Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Unfallopfer gegen Neinsager Wenn Versicherungen nicht zahlen

Seite 4 von 10:
These 3: „500 Millionen Euro pro Tag leistet die Branche.“
Jana Meister arbeitet als Anwältin in Berlin. Fotoquelle: Screenshot der Internetseite

Jana Meister arbeitet als Anwältin in Berlin. Fotoquelle: Screenshot der Internetseite

Die Versicherer verweisen in der Debatte gerne darauf, wie viele Kunden sie mit Geld beglücken und welch gewaltige Summen sie auszahlen, wenn Schäden entstanden sind. „Wir reden immerhin von 23 Millionen Schadenfällen, die die deutsche Versicherungswirtschaft im Jahr reguliert“, stellte Rollinger fest. „Jeder dritte erwachsene Bürger ist immerhin privat oder beruflich mit einem Schadenfall betroffen, 500 Millionen Euro pro Tag werden von der Versicherungswirtschaft geleistet.“

Diese Zahlen beeindrucken die Opferschützer dagegen überhaupt nicht. Sie halten solche Geldströme für wenig aussagekräftig. Dadurch werde nur das eigentliche Problem verschleiert. Denn in diesen gewaltigen Zahlen gehen die Schicksale und die Menschen unter, um die es ihnen geht und für die sie Verbesserungen erreichen wollen.

„Die Masse der Fälle sind kleine Fische mit geringen Regulierungssummen, wie kaputte Autos oder Glasscheiben“, stellt Michael Bittner vom Unfallopfer-Hilfswerk daher auch fest. Bei einem Unfall mit Querschnittslähmung und Einzelschäden über 100.000 Euro sehe das Verhalten der Versicherer ganz anders aus.

Kleine Schäden würden zudem schnell beglichen, auch weil eine aufwändige Prüfung für den Versicherer oft teurer sein dürfte als die Regulierung, stellt die Rechtsanwältin Jana Meister fest. Wenn es jedoch um große Summen gehe, versuchten die Versicherer, alle Register zu ziehen, um nicht leisten zu müssen.

Nach der Erfahrung von Rechtsanwalt Hennemann ist kaum etwas weniger aussagekräftig als die von Versicherern zu ihren angeblichen Regulierungsverhalten aufgestellte Statistiken. Die Branche werde nicht müde, die Legende von einem angeblichen Millionenheer ausnahmslos zufriedener Versicherungsnehmer und Geschädigter aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln.

Fazit: Die Zahlen der Versicherungsbranche sind beeindruckend. Sie belegen deren wirtschaftliche Macht. Sie tragen jedoch nichts zur Lösung des Problems bei, um das es den Opferschützern geht. Der Punkt geht daher erneut an Anwälte und Berater.

 

Finance Briefing
These 4: „Ein komplizierter Schaden kann natürlich länger dauern.“
Seite 12345678910Alles auf einer Seite anzeigen

17 Kommentare zu "Unfallopfer gegen Neinsager: Wenn Versicherungen nicht zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Hallo,
    habe selbst erlebt wie meine Versicherung die Standard Life sich jahrelang geweigert hat geweigert hat eine Berufsunfähigkeitsleistung zu erbringen:

    Das letzte was ich von Standard Life (Leiter der Leistungsprüfung) gehört habe war die Aussage: Nur weil die staatliche Rentenversicherung bei einem Akademiker die vollständige Erwerbsunfähigkeit anerkannt hat bedeutet dies für Standard Life noch nicht, dass dieser berufsunfähig ist! Wir sehen daher keinen Grund für weitere Gespräche.

    Vor Gericht begann Standard Life, vertreten durch die Ehefrau des leitenden Leistungsprüfers, eine Schlammschlacht die nur haarscharf an Beleidigung und Verleumdung vorbei ging: Angebliche berufliche Probleme wurden behauptet ohne dass Details oder Zeugen benannt werden konnten…

    Nach 10 Jahren hat Standard Life mit dem Urteil wenige Monate Zahlungen einsparen können aber immense Gerichts- und Anwaltskosten produziert und dem Kunden jahrelang das Leben zur Hölle gemacht.

    Alles laut Standard Life nur im Interesse der Versichertengemeinschaft um unberechtigte Ansprüche abzuwehren!

  • Ominöse Strukturen und Handlungsanweisungen prägen das Geschäft. Die Lobbyisten sind gut positioniert. Man hat auch mal die Anwälte befragt- es gibt mehr Verschleppung
    und ein kurioses Rechtsverständnis. Kostspielige Schäden werden mit allen Mitteln, möglichst gar nicht ausgezahlt. Das System kämpft gar nicht so gegen sein eigenes Image, da die "harten Fälle" nur eine prozentuale Minderheit sind. Es gibt weniger als eine Handvoll Urteile die der offensichtlichen verzögerten Schadensregulierung Rechnung tragen. Wer keine Rechtsschutzversicherung und einen guten Gesundheitszustand vorweisen kann, hat schon verloren. Wer sein Recht auch bekommen will, muss einen jahrelangen Rechtsstreit in Kauf nehmen.
    Ich spreche aus eigener Erfahrung und könnte ein Buch darüber schreiben.
    Ein Trost bleibt aber-beschissen wird man heute (fast) überall

  • Aktuell ist der Fall sehr interessant.

    Der erstbehandelnde D-Arzt hat auf die Frage, ob er Ausschlussuntersuchungen durchgeführt habe, geantwortet, dass man die BG befragen solle. Er sei durch Auflagen des Datenschutzes gebunden. Die BG hat in ähnlichem Zusammenhang dagegen angegeben, dass keine neuen Erkenntnisse vorgetragen würden.

    Aktuell geht es daher um einen Gerichtsbeschluss zur Beweislastumkehr.

    Eines ist schon jetzt erdrückend nachweisbar, dass Arztbriefe nicht ausschließlich den Befund dokumentieren. D.h. Nichts anderes, dass Arztbriefe keine Glaubwürdigkeit aufgrund anderweitiger Regelungen mit der Versicherung genießen, genießen können. Es geht sogar soweit, dass ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, dass selbst das Bundesversicherungsamt in einem Fall darauf drängte, eigene "Wortspielereien" zu Lasten des Versicherten bei der Versicherung durchzudrücken.

    Da tut sich ein Sumpf auf, um den sich die Politik kümmern sollte.

  • Die ganze Frustschreierei täuscht nur über die Wirklichkeit hinweg...die 80 % zufriedenen Kunden hört niemand..die sitzen nämlich einfach ruhig zuhause auf der Couch..es sind immer nur die 20 % wo es Probleme gibt und über die man sich dann das Maul zerreist...ich bin zufrieden und sitz auf der Couch:-)

  • Aus eigener Erfahrung -
    Häufiger Vortrag bar jeder rechtlichen Relevanz:
    Mitverschulden schon bei Kleinstkindern;
    Verschleppung über Bestreiten selbst eigener eingeholter Gutachten;
    Irreführung;
    Zahlungsankündigungen als Methode usw. usw.

  • Auffällig bei vielen Versicherern ist auch Folgendes:
    Fax-Nummern, unter denen Versicherer zu erreichen sind, sind auf deren Internetseiten oft extrem schwer auffindbar, manchmal funktioniert die Faxübersendung auch gar nicht.

    Grund: Versicherer wollen keine duch Fax-Sendeprotokoll beweisbar zugegangenen Schreiben erhalten, sondern setzen lieber auf E-Mails und Briefe. Das ermöglicht ein späteres Bestreiten des Zugangs.

  • Ich hab noch NIE von irgendjemanden gehört, dass ein Schaden schnell abgewickelt wurde. Bei allem Scheiss wird immer rumgedruckst und verzögert, dass nimmer besser geht. Beamte sind ja noch flink gegen die Versicherungsheinis.
    Wenn man sich dann noch auf der Zunge zergehen lässt, dass es ja noch Versicherungspflicht gibt. Also auf gut-deutsch, des Geld is sowieso weg, du kannst dir nur aussuchen aus welchem Fenster du's schmeisst...
    Dann auch noch den Leuten einzureden, dass sie dadurch nen gewissen 'Schutz' haben is für mich zumindest Vorsatz zur Körperverletzung, evtl mit Todesfolge.
    Und das in Millionen von Fällen.

    Es muss einfach die gesetzliche Krankenversicherung abgeschafft werden, damit die Gauner mal echt wirtschaftlich hantieren müssen und sich mit sowas wie Kundenzufriedenheit befassen

  • Hier ein Beispiel aus der Praxis: Ein Versicherer ist mit den Zahlungen in Verzug um diese erst in die Bilanz des neuen Jahres übernehmen zu müssen. Die Säumigkeit begründet der Sachbearbeiter dann damit, dass man mit einem über Weihnachten versendeten Brief noch eine UNterlage angefordert habe. Zuvor aber konnte der Versicherer den schnellen Weg der Korrespondenz über ein Fax gehen. Nur das irgendie verlorene Postschreiben (evtl. auch gar nicht abgesendet)will der Versicherer per Post übermittelt hben.

  • Geht es Ihnen aber gut.

    Ich hatte vor 15 Jahren einen bereits anerkannten Arbeitsunfall und die BG zahlt immer noch nicht.

  • Da irren Sie. Versicherungen haben bereits beim ersten Schadensfall ein außerordentliches Kündigungsrecht.

    Gehen Sie davon aus, dass ihnen bei 95 % aller Versicherer dieses Glück schon vorher beschieden gewesen wäre.

    Die Verragsbedingungen und letztlich auch die gesetzlichen Regelungen sind so abgefasst, dass Sie zur Beitragspflichtig immer verpflichtet sind, die Leistung im Schadensfall kann dagegen sogar seitens der BaFin untersagt werden.

    Ich habe mehrmals schon angeregt, die BaFin dem Verbraucherschutzministerium zu unterstellen, damit endlich dieser Lobbyismus aufhört.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote