Krankheit oder Unfall Absicherung für den Ernstfall – welche Berufsunfähigkeitsversicherung zu Ihnen passt

Teuer, aber notwendig sind Policen, die vor den Folgen von Krankheiten oder Unfällen schützen. Ein Überblick über die wichtigsten Angebote.
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Vorsorge ist besser: Auf einen Arbeitsunfall folgen nicht nur gesundheitliche Probleme. Quelle: dpa
Baustelle am Vatikan

Vorsorge ist besser: Auf einen Arbeitsunfall folgen nicht nur gesundheitliche Probleme.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist der Albtraum: der Absturz aus einer erfolgreichen Karriere ins berufliche Nichts – sei es nach einem Unfall, oder, viel häufiger, wegen Krankheit. Dieses Risiko wird oft unterschätzt. Wer sich aber früh versichert, zahlt niedrigere laufende Prämien und hat einen Vertrag abgeschlossen, bevor er vielleicht schwer krank wird.

Die zentrale Frage lautet: Wie hoch muss man sich absichern? Das Nettogehalt gibt den ersten Anhaltspunkt. Wichtig für die Höhe der Versicherung ist außerdem: Hat die Familie einen Hauptverdiener? Steht Vermögen zur Verfügung, etwa Immobilien, das nachhaltige Erträge produziert? Sind Verwandte da, die helfen würden und könnten? Grundsätzlich gibt es zur Absicherung dieses Lebensrisikos verschiedene Arten von Versicherungen, die höchst unterschiedliche Leistungen bieten.

Berufsunfähigkeit

Als „Goldstandard“ gegen einen solchen Schicksalsschlag gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), wie die Analysefirma Franke & Bornberg (F&B) schreibt. Sie ist eine vergleichsweise teure Versicherung, aber sehr nützlich (s. u. – „Vergleich und Rating“). Sie zahlt eine Rente, wenn man im eigenen Beruf nicht mehr arbeiten kann.

Dafür sind nur zu neun Prozent Unfälle verantwortlich. Fast ein Drittel machen psychische Krankheiten aus, rund ein weiteres Fünftel hat mit der Wirbelsäule oder anderen Teilen von „Skelett und Bewegungsapparat“ zu tun.

Wichtig ist: „Bei der Antragstellung müssen Gesundheitsfragen unbedingt wahrheitsgemäß beantwortet werden“, sagt Tobias Strübing von der Anwaltskanzlei Wirth. Denn vor Auszahlung der Rente wird der Anbieter in der Regel die Krankenversicherung kontaktieren. Allerdings kann er den Vertrag nur in den ersten zehn Jahren infrage stellen. Versicherungsberater Harald Peschken rät, sich die Krankenakte vom Hausarzt oder der Kassenärztlichen Vereinigung geben zu lassen und sie mit einem Fachmann auszuwerten.

Auch bei der Antragstellung für die BU-Rente empfiehlt sich, einen Experten hinzuzuziehen. Wichtig ist, den beruflichen Alltag genau zu schildern, um die Belastung deutlich zu machen. Strübing sagt: „Arztberichte sollten möglichst ausführlich abgefasst werden.“ Denn rund ein Viertel aller Anträge wird abgelehnt, häufig, weil die medizinische Begründung nicht überzeugt.

Da psychische Krankheiten die Hauptursachen sind, ist die Schwere des Leidens oft schwer zu objektivieren. Selbstständige erleben zudem manchmal, dass der Versicherer behauptet, sie müssten ihren Betrieb nur geschickt umorganisieren, um weiterarbeiten zu können.

Bei der BU gibt es also immer noch Unterschiede in den Bedingungen und im Service. Die Researchfirmen F&B sowie Morgen & Morgen geben mit ihren Ratings Hilfestellung bei der Auswahl des Tarifs. Dabei erreichen heute relativ viele Verträge gute Noten.

Risikolebensversicherung

Häufig wird die BU gekoppelt mit einer Risikolebensversicherung angeboten. Das ist auch sinnvoll, denn beide ergänzen sich. Die Risiko-LV zahlt bei Tod, ist also besonders wichtig, wenn es einen Hauptverdiener in der Familie gibt. In der Branche werden Summen bis zum Fünffachen des Brutto-Jahresverdienstes empfohlen. Sie wird auch als klassische Lebensversicherung, also in Kombination mit einem Sparplan, angeboten.

In dieser Variante sind die Raten aber meist recht hoch, und die wirkliche Absicherung für den Todesfall fällt zu niedrig aus. Manchmal empfiehlt es sich auch, eine Risiko-LV mit fallender Summe abzuschließen. Denn wer mit 65 in Rente geht, muss meist keine Kinder mehr versorgen und hat das Darlehen fürs Haus abbezahlt, bis dahin könnte die Summe also absinken.

Alternative Angebote

Ein großes Problem bei der BU: Die Risiken sind sehr ungleich verteilt. In körperlich belastenden Berufen sind sie hoch, daher ist der Versicherungsschutz dort besonders teuer. Zugleich sind die Löhne dort oft nicht üppig. Deswegen entstehen in dem Bereich besonders häufig Lücken in der Risikovorsorge, weil sie die Betroffenen finanziell überfordert.

Laut einer Umfrage von F&B bei über 600 Vermittlern und Versicherungsangestellten bieten diese zu 92 Prozent aktiv verschiedene Alternativen an, vor allem, weil sie günstiger sind. Allerdings gilt das nur zu rund einem Drittel, wenn es sich bei den Kunden um Akademiker handelt. Für die ist der „Goldstandard“ leichter zu finanzieren, weil sie ihn billiger bekommen und zugleich oft besser verdienen. Und: Je jünger der Kunde, desto erschwinglicher ist die BU.

Am Markt gibt es mehrere Alternativen zur BU:

Grundfähigkeit

„Ganz oben auf der Liste steht die Grundfähigkeitsversicherung“, heißt es bei F&B zu den BU-Alternativen. Dabei werden in manchen Policen über 20 Grundfähigkeiten definiert, angefangen von sehen, sprechen, Hände gebrauchen bis hin zu Auto fahren sowie Konzentration und Orientierung. Häufig sind mehrere Ausfälle erforderlich, damit gezahlt wird, wobei die Fähigkeiten unterschiedlich gewichtet werden. Zusätzlich kann die offizielle Aufnahme in eine Pflegestufe eine Zahlung auslösen. Meist gibt es Rente, möglich ist aber auch eine Einmalzahlung.

Wichtig: Diese Versicherung zahlt unabhängig davon, ob man seinen Beruf noch ausüben kann. Das heißt: Möglicherweise bekommt man Geld, das man nicht braucht; in anderen Fällen bräuchte man es und bekommt nichts. Im Vergleich zur BU sind die Policen billiger, aber die Chance auf eine Zahlung ist auch geringer. Einen wirklichen Schutz vor dem Absturz stellt diese Versicherung also nicht dar.

Dread Disease

Unter dieser Bezeichnung („schwere Krankheit“) werden typischerweise Leiden wie Krebs, Parkinson, Herzinfarkt und Schlaganfall abgesichert, unabhängig von der Fähigkeit zu arbeiten. Meist erhält der Versicherte eine Einmalzahlung. Psychische Krankheiten oder Rückenschmerzen sind in der Regel nicht erfasst, entsprechende Vorerkrankungen verhindern daher aber auch nicht den Vertragsabschluss.

Es ist der Albtraum: der Absturz aus einer erfolgreichen Karriere ins berufliche Nichts – sei es nach einem Unfall, oder, viel häufiger, wegen Krankheit. Dieses Risiko wird oft unterschätzt. Wer sich aber früh versichert, zahlt niedrigere laufende Prämien und hat einen Vertrag abgeschlossen, bevor er vielleicht schwer krank wird.

Die zentrale Frage lautet: Wie hoch muss man sich absichern? Das Nettogehalt gibt den ersten Anhaltspunkt. Wichtig für die Höhe der Versicherung ist außerdem: Hat die Familie einen Hauptverdiener? Steht Vermögen zur Verfügung, etwa Immobilien, das nachhaltige Erträge produziert? Sind Verwandte da, die helfen würden und könnten? Grundsätzlich gibt es zur Absicherung dieses Lebensrisikos verschiedene Arten von Versicherungen, die höchst unterschiedliche Leistungen bieten.

Erwerbsunfähigkeit

Wer erwerbsunfähig ist, kann gar nicht arbeiten, also auch nicht woanders als in seinem bisherigen Beruf. Hier gibt es zunächst einmal staatliche Leistungen. Die Sozialversicherung kennt seit dem Jahr 2001 nur noch den Begriff „Erwerbsminderungsrente“. Wer nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann, bekommt eine volle Rente, bei drei bis vier Stunden die halbe Rente.

Für Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, gibt es in bestimmten Fällen noch mehr Geld. Zusätzlich lässt sich Erwerbsunfähigkeit auch privat absichern. Diese Versicherung springt meist ein, wenn man weniger als drei Stunden irgendetwas arbeiten kann.

Unfall

Mögliche Unfälle lösen besonders große Ängste aus, sind tatsächlich aber in weniger als zehn Prozent aller Fälle für Berufsunfähigkeit verantwortlich. Also auch hier: niedriger Preis und geringer Schutz. Für Unfälle im Beruf gibt es ohnehin die gesetzliche Unfallversicherung, die der Arbeitgeber bezahlt, manchmal auch darüber hinaus gehende Angebote des Arbeitgebers.

Multi-Risk

Unter dieser Bezeichnung wird oft eine Mischung aus Grundfähigkeits-, Dread-Disease-, Unfall- und Pflegeversicherung verkauft.

Kinderversicherung

Unter der Bezeichnung wird oft eine Art Erwerbsunfähigkeitsversicherung für Kinder angeboten. Auch hier gilt: Krankheiten bergen ein viel größeres Risiko als Unfälle, dass jemand auf Dauer erwerbsunfähig wird.

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1 Kommentar zu "Krankheit oder Unfall: Absicherung für den Ernstfall – welche Berufsunfähigkeitsversicherung zu Ihnen passt"

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  • Sehr geehrter Herr Wiebe,

    lustig. Wirklich lustig, wie Sie sich die Absicherung gegen Berufs-/Erwerbsunfähigkeit so vorstellen. Anscheinend glauben Sie allen Ernstes, dass Versicherungsgesellschaften dem ehrbaren hanseatischen Kaufmann gleichen. Dass diese Gesellschaften lebenslange Renten mit einem Gesamtwert von oft weit über 1 Million EURO einfach so ohne weiteres übernehmen. Dass sich die Versicherungsgesellschaften nicht mit Zähnen und Klauen und allen üblen Tricks dieser Welt gegen die Übernahme von Großschäden wehren.

    Was nützen mir die schönsten Verträge, wenn die Gegenseite diese Verträge im Schadensfall behandelt wie einen Fetzen Papier? Wenn ich die mir versprochenen Leistungen auf dem gerichtlichen Instanzenweg über viele Jahre hinweg erst erstreiten muß? Wenn ich dabei für Anwalts- Gerichts- und Gutachterkosten Zehntausende EUROS mit ungewissen Erfolgsaussichten vorschiessen muß?

    Wirklich interessant an Ihrem Thema ist nur die Frage, welche Gesellschaft sich an den Grundsatz "pacta sunt servat" hält? Aber das erfordert Recherchen.

    Ansonsten hätte ich Ihnen noch eine Idee anzubieten. Auch heute noch gibt es viele Leute, die einen "Bund fürs Leben" antreten. In aller Regel haben beide Eheleute einen Beruf erlernt, mit dem man auch eine Familie ernähren kann. In meinen Augen bilden die Ehepartner eine Versichertengemeinschaft. Wenn ein Verdiener ausfällt, tritt der andere für ihn ein.

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