Schlüssel adé

Der klassische Schlüssel könnte unter Umständen bald ausgedient haben, wenn virtuellen Auf- und Zuschließen via Smartphones Einzug in den deutschen Automarkt erhält.

(Foto: dpa)

Tool der Woche Smartphone ersetzt Autoschlüssel – das sind die Folgen für Versicherer

Auto auf, Motor an – das wird bald mit dem Smartphone möglich sein. Auf welche Änderungen sich Versicherte und Versicherer gefasst machen müssen.
Kommentieren

MünchenVia Smartphone können mittlerweile Dinge erledigt werden, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren: Schnell die Finanzen checken, einen Flug buchen und eine App reguliert automatisch die Heizung. Der Autohersteller Mercedes hat als erster der Branche noch eine weitere Möglichkeit im Angebot, die technikaffine Kunden beim Autokauf wählen können: Eine App für das Smartphone ersetzt den klassischen Autoschlüssel.

In der Branche gilt es als ausgemachte Sache, dass diese Variante in Zukunft auch von anderen Autobauern angeboten wird. Häufig ist es so, dass die Konkurrenz unmittelbar folgt, sobald ein Premiumhersteller Neuerung auf den Markt bringt. Dann erreicht es den Massenmarkt mit allen Konsequenzen – vor allem für die Versicherer.

Der sogenannte „Virtuelle Autoschlüssel“ ist für den Nutzer nicht nur bequem. Er kann auch allen Familienmitgliedern aufs Smartphone gespielt werden. Bisher gab es für jedes Auto in der Regel zwei Schlüssel. Wer einen weiteren wollte, wurde je nach Hersteller teuer zur Kasse gebeten. Selbst beim Kleinwagen Renault Clio müssen Kunden laut der „Autozeitung“ 172 Euro zahlen.

Besonders bei Firmenfahrzeugen, die regelmäßig von vielen verschiedenen Mitarbeitern genutzt werden, wirkt sich die Nutzung per Smartphone erheblich erleichternd aus. Erst recht für Autoverleiher, die den Kunden eine temporäre Nutzung aufs Handy spielen könnten und so die aufwändige Schlüsselverwaltung endlich los wären. Einen Enteiser für das eingefrorene Türschloss im Winter bräuchte es dann auch nicht mehr.

Handelsblatt-Tools:

Dienstwagenrechner: So wirkt sich der Firmenwagen auf Ihr Gehalt aus

Wann und wie sich ein Leasing-Fahrzeug lohnt – und wann nicht

Wer ein Fahrzeug mit Smartphone-Zugang hält, muss allerdings besonders beim Versicherungsschutz auf viele Details achten. Die technische Neuerung hat auf der Haftungsseite und damit für die Kfz-Versicherer erhebliche Konsequenzen, beispielsweise bei einem Diebstahl. Künftig werden wichtige Autorisierungen digital erledigt. Die Zeit, als ein Fahrzeug ein abgeschlossener Kreislauf war, der Hackern keinen Zugang bot, ist damit endgültig vorbei.

Die Hersteller selbst loben zwar die Sicherheit der so genannten „Nearfield Communication“-Systeme, die das Öffnen der Tür nur aus wenigen Zentimeter Entfernung möglich machen. Das sei sogar sicherer als die bisherigen Systeme, heißt es.

Bislang musste der Halter aber den vollständigen Schlüsselsatz als Beleg für das geknackte Auto vorlegen. So soll es auch beim virtuellen Autoschlüssel sein. Die Handys werden nicht an den Versicherer geschickt, der Fahrzeughalter muss jedoch jeden Berechtigten nennen, der zum Zeitpunkt des Diebstahls einen virtuellen Zugang zum Auto hatte. Zudem muss er nachweisen, dass er allen potentiellen Nutzern in der Folge die Berechtigung für den Zugang zum Auto entzogen hat.

Dass das in der Praxis alles andere als einfach sein wird, lässt sich erahnen. Die Versicherer, die in solchen Fälle nicht als Buhmänner vor ihren Kunden dastehen wollen, gehen daher in die Offensive. „Die neue Lösung ist so relevant, dass es jetzt schon mal Sinn ergibt, sich damit zu befassen“, sagt Jochen Haug, Vorstand für den Bereich Schaden bei der Allianz Versicherungs AG.

Sein Haus, das speziell für die Forschung am Auto im Münchener Vorort Ismaning seit Jahrzehnten das Allianz Zentrum für Technik (AZT) unterhält, hat einen Zehn-Punkte-Katalog ausgearbeitet. Damit sollen verbindliche Standards in diesem noch frischen Feld geschaffen werden.

Das Kernthema: Die Datensicherheit muss garantiert und der virtuelle Schlüssel nicht kopierbar sein. Allein der Halter soll entscheiden können, wer letztlich dazu berechtigt ist, das Fahrzeug zu nutzen. Auch soll eine unkontrollierbare Weitergabe von Berechtigungen verhindert werden. Die Allianz fordert deswegen zur praktischen Überprüfung auch, dass ein System protokolliert, wer zu welchem Zeitpunkt das Auto gefahren hat.

Wie sich die neue Technik im Detail auf die Versicherungsprämien der Kunden auswirkt, ist heute schwer abzuschätzen.

Klar ist: Der individuelle Zuschnitt auf den einzelnen Kunden ist um eine weitere Variante reicher. Bereits heute setzt sich die Prämie aus bis zu 50 Kriterien zusammen, unter anderem die Zahl der Nutzer und deren Lebensleistung, die jährliche Fahrleistung oder die Verfügbarkeit einer Garage.

Die stetig steigende Individualisierung – und dazu gehört künftig auch der virtuelle Autoschlüssel – bedeutet für den Autobesitzer vor allem eines: Er muss sich zuallererst sehr intensiv mit seinem eigenen Nutzerverhalten, seinen Bedürfnissen und den Details beschäftigen, bei denen er für sich erhöhtes Gefahrenpotenzial sieht.

Häufig ändern sich Lebensumstände, die die Prämie beeinflussen – es lohnt sich daher, regelmäßig einen Blick in die Bestimmungen der Police zu werfen. Der Kfz-Versicherungsvergleich des Handelsblatts hilft Autofahrern dabei, den individuell passenden und günstigen Tarif zu finden.

Startseite

0 Kommentare zu "Tool der Woche: Smartphone ersetzt Autoschlüssel – das sind die Folgen für Versicherer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%