einmal PKV immer PKV ab Alter 55 Jahre Bestand hat, und man keine Chance hat, diese Versicherung zu beenden.
    Wann gibt CDU/CSU/FDP das unbedingte festhalten an der PKV auf. Warum diese Beitragsbemessungsgrenzen, und warum keine Wahlmöglichkeiten für jeden Bürger ob GKV oder PKV. Momentan hat die PKV eine Monopolstellung und bindet den Versicherten dauerhaft an die eigene Gesellschaft. Im Falle eines Wechsel gehen Rückstellungen für den Versicherten verloren. In dieser Frage PKV vermisse ich den Protest von Bürgerrechtsvertretungen.

  • Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme weltweit, wobei allen Versicherten - egal ob gesetzlich oder privat- bei kurzen Wartezeiten ein flächendeckendes Netz von Haus- und Fachärzten Kliniken und Apotheken zur Verfügung steht.

    Man könnte auch sagen : Wo ist das Problem???

    Unser Gesundheitssystem ist zu kostbar um es mit grundlosen Radikaloperationen zu gefährden.

    Eine Bürgerversicherung funktioniert bereits seit Jahren in England nicht. Alle Zahlen sprechen für den Erhalt der PKV, wenn man sich intensiv mit dem Thema beschäftigt.

    @kopfschuettel

    Die PKV kann die Rückstellungen selbst in Niedrigzinsphasen besser anlegen als die GKV. Die GKV spart nämlich GAR KEINE Rückstellungen an!!!

    Was das für die Finanzierbarkeit der GKV bedeutet wenn die Bevölkerung in ca. 15 Jahren deutlich mehr Ältere und Rentner im Verhältnis zu jungen arbeitenden Beitragszahlern hat, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.

    Zusätzliche Beitragsentlastung im Alter ist wie der Name schon sagt eine ZUSÄTZLICHE also FREIWILLIGE Reduzierung der Beiträge, die der Versicherte in der PKV wählen kann.
    Das hat nichts zu tun mit den normalen Altersrückstellungen bzw. mit dem 10%igen gesetzlichen Zuschlag den die PKV bildet.

    In der neuen jetzt gültigen Tarifwelt können Sie Altersrückstellungen übrigens in großen Teilen zu einem anderen Versicherer mitnehmen! Dies ist doch Wettbewerb unter den PKV, nicht so wie bei den gesetzlichen Kassen, wo die Leistungen und Beiträge überwiegend identisch sind.

    Wichtig ist doch die medizinische Versogung!

    Was würde denn mit einer Bürgerversicherung besser werden?

    Was hat es z.B. in den Niederlanden gebracht? Besseren Zugang zu medizinischen Innovationen? Nein.

    Kürzere Wartezeiten für Patienten? Nein.

    Ist die medizinische Versorgung günstiger geworden? Nein.

    Lösung des Demographieproblems? Nein.

    Nur durch den Wettbewerb zwischen den Systemen GKV-und PKV
    gibt es in Deutschland für ALLE VERSICHERTEN einen raschen Zugang zu Innovationen.


  • Beim Beamten ist der Staat nicht nur Staat, sondern idR auch Dienstherr/Arbeitgeber. Der Arbeitgeber eines jeden Arbeitnehmers muss Sozialversicherungsbeiträge in die Krankenkassen einzahlen. Der Staat als Arbeitgeber spart sich dies und leistet nur bei Krankheit. In der Regel spart sich der Dienstherr/Staat mit diesem Modell Geld im Vergleich zum Arbeitgeber, der ständig Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss.

  • Wählbar sind nur Parteien, die gegen die Abschaffung der PKV sind.


    "Darüber hinaus leistet der Bund nach § 221 Abs. 1 SGB V[24] einen Zuschuss an den Gesundheitsfonds zur pauschalen Abgeltung der versicherungsfremden Leistungen pro Jahr in Höhe von 11,5 Mrd. Euro für 2013 und ab 2014 von 14,0 Mrd. Euro." (Wikipedia)

    Wie wäre es denn, wenn wir diesen Zuschuss einfach wegfallen lassen? Der Bndeshaushalt müsste annähernd keine Neuschulden mehr aufnehmen. Was wird von anderen Nationen ja auch fordern. Außerdem würden die Kassen wieder Defizite schreiben.
    Schön, dass diese von den Steuerzahlern ausgeglichen werden. Warum passiert sowas in der PKV nicht? ;)

    Wir wollen also ein funktionierendes System mit einem defizären Sytem austauschen, das trotz Gewinnen höhere Zuschüsse aus dem Steuertopf braucht.

    Typisch deutsch ;)

  • @Leser,
    "Die Rücklagen in der PKV sind dafür gedacht, dass Sie (derzeit)ab 65 Jahren lebenslang Keine Beitragsanpassungen mehr bekommen. Hierbei spielt auch die Vorversicherungszeit in der PKV eine Rolle, also wieviel Rückstellungen Sie tatsächlich angespart haben."

    Wie soll sowas funktionieren, da kann man doch davon ausgehen, dass die Rückstellungen kaum reichen werden.
    Wie kann die PKV Beiträge noch gewinnbringend anlegen.
    Warum verschickt die PKV 59 jährigen noch Rechnungsbeispiele für freiwillige Zahlung Beitragsentlastung im Alter.
    Am besten wäre es wenn jetzt endlich die PKV Versicherten entscheiden könnten, wieder in die GKV oder Bürgerversicherung zu wechseln.
    Warum sollte es gesetzlich nicht möglich sein, dass die GKV
    auch ehemalige PKV Versicherte aufnehmen darf, wenn es vom Staat eine Gesetz Änderung gibt.
    Es wäre jedem geholfen, den PKV Versicherten, der GKV (es gibt ja schon einige Versicherer die dies begrüßen würden),
    der PKV (besserer Rückzug könnten sie nicht mehr bekommen, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Das jetzige Geschäftsmodell kann und wird nicht mehr funktionieren. Einige PKV Versicherer hatten vor Jahren schon die Überlegung der Aufgabe vom Vollversicherungsgeschäft) warum nur?????
    Meiner Meinung nach, wäre das ganze schon lange erledigt, wenn man sich einigen könnte, wem die PKV Rückstellungen den nun gehören. Der PKV oder dem PKV Zahler.
    Der größte Witz ist doch, dass PKV Versicherte mit ihren Beiträgen Rücklagen bilden, in der jetzigen Form aber nur bei der momentan zuständigen PKV Gesellschaft erhalten bleiben. Gibt es irgendwo auf der Welt solch eine Versicherungsform ohne Konkurrenz ohne Wettbewerb der PKV untereinander.
    Einfach unglaublich dass die Politik dieses Krankenkassensystem noch hervorhebt. Es entstehen nur Ungereimtheiten. Wählbar ist nur die Partei, die dieses System abschafft.

  • Das die Private Krankenversicherung gegen die Wand fährt ist doch politisch gewollt. Kein anderes Land leistet sich zwei so unterschiedliche Systeme. Es stellt sich mir nur die Frage was mit den ganzen Beamten und deren Beihilfe passiert. Ist eh schon verrückt dass ein Beamter mit 2 Kindern sich vom feinsten privat Versichert und dabei kaum Beiträge für die PKV zahlt. 70% kommen von der Beihilfe, kann man hier nachlesen www.krankenversicherung-beamte-beamtenanwaerter.de Wir Steuerzahler subventionieren auch noch schön deren Beihilfe

  • Die Rücklagen in der PKV sind dafür gedacht, dass Sie (derzeit)ab 65 Jahren lebenslang KEINE Beitragsanpassungen mehr bekommen. Hierbei spielt auch die Vorversicherungszeit in der PKV eine Rolle, also wieviel Rückstellungen Sie tatsächlich angespart haben.

    Die Branche erwägt diese Rückstellungen zukünftig auch flexibler einsetzen zur Beitragsstabilisierung einsetzen zu dürfen, also z.B. schon ab dem 55.Lebensjahr.

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