Private Krankenversicherung Was Ihnen der Vertreter nicht sagt

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Wie stark die Beiträge im Alter steigen

Die PKV stellt zwar regelmäßig heraus, dass sie über ein hohes Niveau an Altersrückstellungen verfügt. Und auch, dass dies den Beitrag im Alter vermutlich dämpft. So stellte der Verbandschef der PKV, Reinhold Schulte, jüngst im Interview mit dem Spiegel fest: „Unsere mehr als 170 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen führen dazu, dass ab etwa 65 oder 70 Jahren die Beiträge nicht mehr mit dem Alter steigen, sondern oft sogar sinken.“

Doch wie sich die Beiträge im Alter tatsächlich entwickeln, ist branchenweit nicht bekannt. Nur Marktführer Debeka, der in einer Sondersituation ist, liefert dazu bisher einige Informationen. Die Debeka stellt aufgrund einer Analyse ihrer Bestandsbeiträge fest, dass 90-jährige keinen höheren Beitrag als 65-jährige Versicherte zahlen.

"Die Beiträge sinken im Alter tendenziell“, stellt Vorstandsvorsitzender Uwe Laue fest. Durchschnittlich zahlten sowohl weibliche als auch männliche Arbeitnehmer und Selbstständige für einen umfassenden Versicherungsschutz auch im hohen Alter Monatsbeiträge von unter 500 Euro. Von Beitragsexplosionen im Alter könne also bei der Debeka keine Rede sein.

Allerdings ist fraglich, ob diese Angaben repräsentativ für die Branche sind. Das räumt Laue auch indirekt ein, indem er auf die Gründe für die stabilen Beiträge hinweist. Diese seien Resultat eines nachhaltigen Aufbaus von Alterungsrückstellungen, einer Konzentration auf nur ein Tarifwerk sowie einer konsequenten Ausrichtung auf die Kundeninteressen. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sei die Debeka ausschließlich ihren Mitgliedern verpflichtet. Mit der Folge: Überschüsse bleiben im System und kommen den Versicherten zugute.

Damit weist die Debeka gleich eine Reihe von Besonderheiten auf. Etliche Konkurrenten sind daneben auch ihren Aktionären verpflichtet. Zudem ist es typisch für viele PKV-Unternehmen, regelmäßig neue Tarife auf den Markt zu bringen. Schließlich arbeitet die Debeka im Branchenvergleich besonders kostenbewusst.

PKV-Kritiker, wie die Grünen-Politikerin Biggi Bender, stellen zudem fest: „Die Altersrückstellungen der Branche reichen nicht annähernd aus, um den Beitragsanstieg im Alter in Grenzen zu halten.“ Man müsse bedenken, dass es derzeit noch gar nicht viele Hochbetagte in der PKV gibt. Denn die Älteren seien bisher relativ schnell wieder weg aus der PKV gewesen, wenn ihre Beiträge im Alter das GKV-Niveau erreichten oder überschritten. „Die eigentliche Welle von Älteren kommt jetzt erst in der PKV an. Die Folge wird sein: ständig steigende Prämien.“

Doch wie stark die Prämien tatsächlich steigen, ist nicht bekannt. Dazu gibt es auch nur vereinzelte Informationen der Gesellschaften und einige bruchstückhafte Auswertungen von Branchenexperten. Klar ist nur, dass die PKV-Beiträge langfristig im Schnitt eher stärker steigen als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Und dass Angestellte eher mehr zahlen als Beamte.

 

Wie viele Kunden ihre Altersrückstellungen verschenken
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68 Kommentare zu "Private Krankenversicherung: Was Ihnen der Vertreter nicht sagt"

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  • Vom Handelsblatt bin ich eigentlich gute Recherche gewohnt und nicht reißerische Artikel a la WISO.

    1. Wenn die privaten Krankenversicherer so hohe Kostensätze wie die - viel zu vielen - gesetzlichen Krankenversicherung, wären sie längst pleite.
    2. Bei der ganzen Prämien-Debatte wird der Leistungsbereich ausgespart. Wenn man die in den letzten Jahrzehnten bei der GKV herausgestrichenen Leistungen berechnen würde, sähen die Beitragserhöhungen der PKV im Verhältnis harmlos aus. Wieviel müsste ein Durchschnitt-GKV-Versicherter im Monat zusätzlich aufbringen (einerlei ob per PKV-Zusatzversicherung oder Zuzahlung) für Brille, Zahnersatz, IGeL etc.?
    Die PKV kann "nur" Selbstbeteiligungen und Beiträge erhöhen.
    Beides ist auch bei meinen Verträgen (2 Erwachsene + 3 Kinder) enorm gestiegen. Trotzdem bin ich froh, dass an den Leistungen nicht gerüttelt wird.
    3. Die Kosten der GKV würden erheblich steigen, wenn den Praxen das "Zubrot" der PKV-Patienten wegfallen würde. Ein durchschnittlicher (nicht an den Punkten manipulierender) Arzt tut sich schwer seine Praxis nur mit den GKV-Einnahmen zu finanzieren.

  • Einverstanden, eine steuerfinanzierte Krankenkasse wie zur Zeit nur für Bedürftige. Alle anderen können sich privat versichern!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • PKV für Besserverdiener, und für die Mehrheit die GKV. Solange wir in Deutschland Beitragsbemessungsgrenzen haben, bleibt es für die Mehrheit „unsolidarisch“ Viele der PKV Versicherten, waren oder sind „Selbständig“ tätig, haben deshalb auch zusätzlich viel mehr Möglichkeiten sich legal „Arm“ zu rechnen. Ich plädiere deshalb für eine Art Schweizermodell. Alle Einkunftsarten werden zur Berechnung herangezogen. Denn im Zweifel, die Reichen brauchen den Staat nicht, die können sich aus ihrem Vermögen ja selbst helfen, egal ob geerbt oder einfach durch die Möglichkeiten im internationalen Steuerwettbewerb sich Vorteile gesichert haben diese ganz legal ausnutzen. Die Armen aber brauchen die Hilfe des Staates, welcher für den fairen Ausgleich zu sorgen hat.

  • @ Redaktion,
    Bitte klären Sie mich auf, was war an meinem statement "unsachlich" bzw. bewegt sich nicht im Rahmen der Meinungsfreiheit (die hier hoffentlich auch toleriert wird)?

  • Nachdenker deine Meinung stimmt teils,
    nur was bringt das ganze PKV Versicherten die die Beiträge nicht mehr zahlen können. Sollen die dann Sozialhilfe beantragen. Ein PKV Basistarif ist der Höchstbeitrag der GKV Versicherten, und Ärzte bekommen davon immer noch den Mehrfachen Gebührensatz für teils schlechtere Leistungen als die der GKV Versicherten.
    GKV Versicherte können alles was im Gesundheitssystem angeboten mitnehmen, was viele zum Zeitvertreib auch annehmen. Die Solidarität macht das möglich. Nach deiner Aussage finanzieren PKV Versicherte die GKV mit, haben aber keine Wahl am einem bestimmten Alter aus dem System PKV rauszukommen. Ich denke vielen PKV Versicherten wäre geholfen, wenn sie eine Versorgung analog GKV zu bezahlbaren Beiträgen erhalten könnten.
    PKV kann doch nur existieren, weil Beamte hohe Zuschüsse erhalten, sozusagen geschieht hier doch auch eine Subventionierung durch Staatsgelder.
    Lasst doch endlich mal die Versicherten entscheiden, ob sie GKV oder PKV versichert sein wollen.
    Warum kann man nicht aus der PKV raus, obwohl abzusehen ist das die PKV nur durch immer höhere Beiträge überleben kann. Hätte ich eine Wahl, ich würde meine ganzen Altersrücklagen der PKV in die GKV einbringen, um eine planbare Mindestversorgung zu erhalten.
    PKV dürfte nur für Zusätze und Mehrleistungen zuständig sein. Mit einem echten Wettbewerb untereinander, und Wechselmöglichkeiten der Versicherten, analog PKV Versicherungen etc. Ist es vom Gesetz her eigentlich noch haltbar, dass man einige zu einer gesetzlichen Versicherung zwingt, und anderen die Wahl zur privaten Versicherung ermöglicht, dann aber den Rückweg versperrt. Da sollte man doch mal jedem die Wahlfreiheit ermöglichen. Wie kann ein angeblich Solidarisches GKV System PKV Versicherten den Eintritt verwehren, obwohl sie das ja durch ihre anteiligen Einkünfte decken würden. Da sollte man mal prüfen, was diese Solidarität überhaupt bedeutet.

  • Der Beitrag endet mit den Worten: "Das heißt: Das Risiko, krank zu werden und dabei finanziell drauf zu zahlen, kennen viele vermutlich nur ungefähr." Dazu kann man nur sagen, dass keiner sein Risiko kennt, krank zu werden, aber eine vernünftige Lebensweise kann auch hier zielführend sein. Zudem wird in dem Beitrag so getan, als dass die Gesetzlichen Krankenversicherungen alle Leistungen im Krankheitsfall übernehmen. Dem ist aber in der Realität überhaupt nicht so. Völlig verschwiegen wird in diesem Beitrag und in der Anfrage des Bundestagsabgeordneten, dass die privat Versicherten über ihre Steuern, die sie in den Gesundheitsfonds, mit seinem steuerfinanzierten Anteil von ca. 20 %, einzahlen, die gesetzlich Versicherten indirekt mit finanzieren. Das Verschweigen die Herrschaften, die sich eine Alternative in Form einer Bürgerversicherung wünschen. Verschwiegen wird auch, dass PKV-Versicherte teils hohe jährliche Beitragsrückerstattungen erhalten, wenn sie keine Leistungen in Anspruch nehmen. Dass die GKV Zusatzbeiträge zu den ohnehin schon hohen Beiträgen von 15,5 % von ihren versicherten Mitgliedern erheben darf, wird ebenfalls verschwiegen. Das wäre im Sinne einer objektiven Berichterstattung zumindest auch wichtig gewesen. Insofern drängt sich leider der Verdacht auf, wie es in verschiedenen Kommentaren auch angeklungen ist, dass es in dem Beitrag gar nicht um objektive Information für den Leser geht. Schade, denn das Thema ist für ideologische Grabenkämpfe viel zu wichtig und zu sensibel.

  • Da habe ich mich wohl geirrt - bei Existenz eines Rabattvertrags muss, falls nicht ausdrücklich vom Arzt ausgeschlossen, das wirkungsgleiche rabattierte Mittel verkauft werden. Eine durchaus sinnvolle Regelung wie ich finde. Da musste die Apotheke eben mal beraten, dass verkauft sie doch ständig als ihre größte Leistung. Ansonsten bringt sie für die "alte, gebrechliche" Mutter keine Leistung - seit Jahren holt man das immer gleiche Medikament, nun ja, vielleicht hätte die Apotheke schonmal das rabattierte Mittel vorhalten können? Ach, bloß kein unnötigen Aufwand. Also mein Mitleid hält sich in Grenzen, muss ich doch deren Gewinn bezahlen.

  • Ich bin mir nicht zu 100% sicher, aber ich glaube, du hast die Situation missverstanden. Die Apotheke wollte das rabattierte Mittel nicht verkaufen, weil sie wegen des Zwangsrabatts weniger daran verdient als vorher. Also versuchte man den Kunden auf ein nicht rabattiertes Arzneimittel zu lenken. Da gibt es nichts der Kasse vorzuwerfen, sondern eher den armen Apothekern, die es sich trotzdem bis heute leisten können ihre Läden an zwei von vier Ecken einer Straßenkreuzung mit großem Gewinn zu betreiben.

  • Gestern in der Apotheke: Vor mir ein Mann welches ein Medikament für seine O-Ton: "alte, gebrechliche" Mutter haben wollte. Die Apothekerin konnte ihm das gewohnte Medikament nicht geben, da die Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen habe. Er müsse einanderes mitnehmen. Leider ist dieses Medikament jedoch nicht vorrätig und müsse bestellt werden. Das alte jedoch wäre da - dürfte aber nicht mehr verabreicht werden.

    Diese Beobachtung hat mich wieder in meiner Entscheidung bestärkt, vor ca. 10 Jahren in das nicht mehr funktionierende System der GKV zu verlassen. Selbst damals war mein erster Beweggrund nicht die Geldersparnis sondern das auch damals schon absehbar war, dass die Leistungen der GKV zukünftig weiter gekürzt werden, wie sie auch in den Jahren vorher immer wieder gekürzt wurden.

    Am obigen Beispiel merkt man doch gleich, dass die Bevormundung sich durch das ganze System zieht. Dass unser Gesundheitssystem zu teuer wird, ist doch kein gesundheitspolitisches Problem, sondern ein Gesellschaftspolitisches.

    Dass das GKV-System wurde systematisch von Politikern aller Coleur Kaputtgedocktort. Prasisgebühr, Aufhebung der paritätischen Beitragszahlung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Gesundheitsfond, Krankenhausnotopfer - um nur einige seltsame Blüten unserer "Gesundheitspolitik zu nennen". Gott sei Dank wurden einige dieser Missgriffe wieder beseitigt. Aber schließlich haben wir ja auch Wahl.

    Appropos Gesundheitsfond. Warum denn eigentlich so viele GKVs? Warum werden nicht alle Kassen gleichgeschaltet und vereinheitlicht, zusammengeführt, am besten verstaatlicht. Das wäre doch der Traum der Politik?!

    Ich jedenfalls bin froh, dass ich dem System entfliehen konnte.

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