Oliver Bäte Allianz-Chef kriegt 17 Prozent mehr Gehalt

Der Allianz-Chef Oliver Bäte hat im vergangenen Jahr mehr als 6,2 Millionen Euro verdient – fast ein Fünftel mehr als im vergangenen Jahr. An das Niveau seines Vorgängers kommt er dennoch nicht heran.
Update: 10.03.2017 - 15:36 Uhr 1 Kommentar
An das Gehalt seines Vorgängers, Michael Diekmann (l), kommt Allianz-Chef Oliver Bäte (r) nicht heran. Quelle: dpa
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An das Gehalt seines Vorgängers, Michael Diekmann (l), kommt Allianz-Chef Oliver Bäte (r) nicht heran.

(Foto: dpa)

FrankfurtIm Vergleich zu manchem Autoboss muss sich Oliver Bäte den Vorwurf allzu üppiger Bezahlung sicher nicht gefallen lassen. Doch während bei VW zuletzt beispielsweise das Gehaltgefüge generell auf maximal zehn Millionen Euro pro Jahr gedeckelt wurde und auch Daimler-Chef Dieter Zetsche im abgelaufenen Jahr mit 7,6 Millionen Euro gut zwei Millionen weniger verdiente als im Vorjahr, kann sich der Allianz-Chef über gut 17 Prozent mehr freuen.
Der 52-Jährige hat sich im abgelaufenen Jahr 6,201 Millionen Euro an fixen und variablen Gehaltsbestandteilen sowie an Versorgungsaufwand erarbeitet, ein Jahr vorher waren es 5,273 Millionen Euro. Das geht aus dem Geschäftsbericht von Europas zweitgrößtem Versicherer hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde. Darin enthalten sind jedoch auch Bestandteile, die erst in den kommenden Jahren zur Auszahlung kommen. An Bäte ausbezahlt wurden 4,588 Millionen Euro. Der Vergütungsbericht der Allianz nennt diesen Posten „Zufluss“.

Wie mittlerweile bei nahezu allen Dax-Gesellschaften üblich, setzt sich auch bei der Allianz die Vorstandsvergütung aus vier Hauptkomponenten zusammen. Dazu zählt die Grundvergütung plus Nebenleistungen, die im vergangenen Jahr zusammen um 146.000 Euro auf insgesamt 1,155 Millionen Euro anwuchs. Hinzu kommen ein jährlicher Bonus, der Jahresanteil eines mittelfristigen Bonus sowie eine aktienbasierte Vergütung.
Dabei beruft sich der Konzern auf die Bestimmung des Deutschen Corporate Governance Kodex, die im Einzelnen bei der Bestimmung der genauen Summe angewandt werden. „Die variable Vergütung zielt auf die Ausgewogenheit zwischen kurzfristiger Zielerreichung, langfristigem Erfolg und nachhaltiger Wertschöpfung ab“, heißt es dazu im Vergütungsbericht des Versicherers.
Trotz der Gehaltserhöhung kommt Bäte nicht an den Verdienst seines Vorgängers Michael Diekmann zu dessen besten Zeiten heran. 6,62 Millionen Euro und damit ein Viertel mehr als im Vorjahr hatte er 2012 verdient. Damals hatte er den Versicherer ohne allzu große Blessuren durch die wilden Zeiten der Finanzkrise gebracht – weshalb vor allem Dankbarkeit und kaum Neid auf diese Summe aufkamen.

2017 bekommen Sie noch mal weniger
Lebensversicherung
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Die schwierigen Zeiten für Kunden von Lebensversicherungen finden kein Ende. Auch im nächsten Jahr bekommen deutsche Sparer für ihr Lieblingsprodukt in Sachen Altersvorsorge geringere Gutschriften als bisher. Nachdem die drei Schwergewichte Allianz, Axa und Ergo ihre laufende Verzinsung für das nächste Jahr bekannt gegeben haben, gilt es als ausgemachte Sache, dass die Kleineren der Branche nachziehen und bis Jahresende ebenfalls gesunkene Renditen für 2017 präsentieren.

Rendite im Abwärtssog
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Die Gesamtrendite der klassischen Lebensversicherung ergibt sich aus mehreren Komponenten. Zum einen aus dem Garantiezins, dessen Höhe bei Abschluss der Versicherung für die gesamte Laufzeit festgelegt wird. Gerade hier mussten Sparer in der andauernden Niedrigzinsdürre Abschläge hinnehmen. Zum anderen aus dem Überschuss, der aus den angelegten Geldern erwirtschaftet wird. Garantiezins und Überschussbeteiligung bilden zusammen die laufende Verzinsung. Hinzu kommen noch Schlussüberschuss, Sockelbetrag und der Anteil an den Bewertungsreserven.

Allianz
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Die beste Verzinsung bietet derzeit die Allianz mit ihren neuaufgelegten Policen. Mit einer laufenden Verzinsung von 2,9 Prozent und 0,8 Prozent aus Schlussüberschuss und Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,7 Prozent. Der Trend geht weg von den klassischen Kapitallebensversicherungen. Die neuartigen Policen sind eine Reaktion der Versicherer auf die schwierigen Niedrigzinsen. Sie zeichnen sich durch einen geringeren Garantiezins aus, weisen aber eine höhere Flexibilität auf, was den Spielraum in der Geldanlage geht. Gesichert sind sie durch eine Bestandsgarantie auf die Einlagen. Um Kunden zu locken, versprechen sie eine höhere laufende Verzinsung. Denn die Konzerne wissen: Ohne gewisse Garantien und Sicherheiten wird man deutsche Sparer nicht überzeugen.

R+V
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Wie andere große Lebensversicherer zahlt auch die R+V zahlt ihren Kunden im kommenden Jahr eine geringere Überschussbeteiligung. Die Gesamtverzinsung sinkt 2017 um 0,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent. Die laufende Verzinsung liegt dann noch bei 2,7 Prozent und damit wohl immerhin über dem Marktdurchschnitt.

Allianz Klassik
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Auch wenn die Versicherer angesichts der niedrigen Zinsaussichten nicht mehr zu den klassischen Kapitallebensversicherungen raten, sind sie immer noch die beliebteste Vorsorgeklasse. Hier verwaltet Marktführer Allianz ganze zehn Millionen Verträge, was den Münchenern eine Kapitalstärke verschafft, mit der sie die Konkurrenz überbieten können. Von 3,1 Prozent fällt die laufende Verzinsung für 2017 auf 2,8 Prozent. Mit Schlussüberschuss und Sockelbetrag ergibt sich eine Gesamtrendite von 3,4 Prozent für das kommende Jahr.

Axa Leben
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Der weltgrößte Erstversicherer Axa aus Frankreich bietet für seine deutsche Lebensversicherungstochter 3,4 Prozent an Gesamtrendite an. Sie setzt sich aus aus 2,9 Prozent laufender Verzinsung und 0,5 Prozent an Sockelbetrag zusammen. Experten der Ratingagentur Assekurata rechnen nach den neuen Zahlen der großen Versicherer, dass sich das Niveau der laufenden Verzinsung 2017 im Schnitt bei rund 2,6 Prozent einpendeln wird.

Alte Leipziger
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Die Lebensmittelsparte des Versicherungskonzerns Alte Leipziger-Hallesche bietet ihren Besitzern 2017 ein Rendite von insgesamt 3,15 Prozent, von denen 2,65 Prozent die laufende Verzinsung ausmachen. Sparer müssen branchenweit vor allem beim Garantiezins Abstriche hinnehmen. Betrug dieser vor einigen Jahren noch vier Prozent, kommt er aktuell auf 1,25 Prozent und 2017 lediglich 0,9 Prozent.

Sein Nachfolger Oliver Bäte, der im Mai 2015 die Führung übernahm, ist seither dabei, die Allianz in ein neues Zeitalter zu überführen. Vor allem die Digitalisierung spielt dabei eine große Rolle. Zudem muss er auf die Kosten achten, drückt die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank doch gewaltig auf die Margen. Bäte will die Veränderung, die der Branche bevorsteht, aktiv und am besten von vorne angehen. „Wir sind da, wenn allen anderen die Puste ausgeht“, sagte er im vergangenen Jahr in einem Interview.
Dass die Versicherer dabei einen langen Weg vor sich haben, haben mittlerweile viele intern wie extern erkannt. Selbst die Vorsichtigen unter ihnen erzählen, dass Bäte nicht nur Freunde hat. Erst bei der Vorstellung der Bilanz vor drei Wochen erwähnte er erneut, dass er eine Führungsebene in der Allianz herausnehmen will. Das nehmen manche als Bedrohung wahr, auch wenn auch sie erkannt haben, dass die Allianz früher zu viel Ballast rumgeschleppt hat und sich verändern muss.
zu viel Ballast rumgeschleppt hat und sich verändern muss.

Bätes Agenda: Internationalisierung der Allianz
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