Lebensversicherungen Garantiezins-Pläne schrecken Versicherer auf

Neue Lebensversicherungsverträge könnten deutlich unattraktiver werden. Das Bundesfinanzministerium will die garantierte Verzinsung von Lebensversicherungen laut dem Branchenverband GDV schon zum 1. Juli 2011 spürbar senken.
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Garantiezins der Lebenspolicen: Sinkt er, dürften Gesellschaften weniger Versicherungen verkaufen können, weil diese dann an Attraktivität verlieren. Quelle: dpa

Garantiezins der Lebenspolicen: Sinkt er, dürften Gesellschaften weniger Versicherungen verkaufen können, weil diese dann an Attraktivität verlieren.

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HB BERLIN/DÜSSELDORF. Der sogenannte Höchstrechnungszins solle zum 1. Juli kommenden Jahres von derzeit 2,25 Prozent auf dann 1,75 Prozent verringert werden, das teilte heute der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Dies gehe aus einem Vorschlag des Ministeriums hervor, hieß es.

Das Ministerium selbst sprach auf Anfrage von einer noch laufenden Prüfung, entschieden sei die Sache nicht. Verbände aus Versicherungswirtschaft und Verbraucherschutz sollen bis zum 14. Januar 2011 Stellung zu den Plänen beziehen. Das bestätigte auch der GDV, der den Vorstoß "hochproblematisch" nannte und hofft, die Pläne zu entschärfen.

Für die Deutschen mit ihren 95 Millionen Lebensversicherungsverträgen ist das keine erfreuliche Ansage. Auch nicht für die Branche, die dieses Jahr 91 Milliarden an Beiträgen einnimmt. "Aus Marketinggründen wäre eine Senkung durch das Bundesfinanzministerium für die Versicherer nicht schön", sagt Thorsten Rudnik, Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV). Schließlich hätten die Gesellschaften bis in die 1990er Jahre mit Höchstrechnungszinsen von über drei Prozent werben können.

Wie der Branchenverband GDV betont, würde eine Änderung des Höchstrechnungszinses nur solche Verträge betreffen, die nach dem Umstellungszeitpunkt abgeschlossen werden. Für Altpolicen wirkt der beim Abschluss gültige Garantiezins weiter. Diesen müssen die Versicherer weiterhin erwirtschaften, auch wenn das allgemeine Zinsniveau und der neue Garantiezins sinken.

Reiner Will, Geschäftsführer der Kölner Ratingagentur Assekurata, meinte zu den Plänen: "Die Senkung des Garantiezinses belastet die Attraktivität des Neugeschäfts. Der Kunde muss für eine garantierte Rente mehr Beitrag zahlen."

Sollte es zu der Senkung kommen, dürften Versicherer merklich weniger Verträge verkaufen, weil diese dann an Attraktivität verlieren würden. Der GDV hält denn auch die mögliche Senkung des Zinses für äußerst problematisch: Man sehe für 2011 keinen Anlass, dass das Ministerium die bestehende Regelung ändere, heißt es offiziell. Letztlich entscheidet aber das Finanzministerium über mögliche Änderungen.

Der garantierte Zins für Lebensversicherungen ist an die durchschnittliche Rendite zehnjähriger europäischer Staatsanleihen gekoppelt und darf 60 Prozent davon nicht überschreiten. Seit 2007 liegt der Garantiezins unverändert bei 2,25 Prozent. Sollte der Garantiezins für Neuverträge ab dem 1. Juli auf 1,75 Prozent sinken. läge er demit nur noch einen Viertel Prozentpunkt über der aktuellen deutschen Inflationsrate, die nach Destatis-Angaben im November 2010 bei 1,5 Prozent lag. Bei diesem Höchstrechnungszins handelt es sich faktisch um den Zins, den Versicherungen ihren Kunden höchstens garantieren dürfen. Hinzu kommt für Kunden aber noch die nicht garantierte Überschussbeteiligung.

Vor zehn Jahren hatten die Policen noch rund sieben Prozent abgeworfen. Auf die lange Laufzeit der Verträge gerechnet, summiert sich die Differenz leicht auf Zehntausende Euro.

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11 Kommentare zu "Lebensversicherungen: Garantiezins-Pläne schrecken Versicherer auf"

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  • Margrit Steer: Vorsicht: Planwirtschaft und Regulierung sind zwei paar Stiefel. Würde z.b. die Monopolbildung nicht streng überwacht, könnten wir heute nur noch bei Aldi einkaufen und bei Aral tanken!
    Reine Marktkräfte sind kein Allheilmittel, sondern können ebenso versagen, siehe bankenkrise. Würde sich ein Versicherer durch unseriöse Angebote kurzfristig Wettbewerbsvorteile verschaffen, würden die Vorstände fette boni kassieren. Die Zeche müssten ihre Kunden in 30 oder 40 dann zahlen...

  • Zuerst einmal muß die Frage geklärt werden, wieso sich der Staat da einmischt.
    Das alles klingt aber nun wirklich fatal nach DDR und Planwirtschaft.
    Demnächst sagt der Staat dem Textilhersteller noch, für wie viel Geld er siene TShirts verkaufen darf
    Versicherungsunternehmen sind eigenständige Unternehmen und gehören nicht dem Staat. Wie viel Zinsen sie mir gewähren oder nicht, ist deren Sache udn letztendlich meine. Abe keineswegs die Sache des Staates.
    Das wird in diesen vermerkelten Land ja immer schlimmer

  • @Mischael: wir sprechen hier über Lebensversicherungen und keine Rentenversicherung (schon gar nicht die gesetzliche). Natürlich steht bei einer Kapitallebensversicherung die Rendite im Vordergrund, egal ob ich mir die Ablaufleistung auszahlen oder verrenten möchte. Was denn sonst? bräuchte ich lediglich den Todesfallschutz, hätte ich doch eine reine Risikolebensversicherung abgeschlossen. Anyway, seit 2005 schließt sowieso kein vernünftiger Mensch mehr eine KLV ab.

  • Ja, Mischael, jedes Unternehmen verursacht Kosten.
    beim bäcker, Handwerker bekomme ich den Gegenwert für meine Zahlung sofort, bei Lebensversicherungen in 30 Jahren vielleicht. Mein Großvater hat seine Lebensversicherung bei der Währungsreform 1948 komplett verloren! und hat danach nie wieder eine abgeschlossen. Sicher ist hier jeder frei in seinen Entscheidungen, leider glauben viele mittlerweile hier es wäre iHRE Entscheidung.

  • Man sollte natürlich auch bedenken daß eine Rentenversicherung zur Absicherung eines Risikos, der Langlebigkeit gedacht ist und da sollte die Rendite nicht die Hauptrolle spielen!

    Wenn ich ein neues Auto kaufe verliert es auch gleich mal ca. 30% an Wert, ist das dann auch ein Schneeballsystem? ;-)

    @ Martin Luther, dein Text ist alles andere als nachvollziehbar, jedes Unternehmen verursacht Kosten, ob ich nun eine Versicherung kaufe oder ein brötchen beim bäcker oder der Handwerker, etc., aber der Garantiezins muß doch gesenkt werden da die Versicherungen für ihre Kapitalanlagen (hier ist die sichere Anlage gesetzlich vorgeschrieben, d. h. nur ein niedriger Aktienanteil erlaubt) immer weniger Zinsen erhalten, ist die Senkung doch ein volkswirtschaftlich korrekter und logischer Vorgang!!!

    Wer nicht möchte braucht ja keine Lebensversicherung abzuschließen! ;-)

  • Natürlich ist das Lebensversicherungsgeschäft ein Schneeballsystem, aber bis jetzt ohne Ablaufdatum. Wenn jetzt aber ein Minister dafür sorgt, das Neukunden abgeschreckt werden, kann es auch für Altkunden schlecht aussehen.

  • Die Senkung des Garantiezins ist jedenfalls dringend nötig. Die Versicherungen dürfen nicht über Jahre hinweg mehr versprechen als sie erwirtschaften. Sonst würde das Ganze ein Schneeballsystem.

  • Lebensversicherungen sind m.E. Schneeballsysteme. Das Geld ist schon lange verkonsumiert von den Vorständen, beschäftigten und Aktionären und insbesondere von den Schuldnern. Hier droht die neue baustelle für unsere Retter aus EU u.a.. Die bösen sind natürlich die Spekulanten (die banken) und der Markt (die banken) oder die Finanzkrise (die banken) oder ..... die banken...

  • Selten so einen Schmarrn gelesen. Eine Senkung des Garantiezinses betrifft keinen einzigen Altkunden und auch keine Kunden mit reiner Riskolebensversicherung.
    Wozu ist dieser Quatsch gut? Richtig - um Anzeigen von Finanzdienstleistern drum herum platzieren zu können 8-((((((((((((((((((

  • Hier ein bißchen weg und da ein bißchen weg. Und so dreht sich das Zahlenrad munter weiter. Es wird der Tag kommen, an dem wir Geld zum arbeiten mitbringen müssen. Dafür gibt es dann preiswerte Euro-bonds zum kochen und braten. Na dann guten Appetit und Frohe Weihnachten allerseits.

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