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Studie Industrieversicherer hinken digital hinterher

Laut einer Studie macht sich in der Branche in Sachen Digitalisierung Ernüchterung breit. Experten sehen vor allem im Großkundengeschäft Defizite.
16.12.2019 - 08:00 Uhr Kommentieren
Industrieversicherer hinken digital hinterher Quelle: dpa
Löscharbeiten nach einer Explosion bei BASF im Jahr 2016

Schäden können für Industrieversicherer schnell teuer werden. Doch bei der Digitalisierung kommt die Branche nur langsam voran.

(Foto: dpa)

Frankfurt Bei den Industrieversicherern ist die große Aufbruchstimmung in Sachen Digitalisierung abgeebbt. Nach einer gemeinsamen Untersuchung der Unternehmensberatung Oliver Wyman und des Versicherungsmaklers Marsh, die dem Handelsblatt vorab vorliegt, schätzt die überwiegende Mehrheit der deutschen Industrieversicherer den eigenen Grad der Digitalisierung deutlich skeptischer ein als noch vor zwei Jahren.

2017 schätzten demnach etwa ein Drittel der Befragten ihre Digitalisierung als überdurchschnittlich ein, heute sind es lediglich rund fünf Prozent. „90 Prozent der Studienteilnehmer bewerten ihre digitalen Fähigkeiten heute als lediglich durchschnittlich“, heißt es in der Studie.

Für die Experten steckt dahinter ein wichtiger Erkenntnisprozess. Vor zwei Jahren, zum Zeitpunkt einer ersten Befragung von Wyman und Marsh, sei Digitalisierung in der Branche noch „romantisiert“ worden und mit vielen kurzfristigen Transformationshoffnungen verbunden worden. „Heute wissen die Versicherungsunternehmen jedoch, dass Digitalisierung ein andauernder Prozess ist – ein Marathon und kein Sprint“, sagt Dietmar Kottmann, Versicherungsexperte und Partner von Oliver Wyman.

Doch in diesem Marathon liegt ein Großteil der auf nationales Geschäft fokussierten Industrieversicherer in wichtigen Feldern im Vergleich zur international ausgerichteten Konkurrenz auch in den Augen der Experten derzeit erheblich zurück. So ist die deutlich skeptischere Selbsteinschätzung vieler Firmen offensichtlich wohlbegründet.

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    Die regionalen Generalisten in Deutschland müssten aufpassen, dass sie nicht den Anschluss verlieren, warnt Kottmann: „Im Vergleich zur Studie vor zwei Jahren sind die multinationalen Spezialisten inzwischen doppelt so weit bei der Schlüsselkompetenz digitale Analytik.“ Die überwiegend national tätigen Anbieter konzentrierten sich dagegen sehr viel stärker auf eine Digitalisierung von Prozessen und Infrastruktur.

    Auch Jens-Daniel Florian, Digitalexperte vom Versicherungsmakler Marsh, sieht noch Nachholbedarf. „Es geht unter dem Strich voran“, betont er. „Aber insgesamt bewegen sich die deutschen Industrieversicherer beim Thema Digitalisierung noch zu langsam.“

    Digitale Revolution verändert das Wettbewerbsfeld

    So sei die Geschwindigkeit bei der Digitalisierung in anderen Branchen im Vergleich zur Versicherungsbranche im Industriegeschäft deutlich höher. „Die Versicherer beschäftigen sich noch viel zu viel mit ihren Hausaufgaben statt mutig neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, kritisiert er. Dabei hätten gerade die deutschen Assekuranzen angesichts der Stärke der deutschen Wirtschaft eine große Chance, ihr Geschäft künftig auszubauen.

    Für die Studie wurden 20 der 25 bedeutendsten in Deutschland tätigen Industrieversicherer befragt, die Firmen und Industrieunternehmen mit einem Umsatz von über 25 Millionen Euro absichern. Die digitale Revolution verändert für die Branche das Wettbewerbsfeld inzwischen merklich. Lernende Maschinen erkennen öfter selbstständig, wann eine Wartung ansteht. Zugleich werden Produktionsausfälle durch die globalen Lieferketten immer teurer. So kämpfen viele große Industrieversicherer derzeit mit einem defizitären Geschäft.

    Nur eine Minderheit von Unternehmen gebe sich noch der Wunschvorstellung hin, alle Aspekte des Geschäftsmodells gleichermaßen digitalisieren zu können, heißt es in der Studie. Auch beim Aufwand für die Digitalisierung setzten die Firmen jetzt mehr Schwerpunkte, betont Florian, Digitalexperte von Marsh.

    Dennoch ist die Zahl der Firmen, die Digitalisierung zu ihren Top-Prioritäten zählen, innerhalb der vergangenen zwei Jahre von 90 Prozent auf heute 95 Prozent gestiegen. Vor allem bei der Analyse großer Datenmengen bauen viele Firmen ihre Kapazitäten deutlich aus. 20 Prozent der Firmen wollen in den nächsten zwei bis drei Jahren jeweils mehr als zehn Millionen Euro in die Weiterentwicklung dieser Technologie stecken.

    Für die Experten scheint die Branche damit in der Summe in der digitalen Realität angekommen zu sein. Die Hälfte der Unternehmen meint inzwischen, dass Digitalisierung ein wesentliches Element zur Differenzierung am Markt sei. Die überwältigende Mehrheit der Industrieversicherer geht allerdings davon aus, dass der Kern des Geschäfts auch in Zukunft durch Menschen bewältigt werde. Die Mitarbeiter würden künftig im Tagesgeschäft von digitaler Technologie unterstützt, aber nicht vollständig von ihr abgelöst, sagt eine überwältigende Mehrheit von 95 Prozent. Für viele Beschäftigte dürfte dies eine beruhigende Botschaft sein.

    Mehr: Die deutsche Allianz-Landesgesellschaft könnte schon bald in den Mutterkonzern integriert werden. Auch Rekordzahlen können Konzernchef Bäte nicht umstimmen.

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