Geld im Portemonnaie

Bei bestimmten Tarifen zahlt der Versicherte einen Teil der Kosten selbst.

(Foto: dpa)

Ratgeber Krankenversicherung Kleiner Beitrag versus hohes Risiko – für wen sich PKV-Tarife mit Selbstbehalt lohnen

Beim Selbstbehalt gibt es meist kein Zurück, und er lohnt sich eher für Freiberufler und Unternehmer. Auch das Finanzamt belohnt Selbstzahler nicht.
Kommentieren

FrankfurtGesetzlich oder privat? Wenn es um die Krankenversicherung geht, ist das die zentrale Frage. Bei der privaten Krankenversicherung (PKV) gibt es aber noch weitere Wahlmöglichkeiten. Neben den abgesicherten Risiken spielt auch die Höhe des Selbstbehalts eine große Rolle: Will man lieber geringere Beiträge zahlen und dafür im Krankheitsfall einen größeren Teil der Kosten selbst übernehmen?

Oder nimmt man höhere monatliche Beiträge in Kauf, damit der Versicherer bei einer Krankheit die vollen Kosten trägt? Zusätzlich können Versicherte entscheiden, ob sie ihre Rechnungen tatsächlich beim Versicherer einreichen oder die Kosten selbst tragen und dafür eine Beitragsrückerstattung kassieren. Diese Optionen sollte man gut abwägen, denn sie haben auch unterschiedliche Folgen für die Steuererklärung.

Jeden Monat weniger Beiträge für die PKV zu zahlen kann das Haushaltsbudget entlasten. Wer im Gegenzug allerdings einen Selbstbehalt vereinbart, muss im Krankheitsfall einen Teil der Kosten für Arzt und Medikamente selbst tragen. Damit sich das überhaupt lohnt, muss die Beitragsersparnis deutlich höher sein als der Selbstbehalt.

Wer das versucht einzuschätzen, sollte bedenken, dass bei Angestellten der Arbeitgeber bis zu 50 Prozent der Krankenversicherungsbeiträge zahlt. Für den Selbstbehalt muss der Arbeitnehmer aber alleine aufkommen. „Deshalb lohnt sich ein Selbstbehalt tendenziell mehr für Freiberufler und Unternehmer, die sowieso den ganzen Beitrag selbst zahlen müssen“, sagt Peter Grieble, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Nicht empfehlenswert für chronisch Kranke

Nicht zu empfehlen ist ein Selbstbehalt für Versicherte, die chronisch krank sind oder bereits wissen, dass hohe Behandlungskosten auf sie zukommen könnten. „Für junge, gesunde Menschen kann ein Selbstbehalt eine Zeit lang attraktiv sein“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Zugleich warnt sie aber: Hat sich der Versicherte einmal für einen Selbstbehalt entschieden, sei der Wechsel in einen Tarif ohne Kostenbeteiligung oft schwierig.

„Sobald der Kunde mehr Leistungen vom Versicherer wünscht, etwa eine hundertprozentige Kostenübernahme, muss er sich in der Regel erneut einer Gesundheitsprüfung unterziehen“, sagt Boss. Die Folge: Falls sich der Gesundheitszustand zwischenzeitlich verschlechtert hat, wird die Reduzierung des Selbstbehalts womöglich verwehrt.

Auch wer seine Versicherungsbeiträge wegen finanzieller Schwierigkeiten reduzieren will, geht mit einem Selbstbehalt ein Risiko ein. „Falls es dann zu einer Erkrankung kommt, könnte auch der Selbstbehalt eine zu große finanzielle Belastung sein“, warnt Grieble.

Alternativ können Versicherte das Leistungsspektrum abspecken: Bei Krankenhausaufenthalten etwa den Anspruch von einem Ein- auf ein Zweibettzimmer reduzieren oder auf die Chefarztbehandlung verzichten. Auch hier kann die Rückkehr zu den früheren Leistungen aber schwierig sein, da in der Regel wieder eine Gesundheitsprüfung ansteht.

Varianten des Selbstbehalts

Wer sich für einen Selbstbehalt entscheidet, kann je nach Art der Police zwischen verschiedenen Varianten wählen. Bei Kompakt-Tarifen wird meist für alle Leistungsbereiche eine fixe Eigenbeteiligung vereinbart. So müssen Versicherte dann beispielsweise pro Jahr die ersten 700 Euro Krankheitskosten selbst zahlen. Jede weitere Rechnung begleicht der Versicherer.

Haben Versicherte eine Police mit verschiedenen Bausteinen, etwa für Zahnersatz, ambulante und stationäre Behandlungen, können sie den Selbstbehalt für jeden Baustein einzeln bestimmen. „Sinnvoll kann es sein, sich an den ambulanten Kosten zu beteiligen, aber bei Kosten im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts auf den Versicherer zu setzen“, sagt Versicherungsexpertin Boss.

Private Krankenversicherung VergleichPrivate Krankenversicherung
Ihr Geburtsdatum:
Berufsstatus:
jährlicher Selbstbehalt:

Eine weitere Variante ist ein prozentualer Selbstbehalt. Um das Risiko überschauen zu können, sollte dieser gedeckelt sein. So können Versicherte zum Beispiel vereinbaren, dass sie 30 Prozent der Arzt- und Medikamentenkosten selbst zahlen, maximal aber 1.000 Euro im Jahr.

Wer einen fixen Selbstbehalt scheut, kann bei vielen Tarifen auch auf Beitragsrückerstattungen setzen. Wenn sie die Versicherung nicht oder nur in geringem Maße in Anspruch genommen haben, bekommen Versicherte einen Teil ihrer Beiträge zurück. „Bei solchen Tarifen sollten Versicherte ihre Belege bis zum Jahresende sammeln und dann einen Kassensturz machen“, rät Verbraucherschützer Grieble. Dann könnten sie berechnen, ob es günstiger ist, die Rechnungen einzureichen oder eine Beitragsrückerstattung zu kassieren.

Steuerliche Folgen des Selbstbehalts

Wichtig ist bei Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung noch ein weiterer Faktor: die Steuer. Grundsätzlich können sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte ihre Krankenversicherungsbeiträge in der Steuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Diese Ausgaben mindern in voller Höhe das zu versteuernde Einkommen. „Dabei sind allerdings nur jene Beiträge voll abziehbar, die dem Basisschutz in der Krankenversicherung dienen“, sagt Erich Nöll, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Sogenannte Wahlleistungen wie eine Chefarztbehandlung zählen nicht zum Basisschutz.

Unter Umständen können aber auch solche Zusatzkosten noch berücksichtigt werden. So zählen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zu den „sonstigen Vorsorgeaufwendungen“. Für Arbeitnehmer gilt dabei eine jährlich Höchstgrenze von 1.900 Euro, für Selbstständige sind es 2.800 Euro. Werden die Grenzen durch die Aufwendungen für den Basisschutz nicht ausgeschöpft, können auch Kosten für PKV-Wahlleistungen angegeben werden.

Ein Beispiel: Wer als Arbeitnehmer jährlich Krankenversicherungsbeiträge in Höhe von 2.000 Euro für den Basisschutz zahlt, kann diese auch über die 1.900-Euro-Grenze hinaus voll absetzen. Weitere Versicherungsbeiträge können dann nicht geltend gemacht werden. Wer dagegen nur 1.500 Euro für den Basisschutz zahlt, hat noch 400 Euro übrig.

Der Selbstbehalt kann nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs aber steuerlich ein schlechtes Geschäft sein: „Vereinbart ein Steuerpflichtiger mit einem privaten Krankenversicherungsunternehmen einen Selbstbehalt, können die deswegen von ihm zu tragenden Krankheitskosten nicht als Sonderausgaben abgezogen werden“, urteilten die Richter (Az. X R 43/14).

Begründung: Die Selbstbeteiligung stelle keine Gegenleistung für die Erlangung des Versicherungsschutzes dar. Die Krankheitskosten seien außergewöhnliche Belastungen. Als solche sind sie erst dann steuerlich absetzbar, wenn sie die zumutbare Belastung überschreiten, die sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte und der familiären Situation richtet.

Mehr zum Thema

Startseite

Mehr zu: Ratgeber Krankenversicherung - Kleiner Beitrag versus hohes Risiko – für wen sich PKV-Tarife mit Selbstbehalt lohnen

0 Kommentare zu "Ratgeber Krankenversicherung: Kleiner Beitrag versus hohes Risiko – für wen sich PKV-Tarife mit Selbstbehalt lohnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%