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Ratingagentur warnt Versicherungskunden drohen starke Einbußen

Wer eine Lebenpolice hat, zahlt die Zeche für die Finanzkrise. Laut Ratingagentur S&P dürfte die Gewinnbeteiligung wegen des niedrigen Zinsniveaus bald kräftig sinken. Die Lebensversicherung wird zum Auslaufmodell.
Update: 17.11.2011 - 11:43 Uhr 7 Kommentare
Zentrale der Ratingagentur Standard & Poor`s: Die Ratingagentur warnt vor sinkenden Zinsen für Versicherte. Quelle: dapd

Zentrale der Ratingagentur Standard & Poor`s: Die Ratingagentur warnt vor sinkenden Zinsen für Versicherte.

(Foto: dapd)

DüsseldorfKaum ein Vorsorgeprodukt wurde in diesem Jahr derart gebeutelt wie die Lebensversicherung. Nachdem die meisten Gesellschaften die Überschussbeteiligungen für dieses Jahr auf knapp vier Prozent senken mussten, griff das Bundesfinanzministerium beim Garantiezins hart durch. Für Neuverträge ab 2012 hat die Aufsichtsbehörde jetzt den Garantiezins auf den Sparanteil von 2,25 auf 1,75 Prozent gesenkt.

In Zukunft müssen sich die Versicherten mit noch weniger Zinsen begnügen. Das prophezeit zumindest die Ratingagentur Standard & Poor’s. Viele deutsche Lebensversicherer werden nach einer aktuelle Analyse in den kommenden Jahren ihre Gewinnbeteiligung senken müssen, um ihre langfristige Finanzstärke zu sichern.„Nachhaltig niedrige Zinsen, volatile Finanzmärkte und steigendes Kreditrisiko dämpfen die Aussichten für die Entwicklung der Rohüberschüsse und erhöhen zugleich den Druck auf die Lebensversicherer, ihre Gewinnbeteiligung zu reduzieren,“ sagte Wolfgang Rief, Versicherungsanalyst bei Standard & Poor’s.

Die Branche klagt. Die Niedrigzinspolitik in Europa sei für die Versicherer „weit schlimmer als jede Abschreibung auf griechische Staatsanleihen“, sagt Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Sein Verband sieht schon die Altersvorsorge der Deutschen in Gefahr. „Die Bezüge werden im Ruhestand geringer ausfallen als ohne Niedrigzinsstrategie“, sagte Hoenen und fordert ein Exit-Szenario aus der aktuellen Zinspolitik.

Für 2011 lag die durchschnittliche Gewinnbeteiligung der Lebenpolicen bei rund 4,1 Prozent. Für dieses Jahr senken fast zwei von drei Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz oder R+V Leben. Ein Vergleich des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online unter 72 Gesellschaften zeigt: Im Schnitt liegt die laufende Verzinsung nur noch bei 4,05 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Satz noch bei mehr als sieben Prozent.

Und der Trend zeigt weiter abwärts. „Für die jetzt vor Jahresende 2011 zu beschließende Gewinnbeteiligung für 2012 erwarten wir angesichts des großen Wettbewerbdrucks nur eine relativ geringe Absenkung,“ sagte S&P-Analyst Rief. „Jedoch erwarten wir weitere Absenkungen für die Jahre danach, wenn das Zinsniveau nachhaltig niedrig bleibt.“

Die Krise trennt die Spreu vom Weizen. Finanzstarke Unternehmen mit hohen Investmenterträgen und soliden Risikoüberschüssen sollten laut S&P ihre Gewinnbeteiligungen nur geringfügig absenken müssen. Schwächere Gesellschaften dagegen dürften deutlich senken und es künftig im Wettbewerb sehr schwer haben.

Schon jetzt sind die Unterschiede enorm. Die laufende Verzinsung bestimmt neben dem Garantiezins maßgeblich die Rendite einer Police. Jedes Jahr legen die Versicherer diese Messgröße neu fest. Um bis zu 0,4 Prozentpunkte geht die Überschussbeteiligung 2011 runter. Die höchste Überschussbeteiligung bieten Targo mit 4,8 Prozent sowie Europa und Fortis mit jeweils 4,5 Prozent. Am Ende des Marktes liegen der Münchener Verein mit 3,00 Prozent sowie VPV und Öffentliche Berlin mit 3,25 beziehungsweise 3,4 Prozent.

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7 Kommentare zu "Ratingagentur warnt: Versicherungskunden drohen starke Einbußen"

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  • Schauen Sie sich einfach den typischen Deckungsstock einer LV an. Wer sowas haben will, findet einen konservativen Mischfonds, der die gleiche Anlagestruktur hat. Ohne gezillmerte Abschlussprovision, mit niedrigem oder manchmal auch ohne Agio, ohne Stornogebühren wenn in der Planung was schiefläuft. Gleiche Geldanlage, nur andere Verpackung und damit schon locker 1% mehr Rendite (nach Steuern, um Missverständnisse zu vermeiden) und wesentlich mehr Freiheiten. Alternativen gibt es also.

  • Die Lebensversicherungsbranche hat es geschafft, dass Garantie- und Gesamtverzinsung immer wieder durch die Medien geistern, ohne den Hinweis, das hiervon noch die Kosten des Vertrages abzuziehen sind. Beim aktuellen Garantiezins und mangels Überschussen bedeutet das in vielen Fällen: kein Gewinn. Dafür verzichtet man dann 20 oder mehr Jahre auf Liquidität und kann über die Kaufkraftwentwertung nur staunen.
    Besonderer Clou: Wer sich sein gewinnlos angelegtes Geld verrenten läßt, zahlt auch noch Steuern.

  • Sorry, das ist nicht korrekt. Ob Provisionen zu hoch oder angemessen sind, lassen wir mal dahingestellt. Fakt ist, dass auch vor 30 und vor 50 Jahren Provisionen gezahlt wurden, und die waren nicht niedriger als heute, ganz im Gegenteil.

    Wenn hier ein weiterer Grund zu nennen ist, dann der Verbraucherschutz, der sich vehement gegen solide Rücklagenbildung stemmt und verlangt, dass der Storno-Kunde auch ordentliche Rückkaufswerte bekommt. Überhaupt wurde Rücklagenbildung immer negativer gesehen, weil man den Versicherern unterstellte, dass den Kunden Erträge vorenthalten werden.

    Kunden werden tagtäglich mit Rankings und dergleichen konfrontiert und verrückt gemacht. Hinter jedem Storno wird eine Falschberatung vermutet, obwohl jedes Kind weiss, dass eine Lebensversicherung i.d.R. der Altersversorgung dient und damit langfristig ausgelegt ist.

    Jetzt haben wir die Konsequenz: Kein Speck angesetzt & mehrjährige Niedrigzinsen = Großes Problem.

    Wer sich aktuelle auslaufende Policen betrachtet wird feststellen, dass deren Ablaufrendite durchaus respektabel ist, selbst wenn es sich um einen Versicherer handelt, der im Marktvergleich eher unter dem Marktdurchschnitt liegt.

    Ein Kunde, der vor 30 Jahren in guter alter Manier bei seinem Versicherungsvertreter eine Police abgeschlossen hat - ohne 500 Vergleiche, Rankings und was weiss ich noch alles zu studieren - und diese Police einfach in den Schrank gelegt und stur seine Beiträge gezahlt hat, der bekommt vielleicht nicht das raus, was ihm der Vertreter damals ausgerechnet hat, aber er liegt dennoch bei einer respektablen Rendite.

    Diejenigen, die den Ratschlägen sogenannter Verbraucherschützer gefolgt sind, ihre Policen gekündigt und den Rückkaufswert in Aktien gesteckt haben, sehen dagegen oft alt aus.

    P.S.: Ich verdiene mein Geld nicht im Versicherungsvertrieb.

  • Ganz falsch: Niedrigzinsen, Finanzkrise und kriselnde Staatsanleihen sind die Gründe, die uns die Versicherungsbranche nennt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Fette Vermittlungsprovisionen und erwartungsvolle Aktionäre habe weit vorher dafür gesorgt, dass die Kunden leer ausgehen. Anders ist doch nicht zu erklären, dass bei Policen mit Laufzeiten von vielen Jahrzehnten bereits nach 3 Jahren Niedrigzins die Kunden in die Röhre schauen sollen. Ich werde die weitere Wertentwicklung meines Vertrags (KLV-Check sei Dank) sehr genau beobachten und reagieren, wenn weitere Zuwächse tatsächlich ausbleiben sollten...

  • Besser hätte ich es nicht schreiben können!
    Alle wissen was nicht mehr geht, aber wo sind die Alternativen?
    Hier wir mutwillig der letzte Kunde verschreckt.
    Man kann es kaum fassen!!!
    Alles heiße Luft!!

    Bodo Becker
    Finanzfachwirt (FH)
    Versicherungsfachwirt (IHK)
    Spezialist Betriebliche Altersversorgung (DVA)

  • Bahnbrechende Erkenntis!

    Die Niedrigzinsen führen auch bei der LV zu einer niedrigeren Gesamtrendite - nein, wer hätte das gedacht?

    Gut, dass S&P darauf hinweist...

    Mir erschließt sich allerdings nicht, warum eine Rendite von 2% bei einer Lebensversicherung, ggf. noch mit inkludiertem Todesfallschutz, schlechter sein soll als 1,3% bei einem Bundesschatzbrief. Oder vielleicht sogar -20% bei Aktien.

    Oder soll man vielleicht jetzt Rentenfonds kaufen, die bei kleinstem Renditeanstieg Kursverluste erleiden? Oder einen geschlossenen offenen Immobilienfonds???

    Wo sind denn die Anlagealternativen zur LV, auch wenn diese weit unter dem rentiert, was man den Kunden vielleicht mal vor 10 Jahren in Aussicht gestellt hat???

    In meinem nächsten Leben werde ich Analyst oder Mitarbeiter einer Ratingagentur. Dann kassiere ich ein hohes 6-stelliges Gehalt für Erkenntnisse, die jeder durchschnittsbegabte 8-Klässler auch herausfinden kann.

  • Nur herunter mit der verzinsung. es braucht nicht sein, daß mit Lebensversicherungen schön abgesahnt wird und milliardengewinne abkassiert werden. Es ist sehr zu begrüßen, daß es mit den renditen auf breiter front abwärts geht- ab nächstes Jahr werden auch die firmengewinne hart einbrechen, denn die rezession kommt garantiert für Rendite-deutschland.