Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Teure Geländewagen Neue Typklassen der Autoversicherer nehmen SUVs stärker ins Visier

Die neuen Typklassen der Versicherer haben im nächsten Jahr Konsequenzen für insgesamt elf Millionen Autofahrer – für die meisten wird es teurer.
Kommentieren
Neue Typklassen der Autoversicherer nehmen SUVs stärker ins Visier Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
BMW X5 und X6

Die Versicherungsprämie für die großen SUV ist besonders teuer.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

München Der öffentliche Aufschrei gegen die beliebten sportlichen Geländewagen – kurz SUVs genannt – ist in diesen Tagen allgegenwärtig. Zu groß, zu umweltschädlich, ein zu hohes Risiko für Unfallgegner im Schadensfall, tönt es aus allen Ecken. Nun kommt ein weiteres abschreckendes Detail dazu: Die Versicherungsprämien speziell für diese Fahrzeugklasse werden im kommenden Jahr stärker steigen als für Limousinen oder Kleinfahrzeuge.

Das geht aus der neuen Typklassenstatistik hervor, die der Branchenverband GDV am Dienstag präsentiert hat. Dabei sehen sich die Versicherer die Schäden an, die sich in den vorangegangenen drei Jahren mit den jeweiligen Fahrzeugen ereignet haben. Rund 30.000 Modelle und deren Schadensbilanzen werden durchforstet. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ereignen sich mit einem Modell nur geringe Schäden bei überschaubaren Reparaturkosten, dann landet es in einer niedrigen Typklasse, bei umgekehrtem Verlauf in einer höheren.

Dabei ist zwischen der Haftpflicht, der Teilkasko- und der Vollkaskoversicherung zu unterscheiden. Bei der normalen Haftpflicht, die bei einem vom Versicherungsnehmer verursachten Schaden nur den Schaden des Unfallgegners übernimmt, gibt es 16 Typklassen, von 10 (sehr günstig) bis 25 (sehr teuer).

Bei der Teilkasko, die zudem für Diebstahl, Glasschaden oder Wildunfall aufkommt, sind es 24 Typklassen, von 10 bis 33. Und bei der Vollkasko, die für eigene und fremde Schäden haftet, erreicht die Spannbreite 25 Typklassen, von 10 bis 34. Die Einordnung eines Modells in eine Typklasse ist für die Versicherer zwar nicht bindend, die meisten in der Branche halten sich jedoch an die Vorlage des Verbands.

Neben der Typklasse ist die Regionalklasse das zweite wichtige Kriterium für die Prämie. Wer in einer Gegend mit hohen Schäden wohnt, zahlt ebenfalls mehr. Darauf hat ein Fahrzeughalter jedoch kaum Einfluss. So weit die Theorie. In der Praxis ändert sich dadurch im kommenden Jahr für die Halter von rund elf Millionen der insgesamt über 40 Millionen zugelassenen Autos im Land etwas an den Versicherungsbeiträgen. Für etwa 4,6 Millionen wird es günstiger, dagegen für 6,5 Millionen teurer.

Das gilt besonders für SUVs, sind diese teuren Fahrzeuge doch in der Regel finanziert oder geleast. Dafür verlangen die Autobanken dann eine Vollkaskoversicherung, bei der auch der Wert des Fahrzeugs eine erhebliche Rolle in der Ermittlung der Prämie spielt. Entsprechend wird es laut GDV für Besitzer eines Lexus RX450H oder eines BMW X6M besonders teuer. Halter dieser außergewöhnlichen Modelle – eine Mischung aus SUV und Coupé – berichteten bereits im Vorjahr, dass bei ihnen die Prämie für Haftpflicht und Vollkasko von rund 1600 Euro auf satte 4000 Euro pro Jahr angezogen habe.

Autodiebe lieben SUVs

An der Tendenz nach oben dürfte sich bei den SUVs von BMW in Zukunft nichts ändern. Das liegt auch daran, dass sie sich bei Autodieben weiter einer hohen Beliebtheit erfreuen. Auch das wirkt sich auf die Prämien aus. „Der BMW X5 gehört wegen hoher Diebstahl- und Aufbruchzahlen zu den teuersten Modellen in der Kfz-Versicherung“, beobachtet Michael Pickel, Chef der im Kfz-Gewerbe starken E+S Rückversicherung.

Hinzu kommen die seit Jahren deutlich steigenden Ersatzteilpreise und Lohnkosten, die beispielsweise der Marktführer Huk-Coburg beklagt. Da anders als früher inzwischen selbst in einfachen Bauteilen wie Frontscheiben oder Blinkern jede Menge Elektronik steckt, haben die Preise hier in den vergangenen Jahren rapide angezogen.

Nach einer Auswertung des Vergleichsportals Check 24, die sich anhand eines Modellbeispiels auf Haftpflichtprämien von 300 Modellen im kommenden Jahr bezieht, befinden sich unter den Top Five vier besonders große SUVs, darunter der Audi A7 3.0 TDI Quattro, die BMWs X5 und X6 in den Varianten Sd und D sowie der Mercedes ML 270 CDI 4MATIC.

An erster Stelle steht jedoch mit dem Kia Carnival 2,9 CRDi kein SUV, sondern ein Großraum-Van. „Die Typklassen spiegeln unter anderen die Unfallbilanzen der Automodelle sowie die Reparaturkosten für geschädigte Unfallgegner wider“, betont Tobias Stuber, Geschäftsführer Kfz-Versicherung bei Check 24. So kommt es, dass der Kia im Beispiel rund 100 Euro mehr an Haftpflicht pro Jahr kostet als der Mercedes ML.

Umgekehrt können sich Fahrer von kleineren Modellen im kommenden Jahr häufig über sinkende Prämien freuen. Besonders deutlich macht sich das nach GDV-Berechnungen bei Autos wie dem VW T-Roc 1,5 TSI und dem Kia Stonic 1,2 bemerkbar, die beide in der Haftpflicht um gleich vier Typklassen nach unten rutschen. Beim Honda Jazz Hybrid sind es drei Klassen, beim Skoda Octavia 1,2 TSI immerhin noch zwei. Bei den meisten betroffenen Modellen ändert sich indes nur eine Typklasse nach oben oder nach unten.

Auch in der Kaskoversicherung können sich vor allem Halter von kleineren Modellen über niedrige Typklassen und damit günstige Beiträge freuen. Beispiele dafür sind der elektrisch betriebene Smart Forfour ED oder der Suzuki Ignis 1,2. Die generelle Tendenz schaut hier jedoch anders aus. „Gerade in der Vollkasko haben die Preise zuletzt überdurchschnittlich angezogen“, weiß Pickel von E+S. Wer genau wissen will, was sich bei seinem eigenen Auto ändert, der kann sich im Internet unter
www.typklasse.de informieren.

Hohe Prämien für Camper

Allerdings sind die Versicherer äußerst geschickt darin, Trends im Kfz-Markt zu ihren Gunsten auszunutzen. Zugute kommt ihnen dabei, dass die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge im Land seit Jahren ansteigt. Der Zweitwagen gehört inzwischen in vielen Familien zum Standard, der Trend geht seit geraumer Zeit sogar zum Drittwagen.

Besonders Wohnmobile erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Laut Kraftfahrt-Bundesamt ist die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in diesem Jahr noch einmal rasant gestiegen. 532.687 Fahrzeuge lassen sich in der neuesten Auswertung der Flensburger Behörde finden, ein Rekord. Im vergangenen Jahr waren es noch knapp 487.000, ein Plus von fast zehn Prozent binnen eines Jahres. Noch zu Beginn dieses Jahrzehnts standen an dieser Stelle nur 330.000 Fahrzeuge.

Für die Versicherer sind die vielen neuen Freizeitmobile und speziell die beliebten Camper eine willkommene Nische, in der sich gutes Geld verdienen lässt – sind die Prämien hier doch signifikant höher als bei herkömmlichen Pkws. „Eine Vollkaskoversicherung kann hier bei der Jahresprämie schnell in Richtung 2000 Euro gehen“, nennt Pickel teure Details des Freizeittrends.

Spannend dürfte in den kommenden Jahren die Entwicklung bei der wachsenden Zahl von Elektroautos werden. Im Moment sind diese dank geringer Unfallschäden und nur weniger Diebstähle relativ günstig in der Versicherung. Im Ranking von Check 24 unter 300 Modellen steht der BMW i3 bei den Haftpflichtprämien im Moment noch auf Rang 268, der Renault ZOE gar auf Platz 290. Das muss allerdings nicht für alle Zeit so bleiben. Schon jetzt weisen Experten auf neue Gefahren bei Elektroautos hin, beispielsweise einem möglichen Brand der Batterie.

Mehr: Die SPD positioniert sich in der SUV-Debatte. Führende Sozialdemokraten wollen die Fahrzeuge teurer machen – und sie aus den Innenstädten verbannen.

Startseite

0 Kommentare zu "Teure Geländewagen: Neue Typklassen der Autoversicherer nehmen SUVs stärker ins Visier"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote