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PKV – Private Krankenversicherung Gesetzlich versichern oder privat? Das sind die Grundlagen

Krankenversichern in der GKV oder PKV? Diese Frage stellen sich viele Verbraucher. Zunächst verlockende Tarife können sich spät als Falle entpuppen.
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Viele Versicherungsleistungen sind zwischen GKV und PKV identisch. Quelle: Unsplash
Ärzte auf Visite

Viele Versicherungsleistungen sind zwischen GKV und PKV identisch.

(Foto: Unsplash)

Frankfurt Karin Maurer (Name geändert) war Anfang 30, als der Brief vom Arbeitgeber kam: „Da Sie die gesetzlich festgelegte Jahresarbeitsentgeltgrenze überschreiten, werden Sie rückwirkend ab Januar als freiwillig versicherter Arbeitnehmer geführt. Sie haben nun die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung abzuschließen.“

Maurer erinnert sich, sofort an verlockende Angebote wie Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus gedacht zu haben. Heute, fast zehn Jahre später, ist die zweifache Mutter froh, den Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV) nicht gewagt zu haben – vor allem, weil ihre Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beitragsfrei mitversichert sind.

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Etwa 90 Prozent der Bundesbürger sind bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Zahlreiche Menschen haben aber im Lauf des Lebens die Wahl, sich auch privat versichern zu lassen. Je nach Tarif bietet die PKV mehr Leistungen als die GKV. Wer sich für eine Privatversicherung entscheidet, sollte die Beiträge langfristig zahlen können. Eine Rückkehr in die GKV ist nur schwer möglich.

„Verbraucher sollten sich klarmachen, dass der Wechsel in die private Krankenversicherung oft eine Entscheidung fürs Leben ist“, sagt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen. „Zu uns kommen regelmäßig Versicherte, die in jungen Jahren schlecht beraten wurden und jetzt nicht mehr zurück in die gesetzliche Krankenversicherung können.“ Sei es der 57-jährige Angestellte, der seinen gut bezahlten Job verloren hat, der Kleinselbstständige, dem die Aufträge ausbleiben oder die geschiedene Beamtengattin, die keine Beihilfe bekommt: „Sie alle haben Probleme, die hohen PKV-Beiträge zu stemmen.“ Eine Ausnahme seien Beamte. Für sie ist die private Krankenversicherung in der Regel günstiger als die gesetzliche. Alle anderen sollten sich einen Wechsel gut überlegen.

Was die gesetzliche Krankenversicherung bietet – und was sie kostet

Die gesetzlichen Krankenkassen müssen jeden Antragsteller aufnehmen, der die Voraussetzungen erfüllt. Versicherungspflichtig sind beispielsweise Arbeitnehmer, deren Einkommen eine gewisse Grenze nicht übersteigt. Diese Anbieter gibt es: Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Innungskrankenkassen (IKK), Ersatzkassen und die Knappschaft. Zu den sogenannten Ersatzkassen zählen unter anderem Barmer, DAK, KKH und Techniker Krankenkasse – auch sie sind gesetzliche Krankenversicherer. Manche Kassen sind bundesweit tätig, einige regional beschränkt. Wieder andere sind nur betriebsbezogen für die Mitarbeiter, die Landwirtschaftliche Krankenkasse etwa nur für landwirtschaftliche Betriebe.

Rund 95 Prozent der Leistungen sind bei allen Kassen gleich. „Die meisten Menschen denken, dass die Leistungen der privaten Krankenversicherung immer besser seien als die der gesetzlichen“, sagt Hubloher. Dabei weise die GKV viele Pluspunkte auf: „In den Bereichen Psychotherapie und Reha-Maßnahmen bieten die gesetzlichen Kassen mehr als die meisten Tarife in der PKV, die beitragsfreie Familienversicherung gibt es nur in der GKV.“

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Der Beitrag hängt vom Einkommen ab. Bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 54.450 Euro pro Jahr zahlen alle Versicherten einen gleichen prozentualen Anteil ihres Einkommens als Beitrag. 2020 steigt diese Grenze auf 56.250 Euro. Der allgemeine Beitragssatz beträgt aktuell 14,6 Prozent. Unterschiede zwischen den Kassen gibt es bei Zusatzbeitrag, Zusatzleistungen und Service.

Der Zusatzbeitrag beträgt zurzeit durchschnittlich 0,9 Prozent. Nächstes Jahr wird er auf 1,1 Prozent steigen. Dabei handelt es sich um einen statistischen Mittelwert. Was die einzelnen Kassen tun, bleibt abzuwarten. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen den Beitrag je zur Hälfte. Rentner erhalten einen Zuschuss vom Rentenversicherungsträger. Studenten können bis 25 Jahre familienversichert bleiben, ansonsten zahlen sie einen vergünstigten Beitrag.

Zu den Zusatzleistungen gehören beispielsweise Reiseimpfungen oder Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung. Kassen mit gutem Service bieten lange Öffnungszeiten der Geschäftsstelle und die Möglichkeit, viele Dinge online zu erledigen. Vergleiche zwischen den Anbietern lohnen sich: Gesetzlich Versicherte können relativ einfach zu einer anderen Kasse wechseln. Laut dem Verbrauchermagazin „Finanztest“ lassen sich mit einem Wechsel „oft einige Hundert Euro im Jahr sparen“.

Versicherte sollten aber nach der für sie besten Kombination aus Leistungen und Kosten suchen. Nach der Bindungsfrist von 18 Monaten können sie ihre Krankenversicherung mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende kündigen. Erhöhen sich die Beiträge, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.

Wer den Wechsel zu einem privaten Versicherer in Betracht zieht, dem rät Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW zu dieser Alternative: „Angestellte sollten sich überlegen, bei ihrer Krankenkasse zu bleiben und bestimmte Zusatzversicherungen abzuschließen.“ Wer auf den Chefarzt im Krankenhaus Wert legt, kann eine private Krankenhauszusatzversicherung nutzen.

Was die private Krankenversicherung bietet – und was sie kostet

Privat versichern kann sich nicht jeder. Unabhängig vom Einkommen geht das für Beamte, Freiberufler, Selbstständige und Studenten. Arbeitnehmer können nur mit einem Einkommen über der Jahresarbeitsentgeltgrenze in die PKV wechseln. 2019 liegt diese bei 60.750 Euro, 2020 dann bei 62.550 Euro. Bei Angestellten gibt der Arbeitgeber einen Zuschuss zur Prämie. Es gibt aber keine Verpflichtung, sich privat zu versichern. Eine freiwillige gesetzliche Versicherung ist möglich.

Die PKV berechnet die Beiträge nach Alter und Gesundheit sowie nach den Leistungen. Die Versicherer können Patienten mit Vorerkrankungen ablehnen. Und die Tarife unterscheiden sich erheblich. Hubloher sagt: „Gute Tarife der privaten Krankenversicherung bieten im Vergleich zu den gesetzlichen Kassen meist mehr Leistungen bei Hilfsmitteln wie Brillen oder Zahnersatz wie Implantaten.“ Privatversicherte sind beliebte Patienten: Im Gegensatz zur GKV erstattet die private Krankenversicherung oft einen mehrfachen Satz der Gebührenordnung der Ärzte. Bekannte PKV-Anbieter sind Debeka, DKV, Allianz, Axa und Signal Iduna.

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Bei Beamten lohnt sich die PKV: Die Beihilfe des Dienstherrn zu den Gesundheitskosten beträgt in der Regel 50 Prozent, für Ehepartner und Kinder sind es meistens 70 beziehungsweise 80 Prozent. Auch für Pensionäre erhöht sich die Beihilfe oft. Lediglich für den Rest der Kosten müssen die Beamten eine private Versicherung abschließen. Landesbeamte in Hamburg können seit gut einem Jahr auch einen Zuschuss des Dienstherrn zu den Beiträgen der gesetzlichen Kasse bekommen. Weitere Bundesländer führen die Regelung ab 2020 ein. Damit werde die GKV auch für diese Personengruppe interessanter, meint Weidenbach.

Selbstständigen rät die Verbraucherschützerin eher von der privaten Krankenversicherung ab: „Solange der Betrieb gut läuft, können sie die Beiträge, die sie komplett allein stemmen müssen, häufig bezahlen. Wenn die Einkünfte aber einmal rückläufig sein sollten, kann das zum Problem werden.“

Die Qual der Wahl haben Angestellte mit hohem Gehalt. Dem Bund der Versicherten (BdV) zufolge lohnt sich die Privatversicherung oft für „den sehr gut verdienenden kinderlosen ewigen Single, Paare ohne Kinder sowie sehr vermögende Personen“. Alle anderen blieben am besten gesetzlich versichert. Auch Weidenbach betont: „Sobald eine Heirat und insbesondere eine Familienplanung anstehen, ist es häufig besser, in der gesetzlichen Krankenversicherung zu bleiben.“ In der PKV ist für jeden Versicherten ein separater Beitrag zu zahlen.

Verdoppelung der PKV-Beiträge etwa alle 12 Jahre

Auch für Ältere lohnt sich der Wechsel in die PKV oft nicht mehr, da kaum mehr Alterungsrückstellungen gebildet werden können. Mit einem Teil der Beiträge sorgen die PKV-Versicherten für steigende Gesundheitskosten im Alter vor. Privatversicherte sollten laut Verbraucherschützerin Hubloher damit rechnen, dass „sich die Höhe ihrer Beiträge etwa alle 12 Jahre verdoppelt.“

Das liege nicht nur daran, dass die Kosten für die Gesundheitsversorgung steigen – was auch für Versicherte in der GKV durch eine höhere Bemessungsgrenze und höhere Zusatzbeiträge spürbar wird. Hinzu komme, dass die PKV-Anbieter die Alterungsrückstellungen in der Niedrigzinsphase nicht mehr so gewinnbringend anlegen können wie noch vor einigen Jahren.

Einer Rückkehr in die GKV sind aber enge Grenzen gesetzt. So ist dies beispielsweise möglich, wenn bei Angestellten das Einkommen wieder unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze fällt. Nach Vollendung des 55. Lebensjahrs bleibt der Weg in die GKV aber nahezu verschlossen. Wem dann die PKV-Beiträge zu hoch werden, der kann unter anderem einen höheren Selbstbehalt oder einen anderen Tarif wählen. Ein Wechsel des Versicherers lohnt sich meist nicht.

Nicht unterschätzen ist der Verwaltungsaufwand in der PKV: „Wer gesetzlich versichert ist, geht in den meisten Fällen zum Arzt und dann ist der Fall erledigt. Privatversicherte müssen sich dagegen um die Abrechnung mit der Versicherung selbst kümmern“, sagt Weidenbach. Wer dennoch mit der PKV liebäugelt, sollte sich neutral beraten lassen.

Mehr: Privat Krankenversicherte können Kosten für Behandlungen nicht als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuererklärung angeben – so unter anderem ein Urteil des Finanzgerichts Niedersachsens.

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1 Kommentar zu "PKV – Private Krankenversicherung: Gesetzlich versichern oder privat? Das sind die Grundlagen"

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  • „Verdoppelung der PKV-Beiträge etwa alle 12 Jahre“

    Hier mal mein Versichertenverlauf.
    Bin seit ca. 40 J. PKV versichert jetzt 71 Jahre.

    Habe in 2006 eine Tarifreduzierung durchgeführt hier meine Prämienentwicklung.

    1.1.08) + 29,97 %
    1.1.09) + 32,82%
    1.1.11) + 18,78%
    1.1.15) + 10%
    1.1.16) + 23,7%
    1.1.18) + 37,24%

    Zusammenfassend ist meine PKV Prämie bezogen auf die Anfangsprämie 2006 „also in ca. 12 Jahren“ um sagenhafte 282 % gestiegen.

    Ich denke mal, dass mein Tarif kein Einzelfall sein kann.

    Also Steigerungsfaktor 4 und die Jahre vor meiner Tarifänderung sahen auch nicht viel besser aus, sonst hätte ich den Tarif nicht aus finanziellen Gründen wechseln müssen.

    Der Prämienanteil meiner PKV liegt über 50 % meiner Rente.

    Als langjährig PKV Versicherter kann ich nur jedem empfehlen „Finger weg von der PKV“.

    Es ist eine Schande dass es in unserem Sozialstaat eine Krankenversicherung gibt, die viele PKV Versicherte in Rente in den RUIN treibt.

    Die BÜRGERVERSICHERUNG sollte eingeführt werden.