Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Unfallopfer kontra Versicherer Wo die Justizministerin nachbohren sollte

Seite 2 von 4:
Wie viele Anträge lehnen die Versicherer wirklich ab?
Professor Dr. Hans-Peter Schwintowski lehrt in Berlin.

Professor Dr. Hans-Peter Schwintowski lehrt in Berlin.

Wenn die Justizministerin der Branche und ihren Unternehmen nur die richtigen Fragen stelle und zudem neue Daten einfordere, könnte die Behörde weit mehr als bisher entdecken, glaubt Schwintowski, der in Berlin an der Humboldt-Universität bürgerliches Recht lehrt. Eine seiner Forderungen an die Versicherungsbranche und die Politik lautet: Die tatsächliche Ablehnungsquote offen legen.

Es geht hier um die Zahl der Anträge, die vor Gericht wandern. Die Versicherungswirtschaft hat solche Prozessquoten bestätigt. In der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es danach nur in einem sehr geringen Anteil aller Leistungsanträge zu gerichtlichen Auseinandersetzungen: Zwei Prozent aller Anträge auf Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung mündeten in eine gerichtliche Auseinandersetzung, so der GDV.

Dabei urteilten die Gerichte in 15 Prozent dieser Fälle entgegen der Leistungsentscheidung des Versicherers. Das bedeute: Bei 1000 Leistungsanträgen komme es im Durchschnitt in 20 Fällen zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Dabei werde in durchschnittlich drei Fällen gegen den Versicherer geurteilt. In den übrigen Fällen gewann das Unternehmen, oder es wurde ein Vergleich geschlossen.  

Diese Daten seien bisher nur unter der Hand bekannt gewesen, stellt Schwintowski fest. Insbesondere die Quote in der Berufsunfähigkeitsversicherung sei interessant. Er sieht einen Gegensatz zwischen der offiziell mitgeteilten Zahl von zwei Prozent und brancheninternen Berichten. Danach lehnten gute Versicherer etwa 30 Prozent der beantragten Leistungen ab. Bei schlechten Versicherern sollen es sogar rund 60 Prozent sein.

Schwintowski schließt daraus: Nur sehr wenige Betroffene, deren Anträge abgelehnt werden, führten überhaupt einen Prozess. Das heiße: „Die Versicherer können gerade in der (teuren) Berufsunfähigkeitsversicherung damit rechnen, dass der größte Teil der Leistungsablehnungen akzeptiert wird.“

Nicht nur das, folgert der Wissenschaftler. Die weitere Folge sei: Die „schlechten“ Versicherer brauchten mit Prozessen kaum zu rechnen. „Sie können Leistungen ablehnen, und zwar auch dann, wenn die Ablehnung unberechtigt ist.“ Wenn man das wisse, könne man andererseits auch das Neugeschäft ankurbeln. Denn wer wenig leisten muss, kann seine Prämien niedrig halten und daher viele Kunden in sein Unternehmen locken.

Finance Briefing
Wie viel Raum für Missbrauch gibt es?
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Unfallopfer kontra Versicherer - Wo die Justizministerin nachbohren sollte

26 Kommentare zu "Unfallopfer kontra Versicherer: Wo die Justizministerin nachbohren sollte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solange das Gesetz ,Gutachter zulässt die Daten vertauschen Manipulieren Proffesoren, Gutachten unterschreiben ohne begutachtet zu haben Anamesen falschwiedergegeben werden usw ,wird sich nichts ändern ,die gleichen Gutachter die von den Versicherungen beauftragt sind werden dann im Klageverfahren vom Gericht beauftragt ,ein Gutachter der 400000 bis 1250000 Euro pro Jahr an solchen Gutachten verdient wird bestimm nicht gegen seinen Brötchengeber schreiben ,man kämpft gegen Windmühlen ,wir kämpfen jetzt seit drei Jahren ein Ende ist nicht in Sicht ,mein Mann hat ein Schädel -Hirn -Trauma er ist von der LVA komplett Erwerbsunfähig geschrieben ,die private BUV sieht das ganz anders ,8 Gutachten wurden von der Versicherung in Auftrag gegeben nur um meinem Mann Agravation und Simmulation vorzuwefen ,nicht ein Gutachten entspricht den Tatsachen ,unsere Anwältin hat dem Gericht mitgeteilt wie unseriös die Gutachten erstell wurden ,keine Antwort vom Gericht es ist Betrug aber das interessiert niemanden ,man wird schikaniert und Menschenunwürdig behandelt ,das geschieht alles nur damit man aufgibt ,Menschen die krank sind werden behandelt wie Kriminelle ,das alles ist bekannt ,wie kann sich da ein Politiker hinstzen und sagen das stimmt nicht .Unfassbar man verliert alles seine gesamte Existenz,und der Staat verdient sich eine goldene Nase .

  • Die Montagsdemos waren ausschlaggebend für den Sturz des erpresserischen Unrechtssystems der DDR !

    Die erpresserische Beamtendiktatur in der BRD kann mit demokratischen Mitteln ebenfalls nur durch beharrliche und friedliche Nutzung unseres Demonstrations- Rechts beseitigt werden.

    Diese an Ineffizienz, Verantwortungslosigkeit, Besoldungsaufwand und Leistungsfeindlichkeit kaum zu übertreffende Beamtenstruktur muß durch den Souverän - das Volk - nunmehr abgeschafft und durch kostengünstige private Dienstleister ersetzt werden - bis auf die wenigen 'Hoheitlichen Funktionen'.

  • Da sieht man es doch wieder einmal, in welchem Zusammenhang Politik gemacht wird. Millionen von Interessierten (Versicherten) denen trügerische Sicherheit vorgegaukelt wird und im Gegenzug die Versicherungsgesellschaften die mit dem Geld ihrer Kunden dann die Ansprüche eben dieser abwehren. Warum solch ein Geplänkel um trügerische Statistiken? Warum schafft der Gesetzgeber keine Fakten, an die sich die VG zu halten haben? Wenn es keine Auffälligkeiten gibt, was spricht gegen gesetzliche Regelungen?
    Diese Diskussion fand auch lange Zeit in den USA statt, seitdem des dort entsprechende Regelungen gibt sind die positiven Wirkungen für die Versichertengemeinschaft deutlich zu sprüen. Was unterscheidet denn ein auf Gewinn orgentieretes Unternehmen (was ja nicht verwerflich ist)in Deutschland von denen in den USA? Hier kann man wohl eher alles weg diskutieren, wobei anderswo eher Fakten geschaffen werden.

  • Ein Aspekt findet leider keinerlei Beachtung. Nach meiner Erfahrung in zwei Verfahren (aktuell bis zum OLG) sind es auch die von den Anwälte beauftragten Anwälte die die Verfahren bis zum letzten ausreizen.
    Hintergrund: Nach einem verlorenen Verfahren können die Anwälte der Versicherungen zumindest darstellen, dass sie bis zum letzten gekämpft haben. Damit lässt sich nachweisen, dass in dem Verfahren tatsächlich nichts mehr drin war. Solange eine Anwalt seinem Auftraggeber (der Versicherung) signalisiert, dass es noch eine Chance geben könnte, wir die Versicherung die gerichtliche Auseinandersetzung weiterführen.
    Der beauftragte Anwalt sichert sich so seinen nächsten Auftrag, denn in der Wahrnehmung der Versicherung ist er ein engagierter Vertreter seines Standes.
    Signalisiert dagegen ein Anwalt zum gegebenen Zeitpunkt, dass der Auftraggeber/die Versicherung verliert, wird er von der Versicherung als nicht hartnäckig genug wahrgenommen. Der Folgeauftrag ist weg.

  • Unsere Beamten und Politiker erfüllen hoheitliche Aufgaben zu unserem Wohl. Dabei gehen manche Risiken ein, die Ihr Leben kosten können. Unter diesem Aspekt müssen auch die Freiheit und die Rechte des Einzelnen beschnitten oder ausgeklammert werden können. Der Bürger muss auch einmal fähig sein über den Tellerrand zu sehen und nicht nur in seiner kleinen einfältigen Welt dahinkrautern!

  • Indizien zur Beurteilung einer Ursache der niedrigen Klagequote könnte ein einfacher Vergleich liefern: Anzahl der Berufsunfähigkeitsversicherungen und Anzahl der privaten Rechtsschutzversicherungen.
    Schaut man sich dann einmal an wie viele Rechtsschutzversicherungen mit dem gleichen Verfahren der Ablehnung der Deckungszusagen einen Klageweg verhindern, kommt man auf einen Anteil an Versicherten, die überhaupt eine Chance hätten den Klageweg zu bestreiten.
    Wir sind mit einer Unfall- und einer BU-Versicherung nun schon vor dem OLG. Nach x Jahren ist der erste Gutachter der ersten Instanz zu Gunsten des UO "umgekippt". Inzwischen bestätigen 3 Gutachter die Darstellung des Unfallopfers. Alles ist an sich eindeutig. Trotzdem macht die eine Versicherung weiter (die andere wollte nach dem OLG-Termin einen Vergleich). Weil beide Versicherungen zum gleichen Konzern gehören wollen nun beide Versicherungen den juristischen Weg weiter gehen. Dass sie verlieren ist absehbar. Aber die Klagen laufen weiter.

  • Wir haben in DE Gesetzte an die sich alle zu halten haben, nicht nur der Normalbuerger.

  • Was haben denn die Montagsdemos gebracht? Das sie heute immer noch die gleichen Löhne wie zu DDR-Zeiten erhalten? Das zwar alles im Angebot aber kein Geld im Portemonnaie ist? Das sie nun, mehr als 2 Jahrzehnte danach, einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz haben während es in der DDR sogar die dazu passenden Kitas und Pfleger gab? Das sie nun von jemanden regiert werden der zumindest offiziell nicht in Stasi war und alles, was das belegen könnte (oder eben auch das Gegenteil), zurück hält?

  • Immer dieses Bashing an der Politik. Wem es hier nicht passt, der kann Deutschland doch verlassen und die Freiheit in Russland genießen.

  • Ein Irrglaube zu denken, dass eine Ministerin der FDP hier etwas zu Gunsten von Bürgern unternimmt.
    Das hieße ja gegen die eigentlichen Regierenden, Banken & Versicherungen, vorzugehen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote