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Private Krankenversicherung Was Ihnen der Vertreter nicht sagt

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Wie viele Privatpatienten verarmen

Es gibt erst wenige Informationen über die neun Millionen PKV-Versicherten. Eine Auswertung der Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 zeigt, dass es sich bei den Privatpatienten um eine sehr heterogene Gruppe handelt. So heißt es in einem Bericht des Wissenschaftlichen Institutes der PKV.

Der Weg zurück

Nur die Hälfte aller Privatversicherten gehört danach zu den Erwerbstätigen. Die Beamten bilden zwar die größte Personengruppe, aber ihr Anteil am gesamten PKV-Kollektiv beträgt lediglich 25 Prozent. Rund elf Prozent der Privatversicherten seien Arbeitnehmer.

Interessant ist dies: Nur 20 Prozent aller PKV-Versicherten hatten im Jahr 2008 Einnahmen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (4.012,50 Euro pro Monat). Damit könne widerlegt werden, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohen Einkommen versichert sind, urteilen die Autoren. Die Zahlen bestätigen allerdings auch die Argumentation der Kritiker. Denn bei vergleichsweise niedrigem Einkommen erhöht sich das Risiko, dass PKV-Versicherte sich ihre Prämien im Alter nicht mehr leisten können.

Kein Wunder also, wenn immer mehr ältere PKV-Versicherte Angst vor zu hohen Prämien im Alter haben, wie es auch Weinberg berichtet. Die Bundesregierung sehe keinen Änderungsbedarf an diesem System, könne aber auch nicht mit irgendwelchen Daten zeigen, dass es funktioniert, kritisiert Weinberg. Die Regierung gibt an, sie besitze keine Erkenntnisse über durchschnittliche Beitragshöhen abhängig vom Alter der Versicherten. Hier verweis die Regierung auf eine fast 17 Jahre alte Bundestagsdrucksache, hebt Weinberg hervor.

Zudem weiß die Regierung nicht, wie hoch das durchschnittliche Netto-Einkommen der Ruheständler in der PKV ist und welchen Anteil die Krankenversicherungsbeiträge an deren Einkommen ausmachen. „Vertuschen und verleugnen ist hier das Prinzip“, schimpft Weinberg.

Wer die PKV krank macht
Göker Versicherungsvertreter_Cover
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Mehmet Göker (Verkäufer): Ein Versicherungsvertreter blamiert die PKV

Der Film "Versicherungsvertreter" hat das Image der Privaten Krankenversicherung in Deutschland ruiniert. Der Filmemacher Klaus Stern drehte das Dokumentarstück. Er sagt über den Verkäufer von privaten Krankenversicherungen, Mehmet Göker:

"Er schreit und übt Druck aus, um seine Leute gefügig zu machen. Das Prinzip Mehmet ist Einschüchterung. Manche sagen, es war eine Sekte. Ohne den Führer hätte es den Laden nicht gegeben. Und irgendwann wollte er den größten Finanzvertrieb der Welt haben, wie er im Film sagt. Anscheinend geht so was nicht mit Ringelpiez.

Sie meinen auch den Druck, den Versicherungen immer mehr Abschlüsse zu liefern, um mehr Provision zu kassieren.

Stern: Bei MEG haben sicher einige gute Verkäufer gearbeitet. Aber es gehört auch die andere Seite dazu, die Versicherungsfirmen als Auftraggeber. Die haben den Stoff, also die enormen Provisionen geliefert. Das wirft für die Branche Fragen auf. Selbstkritik bei den Versicherungen habe ich aber noch nicht gehört. Bezeichnend: Keine Versicherung wollte vor die Kamera."

Die Firma MEG ist 2009 pleite gegangen. Göker und die MEG lösten Änderungen am Provisionssystem in der Branche aus. Der begnadete Verkäufer gilt vielen nun als schwarzes Schaf der Branche. Er selbst sieht weiter Chancen im Verkauf von privaten Krankenversicherungen. Dafür braucht er Leute, die ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und vor allem einen Wunsch haben: schnell reich zu werden. "Vier Jahre braucht ein Verkäufer, um an meiner Seite Millionär zu werden", ist einer der Sprüche, durch die er bekannt wurde.

Versicherungsvertreter Kettnaker
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Versicherungsmanager: Viele haben es übertrieben

Der Versicherungsverkäufer Mehmet Göker konnte nicht ohne die Versicherer arbeiten. Er sagt selbst: "Der Spruch „Gier frisst Hirn“ hat auf mich hundertprozentig gepasst." Bei ihm saßen viele bekannte Namen aus der Versicherungswirtschaft mit im Boot. Das zeigt: Bei MEG geht es nicht um einen spektakulären Einzelfall, hier zeigt eine Branche ein Gesicht, das viele bisher nicht kennen. Göker selbst hat dabei keine Hemmungen, seine ehemaligen Partner über den Film vorzuführen. Indem er sein Leben öffentlich zeigt und alle Vorwürfe elegant abwehrt, blamiert ein einziger Vertreter eine ganze Branche.

Viele Versicherungsmanager wissen, dass sie es übertrieben haben. Nicht umsonst diskutierte die Versicherungswirtschaft nach dem Niedergang der MEG besonders intensiv über Provisionen in der privaten Krankenversicherung. Nun werden zwar die Provisionen pro Vertragsabschluss zwar begrenzt. Doch an den Vertriebsmethoden, wie sie in dem Film beschrieben werden, ändert sich wenig. Verkauf ist eben ein hartes Geschäft.

Im Bild: Versicherungsmanager auf der MEG-Party in Melsungen 2007. Von links nach rechts: Frank Kettnaker, Vertriebschef der Alten Leipziger/Hallesche; Oliver Kuhlmann, Vertriebschef der Gothaer; Mehmet E. Göker, Gernot Schlösser, Axa-Vorstandschef (Mitte); Bernhard Lüneborg, Vertriebschef der Hallesche Krankenversicherung, Oliver Kuhlmann, Vertriebschef der Gothaer und Roland Zimmer, Chef der Axa-Krankenversicherung (rechts).

Fotoquelle: Sternfilm / Ulf Schaumlöffel

Generali Versicherungen
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Krankenversicherer Central: Sonderboni und Beitragssteigerungen

Als Negativbeispiel für aggressives Vertriebsverhalten, das negative Folgen hat, gilt der private Krankenversicherer Central, der zur Generali Deutschland gehört. Zuerst ging der Versicherer mit umstrittenen Sonderboni auf Kundenjagd bei der gesetzlichen und privaten Konkurrenz. Nur wenige Monate später folgte die strategische Kehrtwende: Abkehr von Billigtarifen mit schlechten Leistungen und extrem starke Beitragserhöhungen für viele Kunden. „Die durchschnittliche Anpassung zum 1. Januar 2012 beträgt gemessen am Monatssollbeitrag 12,9 Prozent“, teilte das fünfgrößte Unternehmen in der privaten Krankenversicherung (PKV) auf Anfrage des Handelsblatts mit. Insbesondere diese Aktion löste große Empörung bei Verbraucherschützern und Entsetzen in der Politik aus. Galt die Central doch als Spitze des Eisbergs.

(Foto: dpa)
Verbraucherzentralenchef Billen kritisiert die Atompolitik der Bundesregierung
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Gerd Billen (Verbraucherschützer): "Sie werden sich selbst abschaffen."

"Unabhängig von den akuten Problemen müssen in der PKV grundlegende Änderungen vollzogen werden, um Gerechtigkeitsdefizite auszugleichen und Effizienzsteigerungen zu erzielen“, sagt Gerd Billen, der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Allen voran Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr müsse initiativ werden, um für gleiche Chancen und fairen Wettbewerb im Gesundheitswesen zu sorgen. Innerhalb der PKV fehle es an einer Qualitätssicherung bei den Leistungserbringern und einer wirksamen Kostendämpfung. „Die Folgen einer finanziellen Überforderung der Verbraucher dürfen nicht sozialisiert werden, sondern müssen innerhalb des PKV-Systems gelöst werden“, mahnt Billen.

"Sie werden sich selbst abschaffen", sagte Billen in Berlin weiter. Der teilweise eklatante Anstieg der Prämien zum Jahresanfang sei ein Beleg dafür. Es gebe eine ganze Reihe von Beitragszahlern, die inzwischen mit ihren Zahlungen überfordert seien. "Das ist Ausdruck eines sich überholenden Systems."

(Foto: dapd)
Andrea Nahles Pressekonferenz
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Andrea Nahles (SPD): "Preislich kein Vergnügen"

"Die Recherche der Verbraucherzentrale zeigt erneut: Die Beitragssteigerungen in der PKV nehmen zum Teil ein irrwitziges Ausmaß an. Die PKV steht mittlerweile für preislich kein Vergnügen. Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der PKV. Für die SPD ist klar: Beitragsstabilität kann nur durch mehr Solidarität erreicht werden. Jetzt ist es Zeit, die Bürgerversicherung einzuführen. Kostenvorteile für die PKV ohne eine Einbeziehung in die gesamtgesellschaftliche Solidarität, lehnen wir ab."

Die SPD-Generalsekretärin kommentiert die Studie der Verbraucherzentralen.

(Foto: dpa)
AXEL KLEINLEIN, VERBRAUCHERSCHUETZER, 19.7.2012, HANDELSBLATT READAKTION
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Axel Kleinlein (Verbraucherschützer): PKV-Provisionen senken

Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages hat beschlossen, dass Vermittler ab April 2012 bis zu neun Monatsbeiträge für den Abschluss bekommen. Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV), geht das nicht weit genug: „Zu hohe Provisionen dürfen nicht von der Information und Beratung des Verbrauchers ablenken. Wir haben deshalb eine Begrenzung auf sechs Monatsbeiträge gefordert.“

"Ein Beispiel zeigt, wie hoch die Provisionen heute sind: Will ein Versicherer den Absatz eines bestimmten Tarifes fördern, zahlt er nicht selten 15 Monatsbeiträge und mehr. Das entspricht 6.525 Euro, wenn sich beispielsweise ein 30-jähriger Mann privat krankenversichern will. Würde der Versicherer sechs Monatsbeiträge an den Vermittler auskehren, wie vom BdV als Höchstgrenze gefordert, bekäme dieser noch immer 2.610 Euro. Bei einem durchschnittlichen Zeitaufwand von acht Stunden für die Beratung und Vermittlung des Vertrages entspricht dies einem Stundensatz von rund 326 Euro."

Axel Kleinlein: „Diese Vergütung erscheint uns mehr als angemessen und grundsätzlich auskömmlich.“"

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)
Landesparteitag Grüne NRW
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Sven Giegold (Grüne): "Verbraucherabzocke in der PKV kann weiter gehen"

Querschüsse gegen die PKV kommen nun auch aus Europa.

Für alle Produkte außerhalb der klassischen Lebensversicherung habe die Versicherungslobby in Europa eine Transparenzpause von fünf Jahren durchgesetzt. „Die Verbraucherabzocke in der Privaten Krankenversicherung mit hohen Vermittlungsgebühren kann somit weitergehen“, lautet das Fazit von Sven Giegold, Europa-Abgeordneter der Grünen.

(Foto: dpa)

Weder Bundesregierung noch die Private Krankenversicherung hätten Daten darüber, ob sich Ruheständler die Privatversicherung noch leisten können oder ob sie zum Sozialamt müssen. Aber beide sagten, es gäbe kein grundsätzliches Problem.

 

Finance Briefing
Wie stark die Beiträge im Alter steigen
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68 Kommentare zu "Private Krankenversicherung: Was Ihnen der Vertreter nicht sagt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Vom Handelsblatt bin ich eigentlich gute Recherche gewohnt und nicht reißerische Artikel a la WISO.

    1. Wenn die privaten Krankenversicherer so hohe Kostensätze wie die - viel zu vielen - gesetzlichen Krankenversicherung, wären sie längst pleite.
    2. Bei der ganzen Prämien-Debatte wird der Leistungsbereich ausgespart. Wenn man die in den letzten Jahrzehnten bei der GKV herausgestrichenen Leistungen berechnen würde, sähen die Beitragserhöhungen der PKV im Verhältnis harmlos aus. Wieviel müsste ein Durchschnitt-GKV-Versicherter im Monat zusätzlich aufbringen (einerlei ob per PKV-Zusatzversicherung oder Zuzahlung) für Brille, Zahnersatz, IGeL etc.?
    Die PKV kann "nur" Selbstbeteiligungen und Beiträge erhöhen.
    Beides ist auch bei meinen Verträgen (2 Erwachsene + 3 Kinder) enorm gestiegen. Trotzdem bin ich froh, dass an den Leistungen nicht gerüttelt wird.
    3. Die Kosten der GKV würden erheblich steigen, wenn den Praxen das "Zubrot" der PKV-Patienten wegfallen würde. Ein durchschnittlicher (nicht an den Punkten manipulierender) Arzt tut sich schwer seine Praxis nur mit den GKV-Einnahmen zu finanzieren.

  • Einverstanden, eine steuerfinanzierte Krankenkasse wie zur Zeit nur für Bedürftige. Alle anderen können sich privat versichern!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • PKV für Besserverdiener, und für die Mehrheit die GKV. Solange wir in Deutschland Beitragsbemessungsgrenzen haben, bleibt es für die Mehrheit „unsolidarisch“ Viele der PKV Versicherten, waren oder sind „Selbständig“ tätig, haben deshalb auch zusätzlich viel mehr Möglichkeiten sich legal „Arm“ zu rechnen. Ich plädiere deshalb für eine Art Schweizermodell. Alle Einkunftsarten werden zur Berechnung herangezogen. Denn im Zweifel, die Reichen brauchen den Staat nicht, die können sich aus ihrem Vermögen ja selbst helfen, egal ob geerbt oder einfach durch die Möglichkeiten im internationalen Steuerwettbewerb sich Vorteile gesichert haben diese ganz legal ausnutzen. Die Armen aber brauchen die Hilfe des Staates, welcher für den fairen Ausgleich zu sorgen hat.

  • @ Redaktion,
    Bitte klären Sie mich auf, was war an meinem statement "unsachlich" bzw. bewegt sich nicht im Rahmen der Meinungsfreiheit (die hier hoffentlich auch toleriert wird)?

  • Nachdenker deine Meinung stimmt teils,
    nur was bringt das ganze PKV Versicherten die die Beiträge nicht mehr zahlen können. Sollen die dann Sozialhilfe beantragen. Ein PKV Basistarif ist der Höchstbeitrag der GKV Versicherten, und Ärzte bekommen davon immer noch den Mehrfachen Gebührensatz für teils schlechtere Leistungen als die der GKV Versicherten.
    GKV Versicherte können alles was im Gesundheitssystem angeboten mitnehmen, was viele zum Zeitvertreib auch annehmen. Die Solidarität macht das möglich. Nach deiner Aussage finanzieren PKV Versicherte die GKV mit, haben aber keine Wahl am einem bestimmten Alter aus dem System PKV rauszukommen. Ich denke vielen PKV Versicherten wäre geholfen, wenn sie eine Versorgung analog GKV zu bezahlbaren Beiträgen erhalten könnten.
    PKV kann doch nur existieren, weil Beamte hohe Zuschüsse erhalten, sozusagen geschieht hier doch auch eine Subventionierung durch Staatsgelder.
    Lasst doch endlich mal die Versicherten entscheiden, ob sie GKV oder PKV versichert sein wollen.
    Warum kann man nicht aus der PKV raus, obwohl abzusehen ist das die PKV nur durch immer höhere Beiträge überleben kann. Hätte ich eine Wahl, ich würde meine ganzen Altersrücklagen der PKV in die GKV einbringen, um eine planbare Mindestversorgung zu erhalten.
    PKV dürfte nur für Zusätze und Mehrleistungen zuständig sein. Mit einem echten Wettbewerb untereinander, und Wechselmöglichkeiten der Versicherten, analog PKV Versicherungen etc. Ist es vom Gesetz her eigentlich noch haltbar, dass man einige zu einer gesetzlichen Versicherung zwingt, und anderen die Wahl zur privaten Versicherung ermöglicht, dann aber den Rückweg versperrt. Da sollte man doch mal jedem die Wahlfreiheit ermöglichen. Wie kann ein angeblich Solidarisches GKV System PKV Versicherten den Eintritt verwehren, obwohl sie das ja durch ihre anteiligen Einkünfte decken würden. Da sollte man mal prüfen, was diese Solidarität überhaupt bedeutet.

  • Der Beitrag endet mit den Worten: "Das heißt: Das Risiko, krank zu werden und dabei finanziell drauf zu zahlen, kennen viele vermutlich nur ungefähr." Dazu kann man nur sagen, dass keiner sein Risiko kennt, krank zu werden, aber eine vernünftige Lebensweise kann auch hier zielführend sein. Zudem wird in dem Beitrag so getan, als dass die Gesetzlichen Krankenversicherungen alle Leistungen im Krankheitsfall übernehmen. Dem ist aber in der Realität überhaupt nicht so. Völlig verschwiegen wird in diesem Beitrag und in der Anfrage des Bundestagsabgeordneten, dass die privat Versicherten über ihre Steuern, die sie in den Gesundheitsfonds, mit seinem steuerfinanzierten Anteil von ca. 20 %, einzahlen, die gesetzlich Versicherten indirekt mit finanzieren. Das Verschweigen die Herrschaften, die sich eine Alternative in Form einer Bürgerversicherung wünschen. Verschwiegen wird auch, dass PKV-Versicherte teils hohe jährliche Beitragsrückerstattungen erhalten, wenn sie keine Leistungen in Anspruch nehmen. Dass die GKV Zusatzbeiträge zu den ohnehin schon hohen Beiträgen von 15,5 % von ihren versicherten Mitgliedern erheben darf, wird ebenfalls verschwiegen. Das wäre im Sinne einer objektiven Berichterstattung zumindest auch wichtig gewesen. Insofern drängt sich leider der Verdacht auf, wie es in verschiedenen Kommentaren auch angeklungen ist, dass es in dem Beitrag gar nicht um objektive Information für den Leser geht. Schade, denn das Thema ist für ideologische Grabenkämpfe viel zu wichtig und zu sensibel.

  • Da habe ich mich wohl geirrt - bei Existenz eines Rabattvertrags muss, falls nicht ausdrücklich vom Arzt ausgeschlossen, das wirkungsgleiche rabattierte Mittel verkauft werden. Eine durchaus sinnvolle Regelung wie ich finde. Da musste die Apotheke eben mal beraten, dass verkauft sie doch ständig als ihre größte Leistung. Ansonsten bringt sie für die "alte, gebrechliche" Mutter keine Leistung - seit Jahren holt man das immer gleiche Medikament, nun ja, vielleicht hätte die Apotheke schonmal das rabattierte Mittel vorhalten können? Ach, bloß kein unnötigen Aufwand. Also mein Mitleid hält sich in Grenzen, muss ich doch deren Gewinn bezahlen.

  • Ich bin mir nicht zu 100% sicher, aber ich glaube, du hast die Situation missverstanden. Die Apotheke wollte das rabattierte Mittel nicht verkaufen, weil sie wegen des Zwangsrabatts weniger daran verdient als vorher. Also versuchte man den Kunden auf ein nicht rabattiertes Arzneimittel zu lenken. Da gibt es nichts der Kasse vorzuwerfen, sondern eher den armen Apothekern, die es sich trotzdem bis heute leisten können ihre Läden an zwei von vier Ecken einer Straßenkreuzung mit großem Gewinn zu betreiben.

  • Gestern in der Apotheke: Vor mir ein Mann welches ein Medikament für seine O-Ton: "alte, gebrechliche" Mutter haben wollte. Die Apothekerin konnte ihm das gewohnte Medikament nicht geben, da die Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen habe. Er müsse einanderes mitnehmen. Leider ist dieses Medikament jedoch nicht vorrätig und müsse bestellt werden. Das alte jedoch wäre da - dürfte aber nicht mehr verabreicht werden.

    Diese Beobachtung hat mich wieder in meiner Entscheidung bestärkt, vor ca. 10 Jahren in das nicht mehr funktionierende System der GKV zu verlassen. Selbst damals war mein erster Beweggrund nicht die Geldersparnis sondern das auch damals schon absehbar war, dass die Leistungen der GKV zukünftig weiter gekürzt werden, wie sie auch in den Jahren vorher immer wieder gekürzt wurden.

    Am obigen Beispiel merkt man doch gleich, dass die Bevormundung sich durch das ganze System zieht. Dass unser Gesundheitssystem zu teuer wird, ist doch kein gesundheitspolitisches Problem, sondern ein Gesellschaftspolitisches.

    Dass das GKV-System wurde systematisch von Politikern aller Coleur Kaputtgedocktort. Prasisgebühr, Aufhebung der paritätischen Beitragszahlung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Gesundheitsfond, Krankenhausnotopfer - um nur einige seltsame Blüten unserer "Gesundheitspolitik zu nennen". Gott sei Dank wurden einige dieser Missgriffe wieder beseitigt. Aber schließlich haben wir ja auch Wahl.

    Appropos Gesundheitsfond. Warum denn eigentlich so viele GKVs? Warum werden nicht alle Kassen gleichgeschaltet und vereinheitlicht, zusammengeführt, am besten verstaatlicht. Das wäre doch der Traum der Politik?!

    Ich jedenfalls bin froh, dass ich dem System entfliehen konnte.

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