Private Unfallversicherungen Blick ins Kleingedruckte

Deutsche Versicherungskonzerne verdienen mit privaten Unfallversicherungen gutes Geld. Dabei decken sie kein existenzielles Risiko ab. Experten raten dazu, die Verträge genau zu überprüfen.
Wer eine Unfallversicherung besitzt, erhält gegebenenfalls eine Entschädigung – wenn der Vertrag den Fall abdeckt. Quelle: imago/GlobalImagensImago
Notfallpatient im Krankenhaus

Wer eine Unfallversicherung besitzt, erhält gegebenenfalls eine Entschädigung – wenn der Vertrag den Fall abdeckt.

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BerlinDie Leistungen von privaten Unfallversicherungen unterscheiden sich erheblich. Zudem seien Verbraucher durch bestehende Policen zum Teil unterversichert, weshalb Alt-Verträge überprüft werden sollten, rät die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (Oktoberausgabe). Wer zum Beispiel durch einen Unfall die Funktionsfähigkeit seiner Hand verliert, kann von der einen Unfallversicherung im Test 100.000 Euro Entschädigung erhalten – von einer anderen hingegen 500.000 Euro. Die Tester bewerteten insgesamt 124 Angebote von Unfallversicherern.

Eine „gute“ Unfallversicherung gibt es bereits ab 117 Euro im Jahr, für eine „sehr gute“ zahlen Verbraucher ab 192 Euro aufwärts, sofern sie nicht in einem gefährlichen Beruf arbeiten. Verbraucher sollten auch auf andere Klauseln in den Versicherungsbedingungen achten, etwa zu Vorerkrankungen oder Bergungskosten bei einem Freizeitunfall.

Eine Unfallversicherung ist wichtig für die Absicherung im Fall einer dauerhaften gesundheitlichen Schädigung. Die tritt zum Beispiel ein, wenn nach einem Trümmerbruch das Sprunggelenk versteift werden muss oder wenn jemand nach einem Hirntrauma gelähmt ist. Wenn die Leistung hoch genug ist, können Verletzte nach einem Unfall nicht nur zusätzliche Physiotherapie oder eine Haushaltshilfe bezahlen. Sie haben auch langfristig ein Finanzpolster, zum Beispiel, wenn sie nicht mehr Vollzeit arbeiten können.

Wer sich für den Fall absichern will, dass er nicht mehr arbeiten kann, ist bei der Unfallversicherung dagegen falsch. Dafür ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung die erste Wahl. Eine Unfallversicherung zahlt allerdings auch bei Arbeitsunfällen, deshalb sind die Policen für Menschen mit gefährlichen Berufen höher.

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Extreme Unterschiede

Wer den falschen Beruf ausübt, muss beim Versicherungsschutz mehr bezahlen. Für Handelsblatt Online hat das Analysehaus Morgen & Morgen (M&M) analysiert, wo die Beiträge steigen und wer weniger zahlen muss. Die gute Nachricht zuerst: Für die meisten Berufsgruppen wurde der Schutz günstiger. Von den 145 Berufen stellte M&M nur bei 30 Berufen eine Verteuerung fest. Die Analyse zeigt vor allem, dass „gute“ Risiken, also Berufe mit einer niedrigen Berufsunfähigkeitswahrscheinlichkeit überproportional profitieren.

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„Gewinner sind ganz klar die Berufe mit dem geringsten Risiko. So zahlt unseren Auswertungen nach ein Notar beispielsweise für einen 5-Sterne-BU-Tarif mit 1.500 Euro BU-Rente monatlich nur um die 50 Euro. Während ein Dachdecker für eine gleichwertige BU-Rente mit über 200 Euro richtig tief in die Tasche greifen muss“, so Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen.

Den Anfang machen zehn Berufe, in denen die Beiträge besonders stark gestiegen sind. Es folgen Berufe, die weniger bezahlen.

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Platz 10: Ergotherapeut

Ein Ergotherapeut muss einen unmittelbaren und persönlichen Kontakt zu seinen Patienten bilden. Seine Aufgabe ist es sie in ihrem Alltag zu unterstützen, um ihre Handlungsfähigkeit zu vergrößern und somit ihre Lebensqualität zu verbessern. Laut Morgen & Morgen überwiegen die "schlechten" Risiken, was einen Beitragsanstieg zur Folge hat.

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Platz 9: Pflasterer

Der Beruf des Pflasterers wird überwiegend von Männern ausgeübt. Kein Wunder, denn die körperlichen Belastungen in diesem Beruf sind erheblich. Die hohen Beitrage zur Berufsunfähigkeitsversicherung verwundern ebenfalls nicht. Eine Baustelle birgt viele Risiken.

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Platz 8: Estrichleger

Auch der Beruf des Estrichleger wird überwiegend von Männern ausgeübt. Die ungesunde Arbeitshaltung kann Gelenk- und Wirbelsäulenschäden verursachen und so zu einer verfrühten Berufsunfähigkeit führen. Im Ranking von Morgen & Morgen kommt der Estrichleger auf Platz acht der Berufe mit dem höchsten Beitragsanstiegen.

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Platz 7: Rangierbegleiter

Der überwiegend im Bahnbetrieb ausgeübte Job verlangt ebenfalls körperliche Belastungsfähigkeit. Außerdem stellt der Arbeitsplatz spezielle Risiken dar. Auf den Gleisen neben fahrenden Zügen darf sich der Rangierbegleiter keine Unaufmerksamkeit erlauben.

huGO-BildID: 8238561 ** ARCHIV ** Eine Reinigungskraft putzt am 28. Januar 2007 im Kongresszentrum in Davos, Schweiz, einen Toilettenraum.Bundesarbei
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Platz 6: Reinigungskraft

Die Reinigungskraft kommt auf den sechsten Platz. Auch in dieser Tätigkeit ist die körperliche Belastung hoch. Jedoch wird der Beruf der Reinigungskraft vorwiegend von Frauen ausgeübt.

Jeder Versicherer regelt es anders, welche Berufe er zur hohen Gefahrengruppe zählt oder sogar ganz ablehnt. Ein Vergleich der Angebote ist daher in jedem Fall ratsam. Ohnehin rät die Stiftung Warentest Verbrauchern, die bereits eine Unfallversicherung haben, zu prüfen, ob dies im Ernstfall genug leistet.

Oft lohne es sich, den Anbieter oder den Tarif zu wechseln. Wer für die ganze Familie eine Unfallversicherung abschließen will, sollte nach einem Familienrabatt fragen. Bei zahlreichen Versicherern sind zehn bis 15 Prozent Nachlass drin, wenn sich mehrere versichern.

  • afp
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