Moody's zu Lebensversicherern „Wir erwarten, dass der Weg hart wird”

Die Ratingagentur Moody’s warnt deutsche Lebensversicherer vor den Risiken anhaltender Niedrigzinsen – und gibt doch einen optimistischen Ausblick in die Zukunft.
Moody’s rechnet mit dem Best-Case-Szenario – weist aber auch auf Risiken hin. Quelle: dpa
Verzinsung von Lebensversicherungen

Moody’s rechnet mit dem Best-Case-Szenario – weist aber auch auf Risiken hin.

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FrankfurtDen deutschen Lebensversicherern bläst nach Ansicht der Ratingagentur Moody’s auch in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren der Wind ins Gesicht. Die niedrigen Zinsen drückten auf die Gewinne und belasteten die Reserven der knapp 90 Unternehmen in der Branche, heißt es in einer Studie. Das bereite den Boden für einen langfristigen Wandel – doch wohin sich die Lebensversicherer entwickelten, sei völlig offen.

Im schlimmsten Fall werde es ihnen nicht gelingen, vielen Kunden ihre neuen Policen mit weniger Garantien schmackhaft zu machen, schreiben Moody’s-Analyst Benjamin Serra und seine Kollegen. „Überdies könnten mögliche Zusammenbrüche der schwächsten Lebensversicherer das Ansehen der Branche schwächen und das Neugeschäft aller Versicherer beeinflussen.“ Doch an ein solches Negativ-Szenario glaube Moody’s nicht. Im besten Fall werde das Neugeschäft gut bleiben, die Lebensversicherer könnten ihr Risikoprofil verbessern, und die meisten von ihnen könnten die neuen Eigenmittelanforderungen der EU („Solvency II“) nach der Übergangsfrist von 16 Jahren erfüllen. „Unsere Grundannahme ist derzeit näher am ‚Best-Case-Szenario‘, aber die Risiken sind groß“, heißt es in der Studie.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Ende 2014 konnten nach Angaben der Finanzaufsicht BaFin fast die Hälfte der deutschen Lebensversicherer die Solvency-II-Anforderungen nur dank der langen Übergangsfristen erfüllen. Insgesamt fehlten ihnen zwölf Milliarden Euro an Eigenmitteln. Die Änderungen bei den Garantien, die große Lebensversicherer wie die Allianz, Ergo und Axa umsetzten, schlügen sich nur langsam auf den Policen-Bestand nieder: Selbst nach 16 Jahren machten sie nur 20 bis 30 Prozent der Bilanzsumme aus. „Wir erwarten, dass der Weg hart wird.“

Dass es als Folge der Umwälzungen zu einer Konsolidierung des Marktes kommt, bezweifeln die Rating-Experten. Das sei angesichts der Komplexität der Produkte und der zugehörigen IT-Systeme schwierig, und das vergrößerte Solvenz-Risiko komme noch dazu.

  • rtr
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