Kunden im Visier Versicherer machen Jagd auf Betrüger

Die Detektive der Branche kennen kein Pardon. Vor allem wenn kaputte Brillen, lädierte Computer und zerstörte Fernseher ersetzt werden sollen, laufen die Fahnder der Versicherungen zur Höchstform auf.
  • Alisha Ricard
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Eine kaputte Brille: Zufall oder Absicht? Quelle: GDV

Eine kaputte Brille: Zufall oder Absicht? Quelle: GDV

FrankfurtWer Versicherungsbetrüger überführen will, braucht einen Blick für Details. „Bei einem Einbruch in einem Keller gab der Geschädigte an, dass diverse Technikgeräte fehlen, darunter zwei Fernseher“, erinnert sich ein Sprecher des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Angabe wurde als Lüge entlarvt — dank einer Staubspur. Wo die Fernseher angeblich gestanden hatten, war viel Staub auf dem Boden, anders als bei den Plätzen für die anderen Geräte. Ein sicheres Indiz für einen Schwindel.

Vier Milliarden Euro gehen laut GDV den deutschen Schaden- und Unfallversicherern jährlich durch Betrug verloren. Damit sind zehn Prozent der Leistungen erschlichen — Tendenz steigend. Vertreter von Zurich und auch Allianz registrieren nach eigenen Aussagen eine Zunahme der Betrugsfälle, vor allem bei Technikgeräten. Das liege unter anderen an dem Lebenszyklus der Produkte. „Wenn es ständig neue Modelle gibt, wird das alte langweilig und dann mehren sich Technikschäden“, erklärt ein Sprecher von Zurich. Kürzlich wurde das iPad 3 vorgestellt. Versicherer erwarten schon Unfälle mit dem alten Modell.

Handy-Versicherungen locken Betrüger

Neben Haftpflicht- und Hausratversicherungen sind auch Kfz-Versicherungen anfällig für Missbrauch. Teilweise werden sogar Unfälle unter Verwicklung Dritter provoziert. Dabei handelt es sich um organisierten Betrug, der laut Peter Fuck, Bereichsleiter Schaden von Ergo, seltener vorkommt. Mitnahmeeffekte wie bei den erfunden Fernsehern sind dagegen beinahe alltäglich.

Unrechtsbewusstsein ist vielen Tätern fremd. Ein Zurich-Sprecher weiß von drei großen Säulen des Betrugs: „Manchmal werden reale, kleine Schäden vergrößert, sowohl auf dem Papier als auch in der Praxis, wenn zum Beispiel ein kleiner Riss im Sofa erweitert wird. Oder es wird Geld für etwas gefordert, das gar nicht passiert ist.“ Im Extremfall führten Versicherte den Schaden sogar herbei.


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Bei der Allianz untersuchen 100 Spezialisten Betrugsfälle
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9 Kommentare zu "Kunden im Visier: Versicherer machen Jagd auf Betrüger"

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  • Ich habe vor einem Jahr ein Flug "Lufthansa"gebucht und habe 120€ dafür bezahlt(mit Reiseversicherung 19€).Ich habe das Geld sofort überwiesen.Nun wurde mir das Geld nicht zusammen vom Konto abgezogen sondern getrennt.Heute habe ich eine Mahnung bekommen mit 39€Rechnung.Ich hätte angeblich ein Vertrag mit dennen für ein Jahr Reiseversicherung abgeschlossen und es soll für alle Fluggesellschaften gelten.Ich habe doch das Geld für mein Flug bezahlt und dachte das ist nur einmalig.
    Kennt sich jemand damit aus??Sind das Abzocker und wollen nur das Geld aus der Tasche ziehen??Was muss ich jetzt tun??

  • Eins vorweg: Ich halte es für absolut sinnvoll, ungeprüft nicht jeden Schaden zu begleichen und Betrüger zu belangen.
    Bei der Allianz halte ich es jedoch für möglich, dass sie die Mitteilung, 100 Spezialisten für die Jagd auf Versicherungsbetrüger einzusetzen, lediglich aus strategischen Gründen streut. Damit bei Geschädigten, bei denen diese Versicherung dreist und unberechtigt eine Regulierung ablehnt, das Gefühl entsteht, dass es sich nicht lohnt, sich auf einen Prozess einzulassen. Ich komme zu dieser Annahme, weil ich selbst erleben musste, wie zögerlich und frech die Allianz die Schadenssachbearbeitung betreibt. Sie zahlt selbst nach einem Auffahrunfall bei klarer Rechtslage nicht. Zeugen, die mit im Auto saßen, werden per se für unglaubwürdig erklärt, der Sicht der Polizei kein Glauben geschenkt etc. Es wird immer wieder mitgeteilt, dass die Polizeiakte angefordert werde müsse, obwohl diese nachweislich seit Monaten vorliegt etc. Mein Rechtsanwalt meinte, dass dies bei der Allianz Methode habe, um Kosten zu senken, weil nicht alle über eine Rechtsschutzversicherung verfügen. suse01


  • Wer hätte auch das gedacht:
    Den ersten Porsche Turbo fuhr in Schwäbisch Hall der Oberstaatsanwalt. Zumindest bis ... er von Versicherungsdetektiven des Versicherungsbetrugs in Millionenhöhe überführt werden konnte. Der Arme verschickte in seinen Urlaubskoffer immer teuren Schmuck, der im Urlaubsort aber nie ankam. Seine Geliebte, die teuerste Edelnutte in SHA, leitete eine Transportfirma, die mit den Millionen des Staatsanwalts immer mal wieder aufgepäppelt wurde. Wahrscheinlich durfte der Arme auch mal ab und zu ...

    Im Erzgebirge wurde von Versicherungsdetektiven eine Autoschubser-Bande dingfest gemacht, die über Jahre hinweg einen Versicherungsschaden von 100 Millionen anrichteten. Ganze Dörfer waren darin involviert und, wer hätte das gedacht, auch Polizisten, Gutachter, Staatsanwälte und Richter. Na so was, gell.

    Aus meinen eigenen Erfahrungen: Als mir in Chemnitz drei Pkw´s gestohlen wurden und in meinem Bekanntenkreis auch 2 Motorräder, versicherte ich meine neue CBR 1100 XX auch Vollkasko.
    Als dann diese Maschine 2 Jahre später bei Chemnitz gestohlen wurde, brach für mich eine Welt zusammen, weil ich mit dieser Maschine noch nie ein Rennen verloren hatte. Ich hatte sogar einen neuwertigen LKM-Motor mit 175PS aus einer Unfallmaschine eingebaut. Das schmerzte. Diese Maschine kam in der „Rangordnung“ noch vor meinen Mädels.

    Die WGV Versicherung zahlte anstandslos den Restwert, abzüglich 2000.- Selbstbeteiligung.

  • Wenn es die Lebensversicherung nicht gäbe und vor allem nicht schon viele Jahrzehnte als DAS Kapitalsammelbecken schlechthin gegeben hätte, wäre die Altersarmut in Deutschland schon viel weiter und vor allem drastischer fortgeschritten! Der scheionbare "Betrug" liegt doch zum Großteil an den immer schlechter werdenden, gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Produkt, die es immer unrentabler machen! Solche Pauschalaussagen sind unangemessen und einfach nicht korrekt, das verunsichert nur noch mehr!

  • jede Lebensversicherung ist ein glatter Versicherungsbetrug. Nur halt am Kunden und damit völlig legal. Ein Prosit auf "unsere" Herren Politiker!

  • Also man sollte mal die Kirche im Dorf lassen - wenn man seine Versicherung korrekt abschließt, seine Prämie bezahlt und vor allem den Versicherer nicht täuscht, dann gibt es auch im Schadenfall keine Probleme, zumindest nicht bei namhaften Versicherungsgesellschaften, so meine Erfahrung! Die Leute, die hier über "schlechte Erfahrungen" mit Ihren Versicherungen schreiben, sollten sich mal an die eigene Nase fassen oder aber ihren Versicherungsvertreter wechseln!

  • Meine kleine Philosopie zu Versicherungen:

    Lieber mal 500 Eur als Schaden hinnehmen, als jahraus jahrein den Versicherungen Prämien in den Rachen zu werfen.

    Wer glaubt aus einer Versicherung Gewinn zu ziehen, muß ja zwangsläufig Versicherungsbetrug im Sinn haben (oder ziemlich dämlich sein).

    Versichert werden sollten daher nur quasi-existentielle Risiken. Wer "Kleinscheiß" für unter 1000 Eur absichert (Brille, Laptop,...) der wird mit den >10% Betrügern und Abkassierern in einen Topf geworfen. Aus dem Topf gehen zudem Versicherungssteuer, Gewinne und (bei Kleinkram überproportional hohe) Eigen-Kosten der Versicherer ab.
    =>Logische Folge: ich zahle in JEDE Versicherung immer viel mehr ein, als ich statistisch je rauskriege.

    Daher nur Großschäden versichern (Hausbrand, Neuwagen-Vollkasko, persönliche Haftpflicht), wo der Schadenseintritt eher unwahrscheinlich, aber dann ggf. riesig sein kann. Außerdem grundsätzlich so hohe Eigenbeteiligung wie möglich vereinbaren. Die Prämien sind für diese Fälle dann in aller Regel dramatisch niedriger. Wo ich mit Eigenbeteiligung "dabei" bin, erwartet die Versicherung auch kaum einen (dann eh nicht mehr lohnenden) Betrug, bzw die Gutachter-Kosten fallen bei 4-stelligen Schäden weniger ins Gewicht.

    Andersrum sind Versicherungen natürlich auch selbst an ihrem Ruf und Schaden schuld, wenn kurzlebige Modeartikel wie Fernseher und Brillen versichert werden. Hier preisen die eben die Kosten für den Betrug mit ein und versuchen sich ggf. vor Zahlung zu drücken.

    Nur meine 2 cent zum Thema.

  • Unglaubwürdig ist laut GDV auch ein großer Brand, der aber Quittungen und persönliche Erinnerungsstücke verschont hat.
    [...]Wenn dann noch Nachweise wie Quittungen fehlen, ist es schwierig. Dann muss man von Fall zu Fall entscheiden.

    Egal, ob man die Quittung hat oder nicht, die Versicherung findet immer einen Grund, nicht zu zahlen!

  • Auch bei den Versicherungen gilt: Die Kleinen werden verfolgt, die Großen lässt man laufen. Wasserschäden in Arztpraxen, bei denen der Schaden gleich in die Hunderttausende gehen, werden in der Regel nur oberflächlich begutachtet.

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