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Unfallopfer gegen Neinsager Wenn Versicherungen nicht zahlen

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These 1: „Am Vorwurf ist nichts dran.“
Versicherungsmanager Norbert Rollinger repräsentiert im Branchenverband GDV die Unfall- und Schadenversicherer. Er hat für McKinsey, Axa und Generali gearbeitet. Derzeit ist er bei der R+V.

Versicherungsmanager Norbert Rollinger repräsentiert im Branchenverband GDV die Unfall- und Schadenversicherer. Er hat für McKinsey, Axa und Generali gearbeitet. Derzeit ist er bei der R+V.

Der Branchenverband veröffentlichte ein Interview, in dem sich der Versicherungsmanager Rollinger zur Regulierung der Branche äußert. Die erste Frage lautete: Was sagen Sie zu dem Vorwurf, die deutschen Versicherer würden Zahlungen an ihre Kunden verzögern oder verweigern? „Da ist nichts dran“, antwortet der Manager, der bei der R+V-Gruppe arbeitet. „Schadenregulierung ist unsere Kernleistung, da wollen wir glänzen, da wollen wir im Wettbewerb unser Bestes geben.“

Das sehen Anwälte, die viele Fälle in diesem Bereich vertreten, ganz anders. So stellt der bekannte Opferanwalt Jürgen Hennemann fest: „Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass das seit vielen Jahren spartenübergreifend betriebene, sogenannte Schadenmanagement im Kern auch darauf abzielt, selbst begründete Entschädigungsansprüche systematisch zu verweigern oder zumindest nach Kräften zu verschleppen.“

Die Fachanwältin Beatrix Hüller, die auf das Thema Berufsunfähigkeit spezialisiert ist, urteilt ähnlich. „Meine jahrzehntelange Erfahrung und gerade die Praxis der Versicherer in den letzten Monaten zeigen, wie restriktiv die Versicherer leisten und wie lange es dauert, bis ein Versicherter überhaupt an die Berufsunfähigkeitsrenten kommt.“

Die Vertreter von Opferschützern schätzen die Lage ebenfalls anders ein. Der Verein Subvenio macht bereits seit 2009 darauf aufmerksam, dass es im Bereich der Regulierung von Personenschäden erhebliche Defizite gebe. Dem Gesetzgeber sei schon 2012 ein entsprechender Reformvorschlag mit konkreter Handlungsempfehlung überreicht worden.

Im September 2013 habe dann eine Anhörung im Justizministerium stattgefunden. Das Ergebnis: Die mangelhafte Regulierung von Personenschäden sei in etlichen Fällen nicht von der Hand zu weisen und müsse daher deutlich verbessert werden. Die Opferschützer verstehen dies als deutliches Zeichen, dass ihre „Botschaft“ angekommen ist.

Das allerdings sehen die Versicherer ganz anders. Deren Fazit nach der Anhörung lautete so: Die Umfrage des Justizministeriums habe die Vorwürfe entkräftet: „Es werden keine systematischen Verzögerungen gesehen.“  Selbst in den wenigen strittigen Fällen würden fast immer Wege gefunden, die den Belangen aller Beteiligten gerecht werden, stellte Rollinger damals fest.

Fazit: Die grundsätzlichen Positionen beider Seiten bleiben unvereinbar.

 

Finance Briefing
These 2: „Die Hochwasserkatastrophe ist ein gutes Beispiel.“
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17 Kommentare zu "Unfallopfer gegen Neinsager: Wenn Versicherungen nicht zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo,
    habe selbst erlebt wie meine Versicherung die Standard Life sich jahrelang geweigert hat geweigert hat eine Berufsunfähigkeitsleistung zu erbringen:

    Das letzte was ich von Standard Life (Leiter der Leistungsprüfung) gehört habe war die Aussage: Nur weil die staatliche Rentenversicherung bei einem Akademiker die vollständige Erwerbsunfähigkeit anerkannt hat bedeutet dies für Standard Life noch nicht, dass dieser berufsunfähig ist! Wir sehen daher keinen Grund für weitere Gespräche.

    Vor Gericht begann Standard Life, vertreten durch die Ehefrau des leitenden Leistungsprüfers, eine Schlammschlacht die nur haarscharf an Beleidigung und Verleumdung vorbei ging: Angebliche berufliche Probleme wurden behauptet ohne dass Details oder Zeugen benannt werden konnten…

    Nach 10 Jahren hat Standard Life mit dem Urteil wenige Monate Zahlungen einsparen können aber immense Gerichts- und Anwaltskosten produziert und dem Kunden jahrelang das Leben zur Hölle gemacht.

    Alles laut Standard Life nur im Interesse der Versichertengemeinschaft um unberechtigte Ansprüche abzuwehren!

  • Ominöse Strukturen und Handlungsanweisungen prägen das Geschäft. Die Lobbyisten sind gut positioniert. Man hat auch mal die Anwälte befragt- es gibt mehr Verschleppung
    und ein kurioses Rechtsverständnis. Kostspielige Schäden werden mit allen Mitteln, möglichst gar nicht ausgezahlt. Das System kämpft gar nicht so gegen sein eigenes Image, da die "harten Fälle" nur eine prozentuale Minderheit sind. Es gibt weniger als eine Handvoll Urteile die der offensichtlichen verzögerten Schadensregulierung Rechnung tragen. Wer keine Rechtsschutzversicherung und einen guten Gesundheitszustand vorweisen kann, hat schon verloren. Wer sein Recht auch bekommen will, muss einen jahrelangen Rechtsstreit in Kauf nehmen.
    Ich spreche aus eigener Erfahrung und könnte ein Buch darüber schreiben.
    Ein Trost bleibt aber-beschissen wird man heute (fast) überall

  • Aktuell ist der Fall sehr interessant.

    Der erstbehandelnde D-Arzt hat auf die Frage, ob er Ausschlussuntersuchungen durchgeführt habe, geantwortet, dass man die BG befragen solle. Er sei durch Auflagen des Datenschutzes gebunden. Die BG hat in ähnlichem Zusammenhang dagegen angegeben, dass keine neuen Erkenntnisse vorgetragen würden.

    Aktuell geht es daher um einen Gerichtsbeschluss zur Beweislastumkehr.

    Eines ist schon jetzt erdrückend nachweisbar, dass Arztbriefe nicht ausschließlich den Befund dokumentieren. D.h. Nichts anderes, dass Arztbriefe keine Glaubwürdigkeit aufgrund anderweitiger Regelungen mit der Versicherung genießen, genießen können. Es geht sogar soweit, dass ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, dass selbst das Bundesversicherungsamt in einem Fall darauf drängte, eigene "Wortspielereien" zu Lasten des Versicherten bei der Versicherung durchzudrücken.

    Da tut sich ein Sumpf auf, um den sich die Politik kümmern sollte.

  • Die ganze Frustschreierei täuscht nur über die Wirklichkeit hinweg...die 80 % zufriedenen Kunden hört niemand..die sitzen nämlich einfach ruhig zuhause auf der Couch..es sind immer nur die 20 % wo es Probleme gibt und über die man sich dann das Maul zerreist...ich bin zufrieden und sitz auf der Couch:-)

  • Aus eigener Erfahrung -
    Häufiger Vortrag bar jeder rechtlichen Relevanz:
    Mitverschulden schon bei Kleinstkindern;
    Verschleppung über Bestreiten selbst eigener eingeholter Gutachten;
    Irreführung;
    Zahlungsankündigungen als Methode usw. usw.

  • Auffällig bei vielen Versicherern ist auch Folgendes:
    Fax-Nummern, unter denen Versicherer zu erreichen sind, sind auf deren Internetseiten oft extrem schwer auffindbar, manchmal funktioniert die Faxübersendung auch gar nicht.

    Grund: Versicherer wollen keine duch Fax-Sendeprotokoll beweisbar zugegangenen Schreiben erhalten, sondern setzen lieber auf E-Mails und Briefe. Das ermöglicht ein späteres Bestreiten des Zugangs.

  • Ich hab noch NIE von irgendjemanden gehört, dass ein Schaden schnell abgewickelt wurde. Bei allem Scheiss wird immer rumgedruckst und verzögert, dass nimmer besser geht. Beamte sind ja noch flink gegen die Versicherungsheinis.
    Wenn man sich dann noch auf der Zunge zergehen lässt, dass es ja noch Versicherungspflicht gibt. Also auf gut-deutsch, des Geld is sowieso weg, du kannst dir nur aussuchen aus welchem Fenster du's schmeisst...
    Dann auch noch den Leuten einzureden, dass sie dadurch nen gewissen 'Schutz' haben is für mich zumindest Vorsatz zur Körperverletzung, evtl mit Todesfolge.
    Und das in Millionen von Fällen.

    Es muss einfach die gesetzliche Krankenversicherung abgeschafft werden, damit die Gauner mal echt wirtschaftlich hantieren müssen und sich mit sowas wie Kundenzufriedenheit befassen

  • Hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Versicherer ist mit den Zahlungen in Verzug um diese erst in die Bilanz des neuen Jahres übernehmen zu müssen. Die Säumigkeit begründet der Sachbearbeiter dann damit, dass man mit einem über Weihnachten versendeten Brief noch eine UNterlage angefordert habe. Zuvor aber konnte der Versicherer den schnellen Weg der Korrespondenz über ein Fax gehen. Nur das irgendie verlorene Postschreiben (evtl. auch gar nicht abgesendet)will der Versicherer per Post übermittelt hben.

  • Geht es Ihnen aber gut.

    Ich hatte vor 15 Jahren einen bereits anerkannten Arbeitsunfall und die BG zahlt immer noch nicht.

  • Da irren Sie. Versicherungen haben bereits beim ersten Schadensfall ein außerordentliches Kündigungsrecht.

    Gehen Sie davon aus, dass ihnen bei 95 % aller Versicherer dieses Glück schon vorher beschieden gewesen wäre.

    Die Verragsbedingungen und letztlich auch die gesetzlichen Regelungen sind so abgefasst, dass Sie zur Beitragspflichtig immer verpflichtet sind, die Leistung im Schadensfall kann dagegen sogar seitens der BaFin untersagt werden.

    Ich habe mehrmals schon angeregt, die BaFin dem Verbraucherschutzministerium zu unterstellen, damit endlich dieser Lobbyismus aufhört.

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