Starkregen und Überschwemmungen Welche Versicherungen helfen, wenn nach der Dürre die Wassermassen kommen

Starke Gewitter an heißen Sommertagen können zu heftigen Schäden führen. Spezielle Versicherungen gegen Naturgewalten decken die Kosten ab.
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Eine normale Hausratsversicherung deckt oft Schäden durch Starkregen nicht ab. Quelle: dpa
Wasserschaden bei starkem Unwetter

Eine normale Hausratsversicherung deckt oft Schäden durch Starkregen nicht ab.

(Foto: dpa)

FrankfurtFreibadsaison in Deutschland: Wochenlang liegen die Temperaturen stabil über 30 Grad. Wer denkt bei dem heißen Wetter schon an Regen?

Zum Beispiel die Stadt Gießen. Sie hat vor Kurzem rund 600 Sandsäcke an ihre Bürger verteilt. Denn die Stadtverwaltung fürchtet, dass nach der Hitze- die Gewitterwelle kommt. Einen Vorgeschmack gab es bereits im Mai und Juni, als Städte wie Marburg unter heftigen Unwettern zu leiden hatten.

Zahlreiche Gebäude standen unter Wasser. In Quickborn in Schleswig-Holstein kamen jüngst 45 Liter pro Quadratmeter herunter. Königswalde im Erzgebirge wurde von Schlamm und Geröll überflutet. Der Deutsche Wetterdienst warnt: „Insbesondere im Sommerhalbjahr kommt es im Zusammenhang mit Gewittern immer wieder zu starken Niederschlagsereignissen.“

Zwar helfen Sandsäcke an neuralgischen Punkten gegen die Wassermassen, etwa an Flussufern. Zusätzlich haben einige Gemeinden Pumpen gekauft, um Keller rasch wieder trockenlegen zu können. Doch wer kümmert sich um die Folgekosten, wenn das eigene Haus vollläuft, etwa für zerstörtes Mobiliar? Fakt ist: Viele Bürger sind nicht gegen Starkregen versichert, obwohl die Prämien nur im Promillebereich der Versicherungssummen liegen.

Hausratversicherung genügt nicht

Starkregen gehört versicherungstechnisch zu den „Elementarschäden“, wie Überschwemmungen und Erdbeben. Der Deutsche Wetterdienst gibt eine „markante“ Wetterwarnung, wenn Regenmengen von 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde oder von 20 bis 35 Liter in sechs Stunden erwartet werden. Bei mehr als 25 Litern in einer Stunde oder mehr als 35 Litern pro Quadratmeter in sechs Stunden folgt eine Unwetterwarnung.

Die Stadt Leipzig geht davon aus, dass wirksamer Schutz nur „im Zusammenspiel von Kommune, Abwasserentsorger und Grundstückseigentümern“ möglich ist. Zur Vorbeugung empfehlen die Wasserwerke unter anderem, Dachrinnen freizuhalten. Ist Wasser eingedrungen, warnen sie davor, überschwemmte Kellerräume oder Tiefgaragen zu betreten – weil es dort zu Stromschlägen kommen kann. Ein wichtiger Rat lautet aber auch: „Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz.“

Dabei kommt es auf die Details an: Denn die normale Wohngebäudeversicherung zahlt zwar bei Schäden durch Sturm, Feuer, Hagel und Leitungswasser, aber grundsätzlich nicht bei Starkregen. Das gilt auch für die Hausratversicherung: Wenn der Keller bei einem Unwetter vollläuft und Hausrat, etwa eine Waschmaschine, beschädigt wird, gibt es kein Geld.

Wer sich gegen diese Gefahren absichern möchte, braucht eine Elementarschaden- oder auch Naturgefahrenversicherung als Ergänzung zur Wohngebäude- und Hausratpolice. Erst dann sind Starkregen und Überschwemmungen abgedeckt, aber auch andere Katastrophen wie etwa Erdbeben. Manchmal werden nur einzelne Elementarschäden abgesichert, etwa bei der Starkregenpolice der Barmenia direkt.

Schwierig kann es für Kunden werden, die in häufig von Überschwemmungen heimgesuchten Gegenden wohnen, etwa in der Nähe von Flüssen oder an der Küste. „Wenn wir Anfragen von den Inseln bekommen, lehnt der Versicherer das in der Regel ab“, erzählt die Mitarbeiterin eines Maklers in Norddeutschland. Allerdings ist es laut Branchenverband GDV möglich, 99 Prozent aller Häuser abzusichern.

Manchmal gibt es Streit über die Auslegung der Bedingungen. So entschied das Oberlandesgericht Hamm im Jahr 2015, dass ein versicherter „Rückstau“ nicht vorliegt, wenn kein Wasser aus den Leitungen kommt, sondern diese nur wegen Überlastung kein Wasser mehr aufnehmen können (Az 20 U23/17). Die Kundin musste den Schaden durch Wasser, das von der Dachterrasse ins Haus lief, selbst bezahlen.

Hinzu kommt, dass auch die Kunden Pflichten haben. Wie die Verbraucherzentralen schreiben, zahlt der Versicherer oft nur, wenn Gegenstände im Keller mindestens zwölf Zentimeter über dem Boden gelagert werden. Außerdem müssen in gefährdeten Räumen funktionierende Rückschlagklappen installiert sein, die verhindern, dass Wasser aus der Kanalisation nach oben gedrückt wird.

Einfacher ist die Situation für Autobesitzer: Hier zahlt die normale Teilkasko bei Starkregen und Überschwemmung. Allerdings kann es Probleme geben, wenn das Auto trotz Unwetterwarnung an einem gefährdeten Ort geparkt wurde.

In Zukunft dürfte die Gefahr von Starkregen und Co. zunehmen. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sieht in der seit Monaten dauernden Hitzewelle und den begleitenden Unwettern eine Bestätigung für den Klimawandel. Die Munich Re verweist ebenfalls auf Studien, nach denen „Starkniederschläge“ deutlich zunehmen werden – in den Tropen, aber auch in den gemäßigten Breiten.

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