Private Krankenversicherung Wechseln oder nicht?

Mehr Leistung für weniger Geld: Jungen Gutverdienern gefällt die Idee, mit dem Wechsel in die private Krankenversicherung Hunderte Euro zu sparen. Doch Experten warnen: Das ist zu kurz gedacht. Unser Tool der Woche.
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Ratloser Patient: Was spricht für den Wechsel in die Private Kasse – und was dagegen?

Ratloser Patient: Was spricht für den Wechsel in die Private Kasse – und was dagegen?

DüsseldorfFür Fabian läuft alles rund: Gerade Anfang 30, ist der BWL-er fest angestellt in einem expandierenden Unternehmen. Den Job macht er jetzt etwas über ein Jahr, verdient mit rund 70.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen überdurchschnittlich gut. Der nächste Karriereschritt ist bereits in Planung, finanzielle Engpässe sind weit und breit nicht in Sicht. Trotz der guten „Ausgangslage“ – und weil er schließlich hart für seinen Lohn arbeitet – will Fabian kein Geld verschenken. Der Marketingspezialist denkt nach, wo er bei den laufenden Ausgaben Geld einsparen könnte.

Bei seinen Überlegungen stößt Fabian schließlich recht schnell auf einen Posten, der ihn schon lange ärgert: die Krankenversicherung. 383,74 Euro zahlt er als Arbeitnehmer jeden Monat in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) und die Pflegeversicherung ein, weitere rund 337,16 Euro übernimmt der Arbeitgeber. Es ist der Höchstsatz, der für alle kinderlosen, abhängig Beschäftigten gilt, die im Monat 4.050 Euro brutto oder mehr verdienen. Fabian erscheint das recht viel – insbesondere, weil er von einem Freund gehört hat, dass er sich für die Hälfte des Beitrags auch privat versichern könnte – bei besserer Leistung.

In der Tat zeigt etwa der Schnellcheck auf Handelsblatt Online: Für einen Angestellten Anfang 30 sind standardumfängliche Privatpolicen – die unter anderem Zahnbehandlungen, Zahnersatz, Pflegeversicherung und das Recht auf ein Einzelzimmer im Krankenhaus mit einschließen – bereits ab 160 Euro zu haben. Im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung samt Pflegeversicherung könnte der Angestellte in der PKV mehr als 200 Euro sparen – und bekäme sogar noch einige Leistungen obendrauf, die er ansonsten separat absichern müsste.

Bei Selbstständigen wäre der Einspareffekt schließlich noch höher – hier entfällt der Arbeitgeberanteil. Statt mehr als 700 Euro aus eigener Tasche an gesetzliche Krankenversicherung und Pflegeversicherung abzudrücken, könnte er sich unter gleichen Voraussetzungen wie im Falle des Angestellten bereits ab 320 Euro privat krankenversichern. 380 Euro könnte er damit sparen. So gesehen, spricht viel für den Übertritt in die private Krankenversicherung (PKV).

Verbraucherschützer und Versicherungsberater warnen allerdings vor dieser recht schnellen und einseitigen Sicht auf die Dinge: Wer allein dem Prinzip „mehr Leistung für weniger Geld“ folgend einen Wechsel in die PKV erwägt, denke zu kurz, heißt es etwa von der Verbraucherzentrale NRW. „Viele Versicherte glauben, die private Krankenversicherung sei immer besser“, sagt auch der unabhängige Versicherungsberater Thorsten Rudnik. „Doch das ist ein Trugschluss.“

Ob nun „zu kurz gedacht“ oder „falsch gedacht“: Unter dem Strich mahnen die Experten immer wieder zwei Punkte an, über die sich Wechselinteressierte oft zu wenig Gedanken machen: Beitragsstabilität und Leistungsumfang. Dabei ist der erste Aspekt, die Beitragsstabilität, seit Jahren der große Knackpunkt der Privaten Krankenkassen. Das Problem: Die jährlichen Prämien sind nach oben hin nicht gedeckelt – sondern der Versicherer kann steigende Behandlungskosten direkt auf die Beiträge der Kunden umlegen.  

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  • Wer die Nerven hat um im Rentenalter jährlich steigende Tarife in Kauf zu nehmen für den ist die PKV geeignet.
    Nach oben hin ist alles offen, was die PKV voll auszunutzen weiß. Die Begrenzung auf den Höchstbetrag der GKV muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 627,75 für 2014.
    Da muss sich jeder selbst ausrechnen, ob man dann als Rentner noch schlafen kann.
    Dann lieber mit dem Grohs schwimmen und eine Steigerung in der GKV hinnehmen, die sich an den Lohn und Rentensteigerungen orientiert.
    Ob die Leistungen der PKV besser sind kann man nur im Ernstfall beurteilen. Etwas Risiko gibt es in allen Lebensbelangen, und ob man alles versichern will ist eine andere Frage.
    Mein Problem mit der PKV ist, zur falschen Zeit am falschen Ort und man ist verloren. In welche Tarife soll man denn nach 30 jähriger Zugehörigkeit bei einer PKV, wenn diese PKV mit ihren Traifmöglichkeiten Zwang ausübt, und einen günstigen Tarif systematisch abwürgt.
    Eine andere PKV ist wegen der Nichtmitnahme von Altersrücklagen keine Option.
    PKV als Zusatzversicherung damit kann man leben, als Vollversicherung nur etwas für Beamte und Millionäre.

  • Tool der Woche?! Das ist zu kurz gedacht...wie treffend.
    Beispiel 1:
    „Der V... kann steigende ...Kosten direkt auf die Beiträge...umlegen“ Dann folgt: „Die Zusatztarife sind in der Regel dann auch beitragsstabil“ Zwei unterschiedliche Hinweise, obwohl sie den gleichen Bedingungen unterliegen?! (Siehe: § 8b MB/KK 2009) Haben wir im gesetzlichen System auch steigende Kosten?
    Beispiel 2:
    „…Steigerungsraten, auch im zweistelligen Prozentbereich, sind … bei bestimmten Tarifen keine Seltenheit.“ Stimmt! Und was ist mit den „bestimmten“ und „seltenen“ Tarifen bei denen es nicht so ist? Man kann es so, oder so ausdrücken.
    „…Ebenso kann Rudnik von einem Einzelfall eines Rentners berichten,…“ Ach herrje, nun wird ein Einzelfall herangezogen um auf die „Missstände“ aufmerksam zu machen. Wow, Respekt! Umgekehrt geht es übrigens auch!
    Beispiel 3:
    „…Für viele Ältere bleibt dann nur der Wechsel…, „ist aber oft teurer“.“ Genau so ist es!!!...oder „oft“ niedriger oder „oft“ genauso hoch! Ich bitte Sie?! Aussagekraft???
    Beispiel 4:
    „Was bislang beobachtet…Man konnte ablesen, was der gleiche Typ Versicherungsnehmer ein Jahr später für den gleichen Leistungsumfang bezahlen musste.“
    Ach ne, wirklich? Gibt’s nicht?! Doch! Gibt’s! Nämlich in der PKV, weil die Beiträge u.a. nach Eintrittsalter kalkuliert werden!
    Beispiel 5:
    „Alte Leipziger im Ranking vorn.“ Überragende Recherche Frau Zinnecker! Kleiner Tipp: Hallesche, aber immerhin im Konzern der Alten Leipziger ;-)
    Beispiel 6:
    Der angezeigte Vergleich mit dem Hinweis "man muss Abstriche machen"...geht es nicht um die Leistungen?!
    Leider genügt der Platz nicht um weitere Beispiele aufzuzählen.
    Ich würde mich über wirklich über eine neutrale, inhaltlich korrekte Berichterstattung freuen.
    Man kann über so viele Punkte bei PKV und GKV kontrovers schreiben, aber bitte fair und nicht so dermaßen eindimensional und schlecht wie in diesem Artikel.

    Mein Artikel der Woche ;-)

    Beste Grüße,
    Kai Gustke

  • Der Artikel ist leider nur oberflächlich. Jeder sollte seinen individuellen Lebensplan berücksichtigen, wenn er die Krankenversicherung wählt. Ich bin seit 15 Jahren in der PKV (inkl. Elternzeit), meine Frau ebenso (geht arbeiten) und wir haben 2 Kinder. Eines davon wäre vermutlich als GKV Versicherter vor der Geburt gestorben, weil die entscheidende Untersuchung im GKV Katalog nicht vorhanden ist. Die Tarife sind weit günstiger als in der GKV, bei leicht besseren Leistungen.
    Bei einem Alleinverdiener sieht die Sache schon ganz anders aus.
    Was der Artikel auch verschweigt ist, daß auch in der Rente ein Zuschuss zur PKV gezahlt wird, und in vielen Fällen auch GKV Versicherte die Beiträge aufgrund der gesamten Renteneinkünfte berechnet bekommen. Dazu zählen im übrigen auch Hinzuverdienste und Einkommen aus Vermietung und Verpachtung. Wer also sein Leben lang viel fürs Alter angelegt hat, und somit seine gesetzliche Rente ordentlich aufstocken kann, zahlt auch in der GKV Maximalbeiträge.
    Im übrigen ist der absolute (nicht prozentuale) Beitrag zur GKV jedes Jahr stärker gestiegen als in meiner PKV, weil allein schon die Bemessungsgrenze jedes Jahr steigt. Und so lange man da drüber liegt, haut die Steigerung voll rein.
    Fazit: wer einen Lebensplan hat, der kann sich entscheiden, wer keinen Plan hat bleibt lieber in der GKV. Man muss sich eben der Konsequenz seines Handelns bewusst sein. Und was die Zukunft bringt ist reine Spekulation.

  • ich bin schon seit vielen jahren in der PKV. fakt ist, daß man im "schadensfall" teilweise besser behandelt wird - aber auch nicht überall. und daß einem immer etwas mehr an untersuchungen durchgeführt werden als notwendig, das zahlt ja die private kasse eh (so die meinung der ärzte!).
    fakt ist aber auch, daß die leistungen nicht von der kasse gekürzt werden können und somit die beiträge dann steigen.
    in der GKV steigen die beiträge (bzw. beitragsbemessungsgrernze), da hat man noch zuzahlungen und es werden immer mehr leistungen GESTRICHEN.
    in der PKV hat man dagegen vermutlich hoche selbstbehalte (300-600 EUR sind keine seltenheit).
    und fakt ist, daß man von siner rente den ganzen PKV beitrag wird bezahlen müssen, während (nach dem aktuellen stand) die beiträge der rentner in der GKV sich nach der höhe der rente richten.
    besser ist, wenn man gesund ist und bleibt und gar nicht auf irgendwelche leistungen angewiesen ist.
    beide systeme haben ihre vor- und nachteile. der größte nachteil der PKV ist, daß man da nicht mehr rauskommt, daher hat die kasse auch keinen druck, konkurtenzfähig sein zu müssen, die beitragszahler bleiben eh, weil sie keine andere möglichkeit haben. und der gesetzgeber (mit seinen vielen GKV versicherten beamten) hat auch wenig interesse, etwas daran zu ändern.

  • @ ...bloed:

    In feststellbar nötigen Fällen muß in der Tat bei Einkommens- und Vermögenslosigkeit auch aller Angehörigen der Staat einmal sinnvoll tätig werden und helfen.

    Würde dafür die gesetzliche Versicherung komplett privatisiert, ließe sich der Steueretat dramatisch entlasten.

    Wenn dazu die hilf- und sinnlose Geldverschwendung aller staatlichen Stellen mindestens eingeschränkt würde, lebte es sich in Deutschland womöglich wieder recht gut für die Menschen.

  • Ist egal, was sie machen, sie werden als Erwerbstätiger immer verlieren in unserem sozialistischen Regime.

  • Bei einer Rente von 1000 Euro zahlen Sie ca. 80Euro
    in die Gesetzliche in die Private ca. 600Euro
    Da wird selbst der Selbstmord zu teuer.

  • Zwar schnellen die Beiträge im Alter in die Höhe - so schnell aber auch wieder nicht.

    So ist sinnvoll, einen Eigenanteil von mindestens 10%, bei zahnärztlichen Leistungen bis 30%, zu übernehmen.

    Ist man lange genug dabei, kommt der 60jährige Selbständige auch "nur" auf unter 500.- Euro mtl.

    Mit Verzicht auf Einbettzimmer im Krankenhaus gibt es sogar 100% erstattet, denn Privatpatienten erhalten um die 10% Nachlaß auf die Leistungen des Arztes pp.

    Immerhin begleitet einen das gute Gefühl, nicht schmarotzerhaft wie bei den Gesetzlichen Kassen abzukassieren auf Kosten der Allgemeinheit.

  • Bin seit 35 Jahre selbstständig mit Höhen und Tiefen. Bin PKV. Meine Erfahrung nie Privatversichern. Nur schlechte Erfahrung. Gutverdiener (Beamte, usw.) ja. Weil festes Einkommen. Was macht der Gutverdiener wenn er seinen Job mit 56 oder 57 Jahren verliert? Er kann nicht mehr zurück in GKV. Wie bezahlt er dann seine steigenden Beiträge? Wechsel in die Grundversorgung? Ein Witz. Ich bin 63 Jahre und habe es mir ausrechnen lassen. Monatsbeitrag ca. Euro 650,00. PKV ist auf jeden Fall abzulehnen. Ein Wechsel bitte sehr gut überlegen.

  • Zitat: "Wer die Erfahrung mit der PKV über Jahre gemacht hat und hat seine Lebensplanung unter Kontrolle, wir diese nicht verlassen." Danke für diesen Satz, genauso ist es.

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